Minden/Herford So läuft die Arbeit im Mindener Labor: Warum das Corona-Chaos und Test-Pannen bislang ausgeblieben sind Minden/Herford. Das Chaos ist bislang ausgeblieben. Anders als in Bayern. Dort blamierten sich die Behörden wegen mehrerer Test-Pannen nach Abstrichen von Reiserückkehrern an Flughäfen und Raststätten. Dadurch wussten tausende Menschen mehrere Tage lang nicht, ob sie nun infiziert waren, andere ansteckten oder nicht. Auch in Bielefeld und Gütersloh melden sich Betroffene, die über viel zu lange Wartezeiten und eine damit verbundene Ungewissheit klagen. Dass im Kreis Herford bislang alles reibungslos ablief, liegt auch an einem Labor in Minden. Das Zentrallabor der Mühlenkreiskliniken wertet viele der Corona-Tests im Umkreis aus. Während die Proben vom Lukas- Krankenhaus in Bünde zum Labor Krone in Bad Salzuflen gehen, landen die vom Klinikum Herford und dem Mathilden Hospital sowie die Proben im Auftrag des Gesundheitsamtes aus Schulen oder Pflegeheimen in Minden. Auch die Proben von den Testzentren in Herford und Bünde werden nach Minden geschickt - und dann geht es schnell: Binnen eines Tages ist das Ergebnis da und wird den Betroffenen über das Smartphone mitgeteilt. Etwa 3.000 Tests täglich nimmt das Labor unter die Lupe, bis zu 10.000 wären möglich, sagt Franz-Josef Schmitz, der das Labor leitet. "Alle Proben und Röhrchen erfassen wir sofort vor Ort bei der Probennahme mit einem Barcode in einem digitalen System, dadurch können wir alle Personen zuordnen, ohne dass irgendwelche handgeschriebene Zettel verschwinden", erklärt der Chefarzt. Das Labor befindet sich im Mindener Johannes Wesling Klinikum und ein Besuch dort verdeutlicht, wie Schmitz und sein Team seit der Pandemie aufgerüstet haben. Die Arbeit im Labor verläuft ruhig, die Angestellten hantieren unaufgeregt mit den Proben und Geräten. Schmitz zeigt auf ein kleines Zimmer, in dem die Mitarbeiter zunächst händisch am Anfang etwa 60 Proben pro Tag untersuchten. Inzwischen hat das Labor mehrere spezielle Geräte angeschafft und neue Spezialisten eingestellt. 18 neue Mitarbeiter, darunter acht Biologen, kümmern sich ausschließlich und 24 Stunden um die PCR-Proben in drei Räumen. In der Regel dauert ein Covid-Test nach dem Probeneingang im Labor etwa acht Stunden. Die Geräte können auch nachweisen, ob jemand bereits Antikörper gegen das neue Corona-Virus gebildet hat. Das letzte Wort hat immer ein Arzt, auffällige Ergebnisse bewertet er. Dass die Zahl der Infizierten bundesweit steigt, bemerkt Schmitz ebenfalls: "Drei Prozent aller Proben aus Rehakliniken oder Schulen sind inzwischen positiv. Vor ein paar Wochen war das noch anders." Er selbst zeigt sich erstaunt, welche Dimensionen die Pandemie eingenommen hat: "Die Hysterie hielt ich anfangs für übertrieben, doch erste Berichte zeigen, wie schwer die Folgen und Langzeitschäden für Corona-Betroffene sein können." Abzuwarten sei nun, wann Impfstoffe entwickelt werden und ob die Gesellschaft ohne die Gegenmittel weitere Risiken eingehen möchte. Die Schnelltests dagegen sieht Schmitz als Hype, der nicht zielführend sei. "Viele der eingesetzten Schnelltestes in den USA waren ungenau und gaben keine Garantie." Demnach könnten die Gesundheitsämter nicht die Infektionsketten nachvollziehen, wenn die Ergebnisse verfälscht werden. "Ich bezweifle außerdem, ob mit den Proben zum Beispiel vor Konzerten oder in Alten- und Pflegeheimen so steril wie im Labor gearbeitet werden kann." Schließlich könne das Material infektiös. Das Laborzentrum hat noch mehrere kleinere Standorte mit insgesamt 150 Mitarbeitern, unter anderem in Herford, Bad Oeynhausen, Schaumburg oder Lübbecke. Aber nur in Minden werden die Corona-Tests mittels PCR untersucht. Vor der Pandemie beschäftigten sich die Experten in den Laboren beispielsweise mit Hygieneuntersuchungen oder der Mikrobiologie. Was passiert mit den ganzen Investitionen in die Technik, wenn Corona einmal vorbei ist? "Wir haben die Geräte deshalb teilweise nur geleast", sagt Schmitz und blickt auf den Wettbewerb im März zurück. Damals wollte er eigentlich ein Gerät aus den USA anschaffen, doch das war nicht möglich. "Jeder wollte sich selbst ausreichend versorgen." Das habe in einigen Länder wie Frankreich oder den Niederlanden zu Problemen geführt. Sein Labor konnte ein Gerät besorgen, dass eigentlich Schulungszwecken diente. Vorteile im Corona-Zeitalter sieht Schmitz in der Digitalisierung. "Da haben wir als Labor große Fortschritte gemacht." Er glaub auch, dass in Zukunft die Labordiagnostik auch ohne Corona notwendiger wird. "Wir werden fortan mehr auf Infektionen achten müssen." Bis dahin wollen Schmitz und sein Team weiter professionell daran arbeiten, dass Test-Pannen und ein Chaos wie in Bayern in der Krisensituation ausbleiben.
Minden/Herford

So läuft die Arbeit im Mindener Labor: Warum das Corona-Chaos und Test-Pannen bislang ausgeblieben sind

Chefarzt Franz-Josef Schmitz leitet das Labor in Minden und musste im März wegen Corona aufrüsten. © Ilja Regier

Minden/Herford. Das Chaos ist bislang ausgeblieben. Anders als in Bayern. Dort blamierten sich die Behörden wegen mehrerer Test-Pannen nach Abstrichen von Reiserückkehrern an Flughäfen und Raststätten. Dadurch wussten tausende Menschen mehrere Tage lang nicht, ob sie nun infiziert waren, andere ansteckten oder nicht. Auch in Bielefeld und Gütersloh melden sich Betroffene, die über viel zu lange Wartezeiten und eine damit verbundene Ungewissheit klagen. Dass im Kreis Herford bislang alles reibungslos ablief, liegt auch an einem Labor in Minden.

