Sehnsuchtsorte: Künstlerin zeigt ihre Gedanken und Gefühle im Glacis Ursula Koch Minden. Ausstellungen in geschlossenen Räumen sind seit einem Jahr, von kurzen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr möglich. Darum sucht die Künstlerin, die seit vielen Jahren zur Ateliergemeinschaft „Die Bildner“ und zum Verein für aktuelle Kunst gehört, andere Wege in die Öffentlichkeit. Mit einer großen Collage von etwa zwei Metern mal zwei Metern, hat sie an einer Mauer an der Kreuzung von Marienglacis und Heidestraße platziert. Das Haus gehört ihrer Kollegin und Atelierpartnerin Renetta Braatz. „Ich wollte mit meiner Arbeit eigentlich mehr ins Zentrum“, erzählt Johne-Sander. Doch die Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie hätten viele Hausbesitzer zu sehr verunsichert. Jetzt sei sie über den Standort aber sehr froh. Die Ecke zwischen Gymnasium, Umwelt- und Finanzamt sowie Spielplatz sei gut frequentiert. „Beim Aufhängen haben mir viele Passanten gesagt: Endlich äußert sich mal jemand anders“, berichtet sie. Das mag daran liegen, dass das Wort Corona in ihrer Collage bewusst nicht auftaucht. Statt dessen hat Manuela Johne-Sander Bilder aus Zeitungen und Zeitschriften von all jenen Orten ausgewählt, nach denen sie sich sehnt. Dazwischen tauchen Schlagwörter auf, wie Einsamkeit, Freiheit, Leiden, Lockerungen. Der Mensch ist nur als weißer Umriss zu sehen. „Der Mensch fehlt“, findet Johne-Sander. Dass die Mauer, an der sie ihr Werk aufgehängt hat, mit Graffiti übersät ist, findet sie ganz passend. Sonst sähe es ja aus, wie in einem Museum, findet die Künstlerin, die es vor zehn Jahren schon einmal in den öffentlichen Raum gezogen hat. Damals hatte sie an acht belebten Orten in der Innenstadt Bildtafeln angebracht, auf denen sie Motive unter einer dicken Farbschicht verborgen hatte. „Knibbeln erlaubt“, hatte sie die Arbeit programmatisch betitelt. Und die Bilder über einen Zeitraum von sechs Monaten fotografisch dokumentiert. Zu ihrer eigenen Überraschung war ihre Aufforderung allerdings kaum in die Tat umgesetzt worden. Gemeinsam mit der Stadt realisierte ein Projekt zum Upcycling (bei dem Müll zu Neuem verarbeitet wird). Seit Jahren ist sie Teil des Programms „Kultur und Schule“, in dem Künstler verschiedener Sparten an Schulen unterrichten. Ihre neue Collage hat Johne–Sander sie zwischen zwei Plexiglasscheiben wetterfest gemacht. Für ihre Kunstaktion hat sie einen kleinen Förderbetrag von der Stadt erhalten, den sie für die Materialkosten verwendete. „Ich wäre nie auf diese Ecke gekommen“, sagt Sabine Fecht, Vorsitzende des Kulturausschusses, der über die Vergabe der Fördermittel entscheidet. „Vielleicht müssen wir angesichts der Raumnot für Kunst noch einmal ganz anders denken“, überlegt sie.

Sehnsuchtsorte: Künstlerin zeigt ihre Gedanken und Gefühle im Glacis

Die Künstlerin Manuela Johne-Sander hat ihre Gedanken und Gefühle im ersten Lockdown zu einer Collage verarbeitet, die sie nun an einer Mauer im Marienglacis öffentlich präsentiert. MT-Foto: Ursula Koch © Ursula Koch

Minden. Ausstellungen in geschlossenen Räumen sind seit einem Jahr, von kurzen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr möglich. Darum sucht die Künstlerin, die seit vielen Jahren zur Ateliergemeinschaft „Die Bildner“ und zum Verein für aktuelle Kunst gehört, andere Wege in die Öffentlichkeit. Mit einer großen Collage von etwa zwei Metern mal zwei Metern, hat sie an einer Mauer an der Kreuzung von Marienglacis und Heidestraße platziert. Das Haus gehört ihrer Kollegin und Atelierpartnerin Renetta Braatz.

„Ich wollte mit meiner Arbeit eigentlich mehr ins Zentrum“, erzählt Johne-Sander. Doch die Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie hätten viele Hausbesitzer zu sehr verunsichert. Jetzt sei sie über den Standort aber sehr froh. Die Ecke zwischen Gymnasium, Umwelt- und Finanzamt sowie Spielplatz sei gut frequentiert. „Beim Aufhängen haben mir viele Passanten gesagt: Endlich äußert sich mal jemand anders“, berichtet sie.

Das mag daran liegen, dass das Wort Corona in ihrer Collage bewusst nicht auftaucht. Statt dessen hat Manuela Johne-Sander Bilder aus Zeitungen und Zeitschriften von all jenen Orten ausgewählt, nach denen sie sich sehnt. Dazwischen tauchen Schlagwörter auf, wie Einsamkeit, Freiheit, Leiden, Lockerungen. Der Mensch ist nur als weißer Umriss zu sehen. „Der Mensch fehlt“, findet Johne-Sander.

Dass die Mauer, an der sie ihr Werk aufgehängt hat, mit Graffiti übersät ist, findet sie ganz passend. Sonst sähe es ja aus, wie in einem Museum, findet die Künstlerin, die es vor zehn Jahren schon einmal in den öffentlichen Raum gezogen hat. Damals hatte sie an acht belebten Orten in der Innenstadt Bildtafeln angebracht, auf denen sie Motive unter einer dicken Farbschicht verborgen hatte. „Knibbeln erlaubt“, hatte sie die Arbeit programmatisch betitelt. Und die Bilder über einen Zeitraum von sechs Monaten fotografisch dokumentiert. Zu ihrer eigenen Überraschung war ihre Aufforderung allerdings kaum in die Tat umgesetzt worden. Gemeinsam mit der Stadt realisierte ein Projekt zum Upcycling (bei dem Müll zu Neuem verarbeitet wird). Seit Jahren ist sie Teil des Programms „Kultur und Schule“, in dem Künstler verschiedener Sparten an Schulen unterrichten.

Ihre neue Collage hat Johne–Sander sie zwischen zwei Plexiglasscheiben wetterfest gemacht. Für ihre Kunstaktion hat sie einen kleinen Förderbetrag von der Stadt erhalten, den sie für die Materialkosten verwendete. „Ich wäre nie auf diese Ecke gekommen“, sagt Sabine Fecht, Vorsitzende des Kulturausschusses, der über die Vergabe der Fördermittel entscheidet. „Vielleicht müssen wir angesichts der Raumnot für Kunst noch einmal ganz anders denken“, überlegt sie.

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