Spurensuche: Wer ist der Käufer der Obermarktpassage? Monika Jäger Minden. Wer Einkaufszentren und Geschäftshäuser entwickelt, tut das in der Regel nicht nur einmal. Viel Erfahrung und ein großer Apparat sind nötig, bis die komplizierten Gemengelagen in den alten Innenstädten Deutschlands aufgenommen, bewertet, rechtlich geklärt und neu überplant sind. So einen fachlichen Hintergrund brachten zum Beispiel Procom aus Hamburg mit, die das Geschäftshaus am Scharn entwickelten und später verkauften, oder die Hellmich Unternehmensgruppe, die am Wesertor aktiv wurde. Erfahrung hatten auch jene, die in Minden am Ende nicht erfolgreich waren – ECE aus Hamburg beispielsweise, die am Wesertor an zu hohen Grunderwerbskosten für die Immobilie im Teileigentum scheiterten, oder die Düsseldorfer ITG, die ursprünglich das Objekt am Scharn entwickeln wollte. All diese Unternehmen präsentieren im Internet professionell ihre bisherigen Projekte und solche in Planung. Alle suchten früh Kontakt zu den Aktiven vor Ort und zur Verwaltung. Wer mehr über sie wissen will, wird schon unter den ersten Google-Einträgen fündig. Der Google-Reiter „News" fördert zudem viele Artikel zutage, in denen diese Unternehmen genannt werden, weil sie überall in Deutschland als Projektentwickler aktiv sind und an die Öffentlichkeit treten. Doch bei der AIM Center GmbH mit Sitz in Passau und ihrem Geschäftsführer Robert Maier, dem Käufer der Obermarktpassage, ist das alles nicht der Fall. Es gibt keine Homepage: Eine Seite „aimcenter.de" verweist auf eine Indoor-Schießanlage, die im 270 Kilometer von Passau entfernten Irschenberg liegt. Das führte dazu, dass MT-Leser schon vermuteten, in der Obermarktpassage würde eine Indoor-Schießanlage entstehen. Doch beides hat nichts miteinander zu tun. An der gleichen Passauer Adresse wie Maiers AIM-Center GmbH residiert eine weitere Immobilienfirma, deren Geschäftsführer ebenfalls Robert Maier ist: die BES Berlin Realestate. Für die BES wirft die Suchmaschine die Seitenadresse www.besrealestate.de aus. Dort gibt es einen knappen, undatierten Verweis auf ein einziges Objekt: Eine geplante Entwicklung am Steiner-Thor-Platz in Straubing. Die Telefonnummer auf dieser Seite, unter der man die BES-Objektentwicklung erreichen kann, ist identisch mit der, die Maier beim MT angegeben hat. Ein grün-schwarz-weißes Logo „BES Immobilien" ist auffällig am Kopf dieser Seite platziert. Es gibt eine Firma mit diesem Namen, und zwar in Sonneberg/Thüringen, und sie hat auch eine eigene Homepage. Das Logo dort ist allerdings anders gestaltet. Deren Geschäftsführerin erklärte gegenüber dem MT, mit Maier oder der BES Berlin Realestate nichts zu tun zu haben. So steht über dem Straubinger Projekt ein Logo mit einem frei gewählten Namen. Das könnte dann problematisch sein, wenn Besucher der Seite daraus ableiten, dass eine weitere Firma mit dem Namen „BES Immobilien" hinter dem Projekt steht. Blick nach Straubing: Dort ließ Maier 2018 seine Pläne für den Umbau einer stadtbildprägenden Altimmobilie vorstellen. „Ein neuer Eigentümer entwickelt ein neues Konzept für das derzeit nur zum Teil genutzte Kaufhaus", schrieb dort das Straubinger Tagblatt Anfang Juni 2018. Wenige Wochen später waren die Pläne Thema im Bauausschuss: „BES Berlin Realestate GmbH, Passau: Vorbescheid für Umbau und Aufstockung des bestehenden Geschäftshauses mit Nutzungserweiterung für Hotel, Gastronomie und Tiefgarage, Steiner-Thor-Platz 1". Das Sitzungsprotokoll steht nicht im Internet. Genau erinnert sich noch Michele Gianfrancesco an diese Sitzung. Denn für den Straubinger Kommunalpolitiker (Freie Wähler) verbindet sich Persönliches mit dem Gebäude. „Das Haus kenne ich sehr gut – dort hatte ich jahrelang ein Restaurant", sagte er in dieser Woche im Telefonat mit dem Mindener Tageblatt. Ab 1991 bot er dort im ersten Stock bayrische und italienische Speisen an. Am selben