Standpunkt zum geplanten Kunstobjekt in der Stadtblänke: Riskante Kunst Benjamin Piel Minden und die Kunst – das ist bekanntermaßen eine nicht ganz einfache Verbindung. Das Keilstück auf dem Martinikirchhof tut mit der Stadt, was es offenbar programmatisch tun sollte: Es spaltet und das seit Jahrzehnten. Einige mögen es, viele verabscheuen es. Und zwar so sehr, dass es durchaus nicht übertrieben ist, von Hass zu sprechen. Das Keilstück ist ein Werk, an dem man sich reiben darf. Ob das eine Leistung oder eine Fehlleistung des Künstlers ist, darüber geht die öffentliche Meinung auseinander. Als unbestreitbar dürfte seither gelten, dass Kunst im öffentlichen Raum das Potenzial hat, von vielen nicht als bereichernd, sondern als stadtbildverschandelnd wahrgenommen zu werden. Die Weserfreunde wissen das genau. Dass sie es ignorieren, ist ein Akt besonders ausgeprägter Ignoranz. Obwohl das durch Kunstdebatten geprägte Minden vorsichtig gegenüber öffentlicher Kunst ist, schrecken sie nicht davor zurück, ein neues Werk direkt vor der Innenstadt zur Geheimsache zu erklären. Ein 15 Tonnen schwerer Betonsockel ist in die Stadtblänke unweit der Weserbrücke eingelassen worden. Darüber haben die Weserfreunde informiert. Doch als von Öffentlichkeit, Politik und Presse die naheliegende Nachfrage kam, was für ein Kunstwerk dort denn entstehen solle – konsequentes Schweigen. Sollte die Öffentlichkeit das Kunstwerk nach der Errichtung ebenso leidenschaftlich ablehnen wie das Keilstück, muss sich der Verein den Vorwurf gefallen lassen, mit Ansage bewusst das volle Risiko der Kunst in Kauf genommen zu haben. Ebenso die Stadtverwaltung, die den Kurs durch die eigenwillige Gestaltung einer Tagesordnung indirekt unterstützt hat. Und es wird nicht der einzige Vorwurf sein, den sich die Weserfreunde werden gefallen lassen müssen. Denn es gibt etwas Zweites, das eigentlich zur Vorsicht hätte mahnen müssen: das Theater um die Kostensteigerung des Stadtblänke-Projekts im vergangenen Jahr. Dessen Kosten hatten sich auf satte 600.000 Euro verdoppelt. Das warf einen Schatten auf das Ansehen des Projekts und die Vereinsarbeit. Nachvollziehbar, denn damals blieben einige Fragen offen. Auch diese: War es glücklich, dass der Verein Weserfreunde um Detlef Sönnichsen das Projekt initiierte und ausgerechnet das Planungsbüro Sönnichsen & Partner (Geschäftsführer laut Firmen-Homepage: Detlef Sönnichsen) den Auftrag der Oberbauleitung erhielt? Das hatte Geschmäckle und schon damals war es um die Kommunikation des Projekts und sein Drumherum schlecht bestellt. Dieser Eindruck verfestigt sich nun. Es wirkt nicht, als hätten Verein und Verwaltung gelernt. Weiter geht's mit der Geheimniskrämerei. Vertrauensaufbau geht anders.

Standpunkt zum geplanten Kunstobjekt in der Stadtblänke: Riskante Kunst

Minden und die Kunst – das ist bekanntermaßen eine nicht ganz einfache Verbindung. Das Keilstück auf dem Martinikirchhof tut mit der Stadt, was es offenbar programmatisch tun sollte: Es spaltet und das seit Jahrzehnten. Einige mögen es, viele verabscheuen es. Und zwar so sehr, dass es durchaus nicht übertrieben ist, von Hass zu sprechen.

Das Keilstück ist ein Werk, an dem man sich reiben darf. Ob das eine Leistung oder eine Fehlleistung des Künstlers ist, darüber geht die öffentliche Meinung auseinander. Als unbestreitbar dürfte seither gelten, dass Kunst im öffentlichen Raum das Potenzial hat, von vielen nicht als bereichernd, sondern als stadtbildverschandelnd wahrgenommen zu werden.

Die Weserfreunde wissen das genau. Dass sie es ignorieren, ist ein Akt besonders ausgeprägter Ignoranz. Obwohl das durch Kunstdebatten geprägte Minden vorsichtig gegenüber öffentlicher Kunst ist, schrecken sie nicht davor zurück, ein neues Werk direkt vor der Innenstadt zur Geheimsache zu erklären. Ein 15 Tonnen schwerer Betonsockel ist in die Stadtblänke unweit der Weserbrücke eingelassen worden. Darüber haben die Weserfreunde informiert. Doch als von Öffentlichkeit, Politik und Presse die naheliegende Nachfrage kam, was für ein Kunstwerk dort denn entstehen solle – konsequentes Schweigen. Sollte die Öffentlichkeit das Kunstwerk nach der Errichtung ebenso leidenschaftlich ablehnen wie das Keilstück, muss sich der Verein den Vorwurf gefallen lassen, mit Ansage bewusst das volle Risiko der Kunst in Kauf genommen zu haben. Ebenso die Stadtverwaltung, die den Kurs durch die eigenwillige Gestaltung einer Tagesordnung indirekt unterstützt hat.

Und es wird nicht der einzige Vorwurf sein, den sich die Weserfreunde werden gefallen lassen müssen. Denn es gibt etwas Zweites, das eigentlich zur Vorsicht hätte mahnen müssen: das Theater um die Kostensteigerung des Stadtblänke-Projekts im vergangenen Jahr. Dessen Kosten hatten sich auf satte 600.000 Euro verdoppelt. Das warf einen Schatten auf das Ansehen des Projekts und die Vereinsarbeit. Nachvollziehbar, denn damals blieben einige Fragen offen. Auch diese: War es glücklich, dass der Verein Weserfreunde um Detlef Sönnichsen das Projekt initiierte und ausgerechnet das Planungsbüro Sönnichsen & Partner (Geschäftsführer laut Firmen-Homepage: Detlef Sönnichsen) den Auftrag der Oberbauleitung erhielt? Das hatte Geschmäckle und schon damals war es um die Kommunikation des Projekts und sein Drumherum schlecht bestellt. Dieser Eindruck verfestigt sich nun.

Es wirkt nicht, als hätten Verein und Verwaltung gelernt. Weiter geht's mit der Geheimniskrämerei. Vertrauensaufbau geht anders.

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