Schüler, Aktivisten und Experten diskutieren über Klimawandel als Fluchtursache Vasco Stemmer Minden. „Im Jahr 2050 werden wir weltweit etwa 250 Millionen Klimaflüchtlinge haben“, erzählt Kara Ehlert. Die Studentin und Buchautorin ist in Hille aufgewachsen und in der Flüchtlingshilfe in Minden aktiv. Erst vor kurzem hat sie ein Flüchtlingslager in den irakischen Kurdengebieten besucht. Über diese Erfahrung spricht sie in der fünften Ausgabe der Online-Schüler-Klimakonferenz. Die Besprechung, die in Minden produziert und gestreamt wurde, führt die Themen Flucht und Klimawandel zusammen. Events zum Thema Nachhaltigkeit sind die Kernkompetenz von Markus Tenkhoff aus Bad Salzuflen. Seit 2012 veranstaltet er mit seiner Marketingagentur Konferenzen und Workshops an Schulen in ganz Deutschland. Durch die Corona-Pandemie liegt dieses Betätigungsfeld im Moment aber auf Eis. Um das Thema Nachhaltigkeit trotzdem im Fokus der Schüler zu halten, produziert er die Online-Schüler-Klimakonferenz. Neben lokalen Akteuren wie Elke Bikowski vom evangelischen Kirchenkreis Minden und Paul Schilling von „Fridays for Future“ ist auch der Nobelpreisträger und Klimaforscher Dr. Peter Lemke der Konferenz per Videochat zugeschaltet. In seinem Vortrag erläutert Lemke, wie sich das Klima in den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnte. Sein Fazit in Bezug auf die Pariser Klimaschutzziele: „Wir müssen uns noch viel mehr ins Zeug legen, als wir es bisher tun.“ Weil der Klimawandel ein schleichender Prozess ist, sei es schwierig, die Auswirkungen an Beispielen aufzuzeigen, die heute schon einen Einfluss auf die Lebensrealität von deutschen Jugendlichen haben, erklärt Tenkhoff. „Die Leute spüren die Auswirkungen noch nicht. Das Thema Flucht können seit 2015 viele aber deutlich besser greifen.“ Deshalb sei es wichtig, den Jugendlichen zu erklären, dass die globale Erwärmung in Zukunft eine der größten Fluchtursachen sein werde. In 30 Jahren werde es an einigen Orten der Welt so heiß sein, dass menschliches Leben dort nur noch sehr eingeschränkt möglich sei, sagt Tenkhoff. Die Bewohner dieser Gebiete seien dann gezwungen, ihre Heimat zu verlassen: „Die müssen dann alle da weg.“ Darum appelliert er an die Empathie der Jugendlichen, und auch Kara Ehlert ist sich sicher: „Schüler kriegt man über Emotionen.“ Die Erfahrungen, die sie auf ihrer Reise in den Irak gemacht hat, hätten ihr gezeigt, dass „eine Flucht keine Taxifahrt ist“, berichtet Ehlert. Um die Schrecken einer Flucht verständlicher zu machen, kommen in der Konferenz aber auch Menschen zu Wort, die selber ihr Heimatland verlassen mussten. Erfahrungsberichte aus zweiter Hand seien nicht ausreichend. „Wir alle haben das noch nicht erlebt, wir wissen nicht, wie sich das anfühlt“, erklärt Tenkhoff. Einer, der das ganz genau weiß, ist Khaled Ramadan: Der 21-jährige Dachdecker-Azubi kam aus Syrien nach Deutschland – mit dem Boot über die Türkei und anschließend zu Fuß über die Balkanroute. Er berichtet über seinen Weg nach Deutschland und die Strapazen, die er auf dem Weg durchlebt hat: „Wir mussten durch sieben oder acht Länder laufen, das war sehr anstrengend.“ Auch zwischen der Corona-Pandemie und dem Klimawandel ziehen die Teilnehmer der Konferenz Parallelen. Beides seien Dinge, die nicht zu kontrollieren seien, sagt Kara Ehlert: „Man kann nur versuchen, die Ausmaße zu reduzieren. Auch Corona wurde unterschätzt.“ Die Idee, mit einer Konferenz online zu gehen, kommt von Hanna Leifer. Als wegen der Corona-Pandemie sämtliche Veranstaltungen an Schulen abgesagt wurden, wendet sie sich an Markus Tenkhoff. „Ich habe gefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, online auf das Thema aufmerksam zu machen“, erklärt die Schülerin, die bei der Konferenz als Moderatorin fungiert. Nur etwa einen Monat dauert es bis zum Start der ersten Online-Diskussionsrunde. „Not macht erfinderisch“, sagt Tenkhoff, der für Events und Messen außerhalb des Internets für dieses Jahr schwarz sieht. Durch eine Kooperation mit dem Klima-Management des Kreises Minden-Lübbecke konnte ein Teil der Kosten der Konferenz getragen werden. Kostendeckend zu arbeiten, sei in diesem Format allerdings nicht möglich: „Wir machen das ganze, ohne damit Geld zu verdienen“, erklärt Tenkhoff.