Ort stand ganz früher das erste Haus am Platz, das „Hotel Röhrl". Ende der 60er Jahre wurde es abgerissen, in ein neues Gebäude zog 1968 das Kaufhaus Bilka ein – Einkaufsmagnet an dieser wichtigen Stelle in der Stadt. Viele Jahre war im ersten Stock ein „wunderbares Tagescafé, riesengroß, das war immer voll", erinnert sich Gianfrancesco. Später folgte Woolworth auf Bilka, und auch das Café schloss. So weit, so normal. Auch in Straubing änderten sich die Zeiten – bundesweit verloren die Einkaufszentren aus den 70ern an Bedeutung. Eine Geschichte, die an die der Obermarktpassage erinnert. Getan hat sich in Straubing seit der Vorstellung in 2018 nichts. Offenbar hat Maier die Immobilie nicht erwerben können. Anfang Mai schreibt die Zeitung: „Das Grundstück gehört weiterhin der Röhrl-Grundstücksverwaltungs-GmbH, eine Erbengemeinschaft." Eine Firma namens Winter Invest habe die Erbbaurechte erworben. Unter der Adresse der beiden Firmen AIM und BES, Brixener Straße 13 in Passau, gibt es zahlreiche weitere Unternehmen, darunter die AIM Energy-Investment GmbH, die Intelligent Investment-Beratung und Vermittlung, Ifatec Privat-Institut für angewandte Technologie, BES Berlin Realestate, Delta Energy Solutions Germany. An dieser Adresse in einem Wohnviertel war zu der Zeit, als das „2020" datierte Google-Satellitenfoto entstanden ist, ein Wohnhaus mit Garage und Swimming-Pool. Maier ist auch Geschäftsführer einer „LiaTon Wohnbau GmbH" mit Sitz in Straubing – keine Homepage zu finden. Auch hier gibt es eine Namensähnlichkeit zu einem anderen Unternehmen, das im Baubereich tätig ist: In Altdorf gibt es die „LiaTon Wohnbau GmbH & Co KG" - mit einem ganz anderen Geschäftsführer. In seinem Schreiben ans MT nennt Maier die Web-Adresse www.delta-energy-solutions.com. Diese verweist auf eine Firma, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat. Auch diese residiert an der Brixener Straße 13. Auf der Webseite werden verschiedene Projekte beschrieben. Laut Passauer Neue Presse vom 18. Februar 2020 hat Maier im Bayern über 50 Photovoltaik-Anlagen erbaut. Übrigens gibt es auch hier eine sprachliche Nähe zu einem anderen Unternehmen mit sehr ähnlichem Logo, nämlich Delta Energy Systems, die weltweit agieren und auch erneuerbare Energien anbieten – als Tochter einer großen thaländischen Dachfirma mit weltweit 80.000 Mitarbeitern Zurück nach Passau: Auf der Seite seines Unternehmens hat Maier auch sein "Dream-Team" aufgelistet. Maier skizziert hier seinen Lebenslauf als der eines zum Geschäftsmann gewordenen Physikers mit Studium an der Technischen Universität München. Seit 2014 sei er Mitglied der „Guthrie Group". Der Link, der hier hinterlegt ist, führt allerdings ins Nichts. Von den anderen vier Personen des „Dream Teams" dürfte der wohl interessanteste Dan Peñañañaña sein. Der 1945 geborene amerikanische Geschäftsmann nennt sich selbst „The Trillion Dollar Man" und verkauft Einzelplätze in seinen besonderen Coaching-Seminaren teuer: pro Person 24.000 Pfund, umgerechnet 26.600 Euro, für sieben Tage. In Videos auf Youtube ist er zu sehen als Einpeitscher und Mann der markigen Sprüche, er richtet sich sowohl an junge Leute als auch an etablierte Geschäftsleute. Wer will, der kann, so seine Botschaft. Auszüge: „Zeige mir deine Freunde, und ich zeige dir deine Zukunft. Schau doch nur, mit was für Nieten du abhängst." Warum sind Menschen wie Gates und Musk erfolgreich? „Theyare ball busters. Theyarehard as nails." "Furcht ist der effektivste Weg", brüllt er in einem anderen seiner Promo-Videos und hält dabei demonstrativ eine Waffe hoch. Derek van Schaik (auch er verdient übrigens als Coach sein Geld) zitiert in einem Debunking-Video Aufnahmen, in denen Peña sich die Waffe auch in den Mund steckt und demonstriert, wie Selbstmord funktioniert („Wenn du es tun willst, mach es richtig – meine Rechtsanwälte wollen, dass ich dazu