Steigende Corona-Zahlen: So reagieren die Mühlenkreiskliniken Monika Jäger Minden. Die Infektionszahlen steigen, und das spüren auch die Mühlenkreiskliniken (MKK) in vielerlei Weise. Ein Überblick. Besuchsregelungen Nach außen hin werden Reaktionen auf steigende Infektionszahlen mit den neuen Besuchsregeln deutlich: Ab Samstag, 17. Oktober, ist pro Patient nur noch eine Besuchsperson zulässig. In der Regel sagt der Patient bei der Aufnahme, wer das sein soll. Die Vertrauensperson darf ihn dann pro Tag zwischen 13 und 18 Uhr für eine Stunde besuchen. So solle die Wahrscheinlichkeit reduziert werden, dass jemand Corona-Viren mitbringt, sagt Christian Busse, Leiter der MKK-Unternehmenskommunikation. Er hoffe nicht, dass es dazu komme, irgendwann gar keine Besuche zuzulassen, „weil das natürlich eine enorme Einschränkung für den Patienten wär.“Andererseits habe das Klinikum Bethel in dem Moment, wo in Bielefeld der Inzidenzwert an der 50er-Grenze lag, den Besuchsstopp ausgesprochen. „Da gibt es bei uns keinen Automatismus, aber die Situation wird laufend bewertet und dann werden Entscheidungen getroffen.“ Mehr Routine? Alle Beteiligten hätten in den vergangenen Monaten viel dazu gelernt, so Busse. „Auf der Isolierstation gehört Covid-19 zum Alltag. Die machen das doch seit sieben, acht Monaten.“ Zudem sei es dort ja immer schon Teil der Arbeit gewesen, mit hoch infektiösen Krankheiten oder Erregern wie Tuberkulose, Grippe oder Noroviren umzugehen. „Die Mitarbeiter sind darauf eingerichtet, solche Patienten zu behandeln und sich und andere nicht anzustecken.“ Auch im Alltag der anderen Abteilungen sei eine gewisse Routine eingetreten. „Alle haben immer brav die Maske getragen, auch bei 40 Grad im Sommer, das muss man ihnen hoch anrechnen.“ Alles werde dazu getan, Infektionsketten zu verhindern. Aktuell Erkrankte: Acht „Natürlich bereiten wir uns auf die Situation mit steigenden Infektionszahlen vor“, so Busse. Allerdings sei zurzeit noch längst nicht die Größenordnung vom Frühjahr erreicht. Am Freitag, 16. Oktober, lagen sieben Patienten auf der Isolierstation, einer auf der Intensivstation, der auch beatmet wird. Der Trend gehe seit zwei Wochen allerdings deutlich nach oben: „Wir hatten im Sommer auch mal sehr vereinzelte Tage ohne Covid-19-Patienten. Sonst immer mindestens einen oder zwei.“ Zur Hochzeit der Frühjahrswelle waren zwischen 30 und 35 Erkrankte auf Isolier- beziehungsweise Intensivstation untergebracht. Aktuell werden auf der Intensivstation drei Betten frei gehalten. Das Konzept vom Frühjahr, nach dem weitere Stationen je nach Bedarf zu Isolierstationen werden, könne zudem jederzeit wieder in Kraft gesetzt werden, „da können wir stufenweise ausweiten, wenn nötig.“ Im April gab es zwei Isolierstationen für Patienten und eine für Verdachtsfälle. Operationen werden wegen Covid-19 zurzeit nicht verschoben, der Stau aus der Frühjahrswelle sei längst abgearbeitet. Im Personal gebe es mittlerweile wieder einzelne Erkrankte, die auch in Quarantäne sind. „Das liegt an den generell höheren Zahlen – auch unsere Mitarbeiter bewegen sich ja im Alltag und infizieren sich da eben auch.“ Allerdings gebe es keine Infektionsketten innerhalb der MKK, wo Mitarbeiter sich gegenseitig ansteckten. „Das hatten wir seit April nicht mehr.“ Engpässe bei Materialien Masken gibt es inzwischen mehr als genug, sagt Busse. Anders ist das bei Handschuhen. „Da läuft der gesamte Gesundheitssektor gerade in einen Versorgungsengpass hinein.“ Da es nur wenige Hersteller gibt, viele davon in Asien, und der Bedarf auf der ganzen Welt rasant gestiegen sei, würden die Anbieter inzwischen die Anzahl der Schutze kontingentieren, die sie ausliefern. Auch der Preis habe deutlich angezogen – wie auch bei Masken. Wie viel teurer insgesamt die Versorgung wegen solcher Engpässe geworden ist, könne aktuell aber noch nicht beziffert werden. Die Behandlung Über Behandlungsmöglichkeiten wisse man heutzutage deutlich mehr, so Busse. So würden Patienten beispielsweise nicht mehr so früh intubiert, sondern länger mit einer Maske beatmet. Dann ist keine komplizierte Entwöhnung vom Atemschlauch nötig. Dafür kämen die Betroffenen schneller auf die Intensivstation, um sie dort besser überwachen zu können. Die Medikamente kenne man inzwischen besser und könne sie gezielter einsetzen. Es gebe Mittel, die die Symptome der Erkrankung wirksam lindern, was ein deutlicher Fortschritt in der Therapie sei. „Es existiert aber immer noch kein Medikament, dass das Virus direkt angreift.“ Mit Remdesivir seien in Minden „weniger als eine Handvoll“ Menschen behandelt worden. Das sei allerdings mit hohem Aufwand verbunden, weil es nur auf Einzelanforderung geliefert werde. Aufgrund der vielen Nebenwirkungen müsse der Einsatz dieses eigentlich gegen Ebola entwickelten Mittels jedoch sehr genau abgewogen werden. Auch die Wirksamkeit ist umstritten – aktuell äußert die Weltgesundheitsorganisation WHO Zweifel daran, dass es die Sterblichkeit mindere.

