Sicherer Hafen: Minden setzt sich für Flüchtende ein Leonie Meyer Minden. „Wir fordern eine Wiederaufnahme staatlich organisierter Seenotrettung und die Entkriminalisierung der zivilen Seenotrettung, ein Ende der Zusammenarbeit und Unterstützung der sogenannten libyschen Küstenwache, sichere Fluchtrouten für alle Menschen, ein Ende der Abschottungspolitik und umfassende humanitäre Aufnahme von Menschen in Not“, fordert die Seebrücke in einem offenen Brief. Damit wendet sich die Lokalgruppe Minden der Seebrücke an das Bundesparlament, den Bundestag, den Landtag sowie ortsansässige Politiker. Ein Anlass für das Schreiben waren unter anderem, erneute Fluchtversuche über das Mittelmeer Ende April, wobei wieder unzählige Menschen ums Leben kamen und Hilfe strategisch verweigert wurde. Zwischen Tunesien und Sizilien seien 120 bis 130 Personen ertrunken und das Rettungsschiff Ocean Viking fand mehr als hundert Tote vor der libyschen Küste auf, die sich mit dem Boot auf den Weg in die Freiheit machen wollten. „Ziel für Minden ist die Entwicklung eines Aufnahmeprogramms für Geflüchtete“, sagt Rüdiger Höcker, Sprecher der Lokalgruppe Minden der Initiative Seebrücke. Die Seebrücke gründete sich 2018, um darauf aufmerksam zu machen, wie Menschen über das Meer aus ihrem terrorisiertem Heimatland flüchten und wie lebensgefährlich der Fluchtweg ist. „Das Sterben im Mittelmeer muss enden“, fordert die Lokalgruppe Minden. „Für die Aufnahme von Flüchtlingen fehlt ein politisches Programm, welches den Ablauf reibungsloser gestalten könnte.“ Es müsse sichere Wege in Häfen geben, damit der Schutz der Flüchtenden gewährt werden könne. Dafür wollen wir „einen gemeinsamen Lösungsansatz finden“, sagt Höcker im MT-Gespräch. Auch Minden ist ein „Sicherer Hafen“: Seit 2019 engagiert sich die Seebrücke in der Stadt und setzte sich das erfolgreiche Ziel im Rat der Stadt den offiziellen Titel „Sicherer Hafen“ zu erlangen, das heißt Menschen willkommen zu heißen und bereit sein, mehr Menschen aufzunehmen. Aktiv beteiligen sich in der Lokalgruppe Minden 16 Mitglieder, die im regelmäßigen Austausch stehen. Weitere Seebrücke-Gruppen gibt es in Porta Westfalica und Lübbecke. Hüllhorst, Espelkamp, Rahden und Petershagen sind aktuell im Rat – „somit ist der Mühlenkreis solidarisch gemeinsam unterwegs“, sagt Höcker. Doch auch gerade die europäischen Länder Griechenland, Italien und Spanien fühlen sich mit den unzähligen Geflüchteten überfordert und alleingelassen. Nach der meist lebensgefährlichen Flucht muss der Geflüchtete in dem Land einen Asylantrag stellen, wo sie als erstes ankommt. In Griechenland kann das zwischen ein und drei Jahren dauern. Die Glücklichen, deren Asylantrag anerkannt wird müssen direkt das Lager verlassen. Doch danach fehle jede weitere Unterstützung. Somit stellt nicht nur der Fluchtweg über das Meer eine große Gefahr dar, sondern auch die Flucht über Grenzen, wie beispielsweise im Balkan. An den europäischen Außengrenzen herrschen prekäre Lebensverhältnisse – Gewalt, Obdachlosigkeit, Hunger und Durst, mangelnde medizinische Versorgung – und das Recht auf Asyl wird den Flüchtenden verwehrt. Hinzu kommt, dass die Situation in den Flüchtlingslagern ebenso katastrophal ist. „Wir wissen was Integration, Aufnehmen und Unterbringen bedeutet. Wir können das schaffen“, sagt Elke Bikowski von der Evangelischen Flüchtlingsberatungsstelle, die auch bei der Seebrücke in Minden aktiv ist. „Die Bundesregierung sei zwar zufrieden mit der Anzahl der Menschen, die sie aus griechischen Lagern retten konnten. Aber wir sind mit den Zahlen unzufrieden – es geht um Menschenleben, die lassen sich nicht verhandeln. Gerade die Kommunen mit ihren Engagierten kennen die Möglichkeit Asyl zu beantragen, eine Unterkunft zu finden und können als Beratung zur Seite stehen und vermitteln“, sagt Bikowski im MT-Gespräch. Die Lokalgruppe Minden der Seebrücke trifft sich einmal im Monat über Zoom um zielgerichtet und aktuell an den Themen dranzubleiben. Jeder könne sich mit seinen eigenen Stärken bei der Initiative einbringen und entsprechende Aufgaben übernehmen. „Trotzdem fehlt das Zusammenkommen und der persönliche Austausch untereinander“, räumt Höcker ein. Da aktuell pandemiebedingt keine Veranstaltungen auf dem Marktplatz stattfinden können, sei der Seebrücke dennoch ein Anliegen „gehört zu werden“. Auf der Facebookseite (Seebrücke Minden) sowie dem Instagram-Kanal (@seebrueckeminden) aktiv verfolgen, wofür sich die Lokalgruppe einsetzt und was in Zukunft geplant wird. Fest steht: „Es ist ein Skandal, was täglich an Europas Außengrenzen geschieht. Wir haben weiterhin unsere Ziele für die Unterstützung für Geflüchtete vor Augen: Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit.“

Sicherer Hafen: Minden setzt sich für Flüchtende ein

Ein Foto der letzten Mahnwache im öffentlichen Raum nach dem Brand im Geflüchtetenlager Moria auf Lesbos am 12.09.2020. Foto: © Seebrücke Minden

Minden. „Wir fordern eine Wiederaufnahme staatlich organisierter Seenotrettung und die Entkriminalisierung der zivilen Seenotrettung, ein Ende der Zusammenarbeit und Unterstützung der sogenannten libyschen Küstenwache, sichere Fluchtrouten für alle Menschen, ein Ende der Abschottungspolitik und umfassende humanitäre Aufnahme von Menschen in Not“, fordert die Seebrücke in einem offenen Brief.

