Sozialatlas: Wo in Minden die Armut wohnt 14 Seiten mit deutlichen Zahlen: Dokument schärft Blick für belastete Stadtviertel Von Anja Peper Minden (mt). Kinder aus armen Familien sind schlechter ernährt, haben keine Markenjeans, fehlen öfter in der Schule und schaffen seltener den Sprung aufs Gymnasium. Und sie leben gleich um die Ecke. Der aktualisierte Sozialatlas der Stadt Minden listet auf, in welchen Stadtbezirken die Probleme am größten sind. Die Zahlen sind sozialer Sprengstoff auf 14 Seiten. Uta Betzhold, Jugendhilfeplanerin der Stadt, stellt sie dem Sozialausschuss mit Hilfe von Säulendiagrammen vor. Anders als beim Armutsbericht der Bundesregierung sind diese Zahlen über den Verdacht erhaben, geschönt zu sein. Sie sind weit schlimmer, als die meisten Ausschussmitglieder, egal welcher Partei, erwartet haben. "Jedes vierte Kind in Minden wächst in armen Verhältnissen auf", rechnet Uta Betzhold vor. Arm heißt: Die Familie erhält Unterstützung nach dem SGB II, lebt also von Hartz IV.Nicht nur im Vergleich mit anderen Städten Nordrhein-Westfalens schneidet Minden schlecht ab: unteres Drittel. Auch die Ruhrgebietsstädte stehen schlecht da.Auffällig ist aber auch das Armutsgefälle innerhalb des Kreises. Während in Minden 23,5 Prozent der Kinder betroffen sind, sind es in Porta Westfalica nur elf Prozent. Wie kommt das? Bürgermeister Michael Buhre erklärt die Unterschiede so: "Wir haben hier viele Wohnblocks, in Porta stehen dagegen mehr Ein- und Zweifamilienhäuser." Die finanzielle Situation der Familien bringe es mit sich, dass sie in Stadtteile ziehen, in denen die Mieten billig sind und wo sie ohne Auto zurechtkommen. Möglicherweise macht es die Anonymität einer Stadt einfacher, sich mit einer schwierigen Lebenssituation zu arrangieren.Der neue Sozialatlas listet auch die Probleme nach Stadtbezirken auf. Am schwierigsten ist die Situation in Bärenkämpen, Rodenbeck, Rechtes Weserufer, Innenstadt und Königstor. Migrantenkinder haben es nach wie vor besonders schwer. Grundsätzlich ist die Tendenz: Je ländlicher die Stadtbezirke liegen, desto weniger arme Kinder leben dort. Egal ob Kutenhausen, Stemmer, Bölhorst oder Päpinghausen: Dort sind die Zahlen insgesamt unkritisch. Das ist aber auch der einzige Lichtblick in dem insgesamt düsteren Bild in der Stadt.Armut in der Kindheit ist Hauptursache für Armut bei Erwachsenen. Diese wiederum vererben Armut weiter: Ein klassischer Teufelskreis. "Die Situation verbessert sich nicht, sondern wird sich noch verschärfen." Davon ist nicht nur Elke Kehrer überzeugt. Als Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses hat sie den neuen Sozialatlas und auch dessen Vorgänger schon länger begleitet. Aus der schwierigen Situation eine kommunalpolitische Marschrichtung abzuleiten, ist nicht einfach, denn viele Hebel zum Ansetzen gibt es nicht.Dennoch werden die Mitglieder des Sozialausschusses das Thema jetzt in ihren Fraktionen ansprechen müssen. Denn Hilfe, wie auch immer sie aussehen könnte, gibt es wohl nicht zum Nulltarif. Und im Sommer starten die Haushaltsberatungen.

Sozialatlas: Wo in Minden die Armut wohnt

Minden (mt). Kinder aus armen Familien sind schlechter ernährt, haben keine Markenjeans, fehlen öfter in der Schule und schaffen seltener den Sprung aufs Gymnasium. Und sie leben gleich um die Ecke. Der aktualisierte Sozialatlas der Stadt Minden listet auf, in welchen Stadtbezirken die Probleme am größten sind.

Die Zahlen sind sozialer Sprengstoff auf 14 Seiten. Uta Betzhold, Jugendhilfeplanerin der Stadt, stellt sie dem Sozialausschuss mit Hilfe von Säulendiagrammen vor. Anders als beim Armutsbericht der Bundesregierung sind diese Zahlen über den Verdacht erhaben, geschönt zu sein. Sie sind weit schlimmer, als die meisten Ausschussmitglieder, egal welcher Partei, erwartet haben. "Jedes vierte Kind in Minden wächst in armen Verhältnissen auf", rechnet Uta Betzhold vor. Arm heißt: Die Familie erhält Unterstützung nach dem SGB II, lebt also von Hartz IV.

Nicht nur im Vergleich mit anderen Städten Nordrhein-Westfalens schneidet Minden schlecht ab: unteres Drittel. Auch die Ruhrgebietsstädte stehen schlecht da.

Auffällig ist aber auch das Armutsgefälle innerhalb des Kreises. Während in Minden 23,5 Prozent der Kinder betroffen sind, sind es in Porta Westfalica nur elf Prozent. Wie kommt das? Bürgermeister Michael Buhre erklärt die Unterschiede so: "Wir haben hier viele Wohnblocks, in Porta stehen dagegen mehr Ein- und Zweifamilienhäuser." Die finanzielle Situation der Familien bringe es mit sich, dass sie in Stadtteile ziehen, in denen die Mieten billig sind und wo sie ohne Auto zurechtkommen. Möglicherweise macht es die Anonymität einer Stadt einfacher, sich mit einer schwierigen Lebenssituation zu arrangieren.

Der neue Sozialatlas listet auch die Probleme nach Stadtbezirken auf. Am schwierigsten ist die Situation in Bärenkämpen, Rodenbeck, Rechtes Weserufer, Innenstadt und Königstor. Migrantenkinder haben es nach wie vor besonders schwer. Grundsätzlich ist die Tendenz: Je ländlicher die Stadtbezirke liegen, desto weniger arme Kinder leben dort. Egal ob Kutenhausen, Stemmer, Bölhorst oder Päpinghausen: Dort sind die Zahlen insgesamt unkritisch. Das ist aber auch der einzige Lichtblick in dem insgesamt düsteren Bild in der Stadt.

Armut in der Kindheit ist Hauptursache für Armut bei Erwachsenen. Diese wiederum vererben Armut weiter: Ein klassischer Teufelskreis. "Die Situation verbessert sich nicht, sondern wird sich noch verschärfen." Davon ist nicht nur Elke Kehrer überzeugt. Als Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses hat sie den neuen Sozialatlas und auch dessen Vorgänger schon länger begleitet. Aus der schwierigen Situation eine kommunalpolitische Marschrichtung abzuleiten, ist nicht einfach, denn viele Hebel zum Ansetzen gibt es nicht.

Dennoch werden die Mitglieder des Sozialausschusses das Thema jetzt in ihren Fraktionen ansprechen müssen. Denn Hilfe, wie auch immer sie aussehen könnte, gibt es wohl nicht zum Nulltarif. Und im Sommer starten die Haushaltsberatungen.

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