Schüler, Aktivisten und Experten diskutieren über Klimawandel als Fluchtursache

Bei der aufwenig produzierte Online-Konferenz kommen neben lokalen Akteuren auch internationale Experten zu Wort. MT- © Foto: Vasco Stemmer

Minden. „Im Jahr 2050 werden wir weltweit etwa 250 Millionen Klimaflüchtlinge haben“, erzählt Kara Ehlert. Die Studentin und Buchautorin ist in Hille aufgewachsen und in der Flüchtlingshilfe in Minden aktiv. Erst vor kurzem hat sie ein Flüchtlingslager in den irakischen Kurdengebieten besucht. Über diese Erfahrung spricht sie in der fünften Ausgabe der Online-Schüler-Klimakonferenz. Die Besprechung, die in Minden produziert und gestreamt wurde, führt die Themen Flucht und Klimawandel zusammen.

Events zum Thema Nachhaltigkeit sind die Kernkompetenz von Markus Tenkhoff aus Bad Salzuflen. Seit 2012 veranstaltet er mit seiner Marketingagentur Konferenzen und Workshops an Schulen in ganz Deutschland. Durch die Corona-Pandemie liegt dieses Betätigungsfeld im Moment aber auf Eis. Um das Thema Nachhaltigkeit trotzdem im Fokus der Schüler zu halten, produziert er die Online-Schüler-Klimakonferenz.

Neben lokalen Akteuren wie Elke Bikowski vom evangelischen Kirchenkreis Minden und Paul Schilling von „Fridays for Future“ ist auch der Nobelpreisträger und Klimaforscher Dr. Peter Lemke der Konferenz per Videochat zugeschaltet. In seinem Vortrag erläutert Lemke, wie sich das Klima in den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnte. Sein Fazit in Bezug auf die Pariser Klimaschutzziele: „Wir müssen uns noch viel mehr ins Zeug legen, als wir es bisher tun.“

Weil der Klimawandel ein schleichender Prozess ist, sei es schwierig, die Auswirkungen an Beispielen aufzuzeigen, die heute schon einen Einfluss auf die Lebensrealität von deutschen Jugendlichen haben, erklärt Tenkhoff. „Die Leute spüren die Auswirkungen noch nicht. Das Thema Flucht können seit 2015 viele aber deutlich besser greifen.“ Deshalb sei es wichtig, den Jugendlichen zu erklären, dass die globale Erwärmung in Zukunft eine der größten Fluchtursachen sein werde. In 30 Jahren werde es an einigen Orten der Welt so heiß sein, dass menschliches Leben dort nur noch sehr eingeschränkt möglich sei, sagt Tenkhoff. Die Bewohner dieser Gebiete seien dann gezwungen, ihre Heimat zu verlassen: „Die müssen dann alle da weg.“ Darum appelliert er an die Empathie der Jugendlichen, und auch Kara Ehlert ist sich sicher: „Schüler kriegt man über Emotionen.“

Die Erfahrungen, die sie auf ihrer Reise in den Irak gemacht hat, hätten ihr gezeigt, dass „eine Flucht keine Taxifahrt ist“, berichtet Ehlert. Um die Schrecken einer Flucht verständlicher zu machen, kommen in der Konferenz aber auch Menschen zu Wort, die selber ihr Heimatland verlassen mussten. Erfahrungsberichte aus zweiter Hand seien nicht ausreichend. „Wir alle haben das noch nicht erlebt, wir wissen nicht, wie sich das anfühlt“, erklärt Tenkhoff.

Einer, der das ganz genau weiß, ist Khaled Ramadan: Der 21-jährige Dachdecker-Azubi kam aus Syrien nach Deutschland – mit dem Boot über die Türkei und anschließend zu Fuß über die Balkanroute. Er berichtet über seinen Weg nach Deutschland und die Strapazen, die er auf dem Weg durchlebt hat: „Wir mussten durch sieben oder acht Länder laufen, das war sehr anstrengend.“

Auch zwischen der Corona-Pandemie und dem Klimawandel ziehen die Teilnehmer der Konferenz Parallelen. Beides seien Dinge, die nicht zu kontrollieren seien, sagt Kara Ehlert: „Man kann nur versuchen, die Ausmaße zu reduzieren. Auch Corona wurde unterschätzt.“

Die Idee, mit einer Konferenz online zu gehen, kommt von Hanna Leifer. Als wegen der Corona-Pandemie sämtliche Veranstaltungen an Schulen abgesagt wurden, wendet sie sich an Markus Tenkhoff. „Ich habe gefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, online auf das Thema aufmerksam zu machen“, erklärt die Schülerin, die bei der Konferenz als Moderatorin fungiert. Nur etwa einen Monat dauert es bis zum Start der ersten Online-Diskussionsrunde.

„Not macht erfinderisch“, sagt Tenkhoff, der für Events und Messen außerhalb des Internets für dieses Jahr schwarz sieht. Durch eine Kooperation mit dem Klima-Management des Kreises Minden-Lübbecke konnte ein Teil der Kosten der Konferenz getragen werden. Kostendeckend zu arbeiten, sei in diesem Format allerdings nicht möglich: „Wir machen das ganze, ohne damit Geld zu verdienen“, erklärt Tenkhoff.

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