So stehen die Chancen für die Bundestagskandidaten im Kreis Minden-Lübbecke Henning Wandel Minden. Die Wahlbenachrichtigungen sind zugestellt, die ersten Stimmen per Brief schon abgegeben: In 28 Tagen wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Die Kandidaten bewerben sich in 299 Wahlkreisen um ein Mandat, mindestens 598 von ihnen werden spätestens am 26. Oktober zur konstituierenden Sitzung in Berlin zusammenkommen. So sieht es das Grundgesetz vor. Zehn dieser Kandidaten gehen im Wahlkreis Minden-Lübbecke I ins Rennen um das begehrte Direktmandat, das 2017 Achim Post für die SPD knapp gegen Oliver Vogt (CDU) gewonnen hatte. Vogt setzt auch in diesem Jahr wieder auf das Direktmandat. Weitere Bewerber sind Frank Schäffler (FDP), Sebastian Landwehr (AfD), Schahina Gambir (Grüne), Jule Kegel (Linke), Sebastian Schmitz (Die Partei), Michael Müller (Freie Wähler), Stephan Lorenzen (Die Basis) und Dietrich Janzen (Bündnis C) – in dieser Reihenfolge erscheinen sie auch auf dem Wahlzettel. Damit ist die Zahl der Bewerber auf den Rekordwert von zehn angestiegen: Nie zuvor hatte es eine zweistellige Zahl an Kandidaten gegeben. Bei den Wahlen 1998 und 2002 standen neun Direktkandidaten auf dem Stimmzettel, 1980 und 1957 waren es acht, zuletzt 2017 noch sechs. Auch wenn sich nur wenige der Kandidaten berechtigte Hoffnungen auf das Direktmandat machen dürften, könnte die große Zahl an Bewerbern für Verschiebungen und damit auch für eine gewisse Unberechenbarkeit sorgen. Auch die Entwicklung der bundesweiten Umfrageergebnisse sorgt für Spannung. Und nachdem der CDU-Politiker Steffen Kampeter 2009 erstmals seit Gründung der Bundesrepublik die Vorherrschaft der SPD in Minden-Lübbecke durchbrochen hatte und Achim Post den Wahlkreis vor vier Jahren mit einem knappen Vorsprung von nur 1,9 Prozentpunkten zurückerobern konnte, scheint der Wahlausgang in diesem Jahr völlig offen. Dafür stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Wahlkreis in Berlin wieder stärker vertreten sein wird als zuletzt mit den beiden Abgeordneten Post und Schäffler. 2009 schaffte es mit Steffen Kampeter lediglich ein Mindener in den Bundestag, sieben Jahre zuvor waren es mit Lothar Ibrügger, Günther Nolting und Kampeter noch drei. In diesem Jahr wäre sogar ein Quartett denkbar: Schäffler und die Grüne Schahina Gambir haben sehr aussichtsreiche Listenplätze. Sollten Vogt und Post wie vor vier Jahren erneut vorne liegen, könnten beide ebenfalls den Sprung ins Parlament schaffen – vorausgesetzt die Liste des unterlegenen Kandidaten zieht, was wiederum nicht nur vom Ergebnis der Zweitstimmen abhängt, sondern auch davon, wie viele Direktmandate die jeweilige Partei holt. Eine Prognose scheint bei den knappen Umfragen derzeit kaum möglich. Post und Vogt müssen also beide auf Sieg spielen. Ebenso wie alle anderen Kandidaten, die ganz überwiegend keinen oder keinen aussichtsreichen Listenplatz haben. Vor diesem Hintergrund ist der Wahlkampf vor Ort dabei noch immer erstaunlich ruhig. Bisher hatten lediglich die Grünen mit Anton Hofreiter ein prominentes Gesicht aus Berlin auf den Mindener Marktplatz geholt. Für die CDU kommt noch Gesundheitsminister Jens Spahn an die Weser, allerdings nicht für einen öffentlichen Auftritt auf der großen Bühne. Kein Vergleich mit vergangenen Wahlkämpfen, als Achim Post Unterstützung vom damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz bekam. Der damalige CDU-Kandidat Steffen Kampeter durfte sich 2009 und 2013 sogar gleich zweimal über die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel freuen, die auf dem Marktplatz für den späteren Finanzstaatssekretär warb – es waren die beiden Jahre, in denen die CDU mit Kampeter schließlich auch das Direktmandat gewann. Aber ohnehin gibt es deutliche Anzeichen, dass diese Form von Wahlkampf langsam an Bedeutung verliert. Grund dafür dürfte sein, dass die sogenannte „heiße Phase“ des Wahlkampfes kaum noch zu definieren ist. In Minden etwa haben sich fast ein Viertel der Wähler möglicherweise bereits entschieden, wie die Pressestelle mitteilt. Nachdem die Benachrichtigungen am 16. August an die rund 60.000 Wahlberechtigten verschickt worden sind, haben schon fast 14.000 von ihnen Briefwahlunterlagen angefordert. Ähnlich ist das Bild in Petershagen, auch hier liegt die Quote bei 24 Prozent, in Porta Westfalica ist sie mit rund 17 Prozent etwas geringer, den besten Wert hat aktuell Hille mit 27 Prozent. Die digitale Beantragung der Wahlscheine funktioniere ganz überwiegend gut, heißt es aus den Rathäusern. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr hatte es hier immer wieder Beschwerden über technische Probleme gegeben. Zugangsbeschränkungen zu den Wahllokalen gibt es nicht, das gäbe auch schon das Grundgesetz nicht her. In der aktuell gültigen Coronaschutzverordnung sind öffentliche Wahlen dann auch ausdrücklich von der bei Veranstaltungen inzwischen üblichen 3-G-Regel (geimpft, genese, getestet) ausgenommen. Allerdings muss im Wahllokal ein medizinischer Mund-Nasenschutz getragen werden, also eine OP- beziehungsweise FFP-2-Maske. Abstandsregelungen seien ebenfalls einzuhalten, heißt es. Die im Wahllokal ausliegenden Stifte werden nach der Benutzung desinfiziert. Die Verwaltungen bitten die Wählerinnen und Wähler aber darum, nach Möglichkeit einen eigenen Kugelschreiber mitzubringen. MT Wahlgespräch Das MT veranstaltet auch vor dieser Bundestagswahl wieder eine Podiumsdiskussion. Bisher zugesagt haben Achim Post (SPD), Oliver Vogt (CDU), Frank Schäffler (FDP), Schahina Gambir (Grüne), Jule Kegel (Linke), Sebastian Landwehr (AfD) und Michael Müller (Freie Wähler). Die Veranstaltung beginnt um 16.30 Uhr im Fort A. Für die Veranstaltung sind kostenlose Tickets beim express-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30, Minden und über express-minden.de/tickets bis das Kontingent von 100 Karten erschöpft ist erhältlich. Die Tickets sind personalisiert. Vor Ort ist die Platzwahl frei. Alle Besucher des Wahlgesprächs müssen sich zum Abgleich und einer möglichen Nachverfolgung am Eingang der Veranstaltung registrieren. Es gelten die am Veranstaltungstag aktuellen behördlichen Vorgaben zum Einlass bei Veranstaltung, zum Beispiel nur für Geimpfte, Genesene, Getestete.

