Solidaritätsbekundung von Rechtsradikalen für Waldorflehrer Stefan Koch Minden (mt). Während die rechtsradikale Szene den in die Kritik geratenen Lehrer an der Freien Waldorfschule Minden (das MT berichtete) bereits als „politisch Verfolgten“ bewertet, steht bei der Bezirksregierung Detmold als obere Schulbehörde die Prüfung des Falls noch an. Der Pädagoge selbst ist beurlaubt. Zu einer Stellungnahme war er für das Mindener Tageblatt am Dienstag nicht zu erreichen.Jahrelange Kontakte zu rechten Organisationen und aktuell der Vereinsvorsitz einer „Ahnenstätte Conneforde“ - hier finden Altnazis ihren letzten Ruheplatz - werden dem Waldorfpädagogen zur Last gelegt. Am Montag hatte auf Betreiben des Kollegiums die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus aus Herford ein Gutachten zu dem Fall vorgelegt. Danach habe sich der Lehrer nicht als Mitläufer, sondern Organisator in rechten Netzwerken bewegt.Ein Fall, der nun auch bei der oberen Schulbehörde angekommen ist. Nach Auskunft der Pressestelle der Bezirksregierung Detmold lasse sich die Behörde den Sachverhalt vom Schulträger darstellen und trage Informationen zusammen. Der Vorgang an der Waldorfschule könne als Einzelfall angesehen werden.Die Bezirksregierung kontrolliert als obere Schulaufsicht den Träger der Waldorfschule, der wiederum in personalrechtlichen Fragen zuständig ist. Möglichkeiten eines Eingreifens hätte Detmold, indem es die Unterrichtsgenehmigung für den Pädagogen widerriefe. Die Voraussetzung dafür ist laut Schulgesetz NRW, dass bei der betreffenden Lehrkraft „Tatsachen vorliegen“, die eine Entfernung aus dem Dienst rechtfertigen würden.Bislang hat das Mindener Kollegium dem umstrittenen Pädagogen sein Vertrauen ausgesprochen. Auch in weiten Teilen der Elternschaft hat der für den handwerklichen Unterricht Zuständige Sympathie erworben.Unterstützung erfuhr der 53-Jährige nun auch von der politischen Rechten in Nordrhein-Westfalen. Auf ihrer Facebook-Seite spricht die „Die Rechte OWL“ von einer „Hetzkampagne gegen einen unbescholtenen Lehrer“ und beruft sich dabei auf die Vertrauensbekundung des Kollegiums der Waldorfschule. Zugleich wird der Pädagoge als politisch Verfolgter in eine Reihe mit der vorbestraften Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel sowie anderen Fällen gestellt.Laut Verfassungsschutzbericht NRW ist die Partei „Die Rechte“ ein Sammelbecken von Neonazis, die aus den vor drei Jahren verbotenen Kameradschaften stammen. Sie zeichne sich durch eine Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus aus und hat bereits mehrere parlamentarische Gremien besetzt. Innenminister Ralf Jäger (SPD) ließ kürzlich ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um ein Verbot der Partei prüfen zu lassen.

Solidaritätsbekundung von Rechtsradikalen für Waldorflehrer

Auf ihrer Face-Book-Seite greift „Die Rechte“ den Fall des Waldorf-Lehrers auf. Repro: mt

Minden (mt). Während die rechtsradikale Szene den in die Kritik geratenen Lehrer an der Freien Waldorfschule Minden (das MT berichtete) bereits als „politisch Verfolgten“ bewertet, steht bei der Bezirksregierung Detmold als obere Schulbehörde die Prüfung des Falls noch an. Der Pädagoge selbst ist beurlaubt. Zu einer Stellungnahme war er für das Mindener Tageblatt am Dienstag nicht zu erreichen.

Jahrelange Kontakte zu rechten Organisationen und aktuell der Vereinsvorsitz einer „Ahnenstätte Conneforde“ - hier finden Altnazis ihren letzten Ruheplatz - werden dem Waldorfpädagogen zur Last gelegt. Am Montag hatte auf Betreiben des Kollegiums die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus aus Herford ein Gutachten zu dem Fall vorgelegt. Danach habe sich der Lehrer nicht als Mitläufer, sondern Organisator in rechten Netzwerken bewegt.

Ein Fall, der nun auch bei der oberen Schulbehörde angekommen ist. Nach Auskunft der Pressestelle der Bezirksregierung Detmold lasse sich die Behörde den Sachverhalt vom Schulträger darstellen und trage Informationen zusammen. Der Vorgang an der Waldorfschule könne als Einzelfall angesehen werden.

Die Bezirksregierung kontrolliert als obere Schulaufsicht den Träger der Waldorfschule, der wiederum in personalrechtlichen Fragen zuständig ist. Möglichkeiten eines Eingreifens hätte Detmold, indem es die Unterrichtsgenehmigung für den Pädagogen widerriefe. Die Voraussetzung dafür ist laut Schulgesetz NRW, dass bei der betreffenden Lehrkraft „Tatsachen vorliegen“, die eine Entfernung aus dem Dienst rechtfertigen würden.

Bislang hat das Mindener Kollegium dem umstrittenen Pädagogen sein Vertrauen ausgesprochen. Auch in weiten Teilen der Elternschaft hat der für den handwerklichen Unterricht Zuständige Sympathie erworben.

Unterstützung erfuhr der 53-Jährige nun auch von der politischen Rechten in Nordrhein-Westfalen. Auf ihrer Facebook-Seite spricht die „Die Rechte OWL“ von einer „Hetzkampagne gegen einen unbescholtenen Lehrer“ und beruft sich dabei auf die Vertrauensbekundung des Kollegiums der Waldorfschule. Zugleich wird der Pädagoge als politisch Verfolgter in eine Reihe mit der vorbestraften Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel sowie anderen Fällen gestellt.

Laut Verfassungsschutzbericht NRW ist die Partei „Die Rechte“ ein Sammelbecken von Neonazis, die aus den vor drei Jahren verbotenen Kameradschaften stammen. Sie zeichne sich durch eine Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus aus und hat bereits mehrere parlamentarische Gremien besetzt. Innenminister Ralf Jäger (SPD) ließ kürzlich ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um ein Verbot der Partei prüfen zu lassen.

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