sage, dass ich das im übertragenen Sinn meine"). Dann sagt Peña, dieses sei bei seinen Kursen ein ruhiges Jahr gewesen. Aber letztes Jahr war ein „gutes Jahr": „Vier oder fünf Selbstmordversuche, drei oder vier Nervenzusammenbrüche." Andererseits: Unter seinen Videos stehen viele Kommentare von begeisterten Menschen, die sich offenbar durch seine Lehren motiviert und gestärkt fühlen. Auch Robert Maier nahm 2015 an Seminaren bei Peña teil, ebenso an einem Hardcore-Kursus auf dem schottischen Schloss des Coaches. Wie fand er die Seminare? Das sagt er in mehreren „Testimonial"-Videos: „Ich gehe als ein anderer Mann zurück." Zu seinen Plänen für Minden und den offenen Fragen zum Projekt in Straubing sowie seinen bisherigen Erfahrungen nahm Maier gegenüber dem MT trotz mehrerer Anfragen keine Stellung. Er hatte schon in seiner ersten Mail darauf hingewiesen, dass er hoffe, dass „von uns in der Vergangenheit als negativ wahrgenommene Presseartikel zur Obermarktpassage oder zum bisherigen Eigetnümer (Fehler im Original) im Sinne einer baldigen Wiederbelebung der Obermarktpassage in Minden unterbleiben können." Und weiter: „Sollte das der Fall sein, melden wir uns gerne jeweils zu gebener (sic) Zeit mit Details wieder bei Ihnen. . ." . Er stellte dafür zwölf Wochen in Aussicht. Das Beste für die Stadt Ein Kommentar von Benjamin Piel Jetzt macht mal endlich jemand etwas mit der Obermarktpassage – und schon müsst ihr wieder mit euren Fragen kommen und alles kaputtschreiben." – Solche Sätze haben wir in der MT-Redaktion innerhalb der zurückliegenden Tage manchmal gehört. Zunächst ist der Wunsch danach, dass der neue Eigentümer der Obermarktpassage (Vertiefendes zu dem Thema auf Seite 3) Zeit und Raum für Ideen bekommt, verständlich. Bei genauerer Betrachtung ist das Spannungsverhältnis zwischen einem wohlwollenden Blick auf die Interessen und Pläne eines Investors und den kritischen Fragen, die wir selbst und unsere Leser von uns erwarten, allerdings komplexer. Letztlich steht seit dem Bekanntwerden des Verkaufs auch die Frage im Raum: Was ist in so einem Prozess eigentlich unsere Rolle als lokales Medium? Diese Frage hat etwas mit einem herausfordernden Selbst- und Rollenverständnis zu tun und widerstrebenden Interessen des Publikums. Beginnen wir mit dem Anliegen, dass Dinge sich positiv entwickeln. Wir wollen das Beste für Minden-Lübbeckes Bürger, für die Region sowie ihre Städte und Gemeinden. Daraus erwächst im konkreten Fall eine klare Haltung: Es kann nicht das Beste für die Stadt Minden sein, wenn in ihrem Herzen ein augenfälliges Gebäude vor sich hin gammelt. Auch nicht, dass sich das Gebäude im Besitz eines amerikanischen Investment-Riesen befindet, der alles andere als transparent agiert und dem das Geld seiner Kunden, aber ganz sicher nicht das Wohl der Bürger Mindens am Herzen liegt. Wir wünschen uns, dass etwas Gutes aus der Obermarktpassage wird und aus einem Schandfleck ein guter Ort für die Stadt. Es gibt allerdings eine Aufgabe, die wir als Journalisten zu erfüllen haben, die diesem konstruktiven Blick scheinbar entgegenläuft. Unsere Grundhaltung muss hinterfragend sein und bleiben. Wir wollen uns nicht blenden lassen von den Aussagen eines Investors und nicht leichtgläubig annehmen, nun werde automatisch alles gut. Die Situation ist komplex. Deswegen haben wir Fragen, auf die es bisher keine Antworten gibt: Was hat Robert Maier mit der Passage vor? Seit wann laufen die Planungen? Welche Erfahrungen hat er bereits mit der Entwicklung von Centern? Nur scheinbar besteht zwischen dem Wunsch nach einer positiven Entwicklung und der fragenden Haltung ein Widerspruch. Tatsächlich geht beides Hand in Hand. Je mehr Wissen um ein Projekt besteht, desto besser kann die Öffentlichkeit sich ihre Meinung bilden. Nur so wird Positives und Problematisches unterscheidbar.Wir wollen genau hinschauen – zum Wohle der Stadt.

