"So fühlt sich also Corona an": MT-Redakteur berichtet aus der Quarantäne Patrick Schwemling Minden. Es beginnt alles mit einer E-Mail, die am späten Montagabend auf meinem Iphone eintrudelt. Exakt um 23.40 Uhr bekomme ich die Auswertung meines Corona-Tests geliefert, ich schlafe zu diesem Zeitpunkt allerdings schon. Mitten in der Nacht, gegen 2 Uhr, wache ich auf und greife zum Handy. Im Halbschlaf sehe ich die Mail des Testlabors, ich öffne den Link zum Ergebnis und schlagartig bin ich hellwach. „Positiver Befund", steht dort unübersehbar und merklich bedrohlich in roter Schrift geschrieben. „Das kann doch nicht sein", sage ich laut zu mir selbst. So laut, dass Sekunden später auch meine Freundin erwacht. „Was ist passiert?", fragt sie. Ich antworte ihr zunächst nicht, so dass sie ihre Frage wiederholen muss. Erst dann realisiere ich, dass sie wach ist und mit mir spricht. „Mein Corona-Test ist positiv", entgegne ich ihr – und sie kann es ebenso wenig glauben. Zur Vorgeschichte: Ich war für drei Tage im Kurzurlaub in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Es ist der Ort, den ich wegen geringer Corona-Zahlen – und weil es sich um kein Risikogebiet handelt - ausgewählt habe. An allen Tagen vor Ort spüre ich keine Symptome, fühle mich sicher, der Umgang mit Corona ist ähnlich wie in Deutschland. In öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften und Taxis besteht Maskenpflicht. Gefühlt halten sich zwar weniger Menschen als in Deutschland an diese Regeln, für mich ist es jedoch selbstverständlich sie auch in Ungarn zu befolgen. Wegen des guten Wetters verbringe ich fast die gesamte Zeit an der frischen Luft, um jedes Risiko zu minimieren. In Restaurants und Bars wird auf die Abstandsregel geachtet, das Leben unterscheidet sich nicht zu dem in deutschen Großstädten. Der einzige Unterschied, der wirklich auffällt: im Gegensatz zu Deutschland muss man auf dem Weg zu seinem Tisch, zum Beispiel in Restaurants, keine Maske aufsetzen. Nichts, wirklich gar nichts, spricht in meinen Augen dafür, dass ich mich infiziert haben könnte. Die Flugzeuge auf Hin- und Rückflug sind ziemlich leer und man trägt während der gesamten Flugdauer einen Mund-Nasen-Schutz. Auf der Rückreise mache ich im Testzentrum am Flughafen dennoch prophylaktisch einen Corona-Test. Sicher ist sicher – das zeigt sich später allemal. Hätte ich diesen Test nicht gemacht, hätte ich möglicherweise mehrere Menschen angesteckt. Symptome werde ich nämlich am ersten Tag keine entwickeln. "Habe ich Arbeitskollegen oder Freunde angesteckt?"  Diese Frage schwirrt mir die ganze Nacht durch den Kopf An Schlaf ist nach dem Befund in der Nacht zu Dienstag übrigens nicht mehr zu denken. Ich separiere mich sofort von meiner Freundin und verschwinde ins Wohnzimmer. Die nächsten Stunden habe ich unentwegt das Handy in der Hand. Ich google, was das Zeug hält. Symptome, Inkubationszeitraum, und, und, und. Danach weiß ich alles, aber doch wieder gar nichts. Ich zerbreche mir den Kopf darüber, mit wem ich in den letzten Tagen Kontakt gehabt habe. Mir fallen zum Glück kaum Begegnungen ein, dennoch frage ich mich: „Habe ich Arbeitskollegen oder Freunde angesteckt?" In der Nacht informiere ich meine Vorgesetzten und die Kollegen, mit denen ich zuletzt etwas engeren Kontakt hatte. Es ist 6 Uhr, noch habe ich keinen Kontakt zum Gesundheitsamt aufnehmen können, aber ich will jedes Risiko minimieren. In der Zwischenzeit habe ich meinen positiven Test bereits in die Corona-Warn-App eingetragen, damit alle Personen, denen ich über den Weg gelaufen bin, gewarnt werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, unter anderem eine Übermittlung per QR-Code. Das funktioniert bei mir nicht, also muss ich eine kostenlose Hotline, die rund um die Uhr erreichbar ist, anrufen. Es sollte das erste Telefonat von vielen an diesem Tag werden. Der Mitarbeiter ist gegen 4 Uhr hellwach, sehr freundlich und stellt mir zunächst ein paar Fragen zu meinem Abstrich. Danach erfahre ich, dass dies nötig gewesen sei, um einen Missbrauch der App auszuschließen. Er trägt im Anschluss meine Daten ein und ruft mich kurz darauf zurück. So erhalte ich eine TAN, also ein Einmalkennwort, das ich in die App eintragen muss. Danach bestätige ich, dass