Tausendschön-Ausstellung: Preußische Strenge trifft kreatives Chaos Militärordnung und modernes Design: Spannende Gegensätze machen den Reiz aus Von Anja Peper Minden (mt). Wie passt das zusammen: Wollene rosa Babyschuhe und spitze Pickelhaube? Preußische Strenge und kreatives Chaos? Eigentlich gar nicht. Und doch ist es der spannende Gegensatz, der sich als Erfolgsrezept der Tausendschön-Ausstellung im Preußen-Museum herauskristallisiert. Das Konzept der Organisatorinnen, Theresia Störtländer-Nerge und Thea Langner-Berg, geht auf: 1730 Besucher am Samstag und Sonntag. Überwiegend sind es Frauen, die zwischen den Ständen der 30 Aussteller schlendern. Keramik und Ölbilder, Öko-Seifen, Deko, Schmuck, Taschen, Papier- und Buchkunst, Zeichnungen und Drucke - das fällt in den meisten Haushalten in ihren Bereich. Willkommener Nebeneffekt des Preußen-Museums: Auch Ehemänner, die vielleicht zum Mitkommen "überredet" wurden, können hier etwas entdecken. Während die Frauen stöbern, bleiben sie an Orden, Texttafeln, Regimentern und Militärordnung hängen. Plötzlich wird das angestaubte Preußen wieder interessant.Die preußischen Tugenden - Bescheidenheit, Disziplin, Fleiß, Geradlinigkeit, Ordnungssinn - prägen den Gegenpol zu dem, was Tausendschön ausmacht. Neue Ideen, Kreativität, Spaß, Design, Innovation, auch Zeitgeist.Umhängetaschen aus alten JackenStephanie Ende und Frauke Strehl aus Hiddenhausen haben sich mit ihrem Label "Schwesternherz" dem Upcycling verschrieben: Sie stellen aus Abfall neue Produkte her. Upcycling ist wie Recycling eine Art der Müllvermeidung. Der Unterschied: Der alte Kram wird aufgewertet und nicht einfach kleingemacht, um als Dämmstoff oder Putzlappen zu enden. Statt dessen: Umhängetaschen aus alten Jacken, Schlüsselbretter mit ausrangiertem Spielzeug, kleine Püppchen aus Garnrollen, Kerzenständer aus bunten Wollresten. Stephanie Ende und Frauke Strehl halten den Trend für zukunftsweisend: Die Wiederverwertung reduziert Energieverbrauch, Luft- und Wasserverschmutzung. Woher kommen die alten Sachen? "Viele Freunde sammeln mit", erzählen die beiden Frauen, die übrigens nicht verwandt sind, sondern "Schwestern im Herzen". So entstand der Name ihrer Manufaktur."Das Filzen ist ein Erlebnis für die Sinne"Während Upcycling ein aktueller Trend ist, geht Ursula Schwenke aus Gütersloh einem uralten Handwerk nach: dem Filzen, der ältesten Methode, Schafwolle zu verarbeiten. Ungesponnene Wolle, warmes Seifenwasser und etwas Geduld - mehr braucht es nicht. Die Sozialpädagogin stellt zum ersten Mal im Preußen-Museum aus und ist begeistert von dem schönen Ambiente. "Das Filzen", sagt sie, "ist ein Erlebnis für die Sinne. Es wirkt beruhigend." Früher war die Sozialpädagogin in einem Beruf tätig, der sie über die Jahre auslaugte. Seit sie kündigte, geht es ihr besser. Heute gibt sie Filzkurse für Kinder und Erwachsene. Um einen ihrer auffälligen Hutkreationen zu tragen, muss man schon etwas mutig sein. "Die Mindener sind da eher zurückhaltend", ist ihre Erfahrung. Einige ihrer "wildesten Hüte" hat sie bisher in Bottrop verkauft.Viel Mut zur Farbe beweist auch Jördis Schütz, die mit ihrer Keramik aus Berlin angereist ist. Ihre Malerei wirkt wie aus dem Kindergarten, sie selbst nennt den Stil "naiv". So entstehen zum Beispiel Kannen, die mit geschätzten 50 Zentimetern Höhe nicht unbedingt praktisch und damit alltagstauglich wären, aber ein Hingucker in jedem Regal.

Tausendschön-Ausstellung: Preußische Strenge trifft kreatives Chaos

Minden (mt). Wie passt das zusammen: Wollene rosa Babyschuhe und spitze Pickelhaube? Preußische Strenge und kreatives Chaos? Eigentlich gar nicht. Und doch ist es der spannende Gegensatz, der sich als Erfolgsrezept der Tausendschön-Ausstellung im Preußen-Museum herauskristallisiert.

