So läuft die Corona-Impfung bei den Hausärzten im Mühlenkreis an Ursula Koch,Anja Peper,Malina Reckordt Minden/Hille. Es kommt Tempo in die Sache: Hausärzte impfen jetzt auch gegen Corona – parallel zum Impfzentrum in Unterlübbe. Nach Ostern haben die Ärzte mit den Schutzimpfungen begonnen. Eine MT-Umfrage in heimischen Praxen ergibt ein gemischtes Bild der ersten Tage. Während einige der großen Gemeinschaftspraxen im Zehn-Minuten-Takt impfen, warten einige kleine noch händeringend auf die Lieferung der ersten Impfdosen. Viel zu tun haben alle: In der zweiten Ferienwoche stehen traditionell zusätzlich viele Vertretungsdienste an. Die Telefone stehen seit Tagen nicht mehr still. „Ja, es ist Stress, aber macht auch viel Spaß", sagt Dr. Michael Kühne (Gemeinschaftspraxis im Gesundheitszentrum Kutenhausen). Er ist spürbar froh darüber, dass die niedergelassenen Ärzte nun flächendeckend in die Impfstrategie eingebunden sind. Nach einem Jahr Pandemie sind die Menschen ungeduldig. In den ersten April-Wochen sollen jeweils knapp eine Million Impfdosen an die Praxen geliefert werden, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt. Dr. Micheal Kühne und seine Kollegen haben eine Sonderzuteilung von Biontech bekommen, verimpfen aber auch das Vakzin von Astrazeneca. Insgesamt können die Ärzte bis zu 500 Menschen impfen. Die personellen und räumlichen Ressourcen sind da: Für die hausärztliche Gemeinschaftspraxis sind – einschließlich der kleineren Praxen in Hahlen und Lübbecke – zwölf Ärzte tätig. Jetzt soll also Schwung in die schleppende Impfkampagne kommen. Doch die Herausforderung liegt auch bei der Logistik der Impfstoffe. Die Mindener Medizinerin Dr. Ulrike Fabian (Viktoriastraße) würde ebenfalls gerne loslegen. Doch die Fachärztin für Allgemein- und Arbeitsmedizin und ihre Mitarbeiterinnen müssen noch Geduld beweisen: „Es sind leider noch keine Impfdosen angekommen", heißt es aus ihrer Praxis. Das war zumindest der Stand am Mittwoch. „Wir rechnen täglich mit der Lieferung." Auch in der kleinen Praxis häufen sich die Anfragen von Patienten – und auch von Betrieben, die an einer Impflösung arbeiten. Die Priorisierung werde auch nach dem Start weiter gelten. Die Zahl der Menschen aus dem Kreis Minden-Lübbecke, die mindestens eine Corona-Impfung erhalten haben, hat von Mittwoch auf Donnerstag dennoch einen deutlichen Satz nach oben gemacht. Das liegt auch daran, dass seit dieser Woche die Hausärzte impfen. Laut Bericht der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe wurden am Mittwoch weitere 2.338 Erst-Impfungen erfasst – mehr als die Hälfte davon, nämlich 1.423, wurden in Hausarztpraxen verabreicht. Mit insgesamt 44.914 Erstimpfungen sind nun 14,46 Prozent der Menschen aus dem Mühlenkreis geimpft worden. 