Süßes statt Saures: Fragestunde mit Bürgermeisterkandidaten bringt wenig Überraschendes, aber einige Konflikte Christine Riechmann Minden. Wer ist denn nun der Bürgermeister? Und wer der von der AfD? Und die beiden anderen? Schnell war das leise Getuschel über die Zuordnung der vier Menschen an den Stehtischen im Veranstaltungssaal des Kreativzentrums Anne Frank verstummt und die Bühne gehörte den vier Bürgermeisterkandidaten, die sich am 13. September in Minden zur Wahl stellen. Viel lauter wurde es dann aber auch nicht. Was wohl als dynamischer Austausch zwischen Jugend und Politik gedacht war, mündete in einer wenig lebendigen Runde mit erwartbaren Fragen und vorhersehbaren Antworten. Aber zum Hintergrund: Auf Einladung des Freizeitmitarbeiterclubs durften sich der amtierende Bürgermeister Michael Jäcke (SPD), Dr. Konrad Winckler (CDU), Sebastian Landwehr (AfD) und Claudia Herziger-Möhlmann (Bürger-Bündnis Minden) den Fragen der Mindener Jugend stellen. Etwa 70 junge Leute, darunter eine achte Klasse des Ratsgymnasiums, waren in das Anne-Frank-Haus gekommen. Beim Freizeitmitarbeiterclub (FMC) – ein Zusammenschluss vieler Ehrenamtlicher, die in Minden in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig sind – lege man großen Wert auf Mitbestimmung. „Darum die Veranstaltung", erklärt Vorsitzender Steffen Gronow in seiner Begrüßung. Dabei gehe es um die Zukunft der Kinder und Jugendlichen und darum, „was sich die vier Kandidaten dazu so ausgedacht haben". Zwei Minuten Zeit bleiben den Bürgermeister-Anwärtern in der ersten Runde, um die Fragen der FMC-Mitglieder zu beantworten. „Stellen Sie sich und ihre Partei vor. Was sind Ihre Ziele und die Ziele Ihrer Partei? Was taten Sie als Jugendlicher am liebsten und woran hat es Ihnen gefehlt?" Gleich bei der ersten Frage nutzte keiner der vier Politiker die Möglichkeit, sich den jungen Leuten näher zu bringen. Anstatt aus der eigenen Jugend zu berichten, benötigte Konrad Winckler nahezu die gesamten zwei Minuten, um seinen Werdegang zu erzählen, Claudia Herziger-Möhlmann überreichte dem Verein lieber einen Präsentkorb mit Süßigkeiten als von sich zu erzählen, Michael Jäcke äußerte sich trotz noch verbliebener Zeit auch nicht zu seiner Jugend und Sebastian Landwehr verlor sich darin zu berichten, dass er – auch beruflich – immer für die Jugend im Einsatz sei. Auf Fragen rund um Kinderrechte und kindgerechte Kommunen, ein jugendfreundliches Minden und persönliche Bezüge zur Jugendarbeit, äußerten sich die Kandidaten wenig überraschend: Ausnahmslos einig sind sich die Politiker über die Wichtigkeit der Jugendarbeit und die Partizipation der Jugend in der Gesellschaft. Claudia Herziger-Möhlmann wird nicht müde, das Anne-Frank-Haus und dessen ehrenamtliche Mitarbeiter zu loben – und lässt auch eine private Spende anlässlich des 18. Geburtstages ihrer Tochter nicht unerwähnt. Überhaupt sieht sich die Bürger-Bündnis-Minden-Frau als das „Sprachrohr der jungen Leute", für die sie immer ein offenes Ohr haben werde. Ihnen verspricht sie nicht nur, sich für ein Großraumkino und ein erweitertes Clubangebot in Minden einzusetzen, sondern auch für eine Bike-Bahn, auf der auch sie die eine oder andere Runde drehen will. Ein wenig Schwung kommt in die Runde, als Bürgermeister Michael Jäcke seine Mitstreiterin ermahnt, den Jugendlichen nicht Dinge zu versprechen, die sie im Leben nicht einhalten könne. Er setze auf projektbezogene Jugendarbeit und wisse, dass das mit der Partizipation nicht immer so einfach sei. Auch bei einem anderen Thema ist es wieder der Bürgermeister, der klare Kante zeigt. Als es in der zweiten Fragerunde, bei der die Jugendlichen aus dem Publikum die Fragen stellen, um Wohnraum für Studenten und junge Leute geht, und Sebastian Landwehr meint, die Stadt müsse die Wohnungen freigeben, die sie für Flüchtlinge vorhält, ist seine Aussage deutlich: „Das werden wir auf keinen Fall tun." Ein von manchen vielleicht erwarteter AfD-Eklat in Sachen Migrations- und Flüchtlingspolitik und rund um Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist trotz kleiner Sticheleien – vor allem von Konrad Winckler – ausgeblieben. Der AfD-Kandidat gab sich im Großen und Ganzen einigermaßen angepasst und zurückhaltend. Rassismus-Vorwürfe, die ihm bei der Veranstaltung niemand direkt unterstellt, weist er trotzdem vehement von sich. Deutlich wird Landwehr bei der angeblichen Gefährlichkeit von DITIB (Türkisch-Islamische Gemeinde zu Minden). Wichtig ist den FMC-Mitarbeitern das Thema Ehrenamt und Aufwandsentschädigungen – für Claudia Herziger-Möhlmann eine Steilvorlage die finanzielle Situation der Stadt zum Thema zu machen und anzuprangern, das Geld für große Projekte wie eine Multihalle ausgeben zu wollen, anstatt es in kleine Projekte für die Jugend zu stecken. Sie wolle es verwenden, um es in die Entlohnung für junges Ehrenamt zu investieren. Sowohl Michael Jäcke als auch Konrad Winckler und Sebastian Landwehr sehen das etwas anders. Auch wenn ihnen bewusst sei, dass die Aufwandsentschädigungen für Ehrenämtler dürftig seien, bleibe das Ehrenamt doch Ehrenamt. Bühne nicht genutzt Kommentar von Christine Riechmann Der Wahlkampf 2020 ist ein schwieriger, die Corona-Pandemie macht es den Politikern nicht einfach, die Menschen zu erreichen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn Kandidaten die Bühne, die ihnen geboten wird, nicht nutzen. Ich bezweifele es, dass es der richtige Weg ist, Jugendliche mit allgemeinen Wahlkampffloskeln zu langweilen oder sie mit Süßigkeiten einwickeln zu wollen. Hat der Wähler von heute und morgen nicht mehr verdient? Der Wahlkampf 2020 ist ein schwieriger, die Corona-Pandemie macht es den Politikern nicht einfach, die Menschen zu erreichen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn Kandidaten die Bühne, die ihnen geboten wird, nicht nutzen. Ich bezweifele es, dass es der richtige Weg ist, Jugendliche mit allgemeinen Wahlkampffloskeln zu langweilen oder sie mit Süßigkeiten einwickeln zu wollen. Hat der Wähler von heute und morgen nicht mehr verdient?

