Schlagabtausch im Innenhof: So lief MT-Wahlgespräch mit den Mindener Bürgermeister-Kandidaten Carsten Korfesmeyer Minden. Dr. Konrad Winckler ist am Samstagnachmittag „eigentlich auf Krawall gebürstet" und von einer Leserfrage in der MT-Gesprächsrunde erkennbar überrascht. Jemand will wissen, was der CDU-Bürgermeisterkandidat und Amtsinhaber Michael Jäcke jeweils voneinander halten. „Es ist gemein, dass man jetzt etwas Nettes sagen muss", heißt es vom Herausforderer, der den Verwaltungschef wenige Momente später als einen großen Integrator bezeichnet. Zuvor hatte der Rathauschef seinen wohl schärfsten Konkurrenten bereits „einen freundlich wissenden Menschen" genannt. Es ist ein Moment der Harmonie, mit der es dann aber auch schnell wieder vorbei ist. Alle Kandidaten sind erkennbar im Wahlkampfmodus, und neben den beiden Favoriten stehen mit Claudia Herziger-Möhlmann vom Bürger-Bündnis Minden (BBM) sowie Sebastian Landwehr von der AfD zwei weitere Bewerber auf der Bühne im BZA-Innenhof. Und die Themen, die ansonsten kommen, überraschen weniger. Beispiel: Der Dauerbrenner um die Zukunft der Kampa-Halle und den möglichen Bau einer Multifunktionshalle am Rechten Weserufer. „Hätten Sie die rettende Idee?", fragt MT-Redakteur Henning Wandel, der die Veranstaltung zusammen mit MT-Chefredakteur Benjamin Piel moderiert, in Richtung Winckler. „Die steht eigentlich die ganze Zeit vor uns", antwortet der CDU-Kandidat. Er kritisiert die Querelen zwischen Kreis und Stadt, die das Projekt einer Arena nur verhindern. Klar spricht er sich für den Bau einer Multifunktionshalle aus – allein schon, um dem Bundesligahandball eine Spielstätte zu bieten. Der 38-Jährige verweist insbesondere auf Fördermöglichkeiten, die man seiner Ansicht nach problemlos abrufen könnte. Jäcke kontert sofort. Drei Mal sei er in Düsseldorf gewesen und habe drei Mal von Schwarz-Gelb eine klare Ablehnung für Fördermittel bekommen. „Da müssten Sie sich vorher mal schlau machen, was da passiert ist in Ihrer Landesregierung." Gerne hätte er das Geld genommen, allerdings liege durch die Unterstützung der Wirtschaft inzwischen ein eigenes Konzept auf dem Tisch. Die Unternehmen hätten sich bereit erklärt, die Arena zwei Jahrzehnte betreiben zu wollen. Jetzt sei der Ball beim Kreis. „Wir müssen nur die Handbremse lösen." Die Hallen dürften anschließend aber keinesfalls in einer Konkurrenz zueinander stehen. Landwehr spricht sich für den Bau einer Arena aus und will den Betrieb der Kampa-Halle so lange weiterführen. Minden brauche eine Veranstaltungsstätte. Er ruft Stadt und Kreis auf, den Dialog zu suchen. Gleichzeitig fordert er Investitionen, um voran zu kommen. „Es wird nur über eine Erhöhung der Kreisumlage gehen." Herziger-Möhlmann will die Kampa-Halle für den Schulsport und die Vereine auf jeden Fall erhalten. Sie sei „soweit ja in Ordnung" und nicht abgängig. „Man müsste natürlich in einige Dinge investieren", sagt sie. Eine Multifunktionshalle auf einem Altlastengelände sei für sie keine Alternative. Sie koste zu viel und wäre ihrer Ansicht nach auch nicht ausgelastet. Außerdem würde bis zur Eröffnung viel zu viel Zeit verstreichen. „Wir können GWD doch nicht in Lübbecke spielen lassen", sagt die BBM-Kandidatin. Themenwechsel: Als Winckler indirekt den Vorwurf erhebt, die Stadt würde den Investor der Obermarktpassage vergraulen, scharrt Jäcke schon mit den Hufen. „Wir haben natürlich nicht untätig im Rathaus herumgesessen", sagt der Verwaltungschef. Mit dem neuen Eigentümer habe er sogar sehr gute Gespräche geführt. Er habe die Zusicherung für eine Lösung bekommen – inklusive Stadthalle. Außerdem werde die Tiefgarage der Passage bald wieder geöffnet, so dass sich die Parkplatzsituation entspanne. Und wäre nicht bald Kommunalwahl, hätte der Investor sein umfangreiches Konzept schon längst öffentlich gemacht. Der Sprung vom einen zum anderen Ende der Stadt führt die Gesprächsrunde zum Brunnen am Wesertor, der zurzeit außer Betrieb ist und nach Worten von Herziger-Möhlmann „meinetwegen mit Primeln bepflanzt werden könnte". Sanierung oder Neubau kommen für die BBM-Kandidatin keinesfalls in Frage. Man gebe in Minden zu viel Geld für große Projekte aus, vernachlässige hingegen die Daseinsvorsorge. Das Projekt sei völlig ausgeufert. Als es schließlich um Straßen und Baustellen geht, spricht Herziger-Möhlmann von einem grottenschlechten Zustand auf 60 Kilometern. Winckler sieht sogar ein Straßenkonzept, das aus den 1960er-Jahren stammt und längst überholt sei. Es werde auch zu wenig für den Fahrradverkehr getan – ein Vorwurf, dem der Bürgermeister entschieden entgegen tritt. So werde auf der Victoriastraße eine Autospur eingezogen, so dass dort mehr Platz für Radfahrer geschaffen wird. Und was die derzeit vielen Baustellen betrifft, lässt der Verwaltungschef durchblicken, dass mit den Baumaßnahmen zu lange gewartet wurde. Verständnis hat er auch für die Menschen, die durch die Arbeiten belastet werden oder Umleitungen in Kauf nehmen müssen. Es gehe um Werteverlust und würde nicht gehandelt, könnte es deutlich teurer werden. Dann müssten die Straßen komplett erneuert werden. Die ganze Diskussion verläuft hart, aber fair. Buh-Rufe erntete jedoch AfD-Mann Landwehr, der in seinem Beitrag zum Wesertor-Brunnen zur Asylpolitik schwenkt. Dieser Übergang wird auch vom Publikum als erkennbar unpassend empfunden.

