Sieben Wochen ohne Kaffee: Schöner träumen mit Tee Jürgen Langenkämper Minden. Eigentlich wollte ich mit „Sieben Wochen ohne ...“ Kaffee ja auch etwas für meine Gesundheit tun, meine Nerven beruhigen, mein Herz und meinen Magen schonen, den Blutdruck etwas senken, Sodbrennen vorbeugen und die Verdauung regulieren – so alles, was man sich darunter an schlechten Eigenschaften ausmalt und diese dann ins Positive, ins Gesundheitsfördernde umkehren. Und dann das: Das Suchtpotenzial ist gar nicht so groß wie befürchtet, Tee funktioniert als Ersatzgetränk super – aber die erhofften positiven gesundheitlichen Nebenwirkungen treten gar nicht ein. Warum denn bloß? Kaffee ist gar nicht so übel, sagen Mediziner – wenn man ihn in Maßen genießt. „Kaffee erhöht nicht das koronare Risiko“, nimmt Prof. Dr. Marcus Wiemer vom Johannes-Wesling-Klinikum die größte Furcht eines Zusammenhangs von Kaffeekonsum und Schlaganfall oder Herzinfarkt. Der Direktor der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin verweist sogar auf positive Effekte, die in Studien belegt ist. Der Genuss von Kaffee, in dem viele Substanzen nachgewiesen sind, geht den Statistiken zufolge mit weniger Leberkarzinomen und Diabetes II einher. „Ein moderater Genuss scheint gesundheitsförderlich zu sein.“ Aber es gibt Grenzen, die der passionierte Kaffeeliebhaber selbst schon ausgetestet hat. „Drei doppelte Espresso am Abend“, das ging auch dem Kardiologen auf die Pumpe. Und so geht es ungeübten Kaffeetrinkern oft schon nach der ersten Tasse – erhöhter Pulsschlag bis hin zu Tachykardie, schlimmstenfalls Arrhythmie, Herzrasen, und erhöhter Blutdruck sowie Schlafschwierigkeiten. Doch schon nach einer Gewöhnungsphase passt sich der Körper dem mit dem Kaffee zugeführten Coffein an, und der Blutdruck sinkt wieder dauerhaft auf das Normalmaß. Meiner Hoffnung, durch Kaffeeverzicht meinen Blutdruck auf einfache Weise zu senken, wird also aus medizinischer Sicht der Boden entzogen. Dass Patienten, gerade wenn sie im Krankenhaus in Behandlung sind, Gedanken über die vermeintlich schlechte und deshalb schädliche Angewohnheit des Kaffeetrinkens machen, weiß auch Heike Dethardt, Diätassistentin und Ernährungsberaterin im Universitätsklinikum. „Patienten fragen oft nach“, berichtet sie. Aber es gab keine Veranlassung, den Kaffee am Morgen vom Frühstücksplan zu verbannen. Nur zum Abendbrot gibt es den schwarzen Trunk nicht mehr – vermutlich damit die Patienten früher in den Schlaf kommen. Für die Leber gelte Kaffee eher als positiv, sagt auch die Diätassistentin. Umstritten scheint die Frage seiner Bedeutung während der Schwangerschaft zu sein. „Aber da gibt es keine ausreichenden Hinweise auf negative Auswirkungen“, lautet Dethardts vorsichtige Einschätzung. Überrascht war sie selbst nach der Lektüre eines jüngst veröffentlichten Artikels, demzufolge Kaffee auch einen positiven Effekt auf die Hörfähigkeit haben soll – zumindest bei Männern. „Vielleicht brauchen sie dann später ein Hörgerät“, sagt die Fachfrau mit einem leichten Schmunzeln. Hinsichtlich der Verträglichkeit empfiehlt Heike Dethardt Espresso, weil er aufgrund der kürzeren Kontaktzeit bei der Zubereitung und des stärkeren Brandes weniger Säuren enthalte als herkömmlicher Filterkaffee. Aber das ist wie so vieles um das dunkle Gebräu eine Frage des Geschmacks und der individuell unterschiedlichen