Spurensuche: Wer ist der Käufer der Obermarktpassage?

Minden. Wer Einkaufszentren und Geschäftshäuser entwickelt, tut das in der Regel nicht nur einmal. Viel Erfahrung und ein großer Apparat sind nötig, bis die komplizierten Gemengelagen in den alten Innenstädten Deutschlands aufgenommen, bewertet, rechtlich geklärt und neu überplant sind. So einen fachlichen Hintergrund brachten zum Beispiel Procom aus Hamburg mit, die das Geschäftshaus am Scharn entwickelten und später verkauften, oder die Hellmich Unternehmensgruppe, die am Wesertor aktiv wurde. Erfahrung hatten auch jene, die in Minden am Ende nicht erfolgreich waren – ECE aus Hamburg beispielsweise, die am Wesertor an zu hohen Grunderwerbskosten für die Immobilie im Teileigentum scheiterten, oder die Düsseldorfer ITG, die ursprünglich das Objekt am Scharn entwickeln wollte.

All diese Unternehmen präsentieren im Internet professionell ihre bisherigen Projekte und solche in Planung. Alle suchten früh Kontakt zu den Aktiven vor Ort und zur Verwaltung. Wer mehr über sie wissen will, wird schon unter den ersten Google-Einträgen fündig. Der Google-Reiter „News" fördert zudem viele Artikel zutage, in denen diese Unternehmen genannt werden, weil sie überall in Deutschland als Projektentwickler aktiv sind und an die Öffentlichkeit treten.


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Lesen Sie dazu auch: "Schlüsselimmobilie": Mindens Bau-Beigeordneter Lars Bursian über die Chancen der Obermarktpassage
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Doch bei der AIM Center GmbH mit Sitz in Passau und ihrem Geschäftsführer Robert Maier, dem Käufer der Obermarktpassage, ist das alles nicht der Fall. Es gibt keine Homepage: Eine Seite „aimcenter.de" verweist auf eine Indoor-Schießanlage, die im 270 Kilometer von Passau entfernten Irschenberg liegt. Das führte dazu, dass MT-Leser schon vermuteten, in der Obermarktpassage würde eine Indoor-Schießanlage entstehen. Doch beides hat nichts miteinander zu tun.

