Training mit Fitness-Apps birgt gesundheitliche Risiken Doris Christoph Minden/Bad Oeynhausen (mt/dpa). Fitness-Apps wie Freeletics oder Runtastic boomen: Bereits 57 Prozent der Hobbysportler benutzen ihr Smartphone beim Sport in Verbindung mit einer Fitness-App, wie eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte ergab. Per App erhalten Nutzer dabei Trainingsanweisungen, zudem werden Ergebnisse, wie die Anzahl und Dauer der Trainingseinheiten, gespeichert, manchmal können andere Nutzer an den Trainingserfolgen teilhaben.Die Beliebtheit der Apps beruht auch auf dem einfachen Zugang, wie Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln erklärt: „Gerade unerfahrene Menschen, die gerne mit Sport anfangen möchten, wünschen sich exakte Trainingsvorgaben. Fitness-Apps können genau dies bieten, ohne eine Anlaufstelle wie einen Verein, ein Fitnessstudio oder einen Trainer finden zu müssen.“ Das mache die Barrieren zur Nutzung einer Fitness-App sehr niedrig. Zudem seien sie vergleichsweise günstig.Ein Training unter Aufsicht fehlt allerdings. Darum sollten gerade Einsteiger vorsichtig sein. Nutzer sollten zumindest grundlegende Kenntnisse über Sport besitzen, rät Froböse. „Man sollte sich bestimmten Apps nicht einfach so „ausliefern“. Vor allem dann nicht, wenn nicht zu erkennen ist, dass eine Individualisierung der Übungen auf das entsprechende Leistungsniveau erfolgt“, sagt der Experte.Die Apps oder Armbänder, sogenannte Fitness-Tracker, können zwar unter Umständen Puls, Atemfrequenz und Bewegung aufzeichnen, sind aber teilweise ungenau. Und sie greifen halt auch bei Trainingsfehlern nicht ein. So kann es schnell zur Überforderung kommen. „Der Druck, der durch die Vorgaben der Apps entsteht, sollte nicht dazu führen, dass diese um jeden Preis ausgeübt werden“, so Froböse.Individuell ausgerichtete Trainingspläne helfen, dem zuvorzukommen. Aber: „Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen kann eine Fitness-App niemals ein adäquates Training anbieten. Dazu gehört immer eine direkte Auseinandersetzung mit einem Sporttherapeuten“, warnt Froböse.Dass das Schneller, Höher, Weiter der Fitness-Apps vielleicht sogar eine Sucht auslösen kann, ist nicht bewiesen. „Ob die Apps wirklich eine Sportsucht fördern, ist nicht geklärt. Aber sie können tatsächlich dazu führen, dass vor allem weniger geübte Sportler sich in zu große Belastungen stürzen“, sagt Froböse.An der Bad Oeynhausener „Klinik am Korso - Fachzentrum für gestörtes Essverhalten“ werden Patienten mit Sport-Bulimie oder -Anorexie behandelt, deren Essstörungen von exzessiven Sporteinheiten begleitet werden. Manche nutzen dafür Fitness-Apps. „Das gibt es immer mal wieder. Aus Erfahrung ist das aber nicht der Einstieg in eine Sportsucht und auch nicht die Regel“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Thomas Huber.Bei einer Sportsucht werden die Ziele immer höhergesteckt, aber der Körper kommt nicht mit. „Dann wird es gefährlich“, sagt Huber. „Wer Sport maßvoll betreiben will, muss auf Erschöpfungszeichen hören und Erholungszeiten einplanen.“Sportsüchtige übergehen diese Anzeichen. Zudem treten auch bei ihnen Entzugserscheinungen auf: „Sie fühlen sich schlecht und werden depressiv. Wenn sie keinen Sport machen können, machen sie sich Vorwürfe. Das kann sehr quälend werden“, weiß der Experte.Ein maßvoller Umgang ist also angeraten. Dann bringen die Fitness-Apps durchaus Vorteile. „Sie steigern bei vielen Nutzern die Motivation und können ein abwechslungsreiches Training unterstützen, indem sie immer wieder neue Übungen vorgeben“, meint Ingo Froböse. Gut genutzt werden könnten sie zum Beispiel, um Laufzeiten und Distanzen bequem zu messen und abzuspeichern.Aber in der Datensammlung liegt auch ein Knackpunkt. Gesundheitsdaten sind für viele interessant - von Versicherungen bis hin zu potenziellen Arbeitgebern. „Wenn Daten in die falschen Hände geraten, kann das gravierende Folgen für den Nutzer haben“, warnt Urs-Vito Albrecht vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover auf dpa-Nachfrage. Deshalb sollte man vor der Installation prüfen: Weiß man eigentlich, was die App mit den Daten macht? Sind die Mitteilungen des Herstellers plausibel? Garantien gibt es nicht.Deshalb kommt es auch darauf an, eine seriöse App zu nutzen. Ob dies der Fall ist, erkennt man unter anderem daran, ob der Anbieter transparent macht, was die Anwendung kann - und was nicht. „Fehlen Angaben zur Datenaufzeichnung, Speicherung und Verwendung, ist die Vertrauenswürdigkeit fraglich“, so Albrecht.

