Sonnenuhr mit Minden-Motiven: Demenzerkrankte schaffen ein Kunstwerk für den Nordfriedhof Charlotte Schermer Minden-Todtenhausen. Steinsplitter und Staubwolken fliegen durch die Luft. Ein gleichmäßiges Hämmern ist von allen Seiten zu hören. Es sind die ersten Handgriffe des Gemeinschaftsprojekts „Sonnenring“. Mitglieder des Vereins Leben mit Demenz versuchen sich unter der Aufsicht von Bildhauer Peter Medzech im Garten seiner Galerie in Todtenhausen an einem vorgezeichneten Motiv auf einem Steinstück. Es sind Übungsstücke, damit die „Lehrlinge“ ein Gefühl für das Material entwickeln können. Die fertiggestellte Sonnenuhr in Form eines Rings soll voraussichtlich am 8. Mai auf dem Nordfriedhof enthüllt werden. Peter Medzech und Harriet Heier, Vorsitzende des Vereins „Leben mit Demenz“, arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Der Künstler und Steinmetz-Meister und der Verein realisierten gemeinsam die Projekte „Kreuzblume“ (2014) und „Lieblingsstücke“ (2018) mit Demenzkranken. Neu am Projekt „Sonnenring“ ist, dass es eine Gemeinschaftsarbeit von Betreuern, Betroffenen und Angehörigen werden soll. Das Motto „Gemeinsam sind wir stark“ stehe im Vordergrund, sagt Heier. In der Kunst gebe es kein Richtig oder Falsch, daher vermittelten diese Workshops den Erkrankten Erfolgserlebnisse. Der Verein „Leben mit Demenz“ bietet seit 2005 unterschiedliche Workshops an. Vom Kanufahren über ausgiebige Fahrradtouren ist das Angebot breit aufgestellt. Die einzelnen Aktivitäten erfolgen mit den jeweiligen Kooperationspartnern. Diese sind neben dem Bildhauer der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Kanuverein und der Kreissportbund Minden-Lübbecke, berichtet Heier. Die Aktivitäten werden jeweils von einem Vereinsmitglied und dem Demenzfachdienst begleitet. An diesem Tag sind Tom Macher aus dem Verein als Pflegeberater, Naila Altvater und Kathrin Dietrich vom Demenzfachdienst in der Freiluftwerkstatt. Auch Susanne Fartak aus der Pflegeberatung und Olaf Wittkamp vom Kreissportbund versuchen, sich mit viel Freude an den vorgezeichneten Übungsstücken. Die Corona-Pandemie hat auch bei diesem Projekt zu Verzögerungen geführt, berichtet Heier. Workshops und Ausflüge seien im Frühjahr nicht möglich gewesen, daher nimmt der Verein seine Aktivitäten erst jetzt wieder auf. Den Anstoß zu dem Projekt hatte der Juwelier Döring gegeben, der einen „Minden-Ring“ gestaltet hat, aus dessen Verkauf jeweils zehn Euro als Spende an den Verein gehen. Den Ring zieren Wahrzeichen der Region. In einer Variante sind die Motive in Sandstein geschnitten. Die Steine stammen aus der Rathauslaube, weiß Heier zu berichten. Auf dieser Basis hat Peter Medzech die Sonnenuhr entworfen. Vier Symbole des Minden-Rings, nämlich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das Wasserstraßenkreuz, Mindener Rathaus und Dom greift er auf und stellt sie jeweils ins Zentrum von Motiven der Vier-Jahreszeiten wie zum Beispiel Äpfel, Birnen und Wein für den Herbst. Für die Zusammenstellung der einzelnen Bildhauerstücke auf einem Metallgestell sorgt der Kunstschmied Jörg Reichhardt. Der gelernte Schlosser trägt auch ein Exemplar des Minden-Rings an seiner Hand. Nicht nur Erwachsene sondern auch Jugendliche können sich für das Konzept begeistern. Jorin Fartak ist erst 14 Jahre alt und hämmert freudig an einem Übungsstein. Für ihn ist es ebenfalls eine Bildhauer-Premiere, auch wenn die Handgriffe bereits nach kurzer Zeit routiniert wirken. Er und die anderen Workshop-Teilnehmer dürfen ihren Übungsstein als Andenken mit nach Hause nehmen. Demenz: Am 21. September ist Welt-Alzheimertag, um die Krankheit ins Bewusstsein zu rücken. Demenz ist eine der häufigsten Krankheiten im Alter. Alzheimer ist ihre bekannteste Form. Hierbei kommt es zu Eiweißablagerungen an den Nervenzellen im Gehirn. Dadurch wird die Kommunikation der Nervenzellen untereinander behindert und es kommt zu Vergesslichkeit, Sprachstörungen und Orientierungsschwierigkeiten. Zurzeit sind etwa 1,5 Millionen Menschen betroffen. Harriet Heier verweist auf Prognosen, nach denen die Zahl bis zum Jahr 2050 auf drei Millionen steigen wird. Die Krankheit ist nicht heilbar, es gibt Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung bremsen können.

