Testpflicht für Gottesdienste: So reagieren die heimischen Gemeinden darauf Kerstin Rickert,Stefan Koch,Sebastian Radermacher,Jürgen Langenkämper Minden/Espelkamp. Seit Dienstag gelten in Minden-Lübbecke verschärfte Corona-Regeln für Gottesdienste und andere religiöse Zusammenkünfte. In einer neuen Allgemeinverfügung hat der Kreis eine Testpflicht angeordnet. Wie reagieren die Gemeinden darauf? Ein Überblick. Evangelischer Kirchenkreis Die Gemeinden im Kirchenkreis Minden haben seit dem dritten Advent keine Präsenzgottesdienste mehr gefeiert, sondern digitale Angebote gemacht, wie Superintendent Michael Mertins betont. Er steht weiterhin hinter dieser Einscheidung, obwohl sie sehr schwer gefallen sei. Die nun geltende Testpflicht tangiere den Kirchenkreis und seine Gemeinden eigentlich nicht, „denn Präsenzgottesdienste sind bei einer Inzidenz über 100 für uns keine Option – egal ob mit oder ohne Tests“, stellt Mertins klar. Für die kommenden Wochen verfolgt der Kirchenkreis einen neuen Plan: „Wir möchten Open-Air-Gottesdienste feiern.“ Diese Entscheidung hatten der Krisenstab der Landeskirche und die Superintendentenkonferenz Anfang der Woche beschlossen, kurz bevor die Testpflicht des Kreises verkündet wurde. Die wichtige Frage lautete nun: Gilt eine Testpflicht auch für Open-Air-Gottesdienste? Das war nämlich nicht klar geregelt. Mertins führte viele Gespräche mit dem Kreis – mit einem für den Kirchenkreis positiven Ergebnis: „Gottesdienste im Freien sind erlaubt mit einem Hygienekonzept, aber ohne Testpflicht.“ Das bestätigte am Freitagnachmittag auch der Kreis. Untersagt bleibt hingegen der Gesang. Michael Mertins will nun abwarten, wie viele Gemeinden Gottesdienste im Freien feiern werden – an diesem Wochenende definitiv noch nicht, da die Umsetzung so kurzfristig nicht möglich sei. Er habe aber schon von einigen Gemeinden die Rückmeldung erhalten, dass diese Freiluft-Gottesdienste feiern möchten, zum Beispiel an Himmelfahrt oder Pfingsten. Katholische Kirche Den Pastoralverbund Mindener Land hat die neue Allgemeinverfügung des Kreises Minden-Lübbecke eiskalt erwischt. Dessen Leiter und Probst am Dom, Roland Falkenhahn, fand schon am Dienstag deutliche Worte: „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass der Kreis am Montagabend eine Allgemeinverfügung erlässt, die ab Dienstag gilt, und klar ist, dass wir die Einzigen sind, die das betrifft“, sagte er gegenüber dem MT. Schweren Herzens habe er am Dienstagmorgen eine Messfeier kurzfristig absagen müssen, „weil wir uns natürlich an die Vorgaben halten“. Was die neuen Bestimmungen für das weitere Vorgehen bedeuten, sei noch nicht absehbar. Der Dom und die Kirche St. Johannes Baptist in Petershagen sind die einzigen beiden katholischen Gotteshäuser im Pastoralverbund Mindener Land, die zurzeit Präsenzgottesdienste anbieten. Im Dom zu Minden ist das nicht nur an den Wochenenden, sondern an jedem einzelnen Wochentag der Fall. Die täglichen Messen dort haben nach den Worten des Probstes eine lange Tradition, die in der Vergangenheit lediglich in Kriegszeiten nicht habe aufrecht erhalten werden können. Zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr waren Präsenzgottesdienste für einen Zeitraum von knapp sieben Wochen gänzlich verboten worden. Mit den entsprechenden Hygienekonzepten, Zugangsbeschränkungen und unter Einhaltung von Abstandsregeln durften Kirchen ab 2. Mai wieder für Gottesdienstbesucher öffnen. „Seitdem haben wir im Dom täglich Messen abgehalten, ohne dass etwas passiert ist“, betont Probst Falkenhahn. Er spricht von 20 bis 25 Personen, die den Dom dann zeitgleich besuchen würden. Etwa die Hälfte von ihnen komme täglich. „Die müssten sich nun also auch jeden Tag testen lassen.