Verträglichkeit. Und wie so oft macht es die Dosis. „Drei bis vier Tassen am Tag – kleine Kaffeetassen und nicht Kaffeepötte oder Jumbotassen – sind unbedenklich“, meint die Ernährungsberaterin, die nebenbei darauf hinweist, dass Coffein auch in vielen anderen Stoffen enthalten ist, nicht nur Tee, sondern auch in Kakao und Schokolade. „In Maßen genossen,ist Kaffee nicht ungesund, sondern gut für manche Organe“, sagt auch Prof. Dr. Carsten Gartung, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektionskrankheiten am Johannes-Wesling-Klinikum. Kaffee könne zwar Sodbrennen auslösen, doch sei dies meist Folge von späten und reichlichen Mahlzeiten. Auch er bestätigt positive Effekte für die Leber, aber noch einen Schritt weiterzugehen und sich Heilungserfolge durch gesteigerten Kaffeekonsum für eine kranke Leber zu versprechen, wäre dann doch verfehlt. Zwei bis drei Tassen hält er für eine angemessene Tagesration. Über dieses Maß – in kleinen Tassen – war ich längst hinaus. Und jetzt komme ich gänzlich und ganz ohne Beschwerden ohne Kaffee aus. Dass dies so gut geht, schreibe ich aber nicht etwa meiner unbeugsamen Willensstärke zu, sondern dem Homeoffice, in das mich die Corona-Pandemie unbeabsichtigt hineinversetzt hat. Zu Haus fällt es erheblich leichter, aus den Gewohnheiten des Büroalltags auszubrechen. Die Küche ist nah, der Wasserkocher leicht erreichbar und vor allem der Schrank seit dem ersten Abstinenzwochenende mit verschiedenen Früchtetees gefüllt. Von fast einem Dutzend Sorten mit teilweise exotischen Namen wie „Türkischer Apfel“, „Spanische Orange“ und „Schwedische Blaubeere“ gieße ich mir im Wechsel meinen Morgen-, Mittags-, Nachmittags- und Abendtee auf. Die Flüssigkeitszufuhr ist gesichert. Der Effekt steht der diuretischen Wirkung von Kaffee in Nichts nach. Meiner Lieblingstee ist „Italienische Limone“. Die Teepackung fand ich vor einigen Tagen, von unbekannter Hand dort platziert, auf meinem Briefkasten. Vielen Dank für die moralische Unterstützung! Aufgrund von Recherchen bin ich auch auf mir bis dahin unbekannten weißen Tee gestoßen. Er soll reich an Antioxidantien sein, die Schutz gegen schädliche „freie Radikale“ bieten. Vielleicht wage ich mich auch wieder an grünen Tee heran. Dieser enthält zwar auch Coffein – mit ähnlichen Auswirkungen wie Kaffee bis hin zu Herzklopfen bei starkem Genuss durch ungewohnte Trinker –, ihm werden aber ebenfalls viele positive Eigenschaften bis hin zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes II zugeschrieben. Und selbst zum verschmähten „Träum schön“-Tee mit Melisse, Lindenblüten, Lavendel und anderen Kräutern habe ich schon gegriffen – und gut geschlafen. Überhaupt komme ich jetzt mit weniger Schlaf aus. Aber das liegt vielleicht mehr an der Umstellung aufs Frühjahr. Das Fasten-Experiment Verzicht in einer ohnehin entbehrungsreichen Zeit – ist das überhaupt denkbar? Ja, sagen sechs Redakteurinnen und Redakteure des Mindener Tageblatts. Sieben Wochen lang leben sie wahlweise ohne Kaffee, ohne Shoppen, ohne Fernsehen, ohne Plastik, ohne tierische Produkte und (fast) ohne Handy. Werden sie die Zeit durchstehen oder irgendwann aufgeben? Und was wird das Weglassen so mancher Gewohnheit mit ihnen und ihrem Leben machen? Begleitet wird die Serie von Gesprächen mit Experten, die Hintergründe dazu liefern, warum ein Weniger im Leben ein Mehr bedeuten kann.