16.255 Menschen haben bereits beide Impfungen erhalten und sind damit voll immunisiert. Im OWL-Vergleich liegt der Kreis im Mittelfeld. Deutlich mehr Impfdosen wurden in den Landkreisen Gütersloh (53.948), Lippe (48.856) und Bielefeld (46.843) verimpft. Der größten Anteil der Bevölkerung wurde im Landkreis Höxter geimpft, nämlich 16,11 Prozent. Hausärzte kennen ihre Patienten und Impfen gehört zu ihrem Kerngeschäft. Das ist aus Sicht von Dr. Tilo Polonius. Der Allgemeinmediziner ist seit vielen Jahren eine Institution in Hille-Holzhausen und den umliegenden Orten. Er hat zwei Ärzte angestellt, die für seine Nachfolge vorgesehen sind. Die Praxis hat am Mittwoch mit den Corona-Impfungen begonnen, die 24 gelieferten Dosen waren innerhalb eines Tages weg: „Ein Arzt impft im Zehn-Minuten-Takt", sagt Polonius. Bisher ist er zufrieden, es funktioniere insgesamt gut, auch der Aufwand mit dem Papierkram sei zu bewältigen. Es gebe sogar Formular-Vordrucke in Leichter Sprache, die das Impfen mit einfachen Worten erklären. Auch einen gemeinsamen Kraftakt hat die Praxis schon bewältigt: Als am Sonntag kurzfristig Kapazitäten im Impfzentrum Unterlübbe frei wurden, wurden am laufenden Band Polonius’ Patienten angerufen: „50 von ihnen wurden bei der Sonderaktion geimpft." In der Praxis von Donata Krause in Minden gehen in jeder Sprechstunde fünf bis zehn Anfragen von Impfwilligen ein. Bei ihr gibt es allerdings keine Wartelisten. „Wir rufen die Patienten an, die entweder aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen dran sind und bestellen sie für Impftermine ein", berichtet Krause. Das Alter lasse sich über das Computerprogramm herausfiltern, welcher ihrer Patienten etwa Asthmatiker sei oder schwere Herzerkrankungen habe, das wisse sie. In der Praxis hätten sie eigene Prioritätenlisten zusammengestellt, die sie jede Woche durchgehe, um den vorhandenen Impfstoff zu verteilen. „Leider wissen wir vorher nicht, wie viel Impfstoff geliefert wird. In dieser Woche hat sie 30 Impfdosen von Biontech erhalten. „Wir hätten gern mehr Impfstoff", macht die Hausärztin deutlich. „Jede Impfung, die gemacht ist, ist ein Gewinn", kommentiert sie die spontane Aktion der vergangenen Woche im Impfzentrum. Dr. Toni Huber hat sogar 49 Impfdosen erhalten: „Das liegt daran, dass ich die Urlaubsvertretung für einen Kollegen mache." In den letzten beiden Tagen sind jeweils etwa 100 Anrufe eingegangen. „Das packt unsere Telefonanlage nicht". Das führe dazu, dass dringende Fälle nicht durchkommen. Darum gilt auch in seiner Praxis, dass die Patienten, die auf den Prioritätenlisten stehen, angerufen werden. „Meine Frau sitzt zuhause am Telefon und arbeitet diese Listen ab, das würden wir sonst in der Praxis nicht schaffen." Auch er hofft, künftig mehr Impfstoff zu bekommen. Er habe zusammen mit einigen Kollegen spezielle Impftage verabredet, die sich über die Woche verteilen. Einzig die Wartefrist nach der Impfung sei eine logistische Herausforderung für die Praxis, wenn die Patienten eine halbe Stunde lang unter Beobachtung bleiben müssten. Das hängt davon ab, welcher Impfstoff geliefert wird. Aber er habe einen großen Parkplatz vor dem Haus. Probleme bereite eher, dass Patienten Wünsche äußern, womit sie geimpft werden wollen. Das sei aber nicht realistisch: „Wir verimpfen, was da ist." Die Aktion im Impfzentrum habe den Hausärzten nichts weggenommen. Dort sei Astrazeneca gespritzt worden, das frei geworden war, weil es nicht mehr an Personen unter 60 Jahren vergeben werden sollte. In seiner Praxis könnte er an einem Tag mehr als 40 Impfungen durchführen, macht Huber klar, dass noch Luft nach oben ist. Er rechnet damit , dass bis Ende Juli alle Menschen geimpft worden sind, die es wünschen.

