Schuldfrage ungeklärt: Falsch interpretierte E-Mail führte zur Schließung der Kampa-Halle Lea Oetjen,Monika Jäger,Sebastian Radermacher Minden. Es ist verzwickt: Offenbar haben wenige Worte gereicht, um der Kampa-Halle ihre Betriebserlaubnis zu entziehen. Es waren Aussagen des Kreises Minden-Lübbecke, die die Stadt Minden falsch verstanden hat. Die Nutzungsuntersagung ist nach vier Tagen inzwischen wieder aufgehoben. Was bleibt, sind offene Fragen und Schuldzuweisungen. Das komplizierte Hin und Her über die Hallen-Situation in Minden ist sich selbst einmal mehr treugeblieben. Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge bestätigte am Dienstagabend offiziell die MT-Informationen vom Vortag. So hat in der Tat die Antwort des Kreises auf die Nutzungsanfrage eines Veranstalters zur Schließung der Arena geführt. „Es wurden die Rahmenbedingungen der Veranstaltung abgefragt und auf etwaige Störungen und technische Ausfälle Bezug genommen, die im Interimsbetrieb vorkommen können“, wie Ohnesorge erläutert. Diese E-Mail sei daraufhin von dem Veranstalter an die Stadt weitergeleitet worden. Das bestätigt die dort zuständige Pressesprecherin Susann Lewerenz. Der Veranstalter habe ihrer Aussage nach die Auskunft erhalten, „dass die Kampa-Halle trotz der durchgeführten technischen Arbeiten nicht vollständig betriebssicher ist und dass es zu Störungen kommen kann. Für uns war aus dem Schriftverkehr nicht zu entnehmen, ob sicherheitstechnische Anlagen gemeint waren“, erklärt die Stadt-Sprecherin. Ohnesorge argumentiert dagegen: „Dies war jedoch nicht Gegenstand der ursprünglichen Antwort des Kreises.“ Laut Susann Lewerenz sei die Stadt als Bauaufsicht damit am Freitagmittag konfrontiert worden. Daher habe die Verwaltung diesen Sachverhalt vor dem Wochenende nicht vollständig aufklären können und die Kampa-Halle geschlossen. Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge indes spricht davon, dass die besagte E-Mail der Stadt bereits am Mittwochabend vorgelegen haben soll. Es ist unklar, was davon stimmt. Klar ist nur, dass es gar nicht zur Nutzungsuntersagung hätte kommen müssen. Denn: „In Bezug auf die Betriebssicherheit der Halle hat sich nichts geändert seit der Abnahme und der Erteilung der Baugenehmigung durch die Stadt Minden“, teilt Ohnesorge mit. Umso verwunderter sei der Kreis über die kurzfristig Bauordnungsverfügung gewesen. Bereits am Montagabend hatte Kreisbaudezernent Lutz Freiberg im Kreisausschuss sein Unverständnis darüber geäußert, dass zuvor keine Anhörung – auch nicht mit sehr kurzer Frist – stattgefunden hatte. „Wenn Gefahr im Verzug ist, muss eine Abwägung zwischen den erforderlichen Abstimmungsprozessen und der vermuteten Betriebsunsicherheit getroffen werden. Wenn es um die Sicherheit der Besucher geht, gilt eine besondere Vorsorgepflicht“, begründet Susann Lewerenz die spontane Entscheidung der Stadt. „Da sich der Sachverhalt am vergangenen Freitag nicht vollständig aufklären ließ, war die Nutzungsuntersagung als Sofortmaßnahme aus unserer Sicht erforderlich.“ Weder Kreis noch Stadt sieht die Schuld bei sich. Keiner räumt ein, einen Fehler gemacht zu haben. Und doch ist es einmal mehr eine missliche Lage, in die die Behörden GWD Minden gebracht haben. Immerhin: Nachdem die Bundesliga-Handballer nach der Nutzungsuntersagung am Freitag ihr Training abbrechen mussten, kann nun zumindest das Derby gegen den Kreisrivalen TuS N-Lübbecke am Samstag (20.30 Uhr) wie geplant stattfinden. Ohne Betriebserlaubnis wäre das nicht möglich gewesen. Übrigens: Die Planungen für die neben dem Mindener Bahnhof geplante Multifunktionshalle sollen nun aktiv weiter gehen, wie Mindens Bürgermeister Michael Jäcke am Montag im Rat erläuterte. Die Absichtserklärung „Letter of Intent“ (LoI) mit dem Partner Melitta sei unterzeichnet, und auch mit der Landrätin Anna Bölling (CDU) habe er in der vergangenen Woche ein „intensives Gespräch“ geführt. Diese solle nun weitere Informationen zur Halle bekommen, nach den Herbstferien werde der „politische Austausch“ beginnen. Bölling bestätigte, dass es ein Gespräch mit Jäcke gegeben hat. Sie habe den Bürgermeister darauf hingewiesen, dass sie die Absichtserklärung formal noch gar nicht erhalten habe. Jäcke habe zugesichert, ihr die Erklärung und diverse andere Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Dies sei eine Grundvoraussetzung, um weiter ins Gespräch zu kommen, sagte Bölling. Wie Jäcke berichtete, wurden die Architekten bereits mit einer Aktualisierung der Systemplanung beauftragt, dazu gehören auch neue Kostenschätzungen für die Erschließung des Umfelds. Auch die Geschäftsplanung wird nun auf Basis des neuen Modells aus dem LoI aktualisiert. Das Bürger-Bündnis Minden hatte zudem eine Liste von zwölf Fragen eingereicht, die sich unter anderem mit der Finanzierung befassen, diese Fragen sollen berücksichtigt und möglichst bis zur nächsten Ratssitzung beantwortet werden.