“ In Anbetracht der Größe des Doms sei die angeordnete Testpflicht im Übrigen „für uns völlig unverhältnismäßig“. Auch rechtliche Schritte seien geprüft worden: „Wir haben ernsthaft miteinander erwogen, gegen die Allgemeinverfügung des Kreises zu klagen, uns aber aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden.“ Einer der Gründe sei, dass eine gerichtliche Entscheidung nicht so schnell zu erwarten sei. „Wir sehen das ganz pragmatisch“, so Falkenhahn. Er gehe im Übrigen davon aus, „dass diese unsägliche Verfügung über den 14. Mai hinaus keinen Bestand haben wird“. „Selbstverständlich erfüllen wir alle Auflagen korrekt, tun das aber weder gerne noch mit Verständnis“, so der Probst weiter. Er rechne damit, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher deutlich heruntergehen werde: „Die Testpflicht wird viele Familien sehr belasten. Sie betrifft auch die Erstkommunion-Feier am Sonntag im Dom.“ Freikirchen Arthur Wall von der Evangelischen Freikirche Espelkamp im Martinshaus befürchtete am Mittwoch, dass es schwierig werde, 100 Gottesdienstbesucher zeitnah zu testen. „Zufriedenheit gibt es nicht mit dieser Regelung und der Aufwand ist da.“ Schon vor einem Jahr habe die Gemeinde Live-Streams und Hybridgottesdienste eingeführt, um davon je nach den aktuellen Auflagen Gebrauch zu machen. Es sei davon auszugehen, dass auch am kommenden Sonntag die maximal zulässige Zahl an Besuchern kommen werde. In der Zeit vor Corona kam mindestens die doppelte Zahl vorbei. Mario Laboch, Vorsitzender der Christus-Gemeinde Minden, einer Freikirche mit Gemeinderäumen an der Kutenhauser Straße, sieht durch die Regel vor allem ältere Menschen benachteiligt. „Die Jungen können sich im Testzentrum auf Kanzlers Weide oder in einer Apotheke testen lassen, wer aber in einem Altenheim lebt und nicht mehr so mobil ist, hat Schwierigkeiten.“ Es sei dabei auch nicht zu verstehen, dass Altenheimbewohner mangels eines Testes außen vor bleiben müssten, obwohl sie doch mittlerweile alle geimpft seien. Vor der Pandemie kamen 80 bis 100 Besucher zum Gottesdienst. „Wir sind von der Anordnung überrascht und prüfen, ob wir Präsenzgottesdienste möglich machen können“, sagte Artur Zimmermann von der Bibelgemeinde Minden am Mittwoch, einer unabhängigen Freikirche. Auf die Schnelle werde es am kommenden Sonntag wohl nur einen Onlinegottesdienst geben können. Die Rechtslage wolle man prüfen. Ohnehin habe die Bibelgemeinde wegen der Abstandsregel die Gottesdienste in ihrem kleinen Gemeindehaus an der Königstraße in der Vergangenheit bereits splitten müssen. Jüdische Gemeinde Bei der Einhaltung der Pandemie-Regeln gibt es für die Jüdische Kultusgemeinde Minden keine Probleme – nicht nur weil sie so klein ist. „Es gibt seit dem vergangenen Jahr keine Gottesdienste“, sagt Harald Scheurenberg, der viele Jahre Vorsitzender war und die Vorstandsarbeit weiter unterstützt. Es sei die Pflicht eines jeden Juden, „Leben zu retten“ – und sei es durch die Aussetzung der Gottesdienste. Dies hat in Minden eine besondere Bedeutung. Denn aufgrund des Zuzugs neuer Gläubiger nach dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion hat die Gemeinde einen hohen Altersdurchschnitt – und der machte und macht die Rücksichtnahme auf den besonderen Schutz Älterer für die Kultusgemeinde zu einem hohen Gebot. Seit dem ersten Lockdown wurden Hygieneempfehlungen des Zentralrates der Juden in Deutschland befolgt und alle drei bis vier Monate neu beraten. „Es gab keine einzige Stimme dagegen.