Tankstellen rüsten auf: Einbrecher stochern im Nebel Fabian Terwey Minden. „Hände hoch! Das ist ein Überfall." Mit gezogener Waffe stürmt der Räuber den Tankstellenshop. Der erschrockene Angestellte drückt reflexartig den Alarmknopf hinter der Kasse. Plötzlich strömen dem Ladendieb unter lautem Zischen grauweiße Nebelschwaden entgegen. Diese füllen den Verkaufsraum in wenigen Sekunden komplett aus. Die Hand vor Augen? Nicht mehr zu erkennen. Der abgeschreckte Einbrecher tastet sich orientierungslos in Richtung Ausgang und flüchtet ohne Beute. Solche oder ähnliche Szenen spielen sich nach dem Einsatz der sogenannten Schutz-Nebelmaschine ab. Auch ein Betreiber mit Tankstelle in Minden hat sie in Betrieb. In manchen Fällen birgt der Einsatz jedoch ein Risiko. „Die Maschine lässt sich mit einer Fernbedienung oder direkt durch die Alarmanlage auslösen. Drei Meter Nebelwand pro Sekunde strömen dann aus der Maschine", erklärt Oliver Ast. Der 47-Jährige leitet den Vertrieb bei Barduhn Sicherheitstechnik. Das Mindener Unternehmen stattet Privatkunden und Firmen seit gut 40 Jahren unter anderem mit Brand- sowie Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachung und Schließanlagen aus. Die Nachfrage ist laut Oliver Ast aktuell nicht besonders hoch. Konkrete Verkaufszahlen möchte er nicht nennen. Er vermutet, dass die Technik noch nicht bekannt genug ist. „Einige sehen aber auch von der Nebelmaschine ab, weil sie den Täter nicht zusätzlich in eine Stresssituation bringen wollen. Sonst macht er in der Nervosität vielleicht doch von seiner Waffe Gebrauch. Einige Tankstellen nehmen da lieber in Kauf, ausgeraubt zu werden. Denn sie sind ja dagegen versichert." Wegen des Risikos für den Mitarbeiter setzt Geschäftsführer Eike Mönneke von „Mönneke Mineralöle" ausschließlich bei Einbrüchen auf den Einsatz von Schutz-Nebelmaschinen. Das Unternehmen betreibt insgesamt 23 Tankstellen – darunter auch die Tas-Tankstelle an der Ringstraße in Minden. „Wir setzen bereits seit mehr als zehn Jahren auf diese Technik", berichtet Eike Mönneke. „Der Hersteller ist damals auf uns zugekommen und wir haben es als eine Art Pilot-Projekt gestartet, nachdem wir zuvor immer wieder unter Einbrüchen gelitten haben. Heute erfolgt keine Renovierung ohne Einbau des Nebelschutzes." Als Vorteile nennt der Geschäftsführer die Abschreckung, den einfachen Einbau und die Schadenreduzierung bei Einbrüchen: „Denn meist bleibt es bei der Beschädigung der Eingangstür. Wenn der Nebel kommt, bleibt die Ware von den Einbrechern unberührt." Für Überfälle seien seine Mitarbeiter geschult worden, die Hände hochzunehmen und das Geld in der Kasse zu übergeben – auch um eine Geiselnahme zu vermeiden, wie Eike Mönneke betont: „Wobei sich ein Überfall – bei dem was in der Kasse ist – meist nicht lohnt. Oft sind da nur 200 bis 300 Euro." Bei mehreren nächtlichen Einbrüchen habe sich die Nebelmaschine für Eike Mönneke bewährt: „Die Täter sind stets ohne Ware geflüchtet." Mittlerweile würden Kriminelle die Kästen der Nebelmaschine schon erkennen: „Das scheint der Abschreckung zu dienen, denn die Einbruchsversuche sind in unseren Tankstellen mit der Zeit zurückgegangen." Als ärgerlich empfindet Eike Mönneke das Auslösen der Nebelmaschine bei einem Fehlalarm – etwa in der Nacht durch Tiere oder die Fehlbedienung beim fälschlichen Aufschließen der Tankstelle durch den Mitarbeiter: „Denn bis sich der Nebel wieder komplett verzogen hat, kann es schon mal zwei Stunden dauern. Bis dahin riecht es etwas nach Pfefferminz." Oliver Ast gibt für eine klassische Tankstelle eine gute halbe Stunde an, bis sich der Nebel verzogen habe und betont: „Nach dem Einsatz sollte gelüftet werden. Der Rauch hinterlässt aber keinerlei Rückstände und ist auch nicht gesundheitsschädlich." Der Preis pro Nebelmaschine liegt bei Barduhn Sicherheitstechnik bei knapp 2.000 Euro. Hinzu kommen Montagekosten. Das Unternehmen übernimmt auch die Wartung. So ist unter anderem das Alkohol-Wasser-Gemisch in die Nachfüllkartusche einzufüllen oder die Wechselkartusche auszutauschen. Je nach Raumgröße sollten laut Oliver Ast mehrere Maschinen installiert werden. Weil die Nebelmaschine Strom benötigt, den der Einbrecher zuvor abschalten könnte, ist sie zusätzlich mit einem Akku ausgestattet. Übrigens: Die Alarmanlage mit Rauch-Generator ist nicht zu vergleichen mit Nebelmaschinen, die etwa in Diskotheken installiert sind. „Da ist der Nebel parfümiert und nicht ganz so dicht. Schließlich will man seinen Tanzpartner ja noch erkennen können", sagt Ast lachend.

