Umbau Viktoriastraße: Lieber auf Gehweg oder Abbiegespur verzichten? Das sind die Varianten Monika Jäger Minden. Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, weniger Stau und bessere Anfahrtsmöglichkeiten für alle, die zum Bahnhof wollen: Diese Voraussetzungen sollen mit dem Umbau der Viktoriastraße erfüllt werden. Die Mitglieder des Klimaschutz- und Straßenbauausschusses sollen sich nun für eine von zwei Varianten entscheiden. Warum ein Umbau auch gut für Bahn-Nutzer wäre Was ist überhaupt an einer Stelle möglich, wo die Bahnüberführungen keine breiteren Straßen und Wege als bisher zulassen? 15,70 Meter ist die Fläche, die genutzt werden kann. Damit hat sich im Auftrag der Stadt Minden das Ingenieurbüro Bramey-Bünermann befasst. Ergebnis: Es gibt nur eine richtig gute Lösung („Variante 7"), wenn Radfahrer und Fußgänger tatsächlich gestärkt werden sollen. Dann fällt aber die Linksabbiegespur zum Bahnhofsvorplatz für alle weg, die aus Richtung Wesertor kommen. Autofahrer müssten dann bis zum neuen Kreisel an der Bahnstraße weiterfahren, hier einmal herum und dann zurück. Aus der Richtung stadtauswärts kommend würden sie dann rechts auf den Vorplatz abbiegen können. Erwünschter Nebeneffekt: der hintere Bereich des Bahnhofs könnte damit zum Hinbringen und Abholen („Kiss and Ride") deutlich attraktiver werden; gleichzeitig würde der Bahnhofsvorplatz von Verkehr entlastet. Wenn man sowieso schon im Kreisel an der Bahnstraße ist und an der Ostseite auch gute Haltemöglichkeiten für Autos findet, könnte sich die oft angespannte Situation am Bahnhofsvorplatz schnell verändern, so eine der Erwartungen zu diesem Modell. Was mit der Bahn zu klären ist Zurzeit allerdings kann die Stadt für diesen Bereich im Osten nicht weiter planen: Die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft wollte zwar eigentlich Flächen an die Stadt verkaufen; zurzeit wird das aber noch mal überprüft. Denn die Bahn hat sich bundesweit vorgenommen, für das Programm „Starke Schiene" ihre Infrastruktur zu stärken und an Qualität und Kundenservice zu arbeiten. Darum klärt sie, ob sie wirklich auf die Flächen in Minden verzichten kann. Mindens Bau-Beigeordneter Lars Bursian machte jetzt im Klimaausschuss auch deutlich, dass noch so manches anderes mit der Bahn angesprochen worden ist. Unter anderem kann die Stadt zwar die Fahrbahn verändern, auf die Wände innerhalb der Unterführung hat sie aber keinen Zugriff – die gehören der Bahn. „Wann und wie diese saniert werden sollen, dazu haben wir keine Aussagen." Beim letzten Gespräch mit der Bahn habe die Stadt aber darauf hingewiesen, dass sie sich hier Verbesserungen wünscht. Mit der Bahn ist ferner das Thema der Entwässerung zu klären. Denn hier wären ebenfalls Grundstücke der Bahn betroffen. Dass diese Gespräche nicht immer einfach sind, deutete Bursian ebenfalls an: „Wir haben deren Bauwerk noch mal erläutert und erklärt, was wir denken, was denen gehört." In der Vergangenheit gab es beispielsweise