An der gleichen Passauer Adresse wie Maiers AIM-Center GmbH residiert eine weitere Immobilienfirma, deren Geschäftsführer ebenfalls Robert Maier ist: die BES Berlin Realestate. Für die BES wirft die Suchmaschine die Seitenadresse www.besrealestate.de aus. Dort gibt es einen knappen, undatierten Verweis auf ein einziges Objekt: Eine geplante Entwicklung am Steiner-Thor-Platz in Straubing. Die Telefonnummer auf dieser Seite, unter der man die BES-Objektentwicklung erreichen kann, ist identisch mit der, die Maier beim MT angegeben hat.

Ein grün-schwarz-weißes Logo „BES Immobilien" ist auffällig am Kopf dieser Seite platziert. Es gibt eine Firma mit diesem Namen, und zwar in Sonneberg/Thüringen, und sie hat auch eine eigene Homepage. Das Logo dort ist allerdings anders gestaltet. Deren Geschäftsführerin erklärte gegenüber dem MT, mit Maier oder der BES Berlin Realestate nichts zu tun zu haben. So steht über dem Straubinger Projekt ein Logo mit einem frei gewählten Namen. Das könnte dann problematisch sein, wenn Besucher der Seite daraus ableiten, dass eine weitere Firma mit dem Namen „BES Immobilien" hinter dem Projekt steht.

Blick nach Straubing: Dort ließ Maier 2018 seine Pläne für den Umbau einer stadtbildprägenden Altimmobilie vorstellen. „Ein neuer Eigentümer entwickelt ein neues Konzept für das derzeit nur zum Teil genutzte Kaufhaus", schrieb dort das Straubinger Tagblatt Anfang Juni 2018. Wenige Wochen später waren die Pläne Thema im Bauausschuss: „BES Berlin Realestate GmbH, Passau: Vorbescheid für Umbau und Aufstockung des bestehenden Geschäftshauses mit Nutzungserweiterung für Hotel, Gastronomie und Tiefgarage, Steiner-Thor-Platz 1". Das Sitzungsprotokoll steht nicht im Internet.

Genau erinnert sich noch Michele Gianfrancesco an diese Sitzung. Denn für den Straubinger Kommunalpolitiker (Freie Wähler) verbindet sich Persönliches mit dem Gebäude. „Das Haus kenne ich sehr gut – dort hatte ich jahrelang ein Restaurant", sagte er in dieser Woche im Telefonat mit dem Mindener Tageblatt. Ab 1991 bot er dort im ersten Stock bayrische und italienische Speisen an.

Am selben Ort stand ganz früher das erste Haus am Platz, das „Hotel Röhrl". Ende der 60er Jahre wurde es abgerissen, in ein neues Gebäude zog 1968 das Kaufhaus Bilka ein – Einkaufsmagnet an dieser wichtigen Stelle in der Stadt. Viele Jahre war im ersten Stock ein „wunderbares Tagescafé, riesengroß, das war immer voll", erinnert sich Gianfrancesco. Später folgte Woolworth auf Bilka, und auch das Café schloss. So weit, so normal. Auch in Straubing änderten sich die Zeiten – bundesweit verloren die Einkaufszentren aus den 70ern an Bedeutung. Eine Geschichte, die an die der Obermarktpassage erinnert.

Getan hat sich in Straubing seit der Vorstellung in 2018 nichts. Offenbar hat Maier die Immobilie nicht erwerben können. Anfang Mai schreibt die Zeitung: „Das Grundstück gehört weiterhin der Röhrl-Grundstücksverwaltungs-GmbH, eine Erbengemeinschaft." Eine Firma namens Winter Invest habe die Erbbaurechte erworben.

