Spurensuche: Gründe für den Fernfahrermangel Lea Oetjen Minden. Lohndumping, unattraktive Arbeitszeiten und ein schlechtes Berufsimage: In der Logistik- und Speditionsbranche fehlt es an Fernfahrern. „Diesen akuten Fachkräftemangel haben die Arbeitgeber leider vollkommen verschlafen“, sagt Uwe Speckenwirth, der bei der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft – besser bekannt als Verdi – für den entsprechenden Fachbereich zuständig ist. Der Trend beschäftige die Branche seit Jahren. Die Gründe, weshalb immer weniger Menschen die berufliche Laufbahn des Lastkraftwagenfahrers wählen, seien vielfältig. „Eine entscheidende Rolle spielt dabei aber, dass die Arbeitsbedingungen längst nicht mehr so attraktiv sind, wie noch etwa vor 30 Jahren“, erklärt Speckenwirth und zählt einige Faktoren auf: „Die Straßen sind voller, Belastung und Stress haben zugenommen und auch der Zeitdruck wächst zunehmend.“ Hinzukomme, dass durch stets überfüllte Rastplätze nur selten die Chance auf eine ausreichende Pause gewährleistet ist. „Außerdem hat sich über die Jahre die Lebenssituation vieler junger Menschen gewandelt“, weiß der Fachdienstmitarbeiter im Landesbezirk. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiele für sehr viele inzwischen eine große Rolle. „Und, so ehrlich müssen wir sein, da hat die Branche nun wirklich kein gutes Image. Geregelte Arbeitszeiten gibt es ja quasi nicht“, so Speckenwirth. Zumal diese Tatsache etwa durch die Vergütung auch nicht ausgeglichen werde. „Klar, die Einstiegslöhne sind absolut in Ordnung. Aber langfristig ist die Bezahlung auch nicht wirklich attraktiv“, nennt der Verdi-Mitarbeiter weitere Gründe, die ursächlich für den Fachkräftemangel sein können. Für Speckenwirth ist klar, dass die Arbeitgeber reagieren müssen. Auch um einen Versorgungskollaps wie etwa in Großbritannien hier in Deutschland nachhaltig zu verhindern. „Der Beruf des Fernfahrers muss attraktiver gestaltet werden“, fordert er und ergänzt auch direkt mal einen Ansatz: „Und attraktive Berufe haben halt auch immer etwas mit einer guten Bezahlung zu tun.“ Dass sich in naher Zukunft bereits Probleme durch den Fachkräftemangel in der Branche ergeben, glaubt Speckenwirth dennoch nicht. „Das ist ja zum Beispiel bei den Paketboten auch noch nicht so“, erklärt er. Und in diesem Berufszweig würden bundesweit ähnlich viele Kräfte fehlen. „Auch dort gibt es einen bunten Strauß an einzelnen Gründen, die gemeinsam Folgen für die Branche haben.“ Lesen Sie auch Weil Lkw-Fahrer fehlen: Regale könnten leer bleiben

Spurensuche: Gründe für den Fernfahrermangel

Der Job des Lkw-Fahrers ist über die Jahre unattraktiver geworden, findet Uwe Speckenwirth von Verdi. Foto: Pixabay

Minden. Lohndumping, unattraktive Arbeitszeiten und ein schlechtes Berufsimage: In der Logistik- und Speditionsbranche fehlt es an Fernfahrern. „Diesen akuten Fachkräftemangel haben die Arbeitgeber leider vollkommen verschlafen“, sagt Uwe Speckenwirth, der bei der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft – besser bekannt als Verdi – für den entsprechenden Fachbereich zuständig ist.

Der Trend beschäftige die Branche seit Jahren. Die Gründe, weshalb immer weniger Menschen die berufliche Laufbahn des Lastkraftwagenfahrers wählen, seien vielfältig. „Eine entscheidende Rolle spielt dabei aber, dass die Arbeitsbedingungen längst nicht mehr so attraktiv sind, wie noch etwa vor 30 Jahren“, erklärt Speckenwirth und zählt einige Faktoren auf: „Die Straßen sind voller, Belastung und Stress haben zugenommen und auch der Zeitdruck wächst zunehmend.“ Hinzukomme, dass durch stets überfüllte Rastplätze nur selten die Chance auf eine ausreichende Pause gewährleistet ist.

„Außerdem hat sich über die Jahre die Lebenssituation vieler junger Menschen gewandelt“, weiß der Fachdienstmitarbeiter im Landesbezirk. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiele für sehr viele inzwischen eine große Rolle. „Und, so ehrlich müssen wir sein, da hat die Branche nun wirklich kein gutes Image. Geregelte Arbeitszeiten gibt es ja quasi nicht“, so Speckenwirth.

Malina Reckordt

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Zumal diese Tatsache etwa durch die Vergütung auch nicht ausgeglichen werde. „Klar, die Einstiegslöhne sind absolut in Ordnung. Aber langfristig ist die Bezahlung auch nicht wirklich attraktiv“, nennt der Verdi-Mitarbeiter weitere Gründe, die ursächlich für den Fachkräftemangel sein können.

Für Speckenwirth ist klar, dass die Arbeitgeber reagieren müssen. Auch um einen Versorgungskollaps wie etwa in Großbritannien hier in Deutschland nachhaltig zu verhindern. „Der Beruf des Fernfahrers muss attraktiver gestaltet werden“, fordert er und ergänzt auch direkt mal einen Ansatz: „Und attraktive Berufe haben halt auch immer etwas mit einer guten Bezahlung zu tun.“

Dass sich in naher Zukunft bereits Probleme durch den Fachkräftemangel in der Branche ergeben, glaubt Speckenwirth dennoch nicht. „Das ist ja zum Beispiel bei den Paketboten auch noch nicht so“, erklärt er. Und in diesem Berufszweig würden bundesweit ähnlich viele Kräfte fehlen. „Auch dort gibt es einen bunten Strauß an einzelnen Gründen, die gemeinsam Folgen für die Branche haben.“

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