Standpunkt zum Thema Weserversalzung: Zwei Seiten Benjamin Piel Wenn es um die Umwelt geht, setzt schnell ein Dualismus ein. Naturschutz ist gut, was die Natur schädigt, ist böse. Das ist theoretisch nachvollziehbar und wirkt auf den ersten Blick auch logisch. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter. Das ist auch bei der Frage nach der sogenannten Weser-Versalzung so. Nebenbei: Allein das ist schon kein neutraler Begriff, sondern ein Schlagwort, das den Anschein erweckt und auch erwecken soll, die Weser sei dabei, in ein Salzgewässer verwandelt zu werden. Richtig ist, dass das Kali-Bergbauunternehmen K+S seit Jahren Salzabwässer in die Werra leitet, die in die Weser mündet. Und in der Tat: Das hat die Werra in einen der salzigsten Flüsse Deutschlands verwandelt. Süßwasserarten kommen dort kaum noch vor. Ein Fluss ist zum Abwasserkanal verkommen und diese Verklappung ist ein Problem. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Das Unternehmen hat einen Plan umzusetzen, der die Verschmutzung minimiert. Nun stellt es die vereinbarte Reduzierung in Frage. Dagegen regt sich Widerstand. So weit, so klar. Die Debatte überdeckt allerdings zwei Punkte, die verdient haben, genauer beleuchtet zu werden. Das Unternehmen K+S hat 15.000 Mitarbeiter. Es geht also auch um Menschen, deren Arbeitsplätze in Gefahr wären, würde der Umweltschutz so fokussiert umgesetzt, dass in der Folge der Bergbau am Standort zum Erliegen käme. Außerdem befindet sich das Unternehmen in einer schweren Krise. Wer glaubt, mit dem Salzwasser würden auch die Gewinne sprudeln, irrt. Die Kalipreise haben sich innerhalb von acht Jahren mehr als halbiert. Der Börsenkurs des Unternehmens ist im freien Fall – von knapp 95 Euro (2008) auf nun sechs Euro. 2016 flog K+S aus dem DAX. Die Verschuldung ist milliardenschwer, gerade ist das Unternehmen dabei, sein Amerika-Geschäft zu verkaufen, um sich Luft zu verschaffen. Dass die Firma in dieser Phase beantragt, die Einleitungsmengen langsamer als vereinbart zu senken, ist nachvollziehbar, denn die Entsorgungsalternativen sind teuer. Und das ist der zweite Punkt: Es ist nicht geplant, die Mengen zu steigern, sondern die Absenkung zu verlangsamen. Bis 2027 will das Unternehmen bis zu 6,7 Millionen Kubikmeter jährlich einleiten. 2007 war es noch mehr als doppelt so viel. Es ist klar, dass das Thema für einen Teil der hiesigen SPD ein Wahlkampf-Trumpf ist. Weniger Verschmutzung der Weser? Da ist jeder gerne mit dabei. Und weil das Thema weit weg stattfindet, besteht obendrein kaum ein Risiko. Nicht zuletzt, weil es um tausende Bergleute geht, sollten die Sozialdemokraten aber auch im Wahlkampf nicht vergessen: Eine florierende Wirtschaft in einer zerstörten Welt ist sinnlos – das Gegenteil allerdings auch.

Standpunkt zum Thema Weserversalzung: Zwei Seiten

Wenn es um die Umwelt geht, setzt schnell ein Dualismus ein. Naturschutz ist gut, was die Natur schädigt, ist böse. Das ist theoretisch nachvollziehbar und wirkt auf den ersten Blick auch logisch. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter. Das ist auch bei der Frage nach der sogenannten Weser-Versalzung so. Nebenbei: Allein das ist schon kein neutraler Begriff, sondern ein Schlagwort, das den Anschein erweckt und auch erwecken soll, die Weser sei dabei, in ein Salzgewässer verwandelt zu werden.

Richtig ist, dass das Kali-Bergbauunternehmen K+S seit Jahren Salzabwässer in die Werra leitet, die in die Weser mündet. Und in der Tat: Das hat die Werra in einen der salzigsten Flüsse Deutschlands verwandelt. Süßwasserarten kommen dort kaum noch vor. Ein Fluss ist zum Abwasserkanal verkommen und diese Verklappung ist ein Problem. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Das Unternehmen hat einen Plan umzusetzen, der die Verschmutzung minimiert. Nun stellt es die vereinbarte Reduzierung in Frage. Dagegen regt sich Widerstand.

So weit, so klar. Die Debatte überdeckt allerdings zwei Punkte, die verdient haben, genauer beleuchtet zu werden. Das Unternehmen K+S hat 15.000 Mitarbeiter. Es geht also auch um Menschen, deren Arbeitsplätze in Gefahr wären, würde der Umweltschutz so fokussiert umgesetzt, dass in der Folge der Bergbau am Standort zum Erliegen käme. Außerdem befindet sich das Unternehmen in einer schweren Krise. Wer glaubt, mit dem Salzwasser würden auch die Gewinne sprudeln, irrt. Die Kalipreise haben sich innerhalb von acht Jahren mehr als halbiert. Der Börsenkurs des Unternehmens ist im freien Fall – von knapp 95 Euro (2008) auf nun sechs Euro. 2016 flog K+S aus dem DAX. Die Verschuldung ist milliardenschwer, gerade ist das Unternehmen dabei, sein Amerika-Geschäft zu verkaufen, um sich Luft zu verschaffen.

Dass die Firma in dieser Phase beantragt, die Einleitungsmengen langsamer als vereinbart zu senken, ist nachvollziehbar, denn die Entsorgungsalternativen sind teuer. Und das ist der zweite Punkt: Es ist nicht geplant, die Mengen zu steigern, sondern die Absenkung zu verlangsamen. Bis 2027 will das Unternehmen bis zu 6,7 Millionen Kubikmeter jährlich einleiten. 2007 war es noch mehr als doppelt so viel.

Es ist klar, dass das Thema für einen Teil der hiesigen SPD ein Wahlkampf-Trumpf ist. Weniger Verschmutzung der Weser? Da ist jeder gerne mit dabei. Und weil das Thema weit weg stattfindet, besteht obendrein kaum ein Risiko.

Nicht zuletzt, weil es um tausende Bergleute geht, sollten die Sozialdemokraten aber auch im Wahlkampf nicht vergessen: Eine florierende Wirtschaft in einer zerstörten Welt ist sinnlos – das Gegenteil allerdings auch.

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