Unter der Adresse der beiden Firmen AIM und BES, Brixener Straße 13 in Passau, gibt es zahlreiche weitere Unternehmen, darunter die AIM Energy-Investment GmbH, die Intelligent Investment-Beratung und Vermittlung, Ifatec Privat-Institut für angewandte Technologie, BES Berlin Realestate, Delta Energy Solutions Germany. An dieser Adresse in einem Wohnviertel war zu der Zeit, als das „2020" datierte Google-Satellitenfoto entstanden ist, ein Wohnhaus mit Garage und Swimming-Pool.

Maier ist auch Geschäftsführer einer „LiaTon Wohnbau GmbH" mit Sitz in Straubing – keine Homepage zu finden. Auch hier gibt es eine Namensähnlichkeit zu einem anderen Unternehmen, das im Baubereich tätig ist: In Altdorf gibt es die „LiaTon Wohnbau GmbH & Co KG" - mit einem ganz anderen Geschäftsführer.

In seinem Schreiben ans MT nennt Maier die Web-Adresse www.delta-energy-solutions.com. Diese verweist auf eine Firma, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat. Auch diese residiert an der Brixener Straße 13. Auf der Webseite werden verschiedene Projekte beschrieben. Laut Passauer Neue Presse vom 18. Februar 2020 hat Maier im Bayern über 50 Photovoltaik-Anlagen erbaut. Übrigens gibt es auch hier eine sprachliche Nähe zu einem anderen Unternehmen mit sehr ähnlichem Logo, nämlich Delta Energy Systems, die weltweit agieren und auch erneuerbare Energien anbieten – als Tochter einer großen thaländischen Dachfirma mit weltweit 80.000 Mitarbeitern

Zurück nach Passau: Auf der Seite seines Unternehmens hat Maier auch sein "Dream-Team" aufgelistet. Maier skizziert hier seinen Lebenslauf als der eines zum Geschäftsmann gewordenen Physikers mit Studium an der Technischen Universität München. Seit 2014 sei er Mitglied der „Guthrie Group". Der Link, der hier hinterlegt ist, führt allerdings ins Nichts.

Von den anderen vier Personen des „Dream Teams" dürfte der wohl interessanteste Dan Peñañañaña sein. Der 1945 geborene amerikanische Geschäftsmann nennt sich selbst „The Trillion Dollar Man" und verkauft Einzelplätze in seinen besonderen Coaching-Seminaren teuer: pro Person 24.000 Pfund, umgerechnet 26.600 Euro, für sieben Tage. In Videos auf Youtube ist er zu sehen als Einpeitscher und Mann der markigen Sprüche, er richtet sich sowohl an junge Leute als auch an etablierte Geschäftsleute. Wer will, der kann, so seine Botschaft. Auszüge: „Zeige mir deine Freunde, und ich zeige dir deine Zukunft. Schau doch nur, mit was für Nieten du abhängst." Warum sind Menschen wie Gates und Musk erfolgreich? Theyare ball busters. Theyarehard as nails." "Furcht ist der effektivste Weg", brüllt er in einem anderen seiner Promo-Videos und hält dabei demonstrativ eine Waffe hoch. Derek van Schaik (auch er verdient übrigens als Coach sein Geld) zitiert in einem Debunking-Video Aufnahmen, in denen Peña sich die Waffe auch in den Mund steckt und demonstriert, wie Selbstmord funktioniert („Wenn du es tun willst, mach es richtig – meine Rechtsanwälte wollen, dass ich dazu sage, dass ich das im übertragenen Sinn meine"). Dann sagt Peña, dieses sei bei seinen Kursen ein ruhiges Jahr gewesen. Aber letztes Jahr war ein „gutes Jahr": „Vier oder fünf Selbstmordversuche, drei oder vier Nervenzusammenbrüche." Andererseits: Unter seinen Videos stehen viele Kommentare von begeisterten Menschen, die sich offenbar durch seine Lehren motiviert und gestärkt fühlen. Auch Robert Maier nahm 2015 an Seminaren bei Peña teil, ebenso an einem Hardcore-Kursus auf dem schottischen Schloss des Coaches. Wie fand er die Seminare? Das sagt er in mehreren „Testimonial"-Videos: „Ich gehe als ein anderer Mann zurück."