Süßes statt Saures: Fragestunde mit Bürgermeisterkandidaten bringt wenig Überraschendes, aber einige Konflikte

Konrad Winckler (CDU), Claudia Herziger-Möhlmann (Bürger-Bündnis Minden), Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) und Sebastian Landwehr (AfD) stellten sich den Fragen der Jugendlichen. MT- © Foto: Christine Riechmann

Minden. Wer ist denn nun der Bürgermeister? Und wer der von der AfD? Und die beiden anderen? Schnell war das leise Getuschel über die Zuordnung der vier Menschen an den Stehtischen im Veranstaltungssaal des Kreativzentrums Anne Frank verstummt und die Bühne gehörte den vier Bürgermeisterkandidaten, die sich am 13. September in Minden zur Wahl stellen. Viel lauter wurde es dann aber auch nicht. Was wohl als dynamischer Austausch zwischen Jugend und Politik gedacht war, mündete in einer wenig lebendigen Runde mit erwartbaren Fragen und vorhersehbaren Antworten.

Aber zum Hintergrund: Auf Einladung des Freizeitmitarbeiterclubs durften sich der amtierende Bürgermeister Michael Jäcke (SPD), Dr. Konrad Winckler (CDU), Sebastian Landwehr (AfD) und Claudia Herziger-Möhlmann (Bürger-Bündnis Minden) den Fragen der Mindener Jugend stellen. Etwa 70 junge Leute, darunter eine achte Klasse des Ratsgymnasiums, waren in das Anne-Frank-Haus gekommen.

Beim Freizeitmitarbeiterclub (FMC) – ein Zusammenschluss vieler Ehrenamtlicher, die in Minden in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig sind – lege man großen Wert auf Mitbestimmung. „Darum die Veranstaltung", erklärt Vorsitzender Steffen Gronow in seiner Begrüßung. Dabei gehe es um die Zukunft der Kinder und Jugendlichen und darum, „was sich die vier Kandidaten dazu so ausgedacht haben".

Zwei Minuten Zeit bleiben den Bürgermeister-Anwärtern in der ersten Runde, um die Fragen der FMC-Mitglieder zu beantworten. „Stellen Sie sich und ihre Partei vor. Was sind Ihre Ziele und die Ziele Ihrer Partei? Was taten Sie als Jugendlicher am liebsten und woran hat es Ihnen gefehlt?" Gleich bei der ersten Frage nutzte keiner der vier Politiker die Möglichkeit, sich den jungen Leuten näher zu bringen. Anstatt aus der eigenen Jugend zu berichten, benötigte Konrad Winckler nahezu die gesamten zwei Minuten, um seinen Werdegang zu erzählen, Claudia Herziger-Möhlmann überreichte dem Verein lieber einen Präsentkorb mit Süßigkeiten als von sich zu erzählen, Michael Jäcke äußerte sich trotz noch verbliebener Zeit auch nicht zu seiner Jugend und Sebastian Landwehr verlor sich darin zu berichten, dass er – auch beruflich – immer für die Jugend im Einsatz sei.