meine Daten – verschlüsselt und nicht personalisiert – übertragen werden dürfen, und so mögliche Kontaktpersonen gewarnt werden können. Die Oberfläche der App sieht ab diesem Zeitpunkt übrigens anders aus. „Vielen Dank! Dank ihrer Mithilfe können andere gewarnt werden und entsprechend reagieren." Das fühlt sich gut an, ein erster Schritt ist jetzt also schon gemacht. Am Morgen kommt dann endlich etwas Klarheit in die ganze Geschichte. Während auf der Arbeit bereits viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen und Kollegen ins Homeoffice geschickt wurden, ruft mich bereits um kurz nach 8 Uhr das Gesundheitsamt des Kreises an. Ich hatte nicht einmal 30 Minuten zuvor per Mail über meinen positiven Befund informiert. Dabei stellt sich heraus: Lediglich die Personen, mit denen ich in den 48 Stunden vor dem Test länger Kontakt hatte, das heißt mehr als 15 Minuten und weniger als 1,5 Meter Abstand, gelten als Kontaktpersonen. Ich atme auf, weil sich mein Kreis tatsächlich nur auf zwei Personen beschränkt. Dennoch lassen sich einige Arbeitskollegen vorsichtshalber testen. Zu diesem Zeitpunkt ist nämlich noch nicht klar, wann und wo ich mich infiziert habe. Es besteht also auch die Möglichkeit, dass ich bereits in Minden und in der Redaktion infektiös gewesen sein könnte. Noch am selben Tag bekommen meine Arbeitskollegen ihre Ergebnisse: Sie sind glücklicherweise alle negativ. Übrigens genau wie das meiner Freundin, die sich am Vormittag am Johannes-Wesling-Klinikum testen lässt, und deren Befund bereits am Nachmittag vorliegt. Für uns zwei ist jedoch klar – es geht in Quarantäne oder wie es fachlich richtig heißt: in häusliche Isolation. Das bekommen wir per E-Mail vom Gesundheitsamt mitgeteilt, ein Brief soll am nächsten Tag folgen. Für mich sind es ab jetzt zehn Tage, für meine Freundin sogar drei Tage länger. Das liegt daran, dass ich das Virus bereits länger in mir trage, erklärt mir der freundliche Gesundheitsamt-Mitarbeiter, den ich bei Fragen stets anrufen kann. Dass dies so unkompliziert und gut abläuft, überrascht mich. Das hätte in einer Großstadt vermutlich anders ausgesehen. Etliche Telefonate, Whatsapp-Nachrichten und E-Mails später ist es 9.30 Uhr. Eigentlich würde mein Tag jetzt starten, ich habe aber schon deutlich mehr getan als an manch anderen Tagen. Und dann sind da noch so viele Fragen. Was passiert mit unserem Dänemark-Urlaub? (Den storniere ich noch am selben Tag, immerhin bleiben wir auf keinen Kosten sitzen). Wie bekommen wir Lebensmittel? (Unsere Familien kümmern sich vorzüglich um uns, wir werden regelrecht gemästet). Bin ich krankgeschrieben? (Ja, und zwar für die gesamte Dauer der häuslichen Isolation.) Ab dem Mittag normalisiert sich mein Tag etwas. Meine Familie und die meiner Freundin sind informiert, wir bekommen von meiner Mutter die erste Lebensmittel-Lieferung und von den Kollegen und Freunden gibt es aufmunternde Worte. Weil ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Symptome, die für eine Corona-Infektion sprechen, habe, zweifle ich an dem Testergebnis. Generell zerbreche ich mir immer wieder den Kopf über die Falsch-Positiv-Rate, also ob ich einer der wenigen Menschen bin, die einen positiven Test erhalten haben, obwohl sie eigentlich nicht infiziert sind. Das alles bringt mich aber nicht weiter, also setze ich mich an meinen Laptop und verbringe dort mit der Arbeit den Rest des Tages, ehe ich mich am Abend an die Playstation begebe. Diese wird, zusammen mit dem Spiel „Fifa 20", mein steter Begleiter der Quarantäne-Zeit werden. Aber dazu im nächsten Teil mehr. Nach einigen Partien schalte ich Konsole und Fernseher aus und komme etwas runter. Der Tag ist nun endlich vorüber, insgesamt führe ich an diesem Dienstag 49 Telefonate, schreibe mehr als ein Dutzend E-Mails und bin bei Whatsapp durchgängig online. Als ich in mein Bett – das ist für die Zeit der Quarantäne übrigens das Sofa im Wohnzimmer – gehe, merke ich, dass ich an diesem Tag fast 22 Stunden lang wach war. Gerädert und mit gemischten Gefühlen schlafe ich ein. „Was wird wohl noch alles auf mich zukommen?", ist die Frage, die unentwegt in meinem Kopf herumschwirrt. Lesen Sie am Freitag Teil II: "So läuft die Quarantäne – herzlich Willkommen, Lagerkoller"