Unklarheit darüber, wer für Beschilderung und Beleuchtung in Unterführungen zuständig ist. Warum geht es um fünf verschiedene Kreuzungen? Die Verkehrssituation könne nur richtig erfasst werden, wenn der gesamte Bereich von Bahnhofsvorplatz bist zur Ecke Dankerser Straße/Bachstraße hinzugezogen wird, so Dipolom-Ingenieur Volker Bünermann bei der Präsentation im Ausschuss. Denn erst im Fluss entfalten die verschiedenen Varianten ihre Wirksamkeit. Für einige der Versionen haben die Verkehrsplaner darum nun genaue Simulationen errechnet, die auf Verkehrszählungen von 2019 basieren. Auch der Bus-Fahrplan wurde eingearbeitet. Nach diesen kann es in den verkehrsstärksten Stunden – nachmittags gegen 17 Uhr – auch zu kurzen Staus aus Richtung Hafenstraße kommen; mit einem Kreisverkehr an der Bahnstraße würden sich diese aber beispielsweise schneller auflösen als mit einer Ampel. Das sei kein Hindernis, betonte der Bau-Beigeordnete. Vor zehn Jahren hätte man Kreuzungen immer mit dem Gedanken an Zuwachs geplant – „dann kam am Ende so etwas wie das Wesertor dabei heraus", so Bursian. „Wir versuchen inzwischen, ausreichend zu bauen. Ich finde es hinnehmbar, wenn ich um 17 Uhr in Minden unterwegs bin, an bestimmten Stellen ein bisschen warten zu müssen." Die neue Verkehrsführung soll auch die Situation an der Tankstelle gegenüber der Einmündung Bachstraße auflösen. Um den Verkehr an der Ecke Bachstraße/Dankerser Straße aufzufangen, wird hier ein kleiner Kreisel empfohlen. Vor allem die vielen Radfahrer – oft sind es Schülerinnen und Schüler – sollen so künftig besser in die Stadt kommen. Wie soll es unter den Unterführungen aussehen? Eine der wichtigen Entscheidung ist, wie die Fahrspuren unter den Unterführungen gestaltet sein sollen. Dazu gibt es eine Variante (6) mit nur einem Fußweg, dafür Linksabbiegespuren aus beiden Richtungen. Die daraus resultierende Fahrstreifenbreite von 3 Metern (Linksabbiegespur: 2,75 Meter) wäre gerade noch so vertretbar. Das würde bedeuten, dass an der Ecke Bahnstraße/Viktoriastraße eine Ampel bliebe. Im Ausschuss merkten Politikerinnen an, dass nur ein einziger Fußweg auch weniger Sicherheit für Fußgänger bedeuten würde – zu erwarten wäre, dass diese dann an verschiedenen Stellen die Straße kreuzen werden oder auch auf dem Fahrradweg im Süden entlang laufen. Bettina Lauer (SPD): „Das ist ein No-Go!" Die andere Variante (7) mit einem Kreisel an der Bahnstraße und nur einer Linksabbiegespur aus der Richtung stadtauswärts würde einen Fahrrad- und einen Fußweg auf beiden Seiten sowie Fahrbahnen von 3,25 Metern Breite bedeuten. Ein Kreisel wäre allerdings weniger übersichtlich für ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu nutzen, merkte Eckhard Rüter vom Beirat für Menschen mit Behinderungen an. Er regte an, eine Fußgängerfurt ein Stück vom Kreisel Bahnstraße versetzt anzulegen. Bis zur Sommerpause soll die Politik jetzt über eine Variante entscheiden. Dann kann die Vorentwurfsplanung beginnen.