Auf Fragen rund um Kinderrechte und kindgerechte Kommunen, ein jugendfreundliches Minden und persönliche Bezüge zur Jugendarbeit, äußerten sich die Kandidaten wenig überraschend: Ausnahmslos einig sind sich die Politiker über die Wichtigkeit der Jugendarbeit und die Partizipation der Jugend in der Gesellschaft.

Claudia Herziger-Möhlmann wird nicht müde, das Anne-Frank-Haus und dessen ehrenamtliche Mitarbeiter zu loben – und lässt auch eine private Spende anlässlich des 18. Geburtstages ihrer Tochter nicht unerwähnt. Überhaupt sieht sich die Bürger-Bündnis-Minden-Frau als das „Sprachrohr der jungen Leute", für die sie immer ein offenes Ohr haben werde. Ihnen verspricht sie nicht nur, sich für ein Großraumkino und ein erweitertes Clubangebot in Minden einzusetzen, sondern auch für eine Bike-Bahn, auf der auch sie die eine oder andere Runde drehen will.

Ein wenig Schwung kommt in die Runde, als Bürgermeister Michael Jäcke seine Mitstreiterin ermahnt, den Jugendlichen nicht Dinge zu versprechen, die sie im Leben nicht einhalten könne. Er setze auf projektbezogene Jugendarbeit und wisse, dass das mit der Partizipation nicht immer so einfach sei.

Auch bei einem anderen Thema ist es wieder der Bürgermeister, der klare Kante zeigt. Als es in der zweiten Fragerunde, bei der die Jugendlichen aus dem Publikum die Fragen stellen, um Wohnraum für Studenten und junge Leute geht, und Sebastian Landwehr meint, die Stadt müsse die Wohnungen freigeben, die sie für Flüchtlinge vorhält, ist seine Aussage deutlich: „Das werden wir auf keinen Fall tun."

Ein von manchen vielleicht erwarteter AfD-Eklat in Sachen Migrations- und Flüchtlingspolitik und rund um Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist trotz kleiner Sticheleien – vor allem von Konrad Winckler – ausgeblieben. Der AfD-Kandidat gab sich im Großen und Ganzen einigermaßen angepasst und zurückhaltend. Rassismus-Vorwürfe, die ihm bei der Veranstaltung niemand direkt unterstellt, weist er trotzdem vehement von sich. Deutlich wird Landwehr bei der angeblichen Gefährlichkeit von DITIB (Türkisch-Islamische Gemeinde zu Minden).

Wichtig ist den FMC-Mitarbeitern das Thema Ehrenamt und Aufwandsentschädigungen – für Claudia Herziger-Möhlmann eine Steilvorlage die finanzielle Situation der Stadt zum Thema zu machen und anzuprangern, das Geld für große Projekte wie eine Multihalle ausgeben zu wollen, anstatt es in kleine Projekte für die Jugend zu stecken. Sie wolle es verwenden, um es in die Entlohnung für junges Ehrenamt zu investieren. Sowohl Michael Jäcke als auch Konrad Winckler und Sebastian Landwehr sehen das etwas anders. Auch wenn ihnen bewusst sei, dass die Aufwandsentschädigungen für Ehrenämtler dürftig seien, bleibe das Ehrenamt doch Ehrenamt.

Bühne nicht genutzt

Kommentar von Christine Riechmann

Der Wahlkampf 2020 ist ein schwieriger, die Corona-Pandemie macht es den Politikern nicht einfach, die Menschen zu erreichen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn Kandidaten die Bühne, die ihnen geboten wird, nicht nutzen. Ich bezweifele es, dass es der richtige Weg ist, Jugendliche mit allgemeinen Wahlkampffloskeln zu langweilen oder sie mit Süßigkeiten einwickeln zu wollen. Hat der Wähler von heute und morgen nicht mehr verdient?

Der Wahlkampf 2020 ist ein schwieriger, die Corona-Pandemie macht es den Politikern nicht einfach, die Menschen zu erreichen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn Kandidaten die Bühne, die ihnen geboten wird, nicht nutzen. Ich bezweifele es, dass es der richtige Weg ist, Jugendliche mit allgemeinen Wahlkampffloskeln zu langweilen oder sie mit Süßigkeiten einwickeln zu wollen. Hat der Wähler von heute und morgen nicht mehr verdient?

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