Steigende Corona-Zahlen: So reagieren die Mühlenkreiskliniken

Geänderte Besuchsregelungen gelten ab 17. Oktober. © Foto: pr (Archiv)

Minden. Die Infektionszahlen steigen, und das spüren auch die Mühlenkreiskliniken (MKK) in vielerlei Weise. Ein Überblick.

Besuchsregelungen

Nach außen hin werden Reaktionen auf steigende Infektionszahlen mit den neuen Besuchsregeln deutlich: Ab Samstag, 17. Oktober, ist pro Patient nur noch eine Besuchsperson zulässig. In der Regel sagt der Patient bei der Aufnahme, wer das sein soll. Die Vertrauensperson darf ihn dann pro Tag zwischen 13 und 18 Uhr für eine Stunde besuchen. So solle die Wahrscheinlichkeit reduziert werden, dass jemand Corona-Viren mitbringt, sagt Christian Busse, Leiter der MKK-Unternehmenskommunikation. Er hoffe nicht, dass es dazu komme, irgendwann gar keine Besuche zuzulassen, „weil das natürlich eine enorme Einschränkung für den Patienten wär.“Andererseits habe das Klinikum Bethel in dem Moment, wo in Bielefeld der Inzidenzwert an der 50er-Grenze lag, den Besuchsstopp ausgesprochen. „Da gibt es bei uns keinen Automatismus, aber die Situation wird laufend bewertet und dann werden Entscheidungen getroffen.“

Mehr Routine?

Alle Beteiligten hätten in den vergangenen Monaten viel dazu gelernt, so Busse. „Auf der Isolierstation gehört Covid-19 zum Alltag. Die machen das doch seit sieben, acht Monaten.“ Zudem sei es dort ja immer schon Teil der Arbeit gewesen, mit hoch infektiösen Krankheiten oder Erregern wie Tuberkulose, Grippe oder Noroviren umzugehen. „Die Mitarbeiter sind darauf eingerichtet, solche Patienten zu behandeln und sich und andere nicht anzustecken.“

Auch im Alltag der anderen Abteilungen sei eine gewisse Routine eingetreten. „Alle haben immer brav die Maske getragen, auch bei 40 Grad im Sommer, das muss man ihnen hoch anrechnen.“ Alles werde dazu getan, Infektionsketten zu verhindern.

