Terrorverdächtige der Gruppe S. in Stammheim auf der Anklagebank Jürgen Langenkämper Minden. Schwungvoll tritt die Frau mit ihrem Fuß gegen das am Boden liegende Stativ des Kamerateams. Ihr Sohn steht in bedrohlicher Haltung mit Handschuhen an den Händen vor dem Fernsehreporter – Szenen einer Auseinandersetzung in der Kutenhauser Straße zum Beginn eines Fernsehbeitrags im ZDF über die sogenannte „Gruppe S.“, die Terrorakte geplant haben soll. Ab kommender Woche stehen zwölf Männer in Stuttgart vor Gericht. Am Dienstagabend zeigte das Polit-Magazin „Frontal 21“ die am Gründonnerstag aufgenommene kurze Sequenz aus Minden. Am Ende des knapp neunminütigen Beitrags erschien auch noch die Polizei. Dass der Beitrag mit den Szenen aus dem Mindener Norden begann, lag nicht nur am krawalligen Auftritt der echauffierten Hausbewohner, sondern auch daran, dass die terrorverdächtige Gruppe in dem Haus in Kutenhausen ihr letztes konspiratives Treffen kurz vor ihrer Verhaftung am 14. Februar 2020 hatte. Denn der Verlobte der streitbaren Bewohnerin, Thomas N., gehörte wie ein weiterer Mindener, Markus K., und ein inzwischen verstorbener Portaner zu dem Dutzend Rechtsextremisten, die sich erst im Spätsommer 2019 unter Leitung von Werner S. zusammengefunden hatte. Der aus Sachsen-Anhalt stammende N. tat sich bei dem Treffen, das bereits unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stand und abgehört wurde, in seinem Haus in der Kutenhauser Straße mit markigen Sprüchen hervor, man müsse mit 1.000 Mann den Reichstag stürmen und alle Politiker erschießen. Zudem sahen die Gewaltfantasien des 55-jährigen Werner S. aus dem Rems-Murr-Kreis und seiner über ganz Deutschland verstreuten Gefolgsleute gezielte Terrorakte an verschiedenen Orten vor. Bevorzugt sollten sie sich gegen Asylbewerber, Muslime, Afrikaner, Politiker – einige wie die Grünen Anton Hofreiter und Robert Habeck namentlich genannt – und Antifa-Leute richten, aber von Willkürtaten sollten auch Frauen und Kinder nicht verschont bleiben. Durch die Gewaltakte wollten sie ein Klima der Angst schüren und einen Bürgerkrieg entfachen. Dass der finstere Kreis aufflog, war einem Mitglied zu verdanken, dem die Sache zu heikel wurde und der sich im Spätsommer 2019 an den Verfassungsschutz wandte. Längst nicht alle der später festgenommenen und seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft einsitzenden Angeklagten waren den Staatsschützern schon früher als gewaltbereit bekannt, obwohl sich einige aus rechtsextremen, bürgerwehrähnlichen Gruppen wie „Wodans Erben Germanien“, „Soldiers of Odin“ und „Freikorps Heimatschutz Division 2016“ rekrutierten. Mit drei zu allen möglichen Gewalttaten bereiten Mitgliedern gab es eine auffällige Häufung im Kreis Minden-Lübbecke – und so wurde Minden auch in dem Fernsehbeitrag mehrfach genannt. Zwei der Verdächtigen waren Kollegen in einer Mindener Firma. Einer von beiden, der 35-jährige Markus K., war schon früher im Landkreis Hameln-Pyrmont als Nationaldemokrat und bei Neonazimärschen sowie der Organisation von Aktionen in Bad Nenndorf aufgefallen. Sein Kollege wurde im vergangenen Sommer tot in seiner Zelle aufgefunden. K. und Thomas N., ein Fliesenleger, der obskure Aufkleber an seinem Werkstattwagen durch die Gegend fuhr, sitzen ab 13. April jeden Dienstag und Mittwoch mit neun weiteren Mitgliedern und einem Unterstützer der Gruppe S., einem ehemaligen Zivilbediensteten im Polizeipräsidium in Hamm, Woche für Woche im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim auf der Anklagebank. Zunächst sind 31 Verhandlungstermine, kurzzeitig unterbrochen vom 20. Mai bis 7. Juni, bis einschließlich 6. August anberaumt. Erfolgt bis dahin kein Urteil, gehen die Sitzungen ab 6. September weiter – dann dienstags und donnerstags. Besonders brisant: Auch der Hauptbelastungszeuge aus den eigenen Reihen ist angeklagt. Für ihn soll der Hauptverdächtige Werner S. Medienberichten zufolge bereits einen Auftragskiller bei der italienischen Mafia gesucht haben. Sollten im Zuge der Zeugenvernehmungen weitere brisante Details zu den Vorgängen in dem Haus in der Kutenhauser Straße ans Licht kommen, dürfte es auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ein Kamerateam auf der anderen Straßenseite gestanden hat. Der Vorfall vom Gründonnerstag könnte selbst ein – eher kleines – juristisches Nachspiel haben. Das Fernsehteam hat nach MT-Informationen bei den eingetroffenen Polizisten Strafanzeige gegen die 55-jährige Hausbewohnerin wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung erstattet.

