Tote und schlimme Zustände in Mindener Obdachlosenunterkünften - stimmt das? Vasco Stemmer Minden. Ein junger Mann wird Ende September tot in einer Mindener Obdachlosenunterkunft aufgefunden. Gestorben ist er an einer Überdosis – mit nur 27 Jahren. Offiziell war der Mann kein Bewohner der Unterkunft, er hatte früher aber eine längere Zeit dort gelebt. Dann musste er gehen. „Er hat es geschafft, sogar dort rauszufliegen“, erklärt der Betreuer des Verstorbenen, ein Rechtsanwalt aus Minden. Um den Mann aus der Unterkunft zu entfernen, sei damals sogar die Polizei hinzugeholt worden. An dem Tag, an dem er starb, kam er aus einer Entgiftung und war als Besucher in der Unterkunft. Bald sollte er eine Haftstrafe antreten: 13 Monate ohne Bewährung. Der Anwalt hat Verständnis für den Rauswurf seines Mandanten, denn sein Verhalten habe das Leben in der Einrichtung für alle anderen schwer gemacht. Die Zustände dort hält er trotzdem für bedenklich: „Ich glaube die meisten Menschen fühlen sich dort nicht wohl.“ Ein ehemaliger Bewohner der im Sommer 2019 in der Unterkunft gelebt hat, erzählt im MT-Gespräch von weiteren Todesfällen und schlimmen Lebensbedingungen: „Es gab dort zwei Drogentote in nur drei Monaten.“ Dem widerspricht die Stadt Minden entschieden. „In diesem Sommer sind zwei Bewohner in der Obdachlosenunterkunft eines natürlichen Todes gestorben. Dass es sich dabei um Drogentote handelt, kann nicht bestätigt werden. Hierfür liegen uns keine Anhaltspunkte vor“, erklärt die Pressesprecherin der Stadt Minden, Susann Lewerenz auf MT-Anfrage. Außerdem seien in den Obdachlosenunterkünften der Stadt in den vergangenen zwölf Monaten zwei weitere Tote aufgefunden worden. Hierbei handele es sich aber nicht um Bewohner der Unterkunft, sondern um Besucher. Bei diesen Todesfällen geht die Stadt von einem Zusammenhang mit Drogen aus. Im Zeitraum von 2014 bis 2019 sind insgesamt drei Bewohner der Obdachlosenunterkunft der Stadt Minden verstorben. „Dass es damit im Durchschnitt mehr Tote pro Jahr gab als in den Vorjahren, können wir so nicht erklären“, berichtet die Pressesprecherin. Im Allgemeinen sei der Gesundheitszustand der Bewohner nicht unbedingt gut, viele konsumierten regelmäßig Alkohol. Daher könne es auch zu Sterbefällen kommen. Im gesamten Kreisgebiet hat es laut Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei Minden-Lübbecke, seit 2018 insgesamt neun Drogentote gegeben. Fünf davon verstarben allein in diesem Jahr. „Die Wohnungen sehen aus wie Sau. Dort wird nur gesoffen und es liegen Spritzen rum“, beschreibt der ehemalige Bewohner die Unterkunft. Sicher gefühlt habe er sich dort nicht. „Bei den Unterkünften handelt es sich um keine Einrichtungen für dauerhaftes Wohnen, sondern um Notunterkünfte“, erklärt Susann Lewerenz. Die Wohnungen würden regelmäßig renoviert und in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt. Allerdings komme es vor, dass sie schon wenige Tage nach dem Bezug stark verschmutzt seien. Auch Möbel würden beschädigt und Wände beschmiert. „Selbst die grundlegenden Reinigungen der Küche, Toilette und Dusche werden häufig nicht von den Bewohnern durchgeführt“, erklärt Lewerenz. Der ehemalige Bewohner erzählt auch von Konflikten zwischen den Mitbewohnern. Menschen, die sich nicht kennen, müssen sich in der Unterkunft den Wohnraum teilen. Er sagt, er sei dort mehrfach beklaut worden. Der Stadt sei bekannt, dass es in der Vergangenheit vor Ort häufig zu Problemen zwischen den Bewohnern gekommen sei, so die Pressesprecherin. Aufgrund der Gesamtsituation seien inzwischen Maßnahmen zur Entspannung getroffen worden. So ist nun tagsüber ein Hausmeister vor Ort. Es würden zudem regelmäßig Kontrollen durch Mitarbeiter des Bereiches Soziales, zum Teil in Zusammenarbeit mit der Polizei, durchgeführt. Auch in den Abendstunden. „Durch diese Maßnahmen hat sich die Situation vor Ort in den letzten Monaten deutlich entspannt.“ Auch neue Fälle von Diebstahl seien nicht bekannt geworden. Anhaltspunkte für eine erhöhte Kriminalität in der Unterkunft liegen der Stadt Minden nicht vor. Das grundlegende Konfliktpotenzial bei wohnungslosen Menschen sieht sie Stadt Minden in der Chancenungleichheit am Wohnungs- und Arbeitsmarkt: „Menschen ohne Obdach finden nur sehr schwierig eine Wohnung.“ Obdachlosigkeit beginne in der Regel mit Arbeitslosigkeit. Danach folgen häufig weitere Probleme wie Ehekrisen, Suchtverhalten, Krankheiten, Schulden oder ein Rückzug aus Sozialbeziehungen sowie Resignation und Apathie. Auch der Mindener Anwalt bestätigt, dass es für Menschen ohne Wohnung extrem schwer ist, eine Wohnung und eine Arbeit zu finden – selbst wenn sie schon auf einem guten Weg seien. Das würde auch Vermieter auf den Plan rufen, die es mit dem Mietrecht nicht so genau nähmen und die die Lage der Betroffenen ausnutzten. „Leider sind wir manchmal auf solche Leute angewiesen“, erklärt der Anwalt. „Die Stadt Minden ist und fühlt sich auch verpflichtet, obdachlosen Personen eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen – unabhängig davon, aus welchen Gründen sie ihre Wohnung verloren haben“, erklärt Susann Lewerenz. Die Ursachen für die Obdachlosigkeit würden aber häufig zu weiteren Problemen führen, die sich auch bei den Bewohnern der Unterkünfte widerspiegelten. Es handele sich bei der Unterkunft zudem nicht um eine Einrichtung mit entsprechendem Personal. Den Obdachlosen würde nur eine Unterbringungsmöglichkeit bis zum Wiederbezug einer eigenen Wohnung geboten. Mitarbeiter der Stadt Minden stünden aber im regelmäßigen Kontakt zu karitativen Einrichtungen und Anbietern und versuchten zu vermitteln.

