Schulleiterin starb vor zwei Jahren Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Beschuldigte / Hauptverfahren Anfang 2013 Von Jürgen Langenkämper Minden (mt). Vor zwei Jahren starb die Mindener Schulleiterin Mechthild Schröer bei einer Urlaubsreise in San Francisco durch eine verirrte Kugel. Bis heute ist die Tat juristisch nicht aufgearbeitet. Die Ermittlungen dauern an, wie verschiedene Stellen in der Westküstenmetropole bekunden. "Ich habe ganz lange nichts aus den USA gehört", sagt Stefan Schröer. Zum Unglückszeitpunkt hatte er wenige Schritte neben seiner Frau auf dem Fußweg in der Mason Street/Ecke Geary Boulevard gestanden.Das Ehepaar, das 2010 25 Jahre verheiratet war, hatte sich zur Silberhochzeit mit einer Amerikareise einen Lebenstraum erfüllt. Einer der Höhepunkte sollte ein Besuch in San Francisco sein. Als beide am Abend des 8. August, einem Sonntag, gerade ihr Hotel in der Mason Street im als ruhig und sicher geltenden Theater-Distrikt verlassen hatten, um in ein Restaurant zu gehen, fielen plötzlich Schüsse, abgegeben von rivalisierenden Jugendlichen. Eine der Kugel traf Mechthild Schröer im Kopf, sodass jede Hilfe zu spät kam und die 50-Jährige kurz darauf, zwei Tage nach ihrem Geburtstag, starb (MT vom 10. August 2010).Pannen und Rückschläge behindern ErmittlungenAn der Auseinandersetzung beteiligte Heranwachsende flüchteten, Tatverdächtige wurden kurz darauf von der Polizei festgenommen und als Schuldige präsentiert, mussten aber wieder freigelassen werden. Es folgten weitere Ermittlungen, Razzien und Festnahmen. "Darüber bin ich direkt von der Polizei informiert worden", berichtet Stefan Schröer von einem überraschenden Anruf im Mai vergangenen Jahres. Kurz zuvor, während der Osterferien 2011, war er mit seinen Söhnen auf Einladung noch einmal nach Kalifornien geflogen.Die Rasanz, mit der die Ermittler auf der einen Seite vorgingen, geriet auf der anderen ins Stocken, als ein Gerichtsschreiber im Herbst die Abschrift von Vernehmungsprotokollen aus einer Vorverhandlung verzögerte und das Verfahren an den Rand des Scheiterns brachte. Seither ruhte still der See. Auch die örtlichen Medien verloren scheinbar nach und nach das Interesse an dem zunächst sehr öffentlichkeitswirksamen Fall.Nun, zum zweiten Jahrestag der bislang ungesühnten Tat, kam wieder Bewegung in den Fall - zumindest in den Informationsfluss. Vor wenigen Tagen erhielt Stefan Schröer nach eigener Aussage ein Schreiben des Generalkonsulats in San Francisco, das sich mit Anfragen des Mindener Tageblattes an kalifornische Stellen überkreuzte.Generalkonsul Peter Rothen teilte dem Mindener und seinen beiden Söhnen mit, dass eine Mitarbeiterin in engem Kontakt zur Staatsanwaltschaft stehe. Dabei sei versichert worden, dass das Verfahren "im Plan" liege.Im derzeit laufenden Vorverfahren, an dem die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger von sechs Beschuldigten - zum Tatzeitpunkt im Alter von 17 bis 20 Jahren - beteiligt sind, werden wichtige Weichenstellungen für den Prozess selbst getroffen. Vor allem geht es darum, ob die Staatsanwaltschaft, wie beabsichtigt, in allen Fällen den Mordvorwurf aufrechterhalten kann oder von Totschlag ausgehen muss. Dieses "Tauziehen" sei bei Strafprozessen in den USA üblich und dauere bis zu drei Jahren."Voraussichtlich bis Ende dieses Jahres" solle über die Einzelheiten der Anklageerhebung entschieden werden, teilte der stellvertretende Generalkonsul Bernhard Abels mit. Die Staatsanwaltschaft unter Leitung von Bezirksanwalt George Gascón, der zum Zeitpunkt der Schießerei in der Mason Street Polizeichef von San Francisco war, stuft die Ermittlungen in dem Fall nach Bekunden ihrer Pressesprecherin Stephanie Ong Stillman und laut Bestätigung des Generalkonsulats als "top priority" ein.Kommt es Anfang nächsten Jahres zum Hauptverfahren, so wird Stefan Schröer aller Voraussicht nach als einer der Hauptbelastungszeugen vorgeladen werden und in die USA fliegen müssen."In den Schulferien wühlt mich das Geschehene besonders auf, dann kommen die Erinnerungen hoch", sagte der Lehrer an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule dieser Tage. Hinzu kommt, dass Mechthild Schröer am Montag 52 Jahre alt geworden wäre.

Schulleiterin starb vor zwei Jahren

Minden (mt). Vor zwei Jahren starb die Mindener Schulleiterin Mechthild Schröer bei einer Urlaubsreise in San Francisco durch eine verirrte Kugel. Bis heute ist die Tat juristisch nicht aufgearbeitet. Die Ermittlungen dauern an, wie verschiedene Stellen in der Westküstenmetropole bekunden.