Terrorverdächtige der Gruppe S. in Stammheim auf der Anklagebank

Erregte Szene: Schwungvoll tritt die Verlobte des Terrorverdächtigen Thomas N. vor dessen Haus in der Kutenhauser Straße gegen das am Boden liegende Stativ des Fernsehteams. Ihr Sohn (links) hat sich Handschuhe angezogen. © ZDF

Minden. Schwungvoll tritt die Frau mit ihrem Fuß gegen das am Boden liegende Stativ des Kamerateams. Ihr Sohn steht in bedrohlicher Haltung mit Handschuhen an den Händen vor dem Fernsehreporter – Szenen einer Auseinandersetzung in der Kutenhauser Straße zum Beginn eines Fernsehbeitrags im ZDF über die sogenannte „Gruppe S.“, die Terrorakte geplant haben soll. Ab kommender Woche stehen zwölf Männer in Stuttgart vor Gericht. Am Dienstagabend zeigte das Polit-Magazin „Frontal 21“ die am Gründonnerstag aufgenommene kurze Sequenz aus Minden. Am Ende des knapp neunminütigen Beitrags erschien auch noch die Polizei.

Dass der Beitrag mit den Szenen aus dem Mindener Norden begann, lag nicht nur am krawalligen Auftritt der echauffierten Hausbewohner, sondern auch daran, dass die terrorverdächtige Gruppe in dem Haus in Kutenhausen ihr letztes konspiratives Treffen kurz vor ihrer Verhaftung am 14. Februar 2020 hatte. Denn der Verlobte der streitbaren Bewohnerin, Thomas N., gehörte wie ein weiterer Mindener, Markus K., und ein inzwischen verstorbener Portaner zu dem Dutzend Rechtsextremisten, die sich erst im Spätsommer 2019 unter Leitung von Werner S. zusammengefunden hatte. Der aus Sachsen-Anhalt stammende N. tat sich bei dem Treffen, das bereits unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stand und abgehört wurde, in seinem Haus in der Kutenhauser Straße mit markigen Sprüchen hervor, man müsse mit 1.000 Mann den Reichstag stürmen und alle Politiker erschießen.

Zudem sahen die Gewaltfantasien des 55-jährigen Werner S. aus dem Rems-Murr-Kreis und seiner über ganz Deutschland verstreuten Gefolgsleute gezielte Terrorakte an verschiedenen Orten vor. Bevorzugt sollten sie sich gegen Asylbewerber, Muslime, Afrikaner, Politiker – einige wie die Grünen Anton Hofreiter und Robert Habeck namentlich genannt – und Antifa-Leute richten, aber von Willkürtaten sollten auch Frauen und Kinder nicht verschont bleiben. Durch die Gewaltakte wollten sie ein Klima der Angst schüren und einen Bürgerkrieg entfachen.

Dass der finstere Kreis aufflog, war einem Mitglied zu verdanken, dem die Sache zu heikel wurde und der sich im Spätsommer 2019 an den Verfassungsschutz wandte. Längst nicht alle der später festgenommenen und seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft einsitzenden Angeklagten waren den Staatsschützern schon früher als gewaltbereit bekannt, obwohl sich einige aus rechtsextremen, bürgerwehrähnlichen Gruppen wie „Wodans Erben Germanien“, „Soldiers of Odin“ und „Freikorps Heimatschutz Division 2016“ rekrutierten.

Mit drei zu allen möglichen Gewalttaten bereiten Mitgliedern gab es eine auffällige Häufung im Kreis Minden-Lübbecke – und so wurde Minden auch in dem Fernsehbeitrag mehrfach genannt. Zwei der Verdächtigen waren Kollegen in einer Mindener Firma. Einer von beiden, der 35-jährige Markus K., war schon früher im Landkreis Hameln-Pyrmont als Nationaldemokrat und bei Neonazimärschen sowie der Organisation von Aktionen in Bad Nenndorf aufgefallen. Sein Kollege wurde im vergangenen Sommer tot in seiner Zelle aufgefunden.

K. und Thomas N., ein Fliesenleger, der obskure Aufkleber an seinem Werkstattwagen durch die Gegend fuhr, sitzen ab 13. April jeden Dienstag und Mittwoch mit neun weiteren Mitgliedern und einem Unterstützer der Gruppe S., einem ehemaligen Zivilbediensteten im Polizeipräsidium in Hamm, Woche für Woche im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim auf der Anklagebank. Zunächst sind 31 Verhandlungstermine, kurzzeitig unterbrochen vom 20. Mai bis 7. Juni, bis einschließlich 6. August anberaumt. Erfolgt bis dahin kein Urteil, gehen die Sitzungen ab 6. September weiter – dann dienstags und donnerstags.

Besonders brisant: Auch der Hauptbelastungszeuge aus den eigenen Reihen ist angeklagt. Für ihn soll der Hauptverdächtige Werner S. Medienberichten zufolge bereits einen Auftragskiller bei der italienischen Mafia gesucht haben.

Sollten im Zuge der Zeugenvernehmungen weitere brisante Details zu den Vorgängen in dem Haus in der Kutenhauser Straße ans Licht kommen, dürfte es auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ein Kamerateam auf der anderen Straßenseite gestanden hat. Der Vorfall vom Gründonnerstag könnte selbst ein – eher kleines – juristisches Nachspiel haben. Das Fernsehteam hat nach MT-Informationen bei den eingetroffenen Polizisten Strafanzeige gegen die 55-jährige Hausbewohnerin wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung erstattet.

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