So spüren Landwirte und Fleischverarbeiter im Mühlenkreis die Schließung des Tönnies-Schlachthofes Henning Wandel Minden. Die Schließung des Tönnies-Schlachthofes in Rheda-Wiedenbrück wirkt sich auch auf das Mindener Land aus. Das befürchtete Chaos scheint aber zunächst auszubleiben. So erwartet die Edeka Minden-Hannover keine Engpässe, wie Sprecher Dr. Frank Thiedig gegenüber dem MT sagt. Das gelte für die Belieferung der Unternehmenstochter Bauerngut in Bückeburg ebenso wie für die Supermärkte. Bauerngut wird fast ausschließlich mit fertig zerlegtem Fleisch beliefert, auch von Tönnies, dem größten deutschen Schlachtbetrieb. In Rheda-Wiedenbrück werden hauptsächlich Schweine geschlachtet, Tönnies hat in diesem Bereich einen Marktanteil von etwa 20 Prozent. Der fällt jetzt weg. Trotzdem gebe es ausreichend Kapazitäten, diesen Ausfall zu kompensieren, sagt Thiedig. Ob sich in der Folge auch das Verbraucherverhalten ändert, sei schwer vorherzusehen. Auch in der Vergangenheit habe eine kritische Auseinandersetzung mit der Fleischindustrie eher kurzfristige Effekte gehabt. Eine Gefahr für die Ausbreitung des Corona-Virus' über die Lieferwege hält der Edeka-Sprecher eher für gering. Schon seit Beginn der Pandemie seien die Produktionsstandorte in Bückeburg und Könnern abgeriegelt. Lkw-Fahrer müssten während der Entladung in der Kabine bleiben, der Kontakt zu den Mitarbeitern und der Zutritt etwa zu Sozialräumen sei untersagt. Auch Handwerker würden derzeit nicht mehr reingelassen, so Thiedig. Edeka sieht sich gut vorbereitet: „Wir hatten das Thema schon bei Westfleisch in Coesfeld“, sagt der Sprecher. „Wir achten sehr auf Hygiene.“ Darüber hinaus betont Thiedig, dass eine Übertragung des Corona-Virus' über Fleisch oder Wurstwaren trotz vereinzelt anderslautender Behauptungen praktisch ausgeschlossen werden könne – zumindest dann, wenn die Hygieneregeln eingehalten würden. Zu dieser Bewertung kämen das Robert-Koch-Institut und das Bundesamt für Risikobewertung. Auch die heimischen Landwirte standen nach der Schließung des Tönnies-Schlachthofes unter Druck, die Situation habe sich aber inzwischen wieder zumindest etwas entspannt, sagt Stefan Schmidt. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes und Jugendlandwirt. Gerade zu Beginn hätten die Tiere zu anderen Schlachthöfen umgeleitet werden müssen. Das sei möglich, weil sich die Schlachtbetriebe in solchen Fällen untereinander absprechen. Dennoch könne die Menge, die jetzt mit der Schließung bei Tönnies ausfalle, nicht komplett aufgefangen werden, sagt Schmidt. Für die Mastbetriebe sei das eine besondere Herausforderung, weil die Tiere in einem engen Zeitfenster geschlachtet werden müssten. Wird zum Beispiel eine Gewichtsgrenze überschritten, gebe es Abzüge beim Preis. Und auch bei den Ferkelerzeugern entstehe so ein Rückstau, sagt Schmidt. Allerdings deute sich aktuell an, dass die Preise stabil bleiben könnten. Sorge vor einer Ansteckungen in der Lieferkette hat Schmidt nicht. Die Hygienevorschriften bei Mästern und Sauenhaltern seien ohnehin sehr streng. Zudem hielten sich die Landwirte an die derzeit üblichen Beschränkungen: „Weniger Kontakt geht kaum“, sagt Schmidt. Etwas schwieriger wird allerdings die Organisation des Transports. Es gibt kaum noch kleine Schlachthöfe in der Region, auf die die Landwirte ausweichen könnten. Dabei geht es auch Schmidt vor allem um die Dauer der Transporte: „An oberster Stelle steht der schonende Umgang mit den Tieren“, sagt der stellvertretende Kreislandwirt. Kritisch sieht er die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen: „Die sollten verbessern werden.“

So spüren Landwirte und Fleischverarbeiter im Mühlenkreis die Schließung des Tönnies-Schlachthofes