"So fühlt sich also Corona an": MT-Redakteur berichtet aus der Quarantäne

Quarantäne-Zeit gleich Spiele-Zeit: Bei dem Klassiker Scrabble werden allerdings plötzlich andere Wörter gelegt als noch vor ein paar Monaten. MT- © Fotos: Patrick Schwemling

Minden. Es beginnt alles mit einer E-Mail, die am späten Montagabend auf meinem Iphone eintrudelt. Exakt um 23.40 Uhr bekomme ich die Auswertung meines Corona-Tests geliefert, ich schlafe zu diesem Zeitpunkt allerdings schon. Mitten in der Nacht, gegen 2 Uhr, wache ich auf und greife zum Handy. Im Halbschlaf sehe ich die Mail des Testlabors, ich öffne den Link zum Ergebnis und schlagartig bin ich hellwach. „Positiver Befund", steht dort unübersehbar und merklich bedrohlich in roter Schrift geschrieben.

„Das kann doch nicht sein", sage ich laut zu mir selbst. So laut, dass Sekunden später auch meine Freundin erwacht. „Was ist passiert?", fragt sie. Ich antworte ihr zunächst nicht, so dass sie ihre Frage wiederholen muss. Erst dann realisiere ich, dass sie wach ist und mit mir spricht. „Mein Corona-Test ist positiv", entgegne ich ihr – und sie kann es ebenso wenig glauben.

Damit fängt alles an: Der positive Befund des Anbieters "Centogene", der den Abstrich am Hamburger Flughafen durchgeführt hat.
Damit fängt alles an: Der positive Befund des Anbieters "Centogene", der den Abstrich am Hamburger Flughafen durchgeführt hat.

Zur Vorgeschichte: Ich war für drei Tage im Kurzurlaub in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Es ist der Ort, den ich wegen geringer Corona-Zahlen – und weil es sich um kein Risikogebiet handelt - ausgewählt habe. An allen Tagen vor Ort spüre ich keine Symptome, fühle mich sicher, der Umgang mit Corona ist ähnlich wie in Deutschland. In öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften und Taxis besteht Maskenpflicht. Gefühlt halten sich zwar weniger Menschen als in Deutschland an diese Regeln, für mich ist es jedoch selbstverständlich sie auch in Ungarn zu befolgen.

Wegen des guten Wetters verbringe ich fast die gesamte Zeit an der frischen Luft, um jedes Risiko zu minimieren. In Restaurants und Bars wird auf die Abstandsregel geachtet, das Leben unterscheidet sich nicht zu dem in deutschen Großstädten. Der einzige Unterschied, der wirklich auffällt: im Gegensatz zu Deutschland muss man auf dem Weg zu seinem Tisch, zum Beispiel in Restaurants, keine Maske aufsetzen. Nichts, wirklich gar nichts, spricht in meinen Augen dafür, dass ich mich infiziert haben könnte. Die Flugzeuge auf Hin- und Rückflug sind ziemlich leer und man trägt während der gesamten Flugdauer einen Mund-Nasen-Schutz. Auf der Rückreise mache ich im Testzentrum am Flughafen dennoch prophylaktisch einen Corona-Test. Sicher ist sicher – das zeigt sich später allemal. Hätte ich diesen Test nicht gemacht, hätte ich möglicherweise mehrere Menschen angesteckt. Symptome werde ich nämlich am ersten Tag keine entwickeln.