Sieben Wochen ohne Kaffee: Schöner träumen mit Tee

Ein moderater Kaffeegenuss scheint gesundheitsförderlich zu sein. © Pixabay

Minden. Eigentlich wollte ich mit „Sieben Wochen ohne ...“ Kaffee ja auch etwas für meine Gesundheit tun, meine Nerven beruhigen, mein Herz und meinen Magen schonen, den Blutdruck etwas senken, Sodbrennen vorbeugen und die Verdauung regulieren – so alles, was man sich darunter an schlechten Eigenschaften ausmalt und diese dann ins Positive, ins Gesundheitsfördernde umkehren. Und dann das: Das Suchtpotenzial ist gar nicht so groß wie befürchtet, Tee funktioniert als Ersatzgetränk super – aber die erhofften positiven gesundheitlichen Nebenwirkungen treten gar nicht ein. Warum denn bloß? Kaffee ist gar nicht so übel, sagen Mediziner – wenn man ihn in Maßen genießt.

„Kaffee erhöht nicht das koronare Risiko“, nimmt Prof. Dr. Marcus Wiemer vom Johannes-Wesling-Klinikum die größte Furcht eines Zusammenhangs von Kaffeekonsum und Schlaganfall oder Herzinfarkt. Der Direktor der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin verweist sogar auf positive Effekte, die in Studien belegt ist. Der Genuss von Kaffee, in dem viele Substanzen nachgewiesen sind, geht den Statistiken zufolge mit weniger Leberkarzinomen und Diabetes II einher. „Ein moderater Genuss scheint gesundheitsförderlich zu sein.“

Aber es gibt Grenzen, die der passionierte Kaffeeliebhaber selbst schon ausgetestet hat. „Drei doppelte Espresso am Abend“, das ging auch dem Kardiologen auf die Pumpe. Und so geht es ungeübten Kaffeetrinkern oft schon nach der ersten Tasse – erhöhter Pulsschlag bis hin zu Tachykardie, schlimmstenfalls Arrhythmie, Herzrasen, und erhöhter Blutdruck sowie Schlafschwierigkeiten. Doch schon nach einer Gewöhnungsphase passt sich der Körper dem mit dem Kaffee zugeführten Coffein an, und der Blutdruck sinkt wieder dauerhaft auf das Normalmaß. Meiner Hoffnung, durch Kaffeeverzicht meinen Blutdruck auf einfache Weise zu senken, wird also aus medizinischer Sicht der Boden entzogen.

Dass Patienten, gerade wenn sie im Krankenhaus in Behandlung sind, Gedanken über die vermeintlich schlechte und deshalb schädliche Angewohnheit des Kaffeetrinkens machen, weiß auch Heike Dethardt, Diätassistentin und Ernährungsberaterin im Universitätsklinikum. „Patienten fragen oft nach“, berichtet sie. Aber es gab keine Veranlassung, den Kaffee am Morgen vom Frühstücksplan zu verbannen. Nur zum Abendbrot gibt es den schwarzen Trunk nicht mehr – vermutlich damit die Patienten früher in den Schlaf kommen.

Für die Leber gelte Kaffee eher als positiv, sagt auch die Diätassistentin. Umstritten scheint die Frage seiner Bedeutung während der Schwangerschaft zu sein. „Aber da gibt es keine ausreichenden Hinweise auf negative Auswirkungen“, lautet Dethardts vorsichtige Einschätzung. Überrascht war sie selbst nach der Lektüre eines jüngst veröffentlichten Artikels, demzufolge Kaffee auch einen positiven Effekt auf die Hörfähigkeit haben soll – zumindest bei Männern. „Vielleicht brauchen sie dann später ein Hörgerät“, sagt die Fachfrau mit einem leichten Schmunzeln.

Hinsichtlich der Verträglichkeit empfiehlt Heike Dethardt Espresso, weil er aufgrund der kürzeren Kontaktzeit bei der Zubereitung und des stärkeren Brandes weniger Säuren enthalte als herkömmlicher Filterkaffee. Aber das ist wie so vieles um das dunkle Gebräu eine Frage des Geschmacks und der individuell unterschiedlichen Verträglichkeit.