Sonnenuhr mit Minden-Motiven: Demenzerkrankte schaffen ein Kunstwerk für den Nordfriedhof

Minden-Todtenhausen. Steinsplitter und Staubwolken fliegen durch die Luft. Ein gleichmäßiges Hämmern ist von allen Seiten zu hören. Es sind die ersten Handgriffe des Gemeinschaftsprojekts „Sonnenring“. Mitglieder des Vereins Leben mit Demenz versuchen sich unter der Aufsicht von Bildhauer Peter Medzech im Garten seiner Galerie in Todtenhausen an einem vorgezeichneten Motiv auf einem Steinstück. Es sind Übungsstücke, damit die „Lehrlinge“ ein Gefühl für das Material entwickeln können. Die fertiggestellte Sonnenuhr in Form eines Rings soll voraussichtlich am 8. Mai auf dem Nordfriedhof enthüllt werden.

Peter Medzech und Harriet Heier, Vorsitzende des Vereins „Leben mit Demenz“, arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Der Künstler und Steinmetz-Meister und der Verein realisierten gemeinsam die Projekte „Kreuzblume“ (2014) und „Lieblingsstücke“ (2018) mit Demenzkranken. Neu am Projekt „Sonnenring“ ist, dass es eine Gemeinschaftsarbeit von Betreuern, Betroffenen und Angehörigen werden soll. Das Motto „Gemeinsam sind wir stark“ stehe im Vordergrund, sagt Heier. In der Kunst gebe es kein Richtig oder Falsch, daher vermittelten diese Workshops den Erkrankten Erfolgserlebnisse.

Der Verein „Leben mit Demenz“ bietet seit 2005 unterschiedliche Workshops an. Vom Kanufahren über ausgiebige Fahrradtouren ist das Angebot breit aufgestellt. Die einzelnen Aktivitäten erfolgen mit den jeweiligen Kooperationspartnern. Diese sind neben dem Bildhauer der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Kanuverein und der Kreissportbund Minden-Lübbecke, berichtet Heier. Die Aktivitäten werden jeweils von einem Vereinsmitglied und dem Demenzfachdienst begleitet. An diesem Tag sind Tom Macher aus dem Verein als Pflegeberater, Naila Altvater und Kathrin Dietrich vom Demenzfachdienst in der Freiluftwerkstatt. Auch Susanne Fartak aus der Pflegeberatung und Olaf Wittkamp vom Kreissportbund versuchen, sich mit viel Freude an den vorgezeichneten Übungsstücken.

Die Corona-Pandemie hat auch bei diesem Projekt zu Verzögerungen geführt, berichtet Heier. Workshops und Ausflüge seien im Frühjahr nicht möglich gewesen, daher nimmt der Verein seine Aktivitäten erst jetzt wieder auf. Den Anstoß zu dem Projekt hatte der Juwelier Döring gegeben, der einen „Minden-Ring“ gestaltet hat, aus dessen Verkauf jeweils zehn Euro als Spende an den Verein gehen. Den Ring zieren Wahrzeichen der Region. In einer Variante sind die Motive in Sandstein geschnitten. Die Steine stammen aus der Rathauslaube, weiß Heier zu berichten.

Auf dieser Basis hat Peter Medzech die Sonnenuhr entworfen. Vier Symbole des Minden-Rings, nämlich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das Wasserstraßenkreuz, Mindener Rathaus und Dom greift er auf und stellt sie jeweils ins Zentrum von Motiven der Vier-Jahreszeiten wie zum Beispiel Äpfel, Birnen und Wein für den Herbst. Für die Zusammenstellung der einzelnen Bildhauerstücke auf einem Metallgestell sorgt der Kunstschmied Jörg Reichhardt. Der gelernte Schlosser trägt auch ein Exemplar des Minden-Rings an seiner Hand.

Nicht nur Erwachsene sondern auch Jugendliche können sich für das Konzept begeistern. Jorin Fartak ist erst 14 Jahre alt und hämmert freudig an einem Übungsstein. Für ihn ist es ebenfalls eine Bildhauer-Premiere, auch wenn die Handgriffe bereits nach kurzer Zeit routiniert wirken. Er und die anderen Workshop-Teilnehmer dürfen ihren Übungsstein als Andenken mit nach Hause nehmen.

Demenz:

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag, um die Krankheit ins Bewusstsein zu rücken.

Demenz ist eine der häufigsten Krankheiten im Alter. Alzheimer ist ihre bekannteste Form. Hierbei kommt es zu Eiweißablagerungen an den Nervenzellen im Gehirn. Dadurch wird die Kommunikation der Nervenzellen untereinander behindert und es kommt zu Vergesslichkeit, Sprachstörungen und Orientierungsschwierigkeiten.

Zurzeit sind etwa 1,5 Millionen Menschen betroffen. Harriet Heier verweist auf Prognosen, nach denen die Zahl bis zum Jahr 2050 auf drei Millionen steigen wird. Die Krankheit ist nicht heilbar, es gibt Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung bremsen können.

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