Schuldfrage ungeklärt: Falsch interpretierte E-Mail führte zur Schließung der Kampa-Halle

Die Planungen für die neben dem Mindener Bahnhof geplante Multihalle sollen nun aktiv weiter gehen. MT-Foto: Alex Lehn © y

Minden. Es ist verzwickt: Offenbar haben wenige Worte gereicht, um der Kampa-Halle ihre Betriebserlaubnis zu entziehen. Es waren Aussagen des Kreises Minden-Lübbecke, die die Stadt Minden falsch verstanden hat. Die Nutzungsuntersagung ist nach vier Tagen inzwischen wieder aufgehoben. Was bleibt, sind offene Fragen und Schuldzuweisungen. Das komplizierte Hin und Her über die Hallen-Situation in Minden ist sich selbst einmal mehr treugeblieben.

Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge bestätigte am Dienstagabend offiziell die MT-Informationen vom Vortag. So hat in der Tat die Antwort des Kreises auf die Nutzungsanfrage eines Veranstalters zur Schließung der Arena geführt. „Es wurden die Rahmenbedingungen der Veranstaltung abgefragt und auf etwaige Störungen und technische Ausfälle Bezug genommen, die im Interimsbetrieb vorkommen können“, wie Ohnesorge erläutert. Diese E-Mail sei daraufhin von dem Veranstalter an die Stadt weitergeleitet worden.

Das bestätigt die dort zuständige Pressesprecherin Susann Lewerenz. Der Veranstalter habe ihrer Aussage nach die Auskunft erhalten, „dass die Kampa-Halle trotz der durchgeführten technischen Arbeiten nicht vollständig betriebssicher ist und dass es zu Störungen kommen kann. Für uns war aus dem Schriftverkehr nicht zu entnehmen, ob sicherheitstechnische Anlagen gemeint waren“, erklärt die Stadt-Sprecherin. Ohnesorge argumentiert dagegen: „Dies war jedoch nicht Gegenstand der ursprünglichen Antwort des Kreises.“

Malina Reckordt

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Laut Susann Lewerenz sei die Stadt als Bauaufsicht damit am Freitagmittag konfrontiert worden. Daher habe die Verwaltung diesen Sachverhalt vor dem Wochenende nicht vollständig aufklären können und die Kampa-Halle geschlossen. Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge indes spricht davon, dass die besagte E-Mail der Stadt bereits am Mittwochabend vorgelegen haben soll.

