Schausteller plagen vor Weihnachtsmarkt-Start Sorgen: Personalmangel und Corona Christine Riechmann Minden. