Teurer Arztbesuch: Patienten am Gesundheitszentrum Kutenhausen bekommen reihenweise Knöllchen Anja Peper Minden. Wer ohnehin unter Bluthochdruck leidet, sollte sich nicht aufregen. Doch am Gesundheitszentrum Kutenhausen ist schon einigen Autofahrern der Kragen geplatzt. Nach ihrer lang ersehnten Corona-Schutzimpfung fanden sie ein Knöllchen am Scheibenwischer. Oft ist den Patienten gar nicht klar, was sie falsch machen, wenn sie den Wagen einfach am Wegesrand abstellen. Denn anders als im Bereich der Innenstadt hat man hier auf dem Lande den Eindruck: „Ist ja genug Platz.“ Doch auch hier gibt es Halteverbote, weil die Rettungswege frei gehalten werden müssen. Aus Sicht der Ordnungsbehörde ist klar: „Weder eine ländlich geprägte Umgebung noch die besondere Situation der Corona-Pandemie rechtfertigen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.“ Hohe Wahrscheinlichkeit, ein Knöllchen zu kassieren, gibt es zum Beispiel am Feldweg. Obwohl der Weg nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben und entsprechend beschildert ist, nutzen ihn viele Autofahrer als Schleichweg. Zwischen Petershäger Weg und Gesundheitszentrum ist es die kürzeste Strecke, aber eben eine verbotene Abkürzung. Um das deutlich zu machen, kann sich Dr. Michael Kühne an der Stelle eine so genannte Treckersperre vorstellen, die verhindert, dass Autofahrer da entlang fahren. Trecker kommen ohne Probleme über die Poller. Aus der Gegenrichtung ist nur der Abschnitt bis zum Parkplatz frei. Sind diese 30 Stellplätze aber belegt, parken viele Patienten einfach irgendwo am Wegesrand – aber dort ist Parken verboten. In Richtung Goldammerweg ist absolutes Halteverbot – auch auf dem Seitenstreifen – angeordnet. Insgesamt hat das Gesundheitszentrum 90 Parkplätze und die seien im Normalfall auch ausreichend, sagt Dr. Kühne. „Aber aktuell kommen rund 100 Patienten mehr pro Tag.“ Wer zum Impfen kommt, verbringt hier im Schnitt etwa eine Stunde. Insgesamt habe das Gesundheitszentrum Kutenhausen, wo insgesamt 16 Ärzte arbeiten, schon mehr als 3.000 Impfungen gegen Corona verabreicht. Neben der überörtlich-hausärztlichen Gemeinschaftspraxis gehören eine Apotheke, Ergotherapie, Sanitätshaus, Logopädie und ein Hörgeräteakustiker zu dem Komplex – entsprechend groß ist gerade der Parknotstand. Nicht nur Patienten, sondern auch Mitarbeiter finden Knöllchen am Scheibenwischer vor. Eine Helferin sagt: „Wir machen hier in der Praxis gerade alles möglich, holen sogar Leute aus dem Ruhestand zurück, um den Ansturm bewältigen.“ Sie alle wünschen sich in diesen besonderen Zeiten Anerkennung für die Leistungen und eine pragmatische Lösung für den Verkehr. Doch die scheint nicht in Sicht: „Es gibt Halteverbote, weil die Rettungswege frei gehalten werden müssen“, schreibt Stadt-Pressesprecherin Susann Lewerenz. Außerdem müssten große Fahrzeuge – zum Beispiel aus der Landwirtschaft – auf den Seitenwegen passieren können. Die Mindestdurchfahrtsbreite muss frei bleiben. „Darüber hinaus erfordert hier gerade die ländliche Lage Kontrollen, da Beschwerden eingegangen sind, dass Landwirte mit ihren zur Bewirtschaftung der Felder notwendigen Fahrzeugen wie Traktoren die parkenden Autos nicht passieren können“, schreibt das Ordnungsamt. Ein Parknotstand sei kein Grund, auf Verwarnungen zu verzichten: „Solche Anträge auf Änderung der Verkehrsregelung bedürfen einer sorgfältigen Prüfung durch die anordnende Verkehrsbehörde (Fachbereich 5).“ Wie teuer der Strafzettel wird, ist übrigens nicht auf Anhieb ersichtlich. Seit Mai 2020 gibt es für Parksünder das sogenannte Online-Knöllchen (Bericht im MT). Verwarnte Autofahrer können über den Scan eines QR-Codes und der Eingabe einer Kennung die Details zum Vergehen einsehen und sofort bezahlen. Wer die Funktion nicht nutzen möchte, bekommt die Verwarnung zugeschickt. Die Frage der Verkehrssicherheit beschäftigt die Anlieger auch hier. Darum hofft Dr. Kühne mittelfristig auf die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf der Kutenhauser Straße. Dort ist der Haupteingang zur Gemeinschaftspraxis.

