Tretminen und Vandalismus im Goethepark - Verhalten bringt Ehrenamtler auf die Palme Anja Peper Minden. Im Grunde ist es völlig egal, ob Athanasios Vlachos Anzug trägt oder – wie heute – Jeans, Käppi und einen schwarz-gelben BVB-Mundschutz. Die Leute erkennen ihn, den Ortsvorsteher von Königstor, meist schon von Weitem. Heute hat er zwei Gießkannen dabei, um im Goethepark ein paar Blumen mit Wasser zu versorgen. Es könnte ein schöner Tag sein. Aber Vlachos' ansonsten so sonniges Gemüt ist spürbar angekratzt. Ein paar Tage zuvor haben sich drei Jugendliche hier im Park betrunken. Dann hat einer von ihnen an der Goethestraße ein Verkehrsschild aus der Verankerung gerissen, es zum wenige Schritte entfernten Bücherhäuschen geschafft und mit Wucht das untere Glasfenster der ausrangierten Telefonzelle eingeschlagen. Ohne Sinn und Verstand. So zumindest schildert eine Frau, die regelmäßig hier mit ihren beiden Hunden Gassi geht, ihre Beobachtung. Sie wohnt in der Nähe und konnte in jener Nach nicht gut schlafen. Also machte sie sich früh auf den Weg, es war noch nicht mal fünf Uhr. Sie hatte auf der üblichen Runde nur das Nötigste dabei, Hundebeutel und Schlüssel. Kein Handy. Folglich gibt es auch keine Fotos von dem Vorfall, die Zeugin hat sich vernünftigerweise bedeckt gehalten. Ortsvorsteher Vlachos ist 76 Jahre alt, schon lange im Geschäft und kann seinen Ärger kontrollieren. Aber der Frust sitzt tief. Es ist nicht der erste Fall von Vandalismus in dem hübschen kleinen Park gegenüber der Kampa-Halle, dazwischen verläuft die Hahler Straße. Die ausrangierte Telefonzelle war erst im August 2019 zur Bücherstube umfunktioniert und eingeweiht worden. Ende 2013 hatte die Telekom begonnen, die alten Zellen zum Verkauf freizugeben, eine kostet mehrere hundert Euro. Mit dem Siegeszug der Handys waren sie überflüssig geworden. Für den lauschigen Goethepark macht sich das „Aktionsbündnis Aktiv für/in Königstor“ seit 2009 stark. „Lebendiger Stadtteil“ heißt das Langzeitprojekt. In den elf Jahren hat das Bündnis viel auf die Beine gestellt und auch einige Rückschläge einstecken müssen. Eine frühere Bücherkiste war mitsamt den Büchern angezündet und niedergebrannt worden. Das neu angeschaffte Telefonhäuschen sollte der stabilere Ersatz sein. Jetzt ist das untere Glasfenster kaputt und das Loch vorne notdürftig mit einer Platte geflickt. Und als die Scheibe wenige Tage später repariert ist, dauert es nicht lange, bis Unbekannte sie nachts wieder eingeschlagen haben – am vergangenen Wochenende war das, berichtet Vlachos am Montag am Telefon. Solche blinde Zerstörungswut macht die Ehrenamtlichen sprachlos. Der Vandalismus ist nicht der einzige Ärger, es gibt noch ein weiteres Dauerthema: die Hundehaufen. Zwei Kindertagesstätten sind in der Nähe des 2,7 Hektar großen Geländes: das Familienzentrum Habsburgerring und die Kita Tausendfüßler (Bismarckstraße). Gerne kommen die Erzieherinnen mit ihren Gruppen hierher. Raus an die frische Luft: Nach den monatelangen Corona-Beschränkungen ist der Drang der Kleinen, sich wieder in der Natur bewegen zu können, riesengroß. Zwar gibt es keine Spielgeräte, aber die Kinder können herumlaufen, frei spielen, den Blumen beim Wachsen zusehen und einen Abstecher zum Insektenhotel machen. Es könnte so schön sein, aber die ekligen Tretminen verderben den unbeschwerten Spaß. „Oft müssen die Schuhe abgespült oder gewechselt werden, wenn die Kinder aus dem Park zurückkommen“, berichtet Ortsvorsteher Vlachos. Weil er als Anlieger oft im Park unterwegs ist, hat er kürzlich eine Spaziergängerin zur Rede gestellt, die die Hinterlassenschaften ihres Hundes einfach liegen ließ. Daraus entwickelte sich eine Diskussion übers „Steuern zahlen“, bei der Vlachos entgegen seines üblichen Naturells ziemlich ungehalten wurde. Viele Kommunen kämpfen seit Jahren gegen das Ärgernis Hundekot am Straßenrand, in Parks oder auf Kinderspielplätzen – bisher ohne nennenswerten Erfolg. Auch Vlachos ist ratlos und genervt. Eigentlich hätte im Juni ein Sommerfest im Goethepark gefeiert werden sollen. Weil das wegen Corona ausfällt, hofft Athanasios Vlachos nun auf ein kleines „Wald- und Wiesen-Konzert“ als Trostpflaster. Wenn alles klappt, könnten maximal 150 Besucher ihre Decken mitbringen und vom Rasen aus der Musik des Solo-Künstlers aus Münster lauschen. Das ausgefallene Sommerfest ist nur ein Beispiel für das Leben in den Stadtteilen, das sich mit Corona verändert hat. Auch die Aktion Saubere Landschaft, einmal pro Jahr im Kalender, musste ausfallen. Auch Ehrungen – runde Geburtstage, Goldene Hochzeiten etc.) waren gestrichen. Mittlerweile kehrt in den Alltag der Ortsvorsteher wieder mehr Normalität ein.

