Stadtsilhouette Mindens wird neu geprägt Bauarbeiten am wichtigstem historischen Gebäude der Stadt starten: Dom bekommt Vierungsturm samt Geläut zurück Von Anja Peper Minden (mt). Die über 1200 Jahre alte Geschichte des Mindener Doms bekommt ein neues Kapitel. Bis Weihnachten soll der Vierungsturm so wieder errichtet werden, wie er bis zum verheerenden Bombenangriff im März 1945 das Stadtbild geprägt hat. Das Baugerüst an der Nordseite kündigt die Bauarbeiten an. Gut 24 Meter hoch wird das neue Wahrzeichen sein und damit in der Spitze genauso hoch wie der Dachreiter des Westwerkes. Kugel und Kreuz, die den Turmabschluss bilden, werden sich dann mehr als 56 Meter über dem Gebäudesockel befinden. Weithin sichtbar wird der neue Vierungsturm nicht nur das Erscheinungsbild des Doms verändern, sondern auch die Stadtsilhouette Mindens. Wer beispielsweise aus Richtung Neesen in die Stadt kommt, gewinnt künftig einen neuen, vermutlich harmonischeren Eindruck. Mit dem Vierungsturm wird der Wiederaufbau nach der Zerstörung im Krieg abgeschlossen sein. Für Rudolf Bilstein (Kirchenvorstand) und Arnold Weigelt (Dombau-Verein Minden) ist das nicht weniger als "ein epochales Ereignis". Der Turm ist bis in die Gotik hinein dokumentiert und war wahrscheinlich schon während der romanischen Phase vorhanden.Ein Vierungsturm hat seinen Namen daher, dass er grundsätzlich an der Stelle ist, wo Längsschiff und Querschiff sich kreuzen (Vierung). Er wird achteckig und bekommt einen Durchmesser von etwa sechs Metern. "Für den Wiederaufbau können die originalen Fundamente genutzt werden, die den Bombenangriff überstanden haben", erläutert Rudolf Bilstein. Platz bietet der Turm den fünf Zimbelglocken, die in einer Glockengießerei in der Eifel in Handarbeit hergestellt wurden (Bericht im MT). Dort warten sie auf ihren Einsatz in Minden.Neue Optik und ein neuer KlangDas Geläut der fünf neuen Glocken zusammen mit den acht Hauptglocken im Westwerk des Doms und der umliegenden evangelischen Kirchen werde die große "Sinfonie zum Lobe Gottes" vervollständigen, so Arnold Weigelt. "Weil die Zimbelglocken kleiner sind, ergeben sie höhere Töne." Alle Klangfarben seien harmonisch aufeinander abgestimmt. "Süßer die Glocken nie klingen": Der Klassiker könnte sich in diesem Jahr tatsächlich bewahrheiten.Das Land Nordrhein-Westfalen wird die Wiedererrichtung finanzieren. Die Baukosten sind auf maximal 800000 Euro kalkuliert. Das soll die Obergrenze sein. Auch der etwa hundert Mitglieder zählende Dombau-Verein wird den Wiederaufbau unterstützen.Bevor an dem wichtigsten historischen Gebäude der Stadt gebaut werden darf, haben natürlich viele Leute mitzureden: Erst nach zahlreichen Gutachten von Theologen, Architekten, Ingenieuren, Sachverständigen, Kunsthistorikern und Denkmalpflegern konnte nach Jahren ein Kompromiss gefunden werden. Erste Pläne gab es nämlich schon seit Mitte der achtziger Jahre.Dass der Dom 66 Jahre nach Kriegsende den Vierungsturm zurückbekommt, ist für Kirchenvorstand Rudolf Bilstein und Arnold Weigelt vom Dombau-Verein nicht weniger als ein "epochales Ereignis". Die neue Optik und der neue Klang werde eine Bereicherung für die ganze Stadt, meint Weigelt.

Stadtsilhouette Mindens wird neu geprägt

Minden (mt). Die über 1200 Jahre alte Geschichte des Mindener Doms bekommt ein neues Kapitel. Bis Weihnachten soll der Vierungsturm so wieder errichtet werden, wie er bis zum verheerenden Bombenangriff im März 1945 das Stadtbild geprägt hat. Das Baugerüst an der Nordseite kündigt die Bauarbeiten an.