So läuft die Corona-Impfung bei den Hausärzten im Mühlenkreis an

Hausärzte impfen jetzt auch gegen Corona – parallel zum Impfzentrum in Unterlübbe. © Pixabay

Minden/Hille. Es kommt Tempo in die Sache: Hausärzte impfen jetzt auch gegen Corona – parallel zum Impfzentrum in Unterlübbe. Nach Ostern haben die Ärzte mit den Schutzimpfungen begonnen. Eine MT-Umfrage in heimischen Praxen ergibt ein gemischtes Bild der ersten Tage. Während einige der großen Gemeinschaftspraxen im Zehn-Minuten-Takt impfen, warten einige kleine noch händeringend auf die Lieferung der ersten Impfdosen. Viel zu tun haben alle: In der zweiten Ferienwoche stehen traditionell zusätzlich viele Vertretungsdienste an. Die Telefone stehen seit Tagen nicht mehr still.

„Ja, es ist Stress, aber macht auch viel Spaß", sagt Dr. Michael Kühne (Gemeinschaftspraxis im Gesundheitszentrum Kutenhausen). Er ist spürbar froh darüber, dass die niedergelassenen Ärzte nun flächendeckend in die Impfstrategie eingebunden sind. Nach einem Jahr Pandemie sind die Menschen ungeduldig. In den ersten April-Wochen sollen jeweils knapp eine Million Impfdosen an die Praxen geliefert werden, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt. Dr. Micheal Kühne und seine Kollegen haben eine Sonderzuteilung von Biontech bekommen, verimpfen aber auch das Vakzin von Astrazeneca. Insgesamt können die Ärzte bis zu 500 Menschen impfen. Die personellen und räumlichen Ressourcen sind da: Für die hausärztliche Gemeinschaftspraxis sind – einschließlich der kleineren Praxen in Hahlen und Lübbecke – zwölf Ärzte tätig.

Jetzt soll also Schwung in die schleppende Impfkampagne kommen. Doch die Herausforderung liegt auch bei der Logistik der Impfstoffe. Die Mindener Medizinerin Dr. Ulrike Fabian (Viktoriastraße) würde ebenfalls gerne loslegen. Doch die Fachärztin für Allgemein- und Arbeitsmedizin und ihre Mitarbeiterinnen müssen noch Geduld beweisen: „Es sind leider noch keine Impfdosen angekommen", heißt es aus ihrer Praxis. Das war zumindest der Stand am Mittwoch. „Wir rechnen täglich mit der Lieferung." Auch in der kleinen Praxis häufen sich die Anfragen von Patienten – und auch von Betrieben, die an einer Impflösung arbeiten. Die Priorisierung werde auch nach dem Start weiter gelten.

Die Zahl der Menschen aus dem Kreis Minden-Lübbecke, die mindestens eine Corona-Impfung erhalten haben, hat von Mittwoch auf Donnerstag dennoch einen deutlichen Satz nach oben gemacht. Das liegt auch daran, dass seit dieser Woche die Hausärzte impfen. Laut Bericht der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe wurden am Mittwoch weitere 2.338 Erst-Impfungen erfasst – mehr als die Hälfte davon, nämlich 1.423, wurden in Hausarztpraxen verabreicht. Mit insgesamt 44.914 Erstimpfungen sind nun 14,46 Prozent der Menschen aus dem Mühlenkreis geimpft worden. 16.255 Menschen haben bereits beide Impfungen erhalten und sind damit voll immunisiert. Im OWL-Vergleich liegt der Kreis im Mittelfeld. Deutlich mehr Impfdosen wurden in den Landkreisen Gütersloh (53.948), Lippe (48.856) und Bielefeld (46.843) verimpft. Der größten Anteil der Bevölkerung wurde im Landkreis Höxter geimpft, nämlich 16,11 Prozent.