Tretminen und Vandalismus im Goethepark - Verhalten bringt Ehrenamtler auf die Palme

Die untere Scheibe der umfunktionierten Telefonzelle wurde eingeschlagen – sehr zum Ärger der Ehrenamtlichen wie Vlachos. © Anja Peper

Minden. Im Grunde ist es völlig egal, ob Athanasios Vlachos Anzug trägt oder – wie heute – Jeans, Käppi und einen schwarz-gelben BVB-Mundschutz. Die Leute erkennen ihn, den Ortsvorsteher von Königstor, meist schon von Weitem. Heute hat er zwei Gießkannen dabei, um im Goethepark ein paar Blumen mit Wasser zu versorgen. Es könnte ein schöner Tag sein. Aber Vlachos' ansonsten so sonniges Gemüt ist spürbar angekratzt. Ein paar Tage zuvor haben sich drei Jugendliche hier im Park betrunken. Dann hat einer von ihnen an der Goethestraße ein Verkehrsschild aus der Verankerung gerissen, es zum wenige Schritte entfernten Bücherhäuschen geschafft und mit Wucht das untere Glasfenster der ausrangierten Telefonzelle eingeschlagen. Ohne Sinn und Verstand.

So zumindest schildert eine Frau, die regelmäßig hier mit ihren beiden Hunden Gassi geht, ihre Beobachtung. Sie wohnt in der Nähe und konnte in jener Nach nicht gut schlafen. Also machte sie sich früh auf den Weg, es war noch nicht mal fünf Uhr. Sie hatte auf der üblichen Runde nur das Nötigste dabei, Hundebeutel und Schlüssel. Kein Handy. Folglich gibt es auch keine Fotos von dem Vorfall, die Zeugin hat sich vernünftigerweise bedeckt gehalten.

Ab nach draußen! Der gemütliche kleine Goethepark könnte eine ideale Adresse für Kinder aus der Umgebung sein. Doch nicht alle Hundebesitzer sammeln die Hinterlassenschaften ein. Zudem gab es über die Jahre immer wieder Fälle von Vandalismus. MT-Fotos: Anja Peper - © Anja Peper
Ab nach draußen! Der gemütliche kleine Goethepark könnte eine ideale Adresse für Kinder aus der Umgebung sein. Doch nicht alle Hundebesitzer sammeln die Hinterlassenschaften ein. Zudem gab es über die Jahre immer wieder Fälle von Vandalismus. MT-Fotos: Anja Peper - © Anja Peper