Aktuell Erkrankte: Acht

„Natürlich bereiten wir uns auf die Situation mit steigenden Infektionszahlen vor“, so Busse. Allerdings sei zurzeit noch längst nicht die Größenordnung vom Frühjahr erreicht. Am Freitag, 16. Oktober, lagen sieben Patienten auf der Isolierstation, einer auf der Intensivstation, der auch beatmet wird.

Der Trend gehe seit zwei Wochen allerdings deutlich nach oben: „Wir hatten im Sommer auch mal sehr vereinzelte Tage ohne Covid-19-Patienten. Sonst immer mindestens einen oder zwei.“ Zur Hochzeit der Frühjahrswelle waren zwischen 30 und 35 Erkrankte auf Isolier- beziehungsweise Intensivstation untergebracht.

Aktuell werden auf der Intensivstation drei Betten frei gehalten. Das Konzept vom Frühjahr, nach dem weitere Stationen je nach Bedarf zu Isolierstationen werden, könne zudem jederzeit wieder in Kraft gesetzt werden, „da können wir stufenweise ausweiten, wenn nötig.“ Im April gab es zwei Isolierstationen für Patienten und eine für Verdachtsfälle.

Operationen werden wegen Covid-19 zurzeit nicht verschoben, der Stau aus der Frühjahrswelle sei längst abgearbeitet.

Im Personal gebe es mittlerweile wieder einzelne Erkrankte, die auch in Quarantäne sind. „Das liegt an den generell höheren Zahlen – auch unsere Mitarbeiter bewegen sich ja im Alltag und infizieren sich da eben auch.“ Allerdings gebe es keine Infektionsketten innerhalb der MKK, wo Mitarbeiter sich gegenseitig ansteckten. „Das hatten wir seit April nicht mehr.“

Engpässe bei Materialien

Masken gibt es inzwischen mehr als genug, sagt Busse. Anders ist das bei Handschuhen. „Da läuft der gesamte Gesundheitssektor gerade in einen Versorgungsengpass hinein.“ Da es nur wenige Hersteller gibt, viele davon in Asien, und der Bedarf auf der ganzen Welt rasant gestiegen sei, würden die Anbieter inzwischen die Anzahl der Schutze kontingentieren, die sie ausliefern. Auch der Preis habe deutlich angezogen – wie auch bei Masken.

Wie viel teurer insgesamt die Versorgung wegen solcher Engpässe geworden ist, könne aktuell aber noch nicht beziffert werden.

Die Behandlung

Über Behandlungsmöglichkeiten wisse man heutzutage deutlich mehr, so Busse. So würden Patienten beispielsweise nicht mehr so früh intubiert, sondern länger mit einer Maske beatmet. Dann ist keine komplizierte Entwöhnung vom Atemschlauch nötig. Dafür kämen die Betroffenen schneller auf die Intensivstation, um sie dort besser überwachen zu können.

Die Medikamente kenne man inzwischen besser und könne sie gezielter einsetzen. Es gebe Mittel, die die Symptome der Erkrankung wirksam lindern, was ein deutlicher Fortschritt in der Therapie sei. „Es existiert aber immer noch kein Medikament, dass das Virus direkt angreift.“

Mit Remdesivir seien in Minden „weniger als eine Handvoll“ Menschen behandelt worden. Das sei allerdings mit hohem Aufwand verbunden, weil es nur auf Einzelanforderung geliefert werde. Aufgrund der vielen Nebenwirkungen müsse der Einsatz dieses eigentlich gegen Ebola entwickelten Mittels jedoch sehr genau abgewogen werden. Auch die Wirksamkeit ist umstritten – aktuell äußert die Weltgesundheitsorganisation WHO Zweifel daran, dass es die Sterblichkeit mindere.

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