Die auffälligen Filzhüte von Ursula Schwenke aus Gütersloh eignen sich für Modemutige. "Die Mindener sind da eher zurückhaltend", ist ihre Erfahrung des Wochenendes.
Die auffälligen Filzhüte von Ursula Schwenke aus Gütersloh eignen sich für Modemutige. "Die Mindener sind da eher zurückhaltend", ist ihre Erfahrung des Wochenendes.

Das Konzept der Organisatorinnen, Theresia Störtländer-Nerge und Thea Langner-Berg, geht auf: 1730 Besucher am Samstag und Sonntag. Überwiegend sind es Frauen, die zwischen den Ständen der 30 Aussteller schlendern. Keramik und Ölbilder, Öko-Seifen, Deko, Schmuck, Taschen, Papier- und Buchkunst, Zeichnungen und Drucke - das fällt in den meisten Haushalten in ihren Bereich. Willkommener Nebeneffekt des Preußen-Museums: Auch Ehemänner, die vielleicht zum Mitkommen "überredet" wurden, können hier etwas entdecken. Während die Frauen stöbern, bleiben sie an Orden, Texttafeln, Regimentern und Militärordnung hängen. Plötzlich wird das angestaubte Preußen wieder interessant.

Die preußischen Tugenden - Bescheidenheit, Disziplin, Fleiß, Geradlinigkeit, Ordnungssinn - prägen den Gegenpol zu dem, was Tausendschön ausmacht. Neue Ideen, Kreativität, Spaß, Design, Innovation, auch Zeitgeist.

Umhängetaschen aus alten Jacken

Stephanie Ende und Frauke Strehl aus Hiddenhausen haben sich mit ihrem Label "Schwesternherz" dem Upcycling verschrieben: Sie stellen aus Abfall neue Produkte her. Upcycling ist wie Recycling eine Art der Müllvermeidung. Der Unterschied: Der alte Kram wird aufgewertet und nicht einfach kleingemacht, um als Dämmstoff oder Putzlappen zu enden. Statt dessen: Umhängetaschen aus alten Jacken, Schlüsselbretter mit ausrangiertem Spielzeug, kleine Püppchen aus Garnrollen, Kerzenständer aus bunten Wollresten. Stephanie Ende und Frauke Strehl halten den Trend für zukunftsweisend: Die Wiederverwertung reduziert Energieverbrauch, Luft- und Wasserverschmutzung. Woher kommen die alten Sachen? "Viele Freunde sammeln mit", erzählen die beiden Frauen, die übrigens nicht verwandt sind, sondern "Schwestern im Herzen". So entstand der Name ihrer Manufaktur.

Nicht unbedingt für den täglichen Gebrauch bestimmt ist diese Kanne aus der Berliner Werkstatt von Jördis Schütz. Sie töpfert und bemalt ihre auffällig bunten Stücke selbst - und zwar immer nach Lust und Laune. MT- - © Fotos: Anja Peper
Nicht unbedingt für den täglichen Gebrauch bestimmt ist diese Kanne aus der Berliner Werkstatt von Jördis Schütz. Sie töpfert und bemalt ihre auffällig bunten Stücke selbst - und zwar immer nach Lust und Laune. MT- - © Fotos: Anja Peper

"Das Filzen ist ein Erlebnis für die Sinne"

Während Upcycling ein aktueller Trend ist, geht Ursula Schwenke aus Gütersloh einem uralten Handwerk nach: dem Filzen, der ältesten Methode, Schafwolle zu verarbeiten. Ungesponnene Wolle, warmes Seifenwasser und etwas Geduld - mehr braucht es nicht. Die Sozialpädagogin stellt zum ersten Mal im Preußen-Museum aus und ist begeistert von dem schönen Ambiente. "Das Filzen", sagt sie, "ist ein Erlebnis für die Sinne. Es wirkt beruhigend." Früher war die Sozialpädagogin in einem Beruf tätig, der sie über die Jahre auslaugte. Seit sie kündigte, geht es ihr besser. Heute gibt sie Filzkurse für Kinder und Erwachsene. Um einen ihrer auffälligen Hutkreationen zu tragen, muss man schon etwas mutig sein. "Die Mindener sind da eher zurückhaltend", ist ihre Erfahrung. Einige ihrer "wildesten Hüte" hat sie bisher in Bottrop verkauft.

Viel Mut zur Farbe beweist auch Jördis Schütz, die mit ihrer Keramik aus Berlin angereist ist. Ihre Malerei wirkt wie aus dem Kindergarten, sie selbst nennt den Stil "naiv". So entstehen zum Beispiel Kannen, die mit geschätzten 50 Zentimetern Höhe nicht unbedingt praktisch und damit alltagstauglich wären, aber ein Hingucker in jedem Regal.

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