Tankstellen rüsten auf: Einbrecher stochern im Nebel

„Mönneke Mineralöle“ betreibt die Tas-Tankstelle an der Ringstraße in Minden. MT-Foto: Fabian Terwey © Fabian Terwey

Minden. „Hände hoch! Das ist ein Überfall." Mit gezogener Waffe stürmt der Räuber den Tankstellenshop. Der erschrockene Angestellte drückt reflexartig den Alarmknopf hinter der Kasse. Plötzlich strömen dem Ladendieb unter lautem Zischen grauweiße Nebelschwaden entgegen. Diese füllen den Verkaufsraum in wenigen Sekunden komplett aus. Die Hand vor Augen? Nicht mehr zu erkennen. Der abgeschreckte Einbrecher tastet sich orientierungslos in Richtung Ausgang und flüchtet ohne Beute. Solche oder ähnliche Szenen spielen sich nach dem Einsatz der sogenannten Schutz-Nebelmaschine ab. Auch ein Betreiber mit Tankstelle in Minden hat sie in Betrieb. In manchen Fällen birgt der Einsatz jedoch ein Risiko.

„Die Maschine lässt sich mit einer Fernbedienung oder direkt durch die Alarmanlage auslösen. Drei Meter Nebelwand pro Sekunde strömen dann aus der Maschine", erklärt Oliver Ast. Der 47-Jährige leitet den Vertrieb bei Barduhn Sicherheitstechnik. Das Mindener Unternehmen stattet Privatkunden und Firmen seit gut 40 Jahren unter anderem mit Brand- sowie Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachung und Schließanlagen aus.

Die Nachfrage ist laut Oliver Ast aktuell nicht besonders hoch. Konkrete Verkaufszahlen möchte er nicht nennen. Er vermutet, dass die Technik noch nicht bekannt genug ist. „Einige sehen aber auch von der Nebelmaschine ab, weil sie den Täter nicht zusätzlich in eine Stresssituation bringen wollen. Sonst macht er in der Nervosität vielleicht doch von seiner Waffe Gebrauch. Einige Tankstellen nehmen da lieber in Kauf, ausgeraubt zu werden. Denn sie sind ja dagegen versichert."


Wegen des Risikos für den Mitarbeiter setzt Geschäftsführer Eike Mönneke von „Mönneke Mineralöle" ausschließlich bei Einbrüchen auf den Einsatz von Schutz-Nebelmaschinen. Das Unternehmen betreibt insgesamt 23 Tankstellen – darunter auch die Tas-Tankstelle an der Ringstraße in Minden. „Wir setzen bereits seit mehr als zehn Jahren auf diese Technik", berichtet Eike Mönneke. „Der Hersteller ist damals auf uns zugekommen und wir haben es als eine Art Pilot-Projekt gestartet, nachdem wir zuvor immer wieder unter Einbrüchen gelitten haben. Heute erfolgt keine Renovierung ohne Einbau des Nebelschutzes."

Als Vorteile nennt der Geschäftsführer die Abschreckung, den einfachen Einbau und die Schadenreduzierung bei Einbrüchen: „Denn meist bleibt es bei der Beschädigung der Eingangstür. Wenn der Nebel kommt, bleibt die Ware von den Einbrechern unberührt." Für Überfälle seien seine Mitarbeiter geschult worden, die Hände hochzunehmen und das Geld in der Kasse zu übergeben – auch um eine Geiselnahme zu vermeiden, wie Eike Mönneke betont: „Wobei sich ein Überfall – bei dem was in der Kasse ist – meist nicht lohnt. Oft sind da nur 200 bis 300 Euro."

Bei mehreren nächtlichen Einbrüchen habe sich die Nebelmaschine für Eike Mönneke bewährt: „Die Täter sind stets ohne Ware geflüchtet." Mittlerweile würden Kriminelle die Kästen der Nebelmaschine schon erkennen: „Das scheint der Abschreckung zu dienen, denn die Einbruchsversuche sind in unseren Tankstellen mit der Zeit zurückgegangen."

Als ärgerlich empfindet Eike Mönneke das Auslösen der Nebelmaschine bei einem Fehlalarm – etwa in der Nacht durch Tiere oder die Fehlbedienung beim fälschlichen Aufschließen der Tankstelle durch den Mitarbeiter: „Denn bis sich der Nebel wieder komplett verzogen hat, kann es schon mal zwei Stunden dauern. Bis dahin riecht es etwas nach Pfefferminz."

Oliver Ast gibt für eine klassische Tankstelle eine gute halbe Stunde an, bis sich der Nebel verzogen habe und betont: „Nach dem Einsatz sollte gelüftet werden. Der Rauch hinterlässt aber keinerlei Rückstände und ist auch nicht gesundheitsschädlich."

Der Preis pro Nebelmaschine liegt bei Barduhn Sicherheitstechnik bei knapp 2.000 Euro. Hinzu kommen Montagekosten. Das Unternehmen übernimmt auch die Wartung. So ist unter anderem das Alkohol-Wasser-Gemisch in die Nachfüllkartusche einzufüllen oder die Wechselkartusche auszutauschen. Je nach Raumgröße sollten laut Oliver Ast mehrere Maschinen installiert werden. Weil die Nebelmaschine Strom benötigt, den der Einbrecher zuvor abschalten könnte, ist sie zusätzlich mit einem Akku ausgestattet.

Übrigens: Die Alarmanlage mit Rauch-Generator ist nicht zu vergleichen mit Nebelmaschinen, die etwa in Diskotheken installiert sind. „Da ist der Nebel parfümiert und nicht ganz so dicht. Schließlich will man seinen Tanzpartner ja noch erkennen können", sagt Ast lachend.

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