Zu seinen Plänen für Minden und den offenen Fragen zum Projekt in Straubing sowie seinen bisherigen Erfahrungen nahm Maier gegenüber dem MT trotz mehrerer Anfragen keine Stellung. Er hatte schon in seiner ersten Mail darauf hingewiesen, dass er hoffe, dass „von uns in der Vergangenheit als negativ wahrgenommene Presseartikel zur Obermarktpassage oder zum bisherigen Eigetnümer (Fehler im Original) im Sinne einer baldigen Wiederbelebung der Obermarktpassage in Minden unterbleiben können." Und weiter: „Sollte das der Fall sein, melden wir uns gerne jeweils zu gebener (sic) Zeit mit Details wieder bei Ihnen. . ." . Er stellte dafür zwölf Wochen in Aussicht.

Das Beste für die Stadt

Ein Kommentar von Benjamin Piel

Jetzt macht mal endlich jemand etwas mit der Obermarktpassage – und schon müsst ihr wieder mit euren Fragen kommen und alles kaputtschreiben." – Solche Sätze haben wir in der MT-Redaktion innerhalb der zurückliegenden Tage manchmal gehört.

Zunächst ist der Wunsch danach, dass der neue Eigentümer der Obermarktpassage (Vertiefendes zu dem Thema auf Seite 3) Zeit und Raum für Ideen bekommt, verständlich. Bei genauerer Betrachtung ist das Spannungsverhältnis zwischen einem wohlwollenden Blick auf die Interessen und Pläne eines Investors und den kritischen Fragen, die wir selbst und unsere Leser von uns erwarten, allerdings komplexer.

Letztlich steht seit dem Bekanntwerden des Verkaufs auch die Frage im Raum: Was ist in so einem Prozess eigentlich unsere Rolle als lokales Medium? Diese Frage hat etwas mit einem herausfordernden Selbst- und Rollenverständnis zu tun und widerstrebenden Interessen des Publikums.

Beginnen wir mit dem Anliegen, dass Dinge sich positiv entwickeln. Wir wollen das Beste für Minden-Lübbeckes Bürger, für die Region sowie ihre Städte und Gemeinden. Daraus erwächst im konkreten Fall eine klare Haltung: Es kann nicht das Beste für die Stadt Minden sein, wenn in ihrem Herzen ein augenfälliges Gebäude vor sich hin gammelt. Auch nicht, dass sich das Gebäude im Besitz eines amerikanischen Investment-Riesen befindet, der alles andere als transparent agiert und dem das Geld seiner Kunden, aber ganz sicher nicht das Wohl der Bürger Mindens am Herzen liegt. Wir wünschen uns, dass etwas Gutes aus der Obermarktpassage wird und aus einem Schandfleck ein guter Ort für die Stadt.

Es gibt allerdings eine Aufgabe, die wir als Journalisten zu erfüllen haben, die diesem konstruktiven Blick scheinbar entgegenläuft. Unsere Grundhaltung muss hinterfragend sein und bleiben. Wir wollen uns nicht blenden lassen von den Aussagen eines Investors und nicht leichtgläubig annehmen, nun werde automatisch alles gut. Die Situation ist komplex. Deswegen haben wir Fragen, auf die es bisher keine Antworten gibt: Was hat Robert Maier mit der Passage vor? Seit wann laufen die Planungen? Welche Erfahrungen hat er bereits mit der Entwicklung von Centern?

Nur scheinbar besteht zwischen dem Wunsch nach einer positiven Entwicklung und der fragenden Haltung ein Widerspruch. Tatsächlich geht beides Hand in Hand. Je mehr Wissen um ein Projekt besteht, desto besser kann die Öffentlichkeit sich ihre Meinung bilden. Nur so wird Positives und Problematisches unterscheidbar.
Wir wollen genau hinschauen – zum Wohle der Stadt.

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