"Habe ich Arbeitskollegen oder Freunde angesteckt?" 

Diese Frage schwirrt mir die ganze Nacht durch den Kopf

An Schlaf ist nach dem Befund in der Nacht zu Dienstag übrigens nicht mehr zu denken. Ich separiere mich sofort von meiner Freundin und verschwinde ins Wohnzimmer. Die nächsten Stunden habe ich unentwegt das Handy in der Hand. Ich google, was das Zeug hält. Symptome, Inkubationszeitraum, und, und, und. Danach weiß ich alles, aber doch wieder gar nichts. Ich zerbreche mir den Kopf darüber, mit wem ich in den letzten Tagen Kontakt gehabt habe. Mir fallen zum Glück kaum Begegnungen ein, dennoch frage ich mich: „Habe ich Arbeitskollegen oder Freunde angesteckt?"

Nach der erfolgreichen Übermittlung meines positiven Befunds sieht die Benutzeroberfläche der Corona-Warn-App so aus.
Nach der erfolgreichen Übermittlung meines positiven Befunds sieht die Benutzeroberfläche der Corona-Warn-App so aus.

In der Nacht informiere ich meine Vorgesetzten und die Kollegen, mit denen ich zuletzt etwas engeren Kontakt hatte. Es ist 6 Uhr, noch habe ich keinen Kontakt zum Gesundheitsamt aufnehmen können, aber ich will jedes Risiko minimieren. In der Zwischenzeit habe ich meinen positiven Test bereits in die Corona-Warn-App eingetragen, damit alle Personen, denen ich über den Weg gelaufen bin, gewarnt werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, unter anderem eine Übermittlung per QR-Code. Das funktioniert bei mir nicht, also muss ich eine kostenlose Hotline, die rund um die Uhr erreichbar ist, anrufen. Es sollte das erste Telefonat von vielen an diesem Tag werden. Der Mitarbeiter ist gegen 4 Uhr hellwach, sehr freundlich und stellt mir zunächst ein paar Fragen zu meinem Abstrich. Danach erfahre ich, dass dies nötig gewesen sei, um einen Missbrauch der App auszuschließen. Er trägt im Anschluss meine Daten ein und ruft mich kurz darauf zurück. So erhalte ich eine TAN, also ein Einmalkennwort, das ich in die App eintragen muss. Danach bestätige ich, dass meine Daten – verschlüsselt und nicht personalisiert – übertragen werden dürfen, und so mögliche Kontaktpersonen gewarnt werden können. Die Oberfläche der App sieht ab diesem Zeitpunkt übrigens anders aus. „Vielen Dank! Dank ihrer Mithilfe können andere gewarnt werden und entsprechend reagieren." Das fühlt sich gut an, ein erster Schritt ist jetzt also schon gemacht.

Am Morgen kommt dann endlich etwas Klarheit in die ganze Geschichte. Während auf der Arbeit bereits viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen und Kollegen ins Homeoffice geschickt wurden, ruft mich bereits um kurz nach 8 Uhr das Gesundheitsamt des Kreises an. Ich hatte nicht einmal 30 Minuten zuvor per Mail über meinen positiven Befund informiert. Dabei stellt sich heraus: Lediglich die Personen, mit denen ich in den 48 Stunden vor dem Test länger Kontakt hatte, das heißt mehr als 15 Minuten und weniger als 1,5 Meter Abstand, gelten als Kontaktpersonen. Ich atme auf, weil sich mein Kreis tatsächlich nur auf zwei Personen beschränkt. Dennoch lassen sich einige Arbeitskollegen vorsichtshalber testen. Zu diesem Zeitpunkt ist nämlich noch nicht klar, wann und wo ich mich infiziert habe. Es besteht also auch die Möglichkeit, dass ich bereits in Minden und in der Redaktion infektiös gewesen sein könnte. Noch am selben Tag bekommen meine Arbeitskollegen ihre Ergebnisse: Sie sind glücklicherweise alle negativ. Übrigens genau wie das meiner Freundin, die sich am Vormittag am Johannes-Wesling-Klinikum testen lässt, und deren Befund bereits am Nachmittag vorliegt.