Umbau Viktoriastraße: Lieber auf Gehweg oder Abbiegespur verzichten? Das sind die Varianten

Die Unterführung an der Viktoriastraße ist nicht verkehrssicher genug, schlecht beschildert, der Belag ist schadhaft. Radfahrer haben das Nachsehen. Foto: Lehn © Alex Lehn

Minden. Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, weniger Stau und bessere Anfahrtsmöglichkeiten für alle, die zum Bahnhof wollen: Diese Voraussetzungen sollen mit dem Umbau der Viktoriastraße erfüllt werden. Die Mitglieder des Klimaschutz- und Straßenbauausschusses sollen sich nun für eine von zwei Varianten entscheiden.

Warum ein Umbau auch gut für Bahn-Nutzer wäre

Was ist überhaupt an einer Stelle möglich, wo die Bahnüberführungen keine breiteren Straßen und Wege als bisher zulassen? 15,70 Meter ist die Fläche, die genutzt werden kann. Damit hat sich im Auftrag der Stadt Minden das Ingenieurbüro Bramey-Bünermann befasst.


Variante 7 sieht nur eine Linksabbiegespur vor, dafür gibt es zwei Fußgängerwege und breitere Fahrbahnen. Grafiken: Bramey-Bünermann-Ingenieure - © x
Variante 7 sieht nur eine Linksabbiegespur vor, dafür gibt es zwei Fußgängerwege und breitere Fahrbahnen. Grafiken: Bramey-Bünermann-Ingenieure - © x

Ergebnis: Es gibt nur eine richtig gute Lösung („Variante 7"), wenn Radfahrer und Fußgänger tatsächlich gestärkt werden sollen. Dann fällt aber die Linksabbiegespur zum Bahnhofsvorplatz für alle weg, die aus Richtung Wesertor kommen. Autofahrer müssten dann bis zum neuen Kreisel an der Bahnstraße weiterfahren, hier einmal herum und dann zurück. Aus der Richtung stadtauswärts kommend würden sie dann rechts auf den Vorplatz abbiegen können.

Erwünschter Nebeneffekt: der hintere Bereich des Bahnhofs könnte damit zum Hinbringen und Abholen („Kiss and Ride") deutlich attraktiver werden; gleichzeitig würde der Bahnhofsvorplatz von Verkehr entlastet. Wenn man sowieso schon im Kreisel an der Bahnstraße ist und an der Ostseite auch gute Haltemöglichkeiten für Autos findet, könnte sich die oft angespannte Situation am Bahnhofsvorplatz schnell verändern, so eine der Erwartungen zu diesem Modell.

Was mit der Bahn zu klären ist

Zurzeit allerdings kann die Stadt für diesen Bereich im Osten nicht weiter planen: Die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft wollte zwar eigentlich Flächen an die Stadt verkaufen; zurzeit wird das aber noch mal überprüft. Denn die Bahn hat sich bundesweit vorgenommen, für das Programm „Starke Schiene" ihre Infrastruktur zu stärken und an Qualität und Kundenservice zu arbeiten. Darum klärt sie, ob sie wirklich auf die Flächen in Minden verzichten kann.

Mindens Bau-Beigeordneter Lars Bursian machte jetzt im Klimaausschuss auch deutlich, dass noch so manches anderes mit der Bahn angesprochen worden ist. Unter anderem kann die Stadt zwar die Fahrbahn verändern, auf die Wände innerhalb der Unterführung hat sie aber keinen Zugriff – die gehören der Bahn. „Wann und wie diese saniert werden sollen, dazu haben wir keine Aussagen." Beim letzten Gespräch mit der Bahn habe die Stadt aber darauf hingewiesen, dass sie sich hier Verbesserungen wünscht. Mit der Bahn ist ferner das Thema der Entwässerung zu klären. Denn hier wären ebenfalls Grundstücke der Bahn betroffen. Dass diese Gespräche nicht immer einfach sind, deutete Bursian ebenfalls an: „Wir haben deren Bauwerk noch mal erläutert und erklärt, was wir denken, was denen gehört." In der Vergangenheit gab es beispielsweise Unklarheit darüber, wer für Beschilderung und Beleuchtung in Unterführungen zuständig ist.

Warum geht es um fünf verschiedene Kreuzungen?

Die Verkehrssituation könne nur richtig erfasst werden, wenn der gesamte Bereich von Bahnhofsvorplatz bist zur Ecke Dankerser Straße/Bachstraße hinzugezogen wird, so Dipolom-Ingenieur Volker Bünermann bei der Präsentation im Ausschuss. Denn erst im Fluss entfalten die verschiedenen Varianten ihre Wirksamkeit. Für einige der Versionen haben die Verkehrsplaner darum nun genaue Simulationen errechnet, die auf Verkehrszählungen von 2019 basieren. Auch der Bus-Fahrplan wurde eingearbeitet.