“ Immerhin konnte die Kultusgemeinde für ihre Kinder den Religionsunterricht teilweise – „soweit machbar“ – aufrechterhalten. Auch eine kleine Musikschule für die Jüngeren ging zeitweise weiter. Zum Schutz der Älteren vertrat auch Scheurenberg „lieber ein bisschen strengere Maßnahmen, um Ansteckungen auf alle Fälle zu vermeiden“. Das ist auch gelungen, auch wenn dabei selbst höhere Feiertag – „in Abstimmung mit dem Kantor“ – ausfallen mussten. „Wir hatten keine Ansteckungen“, zeigt sich auch Harald Scheurenberg erleichtert. Muslime Für Muslime stellt die Bundesnotbremse aktuell eine besondere Herausforderung dar. Denn seit dem 13. April ist Ramadan, der heilige Fastenmonat, in dem nicht nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht gegessen wird. Auch gemeinsames Fastenbrechen am Abend und Gebete in der Moschee machen den neunten Monat des islamischen Kalenders zu einem besonderen spirituellen Erlebnis für die Gläubigen. Normal wären Fußwaschungen vor dem Gang in den Gebetsraum. „Die Leute müssen ihre Füße zu Haus waschen“, sagt Sebahattim Cigdem, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, der die Ditib-Moschee in der Kaiserstraße betreibt. Stattdessen müssen Besucher des Freitagsgebets sich zuvor auf Corona testen lassen. Zum Glück liege das Testzentrum auf Kanzlers Weide nicht weit entfernt, meint der Vorsitzende. Im Gebetsraum müssen die Gläubigen Abstand halten, Maske tragen und einen eigenen Gebetsteppich mitbringen. Abstand nehmen muss die Gemeinde auch vom allabendlichen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang in großer Runde, zu dem sie in früheren Jahren einmal im Ramadan auch die Vertreter anderer Glaubensgemeinschaften wie der christlichen Kirchen eingeladen hatte. Um den Andrang zu entzerren, lädt die Gemeinde zu mehreren Gebeten zu verschiedenen Zeiten ein. Aber viele Gemeindemitglieder lassen sich derzeit vorsorglich seltener blicken. „Ältere und Jüngere kommen gar nicht“, sagt Cigdem. Nicht viel anders sieht es in der Moschee des Kulturvereins Al-Madina in der Friedrich-Wilhelm-Straße aus. „Ohne Test kommt keiner rein“, sagt der Vorsitzende Slaheddine Belhedi. Ohnehin dürfen nur noch bis zu 70 Leute in den Gebetsraum. Zum Nachtgebet während des Ramadan sollen sogar nur 30 Leute kommen. „Das Ordnungsamt hat alles kontrolliert“, sagt Belhedi. Viele Leute blieben aber auch zu Haus und beteten dort. „Es gibt keine Treffen ohne negativen Test“, sagt auch Usama Ayub, Prediger der sunnitischen Al-Nour-Moschee an der Stemmer Landstraße. Die Gläubigen müssen vor dem Betreten ein aktuelles Testergebnis auf ihrem Smartphone vorweisen können. Wie in den anderen Moscheen kommen weniger Leute als üblich, was es leichter macht, die Abstandsregeln einzuhalten. Immerhin war das körperliche Wohlergehen bislang gesichert. „Bis jetzt ist keiner erkrankt“, ist Ayub froh. Lesen Sie auch 16 Freikirchen klagen gegen Corona-Testpflicht vor Gottesdiensten im Mühlenkreis