Es ist unklar, was davon stimmt. Klar ist nur, dass es gar nicht zur Nutzungsuntersagung hätte kommen müssen. Denn: „In Bezug auf die Betriebssicherheit der Halle hat sich nichts geändert seit der Abnahme und der Erteilung der Baugenehmigung durch die Stadt Minden“, teilt Ohnesorge mit. Umso verwunderter sei der Kreis über die kurzfristig Bauordnungsverfügung gewesen.

Bereits am Montagabend hatte Kreisbaudezernent Lutz Freiberg im Kreisausschuss sein Unverständnis darüber geäußert, dass zuvor keine Anhörung – auch nicht mit sehr kurzer Frist – stattgefunden hatte. „Wenn Gefahr im Verzug ist, muss eine Abwägung zwischen den erforderlichen Abstimmungsprozessen und der vermuteten Betriebsunsicherheit getroffen werden. Wenn es um die Sicherheit der Besucher geht, gilt eine besondere Vorsorgepflicht“, begründet Susann Lewerenz die spontane Entscheidung der Stadt. „Da sich der Sachverhalt am vergangenen Freitag nicht vollständig aufklären ließ, war die Nutzungsuntersagung als Sofortmaßnahme aus unserer Sicht erforderlich.“

Weder Kreis noch Stadt sieht die Schuld bei sich. Keiner räumt ein, einen Fehler gemacht zu haben. Und doch ist es einmal mehr eine missliche Lage, in die die Behörden GWD Minden gebracht haben. Immerhin: Nachdem die Bundesliga-Handballer nach der Nutzungsuntersagung am Freitag ihr Training abbrechen mussten, kann nun zumindest das Derby gegen den Kreisrivalen TuS N-Lübbecke am Samstag (20.30 Uhr) wie geplant stattfinden. Ohne Betriebserlaubnis wäre das nicht möglich gewesen.

Übrigens: Die Planungen für die neben dem Mindener Bahnhof geplante Multifunktionshalle sollen nun aktiv weiter gehen, wie Mindens Bürgermeister Michael Jäcke am Montag im Rat erläuterte. Die Absichtserklärung „Letter of Intent“ (LoI) mit dem Partner Melitta sei unterzeichnet, und auch mit der Landrätin Anna Bölling (CDU) habe er in der vergangenen Woche ein „intensives Gespräch“ geführt. Diese solle nun weitere Informationen zur Halle bekommen, nach den Herbstferien werde der „politische Austausch“ beginnen. Bölling bestätigte, dass es ein Gespräch mit Jäcke gegeben hat. Sie habe den Bürgermeister darauf hingewiesen, dass sie die Absichtserklärung formal noch gar nicht erhalten habe. Jäcke habe zugesichert, ihr die Erklärung und diverse andere Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Dies sei eine Grundvoraussetzung, um weiter ins Gespräch zu kommen, sagte Bölling.

Wie Jäcke berichtete, wurden die Architekten bereits mit einer Aktualisierung der Systemplanung beauftragt, dazu gehören auch neue Kostenschätzungen für die Erschließung des Umfelds. Auch die Geschäftsplanung wird nun auf Basis des neuen Modells aus dem LoI aktualisiert. Das Bürger-Bündnis Minden hatte zudem eine Liste von zwölf Fragen eingereicht, die sich unter anderem mit der Finanzierung befassen, diese Fragen sollen berücksichtigt und möglichst bis zur nächsten Ratssitzung beantwortet werden.

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