Tote und schlimme Zustände in Mindener Obdachlosenunterkünften - stimmt das?

Wer in einer Obdachlosenunterkunft gemeldet ist, hat es oft schwer, wieder eine eigene Wohnung zu bekommen. Symbolfoto: Pixabay

Minden. Ein junger Mann wird Ende September tot in einer Mindener Obdachlosenunterkunft aufgefunden. Gestorben ist er an einer Überdosis – mit nur 27 Jahren. Offiziell war der Mann kein Bewohner der Unterkunft, er hatte früher aber eine längere Zeit dort gelebt. Dann musste er gehen. „Er hat es geschafft, sogar dort rauszufliegen“, erklärt der Betreuer des Verstorbenen, ein Rechtsanwalt aus Minden.

Um den Mann aus der Unterkunft zu entfernen, sei damals sogar die Polizei hinzugeholt worden. An dem Tag, an dem er starb, kam er aus einer Entgiftung und war als Besucher in der Unterkunft. Bald sollte er eine Haftstrafe antreten: 13 Monate ohne Bewährung. Der Anwalt hat Verständnis für den Rauswurf seines Mandanten, denn sein Verhalten habe das Leben in der Einrichtung für alle anderen schwer gemacht. Die Zustände dort hält er trotzdem für bedenklich: „Ich glaube die meisten Menschen fühlen sich dort nicht wohl.“

Ein ehemaliger Bewohner der im Sommer 2019 in der Unterkunft gelebt hat, erzählt im MT-Gespräch von weiteren Todesfällen und schlimmen Lebensbedingungen: „Es gab dort zwei Drogentote in nur drei Monaten.“ Dem widerspricht die Stadt Minden entschieden. „In diesem Sommer sind zwei Bewohner in der Obdachlosenunterkunft eines natürlichen Todes gestorben. Dass es sich dabei um Drogentote handelt, kann nicht bestätigt werden. Hierfür liegen uns keine Anhaltspunkte vor“, erklärt die Pressesprecherin der Stadt Minden, Susann Lewerenz auf MT-Anfrage. Außerdem seien in den Obdachlosenunterkünften der Stadt in den vergangenen zwölf Monaten zwei weitere Tote aufgefunden worden. Hierbei handele es sich aber nicht um Bewohner der Unterkunft, sondern um Besucher. Bei diesen Todesfällen geht die Stadt von einem Zusammenhang mit Drogen aus.