Testpflicht für Gottesdienste: So reagieren die heimischen Gemeinden darauf

© Jeyaratnam Caniceus/Pixabay

Minden/Espelkamp. Seit Dienstag gelten in Minden-Lübbecke verschärfte Corona-Regeln für Gottesdienste und andere religiöse Zusammenkünfte. In einer neuen Allgemeinverfügung hat der Kreis eine Testpflicht angeordnet. Wie reagieren die Gemeinden darauf? Ein Überblick.

Evangelischer Kirchenkreis

Die Gemeinden im Kirchenkreis Minden haben seit dem dritten Advent keine Präsenzgottesdienste mehr gefeiert, sondern digitale Angebote gemacht, wie Superintendent Michael Mertins betont. Er steht weiterhin hinter dieser Einscheidung, obwohl sie sehr schwer gefallen sei. Die nun geltende Testpflicht tangiere den Kirchenkreis und seine Gemeinden eigentlich nicht, „denn Präsenzgottesdienste sind bei einer Inzidenz über 100 für uns keine Option – egal ob mit oder ohne Tests“, stellt Mertins klar.

Für die kommenden Wochen verfolgt der Kirchenkreis einen neuen Plan: „Wir möchten Open-Air-Gottesdienste feiern.“ Diese Entscheidung hatten der Krisenstab der Landeskirche und die Superintendentenkonferenz Anfang der Woche beschlossen, kurz bevor die Testpflicht des Kreises verkündet wurde. Die wichtige Frage lautete nun: Gilt eine Testpflicht auch für Open-Air-Gottesdienste? Das war nämlich nicht klar geregelt. Mertins führte viele Gespräche mit dem Kreis – mit einem für den Kirchenkreis positiven Ergebnis: „Gottesdienste im Freien sind erlaubt mit einem Hygienekonzept, aber ohne Testpflicht.“ Das bestätigte am Freitagnachmittag auch der Kreis. Untersagt bleibt hingegen der Gesang.

Michael Mertins will nun abwarten, wie viele Gemeinden Gottesdienste im Freien feiern werden – an diesem Wochenende definitiv noch nicht, da die Umsetzung so kurzfristig nicht möglich sei. Er habe aber schon von einigen Gemeinden die Rückmeldung erhalten, dass diese Freiluft-Gottesdienste feiern möchten, zum Beispiel an Himmelfahrt oder Pfingsten.

Katholische Kirche

Den Pastoralverbund Mindener Land hat die neue Allgemeinverfügung des Kreises Minden-Lübbecke eiskalt erwischt. Dessen Leiter und Probst am Dom, Roland Falkenhahn, fand schon am Dienstag deutliche Worte: „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass der Kreis am Montagabend eine Allgemeinverfügung erlässt, die ab Dienstag gilt, und klar ist, dass wir die Einzigen sind, die das betrifft“, sagte er gegenüber dem MT. Schweren Herzens habe er am Dienstagmorgen eine Messfeier kurzfristig absagen müssen, „weil wir uns natürlich an die Vorgaben halten“. Was die neuen Bestimmungen für das weitere Vorgehen bedeuten, sei noch nicht absehbar.

Der Dom und die Kirche St. Johannes Baptist in Petershagen sind die einzigen beiden katholischen Gotteshäuser im Pastoralverbund Mindener Land, die zurzeit Präsenzgottesdienste anbieten. Im Dom zu Minden ist das nicht nur an den Wochenenden, sondern an jedem einzelnen Wochentag der Fall. Die täglichen Messen dort haben nach den Worten des Probstes eine lange Tradition, die in der Vergangenheit lediglich in Kriegszeiten nicht habe aufrecht erhalten werden können.

Zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr waren Präsenzgottesdienste für einen Zeitraum von knapp sieben Wochen gänzlich verboten worden. Mit den entsprechenden Hygienekonzepten, Zugangsbeschränkungen und unter Einhaltung von Abstandsregeln durften Kirchen ab 2. Mai wieder für Gottesdienstbesucher öffnen. „Seitdem haben wir im Dom täglich Messen abgehalten, ohne dass etwas passiert ist“, betont Probst Falkenhahn. Er spricht von 20 bis 25 Personen, die den Dom dann zeitgleich besuchen würden. Etwa die Hälfte von ihnen komme täglich. „Die müssten sich nun also auch jeden Tag testen lassen.“ In Anbetracht der Größe des Doms sei die angeordnete Testpflicht im Übrigen „für uns völlig unverhältnismäßig“. Auch rechtliche Schritte seien geprüft worden: „Wir haben ernsthaft miteinander erwogen, gegen die Allgemeinverfügung des Kreises zu klagen, uns aber aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden.“ Einer der Gründe sei, dass eine gerichtliche Entscheidung nicht so schnell zu erwarten sei.

„Wir sehen das ganz pragmatisch“, so Falkenhahn. Er gehe im Übrigen davon aus, „dass diese unsägliche Verfügung über den 14. Mai hinaus keinen Bestand haben wird“. „Selbstverständlich erfüllen wir alle Auflagen korrekt, tun das aber weder gerne noch mit Verständnis“, so der Probst weiter. Er rechne damit, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher deutlich heruntergehen werde: „Die Testpflicht wird viele Familien sehr belasten. Sie betrifft auch die Erstkommunion-Feier am Sonntag im Dom.“

Freikirchen

Arthur Wall von der Evangelischen Freikirche Espelkamp im Martinshaus befürchtete am Mittwoch, dass es schwierig werde, 100 Gottesdienstbesucher zeitnah zu testen. „Zufriedenheit gibt es nicht mit dieser Regelung und der Aufwand ist da.“ Schon vor einem Jahr habe die Gemeinde Live-Streams und Hybridgottesdienste eingeführt, um davon je nach den aktuellen Auflagen Gebrauch zu machen. Es sei davon auszugehen, dass auch am kommenden Sonntag die maximal zulässige Zahl an Besuchern kommen werde. In der Zeit vor Corona kam mindestens die doppelte Zahl vorbei.

Mario Laboch, Vorsitzender der Christus-Gemeinde Minden, einer Freikirche mit Gemeinderäumen an der Kutenhauser Straße, sieht durch die Regel vor allem ältere Menschen benachteiligt. „Die Jungen können sich im Testzentrum auf Kanzlers Weide oder in einer Apotheke testen lassen, wer aber in einem Altenheim lebt und nicht mehr so mobil ist, hat Schwierigkeiten.“ Es sei dabei auch nicht zu verstehen, dass Altenheimbewohner mangels eines Testes außen vor bleiben müssten, obwohl sie doch mittlerweile alle geimpft seien. Vor der Pandemie kamen 80 bis 100 Besucher zum Gottesdienst.

„Wir sind von der Anordnung überrascht und prüfen, ob wir Präsenzgottesdienste möglich machen können“, sagte Artur Zimmermann von der Bibelgemeinde Minden am Mittwoch, einer unabhängigen Freikirche. Auf die Schnelle werde es am kommenden Sonntag wohl nur einen Onlinegottesdienst geben können. Die Rechtslage wolle man prüfen. Ohnehin habe die Bibelgemeinde wegen der Abstandsregel die Gottesdienste in ihrem kleinen Gemeindehaus an der Königstraße in der Vergangenheit bereits splitten müssen.