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Hausärzte kennen ihre Patienten und Impfen gehört zu ihrem Kerngeschäft. Das ist aus Sicht von Dr. Tilo Polonius. Der Allgemeinmediziner ist seit vielen Jahren eine Institution in Hille-Holzhausen und den umliegenden Orten. Er hat zwei Ärzte angestellt, die für seine Nachfolge vorgesehen sind. Die Praxis hat am Mittwoch mit den Corona-Impfungen begonnen, die 24 gelieferten Dosen waren innerhalb eines Tages weg: „Ein Arzt impft im Zehn-Minuten-Takt", sagt Polonius. Bisher ist er zufrieden, es funktioniere insgesamt gut, auch der Aufwand mit dem Papierkram sei zu bewältigen. Es gebe sogar Formular-Vordrucke in Leichter Sprache, die das Impfen mit einfachen Worten erklären. Auch einen gemeinsamen Kraftakt hat die Praxis schon bewältigt: Als am Sonntag kurzfristig Kapazitäten im Impfzentrum Unterlübbe frei wurden, wurden am laufenden Band Polonius’ Patienten angerufen: „50 von ihnen wurden bei der Sonderaktion geimpft."

In der Praxis von Donata Krause in Minden gehen in jeder Sprechstunde fünf bis zehn Anfragen von Impfwilligen ein. Bei ihr gibt es allerdings keine Wartelisten. „Wir rufen die Patienten an, die entweder aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen dran sind und bestellen sie für Impftermine ein", berichtet Krause. Das Alter lasse sich über das Computerprogramm herausfiltern, welcher ihrer Patienten etwa Asthmatiker sei oder schwere Herzerkrankungen habe, das wisse sie. In der Praxis hätten sie eigene Prioritätenlisten zusammengestellt, die sie jede Woche durchgehe, um den vorhandenen Impfstoff zu verteilen. „Leider wissen wir vorher nicht, wie viel Impfstoff geliefert wird. In dieser Woche hat sie 30 Impfdosen von Biontech erhalten. „Wir hätten gern mehr Impfstoff", macht die Hausärztin deutlich. „Jede Impfung, die gemacht ist, ist ein Gewinn", kommentiert sie die spontane Aktion der vergangenen Woche im Impfzentrum.

Dr. Toni Huber hat sogar 49 Impfdosen erhalten: „Das liegt daran, dass ich die Urlaubsvertretung für einen Kollegen mache." In den letzten beiden Tagen sind jeweils etwa 100 Anrufe eingegangen. „Das packt unsere Telefonanlage nicht". Das führe dazu, dass dringende Fälle nicht durchkommen. Darum gilt auch in seiner Praxis, dass die Patienten, die auf den Prioritätenlisten stehen, angerufen werden. „Meine Frau sitzt zuhause am Telefon und arbeitet diese Listen ab, das würden wir sonst in der Praxis nicht schaffen." Auch er hofft, künftig mehr Impfstoff zu bekommen. Er habe zusammen mit einigen Kollegen spezielle Impftage verabredet, die sich über die Woche verteilen. Einzig die Wartefrist nach der Impfung sei eine logistische Herausforderung für die Praxis, wenn die Patienten eine halbe Stunde lang unter Beobachtung bleiben müssten. Das hängt davon ab, welcher Impfstoff geliefert wird. Aber er habe einen großen Parkplatz vor dem Haus. Probleme bereite eher, dass Patienten Wünsche äußern, womit sie geimpft werden wollen. Das sei aber nicht realistisch: „Wir verimpfen, was da ist." Die Aktion im Impfzentrum habe den Hausärzten nichts weggenommen. Dort sei Astrazeneca gespritzt worden, das frei geworden war, weil es nicht mehr an Personen unter 60 Jahren vergeben werden sollte. In seiner Praxis könnte er an einem Tag mehr als 40 Impfungen durchführen, macht Huber klar, dass noch Luft nach oben ist. Er rechnet damit , dass bis Ende Juli alle Menschen geimpft worden sind, die es wünschen.

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