So stehen die Chancen für die Bundestagskandidaten im Kreis Minden-Lübbecke

Am 26. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Immer mehr Wähler entscheiden sich aber schon weit vor dem Termin, wo sie ihre beiden Kreuze machen. Im Mindener Land hat schon jetzt rund ein Viertel der Wahlberechtigten die Unterlagen dafür angefordert. MT-Archivfoto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Die Wahlbenachrichtigungen sind zugestellt, die ersten Stimmen per Brief schon abgegeben: In 28 Tagen wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Die Kandidaten bewerben sich in 299 Wahlkreisen um ein Mandat, mindestens 598 von ihnen werden spätestens am 26. Oktober zur konstituierenden Sitzung in Berlin zusammenkommen. So sieht es das Grundgesetz vor.

Zehn dieser Kandidaten gehen im Wahlkreis Minden-Lübbecke I ins Rennen um das begehrte Direktmandat, das 2017 Achim Post für die SPD knapp gegen Oliver Vogt (CDU) gewonnen hatte. Vogt setzt auch in diesem Jahr wieder auf das Direktmandat. Weitere Bewerber sind Frank Schäffler (FDP), Sebastian Landwehr (AfD), Schahina Gambir (Grüne), Jule Kegel (Linke), Sebastian Schmitz (Die Partei), Michael Müller (Freie Wähler), Stephan Lorenzen (Die Basis) und Dietrich Janzen (Bündnis C) – in dieser Reihenfolge erscheinen sie auch auf dem Wahlzettel. Damit ist die Zahl der Bewerber auf den Rekordwert von zehn angestiegen: Nie zuvor hatte es eine zweistellige Zahl an Kandidaten gegeben. Bei den Wahlen 1998 und 2002 standen neun Direktkandidaten auf dem Stimmzettel, 1980 und 1957 waren es acht, zuletzt 2017 noch sechs.

Auch wenn sich nur wenige der Kandidaten berechtigte Hoffnungen auf das Direktmandat machen dürften, könnte die große Zahl an Bewerbern für Verschiebungen und damit auch für eine gewisse Unberechenbarkeit sorgen. Auch die Entwicklung der bundesweiten Umfrageergebnisse sorgt für Spannung. Und nachdem der CDU-Politiker Steffen Kampeter 2009 erstmals seit Gründung der Bundesrepublik die Vorherrschaft der SPD in Minden-Lübbecke durchbrochen hatte und Achim Post den Wahlkreis vor vier Jahren mit einem knappen Vorsprung von nur 1,9 Prozentpunkten zurückerobern konnte, scheint der Wahlausgang in diesem Jahr völlig offen.