Die Anordnung des Gesundheitsamts Minden-Lübbecke zeigt mir klar und deutlich: Bis zum Ende des 3. September darf ich unsere Wohnung nicht verlassen.
Die Anordnung des Gesundheitsamts Minden-Lübbecke zeigt mir klar und deutlich: Bis zum Ende des 3. September darf ich unsere Wohnung nicht verlassen.

Für uns zwei ist jedoch klar – es geht in Quarantäne oder wie es fachlich richtig heißt: in häusliche Isolation. Das bekommen wir per E-Mail vom Gesundheitsamt mitgeteilt, ein Brief soll am nächsten Tag folgen. Für mich sind es ab jetzt zehn Tage, für meine Freundin sogar drei Tage länger. Das liegt daran, dass ich das Virus bereits länger in mir trage, erklärt mir der freundliche Gesundheitsamt-Mitarbeiter, den ich bei Fragen stets anrufen kann. Dass dies so unkompliziert und gut abläuft, überrascht mich. Das hätte in einer Großstadt vermutlich anders ausgesehen.

Etliche Telefonate, Whatsapp-Nachrichten und E-Mails später ist es 9.30 Uhr. Eigentlich würde mein Tag jetzt starten, ich habe aber schon deutlich mehr getan als an manch anderen Tagen. Und dann sind da noch so viele Fragen. Was passiert mit unserem Dänemark-Urlaub? (Den storniere ich noch am selben Tag, immerhin bleiben wir auf keinen Kosten sitzen). Wie bekommen wir Lebensmittel? (Unsere Familien kümmern sich vorzüglich um uns, wir werden regelrecht gemästet). Bin ich krankgeschrieben? (Ja, und zwar für die gesamte Dauer der häuslichen Isolation.)

Das Desinfektionsmittel immer griffbereit: Nach dem positiven Befund wurden die Hygnienemaßnahmen im Haushalt noch einmal deutlich erhöht.
Das Desinfektionsmittel immer griffbereit: Nach dem positiven Befund wurden die Hygnienemaßnahmen im Haushalt noch einmal deutlich erhöht.

Ab dem Mittag normalisiert sich mein Tag etwas. Meine Familie und die meiner Freundin sind informiert, wir bekommen von meiner Mutter die erste Lebensmittel-Lieferung und von den Kollegen und Freunden gibt es aufmunternde Worte. Weil ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Symptome, die für eine Corona-Infektion sprechen, habe, zweifle ich an dem Testergebnis. Generell zerbreche ich mir immer wieder den Kopf über die Falsch-Positiv-Rate, also ob ich einer der wenigen Menschen bin, die einen positiven Test erhalten haben, obwohl sie eigentlich nicht infiziert sind. Das alles bringt mich aber nicht weiter, also setze ich mich an meinen Laptop und verbringe dort mit der Arbeit den Rest des Tages, ehe ich mich am Abend an die Playstation begebe. Diese wird, zusammen mit dem Spiel „Fifa 20", mein steter Begleiter der Quarantäne-Zeit werden. Aber dazu im nächsten Teil mehr. Nach einigen Partien schalte ich Konsole und Fernseher aus und komme etwas runter.

Der Tag ist nun endlich vorüber, insgesamt führe ich an diesem Dienstag 49 Telefonate, schreibe mehr als ein Dutzend E-Mails und bin bei Whatsapp durchgängig online. Als ich in mein Bett – das ist für die Zeit der Quarantäne übrigens das Sofa im Wohnzimmer – gehe, merke ich, dass ich an diesem Tag fast 22 Stunden lang wach war. Gerädert und mit gemischten Gefühlen schlafe ich ein. „Was wird wohl noch alles auf mich zukommen?", ist die Frage, die unentwegt in meinem Kopf herumschwirrt.

Lesen Sie am Freitag Teil II: "So läuft die Quarantäne – herzlich Willkommen, Lagerkoller"

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