Damit wendet sich die Lokalgruppe Minden der Seebrücke an das Bundesparlament, den Bundestag, den Landtag sowie ortsansässige Politiker. Ein Anlass für das Schreiben waren unter anderem, erneute Fluchtversuche über das Mittelmeer Ende April, wobei wieder unzählige Menschen ums Leben kamen und Hilfe strategisch verweigert wurde. Zwischen Tunesien und Sizilien seien 120 bis 130 Personen ertrunken und das Rettungsschiff Ocean Viking fand mehr als hundert Tote vor der libyschen Küste auf, die sich mit dem Boot auf den Weg in die Freiheit machen wollten. „Ziel für Minden ist die Entwicklung eines Aufnahmeprogramms für Geflüchtete“, sagt Rüdiger Höcker, Sprecher der Lokalgruppe Minden der Initiative Seebrücke.

Die Seebrücke gründete sich 2018, um darauf aufmerksam zu machen, wie Menschen über das Meer aus ihrem terrorisiertem Heimatland flüchten und wie lebensgefährlich der Fluchtweg ist. „Das Sterben im Mittelmeer muss enden“, fordert die Lokalgruppe Minden. „Für die Aufnahme von Flüchtlingen fehlt ein politisches Programm, welches den Ablauf reibungsloser gestalten könnte.“ Es müsse sichere Wege in Häfen geben, damit der Schutz der Flüchtenden gewährt werden könne. Dafür wollen wir „einen gemeinsamen Lösungsansatz finden“, sagt Höcker im MT-Gespräch.


Auch Minden ist ein „Sicherer Hafen“: Seit 2019 engagiert sich die Seebrücke in der Stadt und setzte sich das erfolgreiche Ziel im Rat der Stadt den offiziellen Titel „Sicherer Hafen“ zu erlangen, das heißt Menschen willkommen zu heißen und bereit sein, mehr Menschen aufzunehmen. Aktiv beteiligen sich in der Lokalgruppe Minden 16 Mitglieder, die im regelmäßigen Austausch stehen. Weitere Seebrücke-Gruppen gibt es in Porta Westfalica und Lübbecke. Hüllhorst, Espelkamp, Rahden und Petershagen sind aktuell im Rat – „somit ist der Mühlenkreis solidarisch gemeinsam unterwegs“, sagt Höcker.

Doch auch gerade die europäischen Länder Griechenland, Italien und Spanien fühlen sich mit den unzähligen Geflüchteten überfordert und alleingelassen. Nach der meist lebensgefährlichen Flucht muss der Geflüchtete in dem Land einen Asylantrag stellen, wo sie als erstes ankommt. In Griechenland kann das zwischen ein und drei Jahren dauern. Die Glücklichen, deren Asylantrag anerkannt wird müssen direkt das Lager verlassen. Doch danach fehle jede weitere Unterstützung.

Somit stellt nicht nur der Fluchtweg über das Meer eine große Gefahr dar, sondern auch die Flucht über Grenzen, wie beispielsweise im Balkan. An den europäischen Außengrenzen herrschen prekäre Lebensverhältnisse – Gewalt, Obdachlosigkeit, Hunger und Durst, mangelnde medizinische Versorgung – und das Recht auf Asyl wird den Flüchtenden verwehrt. Hinzu kommt, dass die Situation in den Flüchtlingslagern ebenso katastrophal ist.

„Wir wissen was Integration, Aufnehmen und Unterbringen bedeutet. Wir können das schaffen“, sagt Elke Bikowski von der Evangelischen Flüchtlingsberatungsstelle, die auch bei der Seebrücke in Minden aktiv ist. „Die Bundesregierung sei zwar zufrieden mit der Anzahl der Menschen, die sie aus griechischen Lagern retten konnten. Aber wir sind mit den Zahlen unzufrieden – es geht um Menschenleben, die lassen sich nicht verhandeln. Gerade die Kommunen mit ihren Engagierten kennen die Möglichkeit Asyl zu beantragen, eine Unterkunft zu finden und können als Beratung zur Seite stehen und vermitteln“, sagt Bikowski im MT-Gespräch.

Die Lokalgruppe Minden der Seebrücke trifft sich einmal im Monat über Zoom um zielgerichtet und aktuell an den Themen dranzubleiben. Jeder könne sich mit seinen eigenen Stärken bei der Initiative einbringen und entsprechende Aufgaben übernehmen. „Trotzdem fehlt das Zusammenkommen und der persönliche Austausch untereinander“, räumt Höcker ein.

Da aktuell pandemiebedingt keine Veranstaltungen auf dem Marktplatz stattfinden können, sei der Seebrücke dennoch ein Anliegen „gehört zu werden“. Auf der Facebookseite (Seebrücke Minden) sowie dem Instagram-Kanal (@seebrueckeminden) aktiv verfolgen, wofür sich die Lokalgruppe einsetzt und was in Zukunft geplant wird. Fest steht: „Es ist ein Skandal, was täglich an Europas Außengrenzen geschieht. Wir haben weiterhin unsere Ziele für die Unterstützung für Geflüchtete vor Augen: Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit.“

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