Aus dem Leben gerissen: Mechthild Schröer leitete die Michael-Ende-Schule in Hahlen seit einem halben Jahr. Foto (Archiv): Christian Weber
Aus dem Leben gerissen: Mechthild Schröer leitete die Michael-Ende-Schule in Hahlen seit einem halben Jahr. Foto (Archiv): Christian Weber

"Ich habe ganz lange nichts aus den USA gehört", sagt Stefan Schröer. Zum Unglückszeitpunkt hatte er wenige Schritte neben seiner Frau auf dem Fußweg in der Mason Street/Ecke Geary Boulevard gestanden.

Mindener Schulleiterin starb vor zwei Jahren - © SAN FRANCISCO
Mindener Schulleiterin starb vor zwei Jahren - © SAN FRANCISCO

Das Ehepaar, das 2010 25 Jahre verheiratet war, hatte sich zur Silberhochzeit mit einer Amerikareise einen Lebenstraum erfüllt. Einer der Höhepunkte sollte ein Besuch in San Francisco sein. Als beide am Abend des 8. August, einem Sonntag, gerade ihr Hotel in der Mason Street im als ruhig und sicher geltenden Theater-Distrikt verlassen hatten, um in ein Restaurant zu gehen, fielen plötzlich Schüsse, abgegeben von rivalisierenden Jugendlichen. Eine der Kugel traf Mechthild Schröer im Kopf, sodass jede Hilfe zu spät kam und die 50-Jährige kurz darauf, zwei Tage nach ihrem Geburtstag, starb (MT vom 10. August 2010).

Pannen und Rückschläge behindern Ermittlungen

An der Auseinandersetzung beteiligte Heranwachsende flüchteten, Tatverdächtige wurden kurz darauf von der Polizei festgenommen und als Schuldige präsentiert, mussten aber wieder freigelassen werden. Es folgten weitere Ermittlungen, Razzien und Festnahmen. "Darüber bin ich direkt von der Polizei informiert worden", berichtet Stefan Schröer von einem überraschenden Anruf im Mai vergangenen Jahres. Kurz zuvor, während der Osterferien 2011, war er mit seinen Söhnen auf Einladung noch einmal nach Kalifornien geflogen.

Die Rasanz, mit der die Ermittler auf der einen Seite vorgingen, geriet auf der anderen ins Stocken, als ein Gerichtsschreiber im Herbst die Abschrift von Vernehmungsprotokollen aus einer Vorverhandlung verzögerte und das Verfahren an den Rand des Scheiterns brachte. Seither ruhte still der See. Auch die örtlichen Medien verloren scheinbar nach und nach das Interesse an dem zunächst sehr öffentlichkeitswirksamen Fall.

Nun, zum zweiten Jahrestag der bislang ungesühnten Tat, kam wieder Bewegung in den Fall - zumindest in den Informationsfluss. Vor wenigen Tagen erhielt Stefan Schröer nach eigener Aussage ein Schreiben des Generalkonsulats in San Francisco, das sich mit Anfragen des Mindener Tageblattes an kalifornische Stellen überkreuzte.

Tödliche Schüsse in San Francisco: Passanten betrachten vor zwei Jahren die Stelle in der Mason Street, wo in der Nacht zuvor Mechthild Schröer angeschossen worden war. Foto (Archiv): dpa
Tödliche Schüsse in San Francisco: Passanten betrachten vor zwei Jahren die Stelle in der Mason Street, wo in der Nacht zuvor Mechthild Schröer angeschossen worden war. Foto (Archiv): dpa

Generalkonsul Peter Rothen teilte dem Mindener und seinen beiden Söhnen mit, dass eine Mitarbeiterin in engem Kontakt zur Staatsanwaltschaft stehe. Dabei sei versichert worden, dass das Verfahren "im Plan" liege.

Im derzeit laufenden Vorverfahren, an dem die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger von sechs Beschuldigten - zum Tatzeitpunkt im Alter von 17 bis 20 Jahren - beteiligt sind, werden wichtige Weichenstellungen für den Prozess selbst getroffen. Vor allem geht es darum, ob die Staatsanwaltschaft, wie beabsichtigt, in allen Fällen den Mordvorwurf aufrechterhalten kann oder von Totschlag ausgehen muss. Dieses "Tauziehen" sei bei Strafprozessen in den USA üblich und dauere bis zu drei Jahren.

"Voraussichtlich bis Ende dieses Jahres" solle über die Einzelheiten der Anklageerhebung entschieden werden, teilte der stellvertretende Generalkonsul Bernhard Abels mit. Die Staatsanwaltschaft unter Leitung von Bezirksanwalt George Gascón, der zum Zeitpunkt der Schießerei in der Mason Street Polizeichef von San Francisco war, stuft die Ermittlungen in dem Fall nach Bekunden ihrer Pressesprecherin Stephanie Ong Stillman und laut Bestätigung des Generalkonsulats als "top priority" ein.

Kommt es Anfang nächsten Jahres zum Hauptverfahren, so wird Stefan Schröer aller Voraussicht nach als einer der Hauptbelastungszeugen vorgeladen werden und in die USA fliegen müssen.

"In den Schulferien wühlt mich das Geschehene besonders auf, dann kommen die Erinnerungen hoch", sagte der Lehrer an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule dieser Tage. Hinzu kommt, dass Mechthild Schröer am Montag 52 Jahre alt geworden wäre.

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