Der Vierungsturm auf dem Mindener Dom vor der Zerstörung bei einem Bombenangriff am 28. März 1945. - © Foto: pr
Der Vierungsturm auf dem Mindener Dom vor der Zerstörung bei einem Bombenangriff am 28. März 1945. - © Foto: pr

Gut 24 Meter hoch wird das neue Wahrzeichen sein und damit in der Spitze genauso hoch wie der Dachreiter des Westwerkes. Kugel und Kreuz, die den Turmabschluss bilden, werden sich dann mehr als 56 Meter über dem Gebäudesockel befinden. Weithin sichtbar wird der neue Vierungsturm nicht nur das Erscheinungsbild des Doms verändern, sondern auch die Stadtsilhouette Mindens. Wer beispielsweise aus Richtung Neesen in die Stadt kommt, gewinnt künftig einen neuen, vermutlich harmonischeren Eindruck. Mit dem Vierungsturm wird der Wiederaufbau nach der Zerstörung im Krieg abgeschlossen sein. Für Rudolf Bilstein (Kirchenvorstand) und Arnold Weigelt (Dombau-Verein Minden) ist das nicht weniger als "ein epochales Ereignis". Der Turm ist bis in die Gotik hinein dokumentiert und war wahrscheinlich schon während der romanischen Phase vorhanden.

Für Arnold Weigelt (Dombau-Verein, links) und Rudolf Bilstein (Kirchenvorstand) bedeutet die ersehnte Neuerrichtung des historischen Vierungsturms "ein epochales Ereignis". Damit werde der Wiederaufbau des Doms nach 66 Jahren endgültig abgeschlossen. - © Foto: Alex Lehn
Für Arnold Weigelt (Dombau-Verein, links) und Rudolf Bilstein (Kirchenvorstand) bedeutet die ersehnte Neuerrichtung des historischen Vierungsturms "ein epochales Ereignis". Damit werde der Wiederaufbau des Doms nach 66 Jahren endgültig abgeschlossen. - © Foto: Alex Lehn

Ein Vierungsturm hat seinen Namen daher, dass er grundsätzlich an der Stelle ist, wo Längsschiff und Querschiff sich kreuzen (Vierung). Er wird achteckig und bekommt einen Durchmesser von etwa sechs Metern. "Für den Wiederaufbau können die originalen Fundamente genutzt werden, die den Bombenangriff überstanden haben", erläutert Rudolf Bilstein. Platz bietet der Turm den fünf Zimbelglocken, die in einer Glockengießerei in der Eifel in Handarbeit hergestellt wurden (Bericht im MT). Dort warten sie auf ihren Einsatz in Minden.

Neue Optik und ein neuer Klang

Das Geläut der fünf neuen Glocken zusammen mit den acht Hauptglocken im Westwerk des Doms und der umliegenden evangelischen Kirchen werde die große "Sinfonie zum Lobe Gottes" vervollständigen, so Arnold Weigelt. "Weil die Zimbelglocken kleiner sind, ergeben sie höhere Töne." Alle Klangfarben seien harmonisch aufeinander abgestimmt. "Süßer die Glocken nie klingen": Der Klassiker könnte sich in diesem Jahr tatsächlich bewahrheiten.

Das Land Nordrhein-Westfalen wird die Wiedererrichtung finanzieren. Die Baukosten sind auf maximal 800000 Euro kalkuliert. Das soll die Obergrenze sein. Auch der etwa hundert Mitglieder zählende Dombau-Verein wird den Wiederaufbau unterstützen.

Bevor an dem wichtigsten historischen Gebäude der Stadt gebaut werden darf, haben natürlich viele Leute mitzureden: Erst nach zahlreichen Gutachten von Theologen, Architekten, Ingenieuren, Sachverständigen, Kunsthistorikern und Denkmalpflegern konnte nach Jahren ein Kompromiss gefunden werden. Erste Pläne gab es nämlich schon seit Mitte der achtziger Jahre.

Dass der Dom 66 Jahre nach Kriegsende den Vierungsturm zurückbekommt, ist für Kirchenvorstand Rudolf Bilstein und Arnold Weigelt vom Dombau-Verein nicht weniger als ein "epochales Ereignis". Die neue Optik und der neue Klang werde eine Bereicherung für die ganze Stadt, meint Weigelt.

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