Standpunkt zur Pegelschlange in der Stadtblänke: Gucken und Denken Stefan Koch Hätten es die Weserfreunde nötig gehabt, ihre Pegelschlange in der Stadtblänke an der Mindener Öffentlichkeit vorbei zu projektieren? Wer dieses originelle Objekt sieht, das sich bis zu einer Höhe von rund elf Metern emporschlängelt, muss es als schön empfinden. Schon die Skizze von ihm macht neugierig auf das, was der Verein am Dienstag dem Kulturausschuss versprach: Die Skulptur dient dem Vergnügen der Betrachter, erheitert sie und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Aber Menschen wollen nicht nur gucken – sie müssen mitunter auch denken. Denn keineswegs ist es so, wie Horst Spreckelmeyer und Detlef Sönnichsen von den Weserfreunden den Kulturparlamentariern suggerierten, dass dank der Finanzierung durch die Rotarier das Objekt auf der Fläche im Eigentum des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Weser für die Stadt folgenlos bleiben wird. Vor der kostspieligen Umgestaltung des Überschwemmungsgebietes ging nämlich das Areal vertraglich in den Besitz der Stadt Minden über, so dass sie für dessen Unterhaltung zuständig ist. Und da es sich bei der Pegelschlange laut Sönnichsen um „ein Geschenk an die Stadt Minden“ handelt, ist sie allein die Eigentümerin der Kunst in der Stadtblänke. Wie Eigentum von Kunst fatal verpflichten kann, zeigt derzeit der aus Sicherheitsgründen abgesperrte Spielbrunnen am Wesertor. Sein Abriss kostet die Stadt mehr als 100.000 Euro – sein Ersatz würde die dreifache Summe verschlingen. Wenn Kinder die Pegelschlange als Rutsche nutzen und Kletterer sie erklimmen, müsste die Stadt erneut ihrer Verkehrssicherungspflicht gerecht werden und das dann berappen. Draufzahlen musste sie schon bei der Brücke im Weserglacis, deren Halterung im Überflutungsbereich vorzeitig korrodierte und aus Sicherheitsgründen zum Sanierungsfall wurde. Nasse Füße wird auch die Pegelschlange bekommen, sodass sich Wetten auf den Zeitpunkt empfehlen, wann hier das Werk am Sockel wackelt und die Kosten kommen. Ob die Stadt die Pegelschlange dann einfach wieder los wird? Das Keilstück am Martinikirchhof lehrt, wie ein Künstler das Standrecht für sein Werk juristisch durchsetzt und auch noch dreist dessen Unterhaltung nach seinen Vorstellungen fordert. Angesichts dieser Erfahrung ist die Kommune gut beraten, einmal ihre Rechtsabteilung die Folgen dieser neuerlichen Schenkung überprüfen zu lassen. Und bei der Gelegenheit wäre seitens des Rates auch die Prüfung angebracht, wie ein Verein der Stadt ein Objekt unterjubeln kann, das nicht nur eine kulturelle und finanzielle, sondern auch eine baurechtliche Relevanz besitzt. Die bedarf mehr als nur der Kenntnisnahme eines parlamentarischen Gremiums.

Standpunkt zur Pegelschlange in der Stadtblänke: Gucken und Denken

Hätten es die Weserfreunde nötig gehabt, ihre Pegelschlange in der Stadtblänke an der Mindener Öffentlichkeit vorbei zu projektieren? Wer dieses originelle Objekt sieht, das sich bis zu einer Höhe von rund elf Metern emporschlängelt, muss es als schön empfinden. Schon die Skizze von ihm macht neugierig auf das, was der Verein am Dienstag dem Kulturausschuss versprach: Die Skulptur dient dem Vergnügen der Betrachter, erheitert sie und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht.

Aber Menschen wollen nicht nur gucken – sie müssen mitunter auch denken. Denn keineswegs ist es so, wie Horst Spreckelmeyer und Detlef Sönnichsen von den Weserfreunden den Kulturparlamentariern suggerierten, dass dank der Finanzierung durch die Rotarier das Objekt auf der Fläche im Eigentum des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Weser für die Stadt folgenlos bleiben wird. Vor der kostspieligen Umgestaltung des Überschwemmungsgebietes ging nämlich das Areal vertraglich in den Besitz der Stadt Minden über, so dass sie für dessen Unterhaltung zuständig ist. Und da es sich bei der Pegelschlange laut Sönnichsen um „ein Geschenk an die Stadt Minden“ handelt, ist sie allein die Eigentümerin der Kunst in der Stadtblänke.

Wie Eigentum von Kunst fatal verpflichten kann, zeigt derzeit der aus Sicherheitsgründen abgesperrte Spielbrunnen am Wesertor. Sein Abriss kostet die Stadt mehr als 100.000 Euro – sein Ersatz würde die dreifache Summe verschlingen. Wenn Kinder die Pegelschlange als Rutsche nutzen und Kletterer sie erklimmen, müsste die Stadt erneut ihrer Verkehrssicherungspflicht gerecht werden und das dann berappen.

Draufzahlen musste sie schon bei der Brücke im Weserglacis, deren Halterung im Überflutungsbereich vorzeitig korrodierte und aus Sicherheitsgründen zum Sanierungsfall wurde. Nasse Füße wird auch die Pegelschlange bekommen, sodass sich Wetten auf den Zeitpunkt empfehlen, wann hier das Werk am Sockel wackelt und die Kosten kommen.

Ob die Stadt die Pegelschlange dann einfach wieder los wird? Das Keilstück am Martinikirchhof lehrt, wie ein Künstler das Standrecht für sein Werk juristisch durchsetzt und auch noch dreist dessen Unterhaltung nach seinen Vorstellungen fordert. Angesichts dieser Erfahrung ist die Kommune gut beraten, einmal ihre Rechtsabteilung die Folgen dieser neuerlichen Schenkung überprüfen zu lassen.

Und bei der Gelegenheit wäre seitens des Rates auch die Prüfung angebracht, wie ein Verein der Stadt ein Objekt unterjubeln kann, das nicht nur eine kulturelle und finanzielle, sondern auch eine baurechtliche Relevanz besitzt. Die bedarf mehr als nur der Kenntnisnahme eines parlamentarischen Gremiums.

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