Schlagabtausch im Innenhof: So lief MT-Wahlgespräch mit den Mindener Bürgermeister-Kandidaten

Das Publikum im BZA-Innenhof und die Zuschauer im Netz erleben eine muntere Gesprächsrunde, in der verschiedene Themen der aktuellen Stadtpolitik aufgegriffen werden. © Fotos: Kai Senf

Minden. Dr. Konrad Winckler ist am Samstagnachmittag „eigentlich auf Krawall gebürstet" und von einer Leserfrage in der MT-Gesprächsrunde erkennbar überrascht. Jemand will wissen, was der CDU-Bürgermeisterkandidat und Amtsinhaber Michael Jäcke jeweils voneinander halten. „Es ist gemein, dass man jetzt etwas Nettes sagen muss", heißt es vom Herausforderer, der den Verwaltungschef wenige Momente später als einen großen Integrator bezeichnet. Zuvor hatte der Rathauschef seinen wohl schärfsten Konkurrenten bereits „einen freundlich wissenden Menschen" genannt. Es ist ein Moment der Harmonie, mit der es dann aber auch schnell wieder vorbei ist.

Alle Kandidaten sind erkennbar im Wahlkampfmodus, und neben den beiden Favoriten stehen mit Claudia Herziger-Möhlmann vom Bürger-Bündnis Minden (BBM) sowie Sebastian Landwehr von der AfD zwei weitere Bewerber auf der Bühne im BZA-Innenhof. Und die Themen, die ansonsten kommen, überraschen weniger. Beispiel: Der Dauerbrenner um die Zukunft der Kampa-Halle und den möglichen Bau einer Multifunktionshalle am Rechten Weserufer. „Hätten Sie die rettende Idee?", fragt MT-Redakteur Henning Wandel, der die Veranstaltung zusammen mit MT-Chefredakteur Benjamin Piel moderiert, in Richtung Winckler. „Die steht eigentlich die ganze Zeit vor uns", antwortet der CDU-Kandidat. Er kritisiert die Querelen zwischen Kreis und Stadt, die das Projekt einer Arena nur verhindern. Klar spricht er sich für den Bau einer Multifunktionshalle aus – allein schon, um dem Bundesligahandball eine Spielstätte zu bieten. Der 38-Jährige verweist insbesondere auf Fördermöglichkeiten, die man seiner Ansicht nach problemlos abrufen könnte.

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Jäcke kontert sofort. Drei Mal sei er in Düsseldorf gewesen und habe drei Mal von Schwarz-Gelb eine klare Ablehnung für Fördermittel bekommen. „Da müssten Sie sich vorher mal schlau machen, was da passiert ist in Ihrer Landesregierung." Gerne hätte er das Geld genommen, allerdings liege durch die Unterstützung der Wirtschaft inzwischen ein eigenes Konzept auf dem Tisch. Die Unternehmen hätten sich bereit erklärt, die Arena zwei Jahrzehnte betreiben zu wollen. Jetzt sei der Ball beim Kreis. „Wir müssen nur die Handbremse lösen." Die Hallen dürften anschließend aber keinesfalls in einer Konkurrenz zueinander stehen.