Sieben verschiedene Varianten überprüften die Verkehrsplaner. Dabei ging es um Ampeln, große und kleine Kreisel, Vorfahrt-Straßen und mehr. Denn hier muss das ganze System gemeinsam betrachtet werden. Realistisch erwiesen sich am Ende die Lösungen 6 und 7. - © x
Sieben verschiedene Varianten überprüften die Verkehrsplaner. Dabei ging es um Ampeln, große und kleine Kreisel, Vorfahrt-Straßen und mehr. Denn hier muss das ganze System gemeinsam betrachtet werden. Realistisch erwiesen sich am Ende die Lösungen 6 und 7. - © x

Nach diesen kann es in den verkehrsstärksten Stunden – nachmittags gegen 17 Uhr – auch zu kurzen Staus aus Richtung Hafenstraße kommen; mit einem Kreisverkehr an der Bahnstraße würden sich diese aber beispielsweise schneller auflösen als mit einer Ampel.

Das sei kein Hindernis, betonte der Bau-Beigeordnete. Vor zehn Jahren hätte man Kreuzungen immer mit dem Gedanken an Zuwachs geplant – „dann kam am Ende so etwas wie das Wesertor dabei heraus", so Bursian. „Wir versuchen inzwischen, ausreichend zu bauen. Ich finde es hinnehmbar, wenn ich um 17 Uhr in Minden unterwegs bin, an bestimmten Stellen ein bisschen warten zu müssen."

Die neue Verkehrsführung soll auch die Situation an der Tankstelle gegenüber der Einmündung Bachstraße auflösen. Um den Verkehr an der Ecke Bachstraße/Dankerser Straße aufzufangen, wird hier ein kleiner Kreisel empfohlen. Vor allem die vielen Radfahrer – oft sind es Schülerinnen und Schüler – sollen so künftig besser in die Stadt kommen.

Wie soll es unter den Unterführungen aussehen?

Bei Variante sechs gibt es zwei Linksabbiegespuren am Bahnhofsvorplatz, aber nur einen Fußgängerweg und schmale Fahrbahnen. - © x
Bei Variante sechs gibt es zwei Linksabbiegespuren am Bahnhofsvorplatz, aber nur einen Fußgängerweg und schmale Fahrbahnen. - © x

Eine der wichtigen Entscheidung ist, wie die Fahrspuren unter den Unterführungen gestaltet sein sollen. Dazu gibt es eine Variante (6) mit nur einem Fußweg, dafür Linksabbiegespuren aus beiden Richtungen. Die daraus resultierende Fahrstreifenbreite von 3 Metern (Linksabbiegespur: 2,75 Meter) wäre gerade noch so vertretbar. Das würde bedeuten, dass an der Ecke Bahnstraße/Viktoriastraße eine Ampel bliebe.

Im Ausschuss merkten Politikerinnen an, dass nur ein einziger Fußweg auch weniger Sicherheit für Fußgänger bedeuten würde – zu erwarten wäre, dass diese dann an verschiedenen Stellen die Straße kreuzen werden oder auch auf dem Fahrradweg im Süden entlang laufen. Bettina Lauer (SPD): „Das ist ein No-Go!"

Die andere Variante (7) mit einem Kreisel an der Bahnstraße und nur einer Linksabbiegespur aus der Richtung stadtauswärts würde einen Fahrrad- und einen Fußweg auf beiden Seiten sowie Fahrbahnen von 3,25 Metern Breite bedeuten. Ein Kreisel wäre allerdings weniger übersichtlich für ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu nutzen, merkte Eckhard Rüter vom Beirat für Menschen mit Behinderungen an. Er regte an, eine Fußgängerfurt ein Stück vom Kreisel Bahnstraße versetzt anzulegen.

Bis zur Sommerpause soll die Politik jetzt über eine Variante entscheiden. Dann kann die Vorentwurfsplanung beginnen.

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