Das Zentrallabor der Mühlenkreiskliniken wertet viele der Corona-Tests im Umkreis aus. Während die Proben vom Lukas- Krankenhaus in Bünde zum Labor Krone in Bad Salzuflen gehen, landen die vom Klinikum Herford und dem Mathilden Hospital sowie die Proben im Auftrag des Gesundheitsamtes aus Schulen oder Pflegeheimen in Minden. Auch die Proben von den Testzentren in Herford und Bünde werden nach Minden geschickt - und dann geht es schnell: Binnen eines Tages ist das Ergebnis da und wird den Betroffenen über das Smartphone mitgeteilt.

Etwa 3.000 Tests täglich nimmt das Labor unter die Lupe, bis zu 10.000 wären möglich, sagt Franz-Josef Schmitz, der das Labor leitet. "Alle Proben und Röhrchen erfassen wir sofort vor Ort bei der Probennahme mit einem Barcode in einem digitalen System, dadurch können wir alle Personen zuordnen, ohne dass irgendwelche handgeschriebene Zettel verschwinden", erklärt der Chefarzt.

Das Labor befindet sich im Mindener Johannes Wesling Klinikum und ein Besuch dort verdeutlicht, wie Schmitz und sein Team seit der Pandemie aufgerüstet haben. Die Arbeit im Labor verläuft ruhig, die Angestellten hantieren unaufgeregt mit den Proben und Geräten. Schmitz zeigt auf ein kleines Zimmer, in dem die Mitarbeiter zunächst händisch am Anfang etwa 60 Proben pro Tag untersuchten. Inzwischen hat das Labor mehrere spezielle Geräte angeschafft und neue Spezialisten eingestellt.

18 neue Mitarbeiter, darunter acht Biologen, kümmern sich ausschließlich und 24 Stunden um die PCR-Proben in drei Räumen. In der Regel dauert ein Covid-Test nach dem Probeneingang im Labor etwa acht Stunden. Die Geräte können auch nachweisen, ob jemand bereits Antikörper gegen das neue Corona-Virus gebildet hat. Das letzte Wort hat immer ein Arzt, auffällige Ergebnisse bewertet er.

Dass die Zahl der Infizierten bundesweit steigt, bemerkt Schmitz ebenfalls: "Drei Prozent aller Proben aus Rehakliniken oder Schulen sind inzwischen positiv. Vor ein paar Wochen war das noch anders." Er selbst zeigt sich erstaunt, welche Dimensionen die Pandemie eingenommen hat: "Die Hysterie hielt ich anfangs für übertrieben, doch erste Berichte zeigen, wie schwer die Folgen und Langzeitschäden für Corona-Betroffene sein können." Abzuwarten sei nun, wann Impfstoffe entwickelt werden und ob die Gesellschaft ohne die Gegenmittel weitere Risiken eingehen möchte.

Die Schnelltests dagegen sieht Schmitz als Hype, der nicht zielführend sei. "Viele der eingesetzten Schnelltestes in den USA waren ungenau und gaben keine Garantie." Demnach könnten die Gesundheitsämter nicht die Infektionsketten nachvollziehen, wenn die Ergebnisse verfälscht werden. "Ich bezweifle außerdem, ob mit den Proben zum Beispiel vor Konzerten oder in Alten- und Pflegeheimen so steril wie im Labor gearbeitet werden kann." Schließlich könne das Material infektiös.

Das Laborzentrum hat noch mehrere kleinere Standorte mit insgesamt 150 Mitarbeitern, unter anderem in Herford, Bad Oeynhausen, Schaumburg oder Lübbecke. Aber nur in Minden werden die Corona-Tests mittels PCR untersucht. Vor der Pandemie beschäftigten sich die Experten in den Laboren beispielsweise mit Hygieneuntersuchungen oder der Mikrobiologie. Was passiert mit den ganzen Investitionen in die Technik, wenn Corona einmal vorbei ist? "Wir haben die Geräte deshalb teilweise nur geleast", sagt Schmitz und blickt auf den Wettbewerb im März zurück.

Damals wollte er eigentlich ein Gerät aus den USA anschaffen, doch das war nicht möglich. "Jeder wollte sich selbst ausreichend versorgen." Das habe in einigen Länder wie Frankreich oder den Niederlanden zu Problemen geführt. Sein Labor konnte ein Gerät besorgen, dass eigentlich Schulungszwecken diente.

Vorteile im Corona-Zeitalter sieht Schmitz in der Digitalisierung. "Da haben wir als Labor große Fortschritte gemacht." Er glaub auch, dass in Zukunft die Labordiagnostik auch ohne Corona notwendiger wird. "Wir werden fortan mehr auf Infektionen achten müssen." Bis dahin wollen Schmitz und sein Team weiter professionell daran arbeiten, dass Test-Pannen und ein Chaos wie in Bayern in der Krisensituation ausbleiben.

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