Traditionsmarke vor Wiedergeburt - Weser-Pils nach 30 Jahren erneut gebraut Von Stefan Koch Jürgen Gronert, Geschäftsführer von Bus- & Erlebnisreisen, und der Braumeister Daniel Sander hatten zur richtigen Zeit die richtige Idee: Als vor zwei Jahren der Patenschutz der Marke "Weser-Pils" ablief sicherten sie sich beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte. Ihr Ziel ist es, der Stadt das Bier mit dem traditionsreichen Namen wiederzugeben. Einen ähnlichen Versuch hatte in der Vergangenheit der Mindener Geschäftsmann Klaus-Uwe Kattkus unternommen."Es wird aber keine Kopie des alten Weser-Pilses sein, sondern ein vollkommen neues Bier", verspricht Braumeister Sander. Das Originalrezept sei nämlich nicht mehr vorhanden. Deshalb habe er in den vergangenen Wochen mehrere verschiedene Geschmacksrichtungen gebraut und von ehemaligen Mitarbeitern der Feldschlösschen-Brauerei verkosten lassen. Diese einigten sich dann auf eine Variante, die in Zukunft das Weser-Pils sein soll. "Es ist eine süffige Pils-Variante", so der Experte.Noch aber wird das Weser-Pils nicht in seiner Mindener Heimat hergestellt. Sander hatte eine Bauerei in Bensheim ausfindig gemacht, die Aufträge für kleinere Mengen annimmt. So wurden bislang nur zehn Hektoliter geordert. Der Anstich auf der Messe am kommenden Samstag, ab 11.30 Uhr, am Bierpohlweg 125, erfolgt deshalb an einem schlichten 50-Liter-Holzfass. Kein Geringerer als Rolf Eger wird diesen Akt mit Hammer und Zapfhahn vornehmen. Er war Direktor der Aktien-Brauerei Feldschlösschen.Sammelstücke von LokalpatriotenDoch schon vor diesem Termin hat Jürgen Gronert eine große Resonanz auf die Bieridee festgestellt. Vielfach liegen noch in Mindener Kellern und Dachböden Objekte zu der alten Biermarke mit dem Stadtwappen. "Viele schöne Utensilien wie Haustrunkflaschen, Reklameschilder, Biergläser, Aschenbecher und Uniformen sind erhalten geblieben", berichtet Gronert. Lokalpatrioten hätten ihm etliche Sammelstücke gestiftet, darunter befinde sich auch eine Fasspyramide mit der Aufschrift "Feldschlösschen". Auch diese Stücke können dann am Samstag und Sonntag während der Hausmesse in der Zeit von 11 bis 18 Uhr bestaunt werden.Ob Minden nach der Einführung des neuen Weser-Pilses wieder eine Stadt mit eigener Brauerei wird, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. "Wir schauen erst einmal, ob das Bier gut ankommt und lassen es im Lohnbrauverfahren brauen", erklärt Sander. Auf jeden Fall gebe es aber gute Perspektiven. "Minden hat ein gutes Brauwasser." Es sei zwar ein wenig hart, aber das Problem lasse sich lösen.FaktenDie Aktien-Brauerei Feldschlösschen aus Minden war ein Unternehmen, das obergärige Biere, Pils und Exportbiere produzierte. Bekannteste Marke war das Weser-Pils. Die Brauerei war langjähriger Lieferant des Mindener Freischießens.In den 50er-Jahren erwarb die Schultheiss-Brauerei Berlin die Aktien-Brauerei Feldschlösschen. Zu diesem Zeitpunkt wurden jährlich zwischen 45 000 und 50 000 Hektoliter produziert. Bis zur Einstellung des Braubetriebes im Jahr 1978 konnte der Ausstoß auf mehr als 100 000 Hektoliter gesteigert werden. Danach ging das Unternehmen endgültig in der Dortmunder Union-Schultheiss-Brauerei AG auf – heute Brau und Brunnen AG, die wiederum seit 2004 Teil der Radeberger Gruppe im Oetker-Konzern ist.Anfang der 80er-Jahre wurde das ehemalige Betriebsgelände an der Marienstraße veräußert. Heute befinden sich dort ein Einkaufszentrum und die Außenstellen des Landesbetriebs Straßen-NRW. (mt)

Traditionsmarke vor Wiedergeburt - Weser-Pils nach 30 Jahren erneut gebraut

Minden (mt). Ein Stück Mindener Tradition ist dem Vergessen entrissen. Wenn am Samstag zur Hausmesse "Reiselust" von Jürgen Gronert am Bierpohlweg der Zapfhahn ins Holzfass fährt, ist das Weser-Pils wiedergeboren. Mit dabei: Ex-Brauereidirektor Rolf Eger. Vor 30 Jahren hatte er das Bier selbst hergestellt.