Nach der Schließung des Tönnies-Schlachthofes mussten einige Viehtransporter umgeleitet werden. Engpässe auf dem Fleischmarkt erwarten Experten nicht. Foto: imago stock&people © imago/Overstreet

Minden. Die Schließung des Tönnies-Schlachthofes in Rheda-Wiedenbrück wirkt sich auch auf das Mindener Land aus. Das befürchtete Chaos scheint aber zunächst auszubleiben. So erwartet die Edeka Minden-Hannover keine Engpässe, wie Sprecher Dr. Frank Thiedig gegenüber dem MT sagt. Das gelte für die Belieferung der Unternehmenstochter Bauerngut in Bückeburg ebenso wie für die Supermärkte.

Bauerngut wird fast ausschließlich mit fertig zerlegtem Fleisch beliefert, auch von Tönnies, dem größten deutschen Schlachtbetrieb. In Rheda-Wiedenbrück werden hauptsächlich Schweine geschlachtet, Tönnies hat in diesem Bereich einen Marktanteil von etwa 20 Prozent. Der fällt jetzt weg. Trotzdem gebe es ausreichend Kapazitäten, diesen Ausfall zu kompensieren, sagt Thiedig. Ob sich in der Folge auch das Verbraucherverhalten ändert, sei schwer vorherzusehen. Auch in der Vergangenheit habe eine kritische Auseinandersetzung mit der Fleischindustrie eher kurzfristige Effekte gehabt.

Eine Gefahr für die Ausbreitung des Corona-Virus' über die Lieferwege hält der Edeka-Sprecher eher für gering. Schon seit Beginn der Pandemie seien die Produktionsstandorte in Bückeburg und Könnern abgeriegelt. Lkw-Fahrer müssten während der Entladung in der Kabine bleiben, der Kontakt zu den Mitarbeitern und der Zutritt etwa zu Sozialräumen sei untersagt. Auch Handwerker würden derzeit nicht mehr reingelassen, so Thiedig.

Edeka sieht sich gut vorbereitet: „Wir hatten das Thema schon bei Westfleisch in Coesfeld“, sagt der Sprecher. „Wir achten sehr auf Hygiene.“ Darüber hinaus betont Thiedig, dass eine Übertragung des Corona-Virus' über Fleisch oder Wurstwaren trotz vereinzelt anderslautender Behauptungen praktisch ausgeschlossen werden könne – zumindest dann, wenn die Hygieneregeln eingehalten würden. Zu dieser Bewertung kämen das Robert-Koch-Institut und das Bundesamt für Risikobewertung.

Auch die heimischen Landwirte standen nach der Schließung des Tönnies-Schlachthofes unter Druck, die Situation habe sich aber inzwischen wieder zumindest etwas entspannt, sagt Stefan Schmidt. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes und Jugendlandwirt. Gerade zu Beginn hätten die Tiere zu anderen Schlachthöfen umgeleitet werden müssen. Das sei möglich, weil sich die Schlachtbetriebe in solchen Fällen untereinander absprechen. Dennoch könne die Menge, die jetzt mit der Schließung bei Tönnies ausfalle, nicht komplett aufgefangen werden, sagt Schmidt. Für die Mastbetriebe sei das eine besondere Herausforderung, weil die Tiere in einem engen Zeitfenster geschlachtet werden müssten. Wird zum Beispiel eine Gewichtsgrenze überschritten, gebe es Abzüge beim Preis. Und auch bei den Ferkelerzeugern entstehe so ein Rückstau, sagt Schmidt. Allerdings deute sich aktuell an, dass die Preise stabil bleiben könnten.

Sorge vor einer Ansteckungen in der Lieferkette hat Schmidt nicht. Die Hygienevorschriften bei Mästern und Sauenhaltern seien ohnehin sehr streng. Zudem hielten sich die Landwirte an die derzeit üblichen Beschränkungen: „Weniger Kontakt geht kaum“, sagt Schmidt. Etwas schwieriger wird allerdings die Organisation des Transports. Es gibt kaum noch kleine Schlachthöfe in der Region, auf die die Landwirte ausweichen könnten. Dabei geht es auch Schmidt vor allem um die Dauer der Transporte: „An oberster Stelle steht der schonende Umgang mit den Tieren“, sagt der stellvertretende Kreislandwirt. Kritisch sieht er die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen: „Die sollten verbessern werden.“

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