Dafür stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Wahlkreis in Berlin wieder stärker vertreten sein wird als zuletzt mit den beiden Abgeordneten Post und Schäffler. 2009 schaffte es mit Steffen Kampeter lediglich ein Mindener in den Bundestag, sieben Jahre zuvor waren es mit Lothar Ibrügger, Günther Nolting und Kampeter noch drei. In diesem Jahr wäre sogar ein Quartett denkbar: Schäffler und die Grüne Schahina Gambir haben sehr aussichtsreiche Listenplätze.

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Sollten Vogt und Post wie vor vier Jahren erneut vorne liegen, könnten beide ebenfalls den Sprung ins Parlament schaffen – vorausgesetzt die Liste des unterlegenen Kandidaten zieht, was wiederum nicht nur vom Ergebnis der Zweitstimmen abhängt, sondern auch davon, wie viele Direktmandate die jeweilige Partei holt.

Eine Prognose scheint bei den knappen Umfragen derzeit kaum möglich. Post und Vogt müssen also beide auf Sieg spielen. Ebenso wie alle anderen Kandidaten, die ganz überwiegend keinen oder keinen aussichtsreichen Listenplatz haben.

Vor diesem Hintergrund ist der Wahlkampf vor Ort dabei noch immer erstaunlich ruhig. Bisher hatten lediglich die Grünen mit Anton Hofreiter ein prominentes Gesicht aus Berlin auf den Mindener Marktplatz geholt. Für die CDU kommt noch Gesundheitsminister Jens Spahn an die Weser, allerdings nicht für einen öffentlichen Auftritt auf der großen Bühne. Kein Vergleich mit vergangenen Wahlkämpfen, als Achim Post Unterstützung vom damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz bekam. Der damalige CDU-Kandidat Steffen Kampeter durfte sich 2009 und 2013 sogar gleich zweimal über die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel freuen, die auf dem Marktplatz für den späteren Finanzstaatssekretär warb – es waren die beiden Jahre, in denen die CDU mit Kampeter schließlich auch das Direktmandat gewann.

Aber ohnehin gibt es deutliche Anzeichen, dass diese Form von Wahlkampf langsam an Bedeutung verliert. Grund dafür dürfte sein, dass die sogenannte „heiße Phase“ des Wahlkampfes kaum noch zu definieren ist. In Minden etwa haben sich fast ein Viertel der Wähler möglicherweise bereits entschieden, wie die Pressestelle mitteilt. Nachdem die Benachrichtigungen am 16. August an die rund 60.000 Wahlberechtigten verschickt worden sind, haben schon fast 14.000 von ihnen Briefwahlunterlagen angefordert. Ähnlich ist das Bild in Petershagen, auch hier liegt die Quote bei 24 Prozent, in Porta Westfalica ist sie mit rund 17 Prozent etwas geringer, den besten Wert hat aktuell Hille mit 27 Prozent.

Die digitale Beantragung der Wahlscheine funktioniere ganz überwiegend gut, heißt es aus den Rathäusern. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr hatte es hier immer wieder Beschwerden über technische Probleme gegeben.

Zugangsbeschränkungen zu den Wahllokalen gibt es nicht, das gäbe auch schon das Grundgesetz nicht her. In der aktuell gültigen Coronaschutzverordnung sind öffentliche Wahlen dann auch ausdrücklich von der bei Veranstaltungen inzwischen üblichen 3-G-Regel (geimpft, genese, getestet) ausgenommen. Allerdings muss im Wahllokal ein medizinischer Mund-Nasenschutz getragen werden, also eine OP- beziehungsweise FFP-2-Maske. Abstandsregelungen seien ebenfalls einzuhalten, heißt es. Die im Wahllokal ausliegenden Stifte werden nach der Benutzung desinfiziert. Die Verwaltungen bitten die Wählerinnen und Wähler aber darum, nach Möglichkeit einen eigenen Kugelschreiber mitzubringen.

MT Wahlgespräch

Das MT veranstaltet auch vor dieser Bundestagswahl wieder eine Podiumsdiskussion. Bisher zugesagt haben Achim Post (SPD), Oliver Vogt (CDU), Frank Schäffler (FDP), Schahina Gambir (Grüne), Jule Kegel (Linke), Sebastian Landwehr (AfD) und Michael Müller (Freie Wähler). Die Veranstaltung beginnt um 16.30 Uhr im Fort A.

Für die Veranstaltung sind kostenlose Tickets beim express-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30, Minden und über express-minden.de/tickets bis das Kontingent von 100 Karten erschöpft ist erhältlich. Die Tickets sind personalisiert. Vor Ort ist die Platzwahl frei.

Alle Besucher des Wahlgesprächs müssen sich zum Abgleich und einer möglichen Nachverfolgung am Eingang der Veranstaltung registrieren. Es gelten die am Veranstaltungstag aktuellen behördlichen Vorgaben zum Einlass bei Veranstaltung, zum Beispiel nur für Geimpfte, Genesene, Getestete.

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