Im Zeitraum von 2014 bis 2019 sind insgesamt drei Bewohner der Obdachlosenunterkunft der Stadt Minden verstorben. „Dass es damit im Durchschnitt mehr Tote pro Jahr gab als in den Vorjahren, können wir so nicht erklären“, berichtet die Pressesprecherin. Im Allgemeinen sei der Gesundheitszustand der Bewohner nicht unbedingt gut, viele konsumierten regelmäßig Alkohol. Daher könne es auch zu Sterbefällen kommen. Im gesamten Kreisgebiet hat es laut Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei Minden-Lübbecke, seit 2018 insgesamt neun Drogentote gegeben. Fünf davon verstarben allein in diesem Jahr.

„Die Wohnungen sehen aus wie Sau. Dort wird nur gesoffen und es liegen Spritzen rum“, beschreibt der ehemalige Bewohner die Unterkunft. Sicher gefühlt habe er sich dort nicht. „Bei den Unterkünften handelt es sich um keine Einrichtungen für dauerhaftes Wohnen, sondern um Notunterkünfte“, erklärt Susann Lewerenz. Die Wohnungen würden regelmäßig renoviert und in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt. Allerdings komme es vor, dass sie schon wenige Tage nach dem Bezug stark verschmutzt seien. Auch Möbel würden beschädigt und Wände beschmiert. „Selbst die grundlegenden Reinigungen der Küche, Toilette und Dusche werden häufig nicht von den Bewohnern durchgeführt“, erklärt Lewerenz.

Der ehemalige Bewohner erzählt auch von Konflikten zwischen den Mitbewohnern. Menschen, die sich nicht kennen, müssen sich in der Unterkunft den Wohnraum teilen. Er sagt, er sei dort mehrfach beklaut worden. Der Stadt sei bekannt, dass es in der Vergangenheit vor Ort häufig zu Problemen zwischen den Bewohnern gekommen sei, so die Pressesprecherin. Aufgrund der Gesamtsituation seien inzwischen Maßnahmen zur Entspannung getroffen worden. So ist nun tagsüber ein Hausmeister vor Ort. Es würden zudem regelmäßig Kontrollen durch Mitarbeiter des Bereiches Soziales, zum Teil in Zusammenarbeit mit der Polizei, durchgeführt. Auch in den Abendstunden. „Durch diese Maßnahmen hat sich die Situation vor Ort in den letzten Monaten deutlich entspannt.“ Auch neue Fälle von Diebstahl seien nicht bekannt geworden. Anhaltspunkte für eine erhöhte Kriminalität in der Unterkunft liegen der Stadt Minden nicht vor.

Das grundlegende Konfliktpotenzial bei wohnungslosen Menschen sieht sie Stadt Minden in der Chancenungleichheit am Wohnungs- und Arbeitsmarkt: „Menschen ohne Obdach finden nur sehr schwierig eine Wohnung.“ Obdachlosigkeit beginne in der Regel mit Arbeitslosigkeit. Danach folgen häufig weitere Probleme wie Ehekrisen, Suchtverhalten, Krankheiten, Schulden oder ein Rückzug aus Sozialbeziehungen sowie Resignation und Apathie.

Auch der Mindener Anwalt bestätigt, dass es für Menschen ohne Wohnung extrem schwer ist, eine Wohnung und eine Arbeit zu finden – selbst wenn sie schon auf einem guten Weg seien. Das würde auch Vermieter auf den Plan rufen, die es mit dem Mietrecht nicht so genau nähmen und die die Lage der Betroffenen ausnutzten. „Leider sind wir manchmal auf solche Leute angewiesen“, erklärt der Anwalt.

„Die Stadt Minden ist und fühlt sich auch verpflichtet, obdachlosen Personen eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen – unabhängig davon, aus welchen Gründen sie ihre Wohnung verloren haben“, erklärt Susann Lewerenz. Die Ursachen für die Obdachlosigkeit würden aber häufig zu weiteren Problemen führen, die sich auch bei den Bewohnern der Unterkünfte widerspiegelten. Es handele sich bei der Unterkunft zudem nicht um eine Einrichtung mit entsprechendem Personal. Den Obdachlosen würde nur eine Unterbringungsmöglichkeit bis zum Wiederbezug einer eigenen Wohnung geboten. Mitarbeiter der Stadt Minden stünden aber im regelmäßigen Kontakt zu karitativen Einrichtungen und Anbietern und versuchten zu vermitteln.

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