Teurer Arztbesuch: Patienten am Gesundheitszentrum Kutenhausen bekommen reihenweise Knöllchen

Parken im Grünen – im Umfeld des Gesundheitszentrums Kutenhausen kann das teuer werden. MT-Fotos: Anja Peper © y

Minden. Wer ohnehin unter Bluthochdruck leidet, sollte sich nicht aufregen. Doch am Gesundheitszentrum Kutenhausen ist schon einigen Autofahrern der Kragen geplatzt. Nach ihrer lang ersehnten Corona-Schutzimpfung fanden sie ein Knöllchen am Scheibenwischer. Oft ist den Patienten gar nicht klar, was sie falsch machen, wenn sie den Wagen einfach am Wegesrand abstellen. Denn anders als im Bereich der Innenstadt hat man hier auf dem Lande den Eindruck: „Ist ja genug Platz.“ Doch auch hier gibt es Halteverbote, weil die Rettungswege frei gehalten werden müssen. Aus Sicht der Ordnungsbehörde ist klar: „Weder eine ländlich geprägte Umgebung noch die besondere Situation der Corona-Pandemie rechtfertigen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.“

Hohe Wahrscheinlichkeit, ein Knöllchen zu kassieren, gibt es zum Beispiel am Feldweg. Obwohl der Weg nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben und entsprechend beschildert ist, nutzen ihn viele Autofahrer als Schleichweg. Zwischen Petershäger Weg und Gesundheitszentrum ist es die kürzeste Strecke, aber eben eine verbotene Abkürzung. Um das deutlich zu machen, kann sich Dr. Michael Kühne an der Stelle eine so genannte Treckersperre vorstellen, die verhindert, dass Autofahrer da entlang fahren. Trecker kommen ohne Probleme über die Poller. Aus der Gegenrichtung ist nur der Abschnitt bis zum Parkplatz frei. Sind diese 30 Stellplätze aber belegt, parken viele Patienten einfach irgendwo am Wegesrand – aber dort ist Parken verboten. In Richtung Goldammerweg ist absolutes Halteverbot – auch auf dem Seitenstreifen – angeordnet.

Insgesamt hat das Gesundheitszentrum 90 Parkplätze und die seien im Normalfall auch ausreichend, sagt Dr. Kühne. „Aber aktuell kommen rund 100 Patienten mehr pro Tag.“ Wer zum Impfen kommt, verbringt hier im Schnitt etwa eine Stunde. Insgesamt habe das Gesundheitszentrum Kutenhausen, wo insgesamt 16 Ärzte arbeiten, schon mehr als 3.000 Impfungen gegen Corona verabreicht. Neben der überörtlich-hausärztlichen Gemeinschaftspraxis gehören eine Apotheke, Ergotherapie, Sanitätshaus, Logopädie und ein Hörgeräteakustiker zu dem Komplex – entsprechend groß ist gerade der Parknotstand.


Nicht nur Patienten, sondern auch Mitarbeiter finden Knöllchen am Scheibenwischer vor. Eine Helferin sagt: „Wir machen hier in der Praxis gerade alles möglich, holen sogar Leute aus dem Ruhestand zurück, um den Ansturm bewältigen.“ Sie alle wünschen sich in diesen besonderen Zeiten Anerkennung für die Leistungen und eine pragmatische Lösung für den Verkehr. Doch die scheint nicht in Sicht: „Es gibt Halteverbote, weil die Rettungswege frei gehalten werden müssen“, schreibt Stadt-Pressesprecherin Susann Lewerenz. Außerdem müssten große Fahrzeuge – zum Beispiel aus der Landwirtschaft – auf den Seitenwegen passieren können.

Die Autos dürfen nicht weiter als zum Parkplatz fahren. - © x
Die Autos dürfen nicht weiter als zum Parkplatz fahren. - © x

Die Mindestdurchfahrtsbreite muss frei bleiben. „Darüber hinaus erfordert hier gerade die ländliche Lage Kontrollen, da Beschwerden eingegangen sind, dass Landwirte mit ihren zur Bewirtschaftung der Felder notwendigen Fahrzeugen wie Traktoren die parkenden Autos nicht passieren können“, schreibt das Ordnungsamt. Ein Parknotstand sei kein Grund, auf Verwarnungen zu verzichten: „Solche Anträge auf Änderung der Verkehrsregelung bedürfen einer sorgfältigen Prüfung durch die anordnende Verkehrsbehörde (Fachbereich 5).“

Wie teuer der Strafzettel wird, ist übrigens nicht auf Anhieb ersichtlich. Seit Mai 2020 gibt es für Parksünder das sogenannte Online-Knöllchen (Bericht im MT). Verwarnte Autofahrer können über den Scan eines QR-Codes und der Eingabe einer Kennung die Details zum Vergehen einsehen und sofort bezahlen. Wer die Funktion nicht nutzen möchte, bekommt die Verwarnung zugeschickt.

Die Frage der Verkehrssicherheit beschäftigt die Anlieger auch hier. Darum hofft Dr. Kühne mittelfristig auf die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf der Kutenhauser Straße. Dort ist der Haupteingang zur Gemeinschaftspraxis.

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