Und wie so oft macht es die Dosis. „Drei bis vier Tassen am Tag – kleine Kaffeetassen und nicht Kaffeepötte oder Jumbotassen – sind unbedenklich“, meint die Ernährungsberaterin, die nebenbei darauf hinweist, dass Coffein auch in vielen anderen Stoffen enthalten ist, nicht nur Tee, sondern auch in Kakao und Schokolade.

„In Maßen genossen,ist Kaffee nicht ungesund, sondern gut für manche Organe“, sagt auch Prof. Dr. Carsten Gartung, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektionskrankheiten am Johannes-Wesling-Klinikum. Kaffee könne zwar Sodbrennen auslösen, doch sei dies meist Folge von späten und reichlichen Mahlzeiten. Auch er bestätigt positive Effekte für die Leber, aber noch einen Schritt weiterzugehen und sich Heilungserfolge durch gesteigerten Kaffeekonsum für eine kranke Leber zu versprechen, wäre dann doch verfehlt. Zwei bis drei Tassen hält er für eine angemessene Tagesration.

Über dieses Maß – in kleinen Tassen – war ich längst hinaus. Und jetzt komme ich gänzlich und ganz ohne Beschwerden ohne Kaffee aus. Dass dies so gut geht, schreibe ich aber nicht etwa meiner unbeugsamen Willensstärke zu, sondern dem Homeoffice, in das mich die Corona-Pandemie unbeabsichtigt hineinversetzt hat. Zu Haus fällt es erheblich leichter, aus den Gewohnheiten des Büroalltags auszubrechen. Die Küche ist nah, der Wasserkocher leicht erreichbar und vor allem der Schrank seit dem ersten Abstinenzwochenende mit verschiedenen Früchtetees gefüllt. Von fast einem Dutzend Sorten mit teilweise exotischen Namen wie „Türkischer Apfel“, „Spanische Orange“ und „Schwedische Blaubeere“ gieße ich mir im Wechsel meinen Morgen-, Mittags-, Nachmittags- und Abendtee auf. Die Flüssigkeitszufuhr ist gesichert. Der Effekt steht der diuretischen Wirkung von Kaffee in Nichts nach.

Meiner Lieblingstee ist „Italienische Limone“. Die Teepackung fand ich vor einigen Tagen, von unbekannter Hand dort platziert, auf meinem Briefkasten. Vielen Dank für die moralische Unterstützung!

Aufgrund von Recherchen bin ich auch auf mir bis dahin unbekannten weißen Tee gestoßen. Er soll reich an Antioxidantien sein, die Schutz gegen schädliche „freie Radikale“ bieten. Vielleicht wage ich mich auch wieder an grünen Tee heran. Dieser enthält zwar auch Coffein – mit ähnlichen Auswirkungen wie Kaffee bis hin zu Herzklopfen bei starkem Genuss durch ungewohnte Trinker –, ihm werden aber ebenfalls viele positive Eigenschaften bis hin zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes II zugeschrieben.

Und selbst zum verschmähten „Träum schön“-Tee mit Melisse, Lindenblüten, Lavendel und anderen Kräutern habe ich schon gegriffen – und gut geschlafen. Überhaupt komme ich jetzt mit weniger Schlaf aus. Aber das liegt vielleicht mehr an der Umstellung aufs Frühjahr.

Das Fasten-Experiment

Verzicht in einer ohnehin entbehrungsreichen Zeit – ist das überhaupt denkbar? Ja, sagen sechs Redakteurinnen und Redakteure des Mindener Tageblatts. Sieben Wochen lang leben sie wahlweise ohne Kaffee, ohne Shoppen, ohne Fernsehen, ohne Plastik, ohne tierische Produkte und (fast) ohne Handy. Werden sie die Zeit durchstehen oder irgendwann aufgeben? Und was wird das Weglassen so mancher Gewohnheit mit ihnen und ihrem Leben machen? Begleitet wird die Serie von Gesprächen mit Experten, die Hintergründe dazu liefern, warum ein Weniger im Leben ein Mehr bedeuten kann.

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