Jürgen Gronert (l.) und Daniel Sander haben viel vor. Sie wollen die alte Marke "Weser-Pils" zu neuem Leben erwecken. - © MT-Foto: Stefan Koch
Jürgen Gronert (l.) und Daniel Sander haben viel vor. Sie wollen die alte Marke "Weser-Pils" zu neuem Leben erwecken. - © MT-Foto: Stefan Koch

Jürgen Gronert, Geschäftsführer von Bus- & Erlebnisreisen, und der Braumeister Daniel Sander hatten zur richtigen Zeit die richtige Idee: Als vor zwei Jahren der Patenschutz der Marke "Weser-Pils" ablief sicherten sie sich beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte. Ihr Ziel ist es, der Stadt das Bier mit dem traditionsreichen Namen wiederzugeben. Einen ähnlichen Versuch hatte in der Vergangenheit der Mindener Geschäftsmann Klaus-Uwe Kattkus unternommen.

"Es wird aber keine Kopie des alten Weser-Pilses sein, sondern ein vollkommen neues Bier", verspricht Braumeister Sander. Das Originalrezept sei nämlich nicht mehr vorhanden. Deshalb habe er in den vergangenen Wochen mehrere verschiedene Geschmacksrichtungen gebraut und von ehemaligen Mitarbeitern der Feldschlösschen-Brauerei verkosten lassen. Diese einigten sich dann auf eine Variante, die in Zukunft das Weser-Pils sein soll. "Es ist eine süffige Pils-Variante", so der Experte.

Noch aber wird das Weser-Pils nicht in seiner Mindener Heimat hergestellt. Sander hatte eine Bauerei in Bensheim ausfindig gemacht, die Aufträge für kleinere Mengen annimmt. So wurden bislang nur zehn Hektoliter geordert. Der Anstich auf der Messe am kommenden Samstag, ab 11.30 Uhr, am Bierpohlweg 125, erfolgt deshalb an einem schlichten 50-Liter-Holzfass. Kein Geringerer als Rolf Eger wird diesen Akt mit Hammer und Zapfhahn vornehmen. Er war Direktor der Aktien-Brauerei Feldschlösschen.

Sammelstücke von Lokalpatrioten

Doch schon vor diesem Termin hat Jürgen Gronert eine große Resonanz auf die Bieridee festgestellt. Vielfach liegen noch in Mindener Kellern und Dachböden Objekte zu der alten Biermarke mit dem Stadtwappen. "Viele schöne Utensilien wie Haustrunkflaschen, Reklameschilder, Biergläser, Aschenbecher und Uniformen sind erhalten geblieben", berichtet Gronert. Lokalpatrioten hätten ihm etliche Sammelstücke gestiftet, darunter befinde sich auch eine Fasspyramide mit der Aufschrift "Feldschlösschen". Auch diese Stücke können dann am Samstag und Sonntag während der Hausmesse in der Zeit von 11 bis 18 Uhr bestaunt werden.

Ob Minden nach der Einführung des neuen Weser-Pilses wieder eine Stadt mit eigener Brauerei wird, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. "Wir schauen erst einmal, ob das Bier gut ankommt und lassen es im Lohnbrauverfahren brauen", erklärt Sander. Auf jeden Fall gebe es aber gute Perspektiven. "Minden hat ein gutes Brauwasser." Es sei zwar ein wenig hart, aber das Problem lasse sich lösen.

Fakten

Die Aktien-Brauerei Feldschlösschen aus Minden war ein Unternehmen, das obergärige Biere, Pils und Exportbiere produzierte. Bekannteste Marke war das Weser-Pils. Die Brauerei war langjähriger Lieferant des Mindener Freischießens.

In den 50er-Jahren erwarb die Schultheiss-Brauerei Berlin die Aktien-Brauerei Feldschlösschen. Zu diesem Zeitpunkt wurden jährlich zwischen 45 000 und 50 000 Hektoliter produziert. Bis zur Einstellung des Braubetriebes im Jahr 1978 konnte der Ausstoß auf mehr als 100 000 Hektoliter gesteigert werden. Danach ging das Unternehmen endgültig in der Dortmunder Union-Schultheiss-Brauerei AG auf – heute Brau und Brunnen AG, die wiederum seit 2004 Teil der Radeberger Gruppe im Oetker-Konzern ist.

Anfang der 80er-Jahre wurde das ehemalige Betriebsgelände an der Marienstraße veräußert. Heute befinden sich dort ein Einkaufszentrum und die Außenstellen des Landesbetriebs Straßen-NRW. (mt)

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