Ortsvorsteher Vlachos ist 76 Jahre alt, schon lange im Geschäft und kann seinen Ärger kontrollieren. Aber der Frust sitzt tief. Es ist nicht der erste Fall von Vandalismus in dem hübschen kleinen Park gegenüber der Kampa-Halle, dazwischen verläuft die Hahler Straße. Die ausrangierte Telefonzelle war erst im August 2019 zur Bücherstube umfunktioniert und eingeweiht worden. Ende 2013 hatte die Telekom begonnen, die alten Zellen zum Verkauf freizugeben, eine kostet mehrere hundert Euro. Mit dem Siegeszug der Handys waren sie überflüssig geworden.

Für den lauschigen Goethepark macht sich das „Aktionsbündnis Aktiv für/in Königstor“ seit 2009 stark. „Lebendiger Stadtteil“ heißt das Langzeitprojekt. In den elf Jahren hat das Bündnis viel auf die Beine gestellt und auch einige Rückschläge einstecken müssen. Eine frühere Bücherkiste war mitsamt den Büchern angezündet und niedergebrannt worden. Das neu angeschaffte Telefonhäuschen sollte der stabilere Ersatz sein. Jetzt ist das untere Glasfenster kaputt und das Loch vorne notdürftig mit einer Platte geflickt. Und als die Scheibe wenige Tage später repariert ist, dauert es nicht lange, bis Unbekannte sie nachts wieder eingeschlagen haben – am vergangenen Wochenende war das, berichtet Vlachos am Montag am Telefon. Solche blinde Zerstörungswut macht die Ehrenamtlichen sprachlos.

Der Vandalismus ist nicht der einzige Ärger, es gibt noch ein weiteres Dauerthema: die Hundehaufen. Zwei Kindertagesstätten sind in der Nähe des 2,7 Hektar großen Geländes: das Familienzentrum Habsburgerring und die Kita Tausendfüßler (Bismarckstraße). Gerne kommen die Erzieherinnen mit ihren Gruppen hierher. Raus an die frische Luft: Nach den monatelangen Corona-Beschränkungen ist der Drang der Kleinen, sich wieder in der Natur bewegen zu können, riesengroß. Zwar gibt es keine Spielgeräte, aber die Kinder können herumlaufen, frei spielen, den Blumen beim Wachsen zusehen und einen Abstecher zum Insektenhotel machen. Es könnte so schön sein, aber die ekligen Tretminen verderben den unbeschwerten Spaß. „Oft müssen die Schuhe abgespült oder gewechselt werden, wenn die Kinder aus dem Park zurückkommen“, berichtet Ortsvorsteher Vlachos. Weil er als Anlieger oft im Park unterwegs ist, hat er kürzlich eine Spaziergängerin zur Rede gestellt, die die Hinterlassenschaften ihres Hundes einfach liegen ließ. Daraus entwickelte sich eine Diskussion übers „Steuern zahlen“, bei der Vlachos entgegen seines üblichen Naturells ziemlich ungehalten wurde. Viele Kommunen kämpfen seit Jahren gegen das Ärgernis Hundekot am Straßenrand, in Parks oder auf Kinderspielplätzen – bisher ohne nennenswerten Erfolg. Auch Vlachos ist ratlos und genervt.

Eigentlich hätte im Juni ein Sommerfest im Goethepark gefeiert werden sollen. Weil das wegen Corona ausfällt, hofft Athanasios Vlachos nun auf ein kleines „Wald- und Wiesen-Konzert“ als Trostpflaster. Wenn alles klappt, könnten maximal 150 Besucher ihre Decken mitbringen und vom Rasen aus der Musik des Solo-Künstlers aus Münster lauschen.

Das ausgefallene Sommerfest ist nur ein Beispiel für das Leben in den Stadtteilen, das sich mit Corona verändert hat. Auch die Aktion Saubere Landschaft, einmal pro Jahr im Kalender, musste ausfallen. Auch Ehrungen – runde Geburtstage, Goldene Hochzeiten etc.) waren gestrichen. Mittlerweile kehrt in den Alltag der Ortsvorsteher wieder mehr Normalität ein.

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