Training mit Fitness-Apps birgt gesundheitliche Risiken

Fitness-Apps wie „Freeletics“ geben Übungen vor, für die man kein Fitnessstudio braucht. Das Training ohne Aufsicht kann den Nutzer überfordern. Unklar ist auch, was mit den aufgezeichneten Daten geschieht. © Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Minden/Bad Oeynhausen (mt/dpa). Fitness-Apps wie Freeletics oder Runtastic boomen: Bereits 57 Prozent der Hobbysportler benutzen ihr Smartphone beim Sport in Verbindung mit einer Fitness-App, wie eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte ergab. Per App erhalten Nutzer dabei Trainingsanweisungen, zudem werden Ergebnisse, wie die Anzahl und Dauer der Trainingseinheiten, gespeichert, manchmal können andere Nutzer an den Trainingserfolgen teilhaben.

Die Beliebtheit der Apps beruht auch auf dem einfachen Zugang, wie Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln erklärt: „Gerade unerfahrene Menschen, die gerne mit Sport anfangen möchten, wünschen sich exakte Trainingsvorgaben. Fitness-Apps können genau dies bieten, ohne eine Anlaufstelle wie einen Verein, ein Fitnessstudio oder einen Trainer finden zu müssen.“ Das mache die Barrieren zur Nutzung einer Fitness-App sehr niedrig. Zudem seien sie vergleichsweise günstig.

Ein Training unter Aufsicht fehlt allerdings. Darum sollten gerade Einsteiger vorsichtig sein. Nutzer sollten zumindest grundlegende Kenntnisse über Sport besitzen, rät Froböse. „Man sollte sich bestimmten Apps nicht einfach so „ausliefern“. Vor allem dann nicht, wenn nicht zu erkennen ist, dass eine Individualisierung der Übungen auf das entsprechende Leistungsniveau erfolgt“, sagt der Experte.

Die Apps oder Armbänder, sogenannte Fitness-Tracker, können zwar unter Umständen Puls, Atemfrequenz und Bewegung aufzeichnen, sind aber teilweise ungenau. Und sie greifen halt auch bei Trainingsfehlern nicht ein. So kann es schnell zur Überforderung kommen. „Der Druck, der durch die Vorgaben der Apps entsteht, sollte nicht dazu führen, dass diese um jeden Preis ausgeübt werden“, so Froböse.

Individuell ausgerichtete Trainingspläne helfen, dem zuvorzukommen. Aber: „Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen kann eine Fitness-App niemals ein adäquates Training anbieten. Dazu gehört immer eine direkte Auseinandersetzung mit einem Sporttherapeuten“, warnt Froböse.

Dass das Schneller, Höher, Weiter der Fitness-Apps vielleicht sogar eine Sucht auslösen kann, ist nicht bewiesen. „Ob die Apps wirklich eine Sportsucht fördern, ist nicht geklärt. Aber sie können tatsächlich dazu führen, dass vor allem weniger geübte Sportler sich in zu große Belastungen stürzen“, sagt Froböse.

An der Bad Oeynhausener „Klinik am Korso - Fachzentrum für gestörtes Essverhalten“ werden Patienten mit Sport-Bulimie oder -Anorexie behandelt, deren Essstörungen von exzessiven Sporteinheiten begleitet werden. Manche nutzen dafür Fitness-Apps. „Das gibt es immer mal wieder. Aus Erfahrung ist das aber nicht der Einstieg in eine Sportsucht und auch nicht die Regel“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Thomas Huber.

Bei einer Sportsucht werden die Ziele immer höhergesteckt, aber der Körper kommt nicht mit. „Dann wird es gefährlich“, sagt Huber. „Wer Sport maßvoll betreiben will, muss auf Erschöpfungszeichen hören und Erholungszeiten einplanen.“

Sportsüchtige übergehen diese Anzeichen. Zudem treten auch bei ihnen Entzugserscheinungen auf: „Sie fühlen sich schlecht und werden depressiv. Wenn sie keinen Sport machen können, machen sie sich Vorwürfe. Das kann sehr quälend werden“, weiß der Experte.

Ein maßvoller Umgang ist also angeraten. Dann bringen die Fitness-Apps durchaus Vorteile. „Sie steigern bei vielen Nutzern die Motivation und können ein abwechslungsreiches Training unterstützen, indem sie immer wieder neue Übungen vorgeben“, meint Ingo Froböse. Gut genutzt werden könnten sie zum Beispiel, um Laufzeiten und Distanzen bequem zu messen und abzuspeichern.

Aber in der Datensammlung liegt auch ein Knackpunkt. Gesundheitsdaten sind für viele interessant - von Versicherungen bis hin zu potenziellen Arbeitgebern. „Wenn Daten in die falschen Hände geraten, kann das gravierende Folgen für den Nutzer haben“, warnt Urs-Vito Albrecht vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover auf dpa-Nachfrage. Deshalb sollte man vor der Installation prüfen: Weiß man eigentlich, was die App mit den Daten macht? Sind die Mitteilungen des Herstellers plausibel? Garantien gibt es nicht.

Deshalb kommt es auch darauf an, eine seriöse App zu nutzen. Ob dies der Fall ist, erkennt man unter anderem daran, ob der Anbieter transparent macht, was die Anwendung kann - und was nicht. „Fehlen Angaben zur Datenaufzeichnung, Speicherung und Verwendung, ist die Vertrauenswürdigkeit fraglich“, so Albrecht.

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