Claudia Herziger-Möhlmann (55) tritt für den Verein Bürger-Bündnis-Minden (BBM) an.
Claudia Herziger-Möhlmann (55) tritt für den Verein Bürger-Bündnis-Minden (BBM) an.

Landwehr spricht sich für den Bau einer Arena aus und will den Betrieb der Kampa-Halle so lange weiterführen. Minden brauche eine Veranstaltungsstätte. Er ruft Stadt und Kreis auf, den Dialog zu suchen. Gleichzeitig fordert er Investitionen, um voran zu kommen. „Es wird nur über eine Erhöhung der Kreisumlage gehen."

- © Kai Senf
© Kai Senf

Herziger-Möhlmann will die Kampa-Halle für den Schulsport und die Vereine auf jeden Fall erhalten. Sie sei „soweit ja in Ordnung" und nicht abgängig. „Man müsste natürlich in einige Dinge investieren", sagt sie. Eine Multifunktionshalle auf einem Altlastengelände sei für sie keine Alternative. Sie koste zu viel und wäre ihrer Ansicht nach auch nicht ausgelastet. Außerdem würde bis zur Eröffnung viel zu viel Zeit verstreichen. „Wir können GWD doch nicht in Lübbecke spielen lassen", sagt die BBM-Kandidatin.

Sebastian Landwehr (30) geht als Bewerber der AfD ins Rennen um das Bürgermeisteramt. - © Kai Senf
Sebastian Landwehr (30) geht als Bewerber der AfD ins Rennen um das Bürgermeisteramt. - © Kai Senf

Themenwechsel: Als Winckler indirekt den Vorwurf erhebt, die Stadt würde den Investor der Obermarktpassage vergraulen, scharrt Jäcke schon mit den Hufen. „Wir haben natürlich nicht untätig im Rathaus herumgesessen", sagt der Verwaltungschef. Mit dem neuen Eigentümer habe er sogar sehr gute Gespräche geführt. Er habe die Zusicherung für eine Lösung bekommen – inklusive Stadthalle. Außerdem werde die Tiefgarage der Passage bald wieder geöffnet, so dass sich die Parkplatzsituation entspanne. Und wäre nicht bald Kommunalwahl, hätte der Investor sein umfangreiches Konzept schon längst öffentlich gemacht.

Dr. Konrad Winckler (38) ist der CDU-Kandidat für das Amt des Mindener Bürgermeisters. - © Kai Senf
Dr. Konrad Winckler (38) ist der CDU-Kandidat für das Amt des Mindener Bürgermeisters. - © Kai Senf

Der Sprung vom einen zum anderen Ende der Stadt führt die Gesprächsrunde zum Brunnen am Wesertor, der zurzeit außer Betrieb ist und nach Worten von Herziger-Möhlmann „meinetwegen mit Primeln bepflanzt werden könnte". Sanierung oder Neubau kommen für die BBM-Kandidatin keinesfalls in Frage. Man gebe in Minden zu viel Geld für große Projekte aus, vernachlässige hingegen die Daseinsvorsorge. Das Projekt sei völlig ausgeufert.

Als es schließlich um Straßen und Baustellen geht, spricht Herziger-Möhlmann von einem grottenschlechten Zustand auf 60 Kilometern. Winckler sieht sogar ein Straßenkonzept, das aus den 1960er-Jahren stammt und längst überholt sei. Es werde auch zu wenig für den Fahrradverkehr getan – ein Vorwurf, dem der Bürgermeister entschieden entgegen tritt. So werde auf der Victoriastraße eine Autospur eingezogen, so dass dort mehr Platz für Radfahrer geschaffen wird. Und was die derzeit vielen Baustellen betrifft, lässt der Verwaltungschef durchblicken, dass mit den Baumaßnahmen zu lange gewartet wurde. Verständnis hat er auch für die Menschen, die durch die Arbeiten belastet werden oder Umleitungen in Kauf nehmen müssen. Es gehe um Werteverlust und würde nicht gehandelt, könnte es deutlich teurer werden. Dann müssten die Straßen komplett erneuert werden.

Die ganze Diskussion verläuft hart, aber fair. Buh-Rufe erntete jedoch AfD-Mann Landwehr, der in seinem Beitrag zum Wesertor-Brunnen zur Asylpolitik schwenkt. Dieser Übergang wird auch vom Publikum als erkennbar unpassend empfunden.

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