Jüdische Gemeinde

Bei der Einhaltung der Pandemie-Regeln gibt es für die Jüdische Kultusgemeinde Minden keine Probleme – nicht nur weil sie so klein ist. „Es gibt seit dem vergangenen Jahr keine Gottesdienste“, sagt Harald Scheurenberg, der viele Jahre Vorsitzender war und die Vorstandsarbeit weiter unterstützt. Es sei die Pflicht eines jeden Juden, „Leben zu retten“ – und sei es durch die Aussetzung der Gottesdienste. Dies hat in Minden eine besondere Bedeutung. Denn aufgrund des Zuzugs neuer Gläubiger nach dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion hat die Gemeinde einen hohen Altersdurchschnitt – und der machte und macht die Rücksichtnahme auf den besonderen Schutz Älterer für die Kultusgemeinde zu einem hohen Gebot. Seit dem ersten Lockdown wurden Hygieneempfehlungen des Zentralrates der Juden in Deutschland befolgt und alle drei bis vier Monate neu beraten. „Es gab keine einzige Stimme dagegen.“

Immerhin konnte die Kultusgemeinde für ihre Kinder den Religionsunterricht teilweise – „soweit machbar“ – aufrechterhalten. Auch eine kleine Musikschule für die Jüngeren ging zeitweise weiter. Zum Schutz der Älteren vertrat auch Scheurenberg „lieber ein bisschen strengere Maßnahmen, um Ansteckungen auf alle Fälle zu vermeiden“. Das ist auch gelungen, auch wenn dabei selbst höhere Feiertag – „in Abstimmung mit dem Kantor“ – ausfallen mussten. „Wir hatten keine Ansteckungen“, zeigt sich auch Harald Scheurenberg erleichtert.

Muslime

Für Muslime stellt die Bundesnotbremse aktuell eine besondere Herausforderung dar. Denn seit dem 13. April ist Ramadan, der heilige Fastenmonat, in dem nicht nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht gegessen wird. Auch gemeinsames Fastenbrechen am Abend und Gebete in der Moschee machen den neunten Monat des islamischen Kalenders zu einem besonderen spirituellen Erlebnis für die Gläubigen.

Normal wären Fußwaschungen vor dem Gang in den Gebetsraum. „Die Leute müssen ihre Füße zu Haus waschen“, sagt Sebahattim Cigdem, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, der die Ditib-Moschee in der Kaiserstraße betreibt. Stattdessen müssen Besucher des Freitagsgebets sich zuvor auf Corona testen lassen. Zum Glück liege das Testzentrum auf Kanzlers Weide nicht weit entfernt, meint der Vorsitzende. Im Gebetsraum müssen die Gläubigen Abstand halten, Maske tragen und einen eigenen Gebetsteppich mitbringen. Abstand nehmen muss die Gemeinde auch vom allabendlichen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang in großer Runde, zu dem sie in früheren Jahren einmal im Ramadan auch die Vertreter anderer Glaubensgemeinschaften wie der christlichen Kirchen eingeladen hatte. Um den Andrang zu entzerren, lädt die Gemeinde zu mehreren Gebeten zu verschiedenen Zeiten ein. Aber viele Gemeindemitglieder lassen sich derzeit vorsorglich seltener blicken. „Ältere und Jüngere kommen gar nicht“, sagt Cigdem.

Nicht viel anders sieht es in der Moschee des Kulturvereins Al-Madina in der Friedrich-Wilhelm-Straße aus. „Ohne Test kommt keiner rein“, sagt der Vorsitzende Slaheddine Belhedi. Ohnehin dürfen nur noch bis zu 70 Leute in den Gebetsraum. Zum Nachtgebet während des Ramadan sollen sogar nur 30 Leute kommen. „Das Ordnungsamt hat alles kontrolliert“, sagt Belhedi. Viele Leute blieben aber auch zu Haus und beteten dort. „Es gibt keine Treffen ohne negativen Test“, sagt auch Usama Ayub, Prediger der sunnitischen Al-Nour-Moschee an der Stemmer Landstraße. Die Gläubigen müssen vor dem Betreten ein aktuelles Testergebnis auf ihrem Smartphone vorweisen können. Wie in den anderen Moscheen kommen weniger Leute als üblich, was es leichter macht, die Abstandsregeln einzuhalten. Immerhin war das körperliche Wohlergehen bislang gesichert. „Bis jetzt ist keiner erkrankt“, ist Ayub froh.

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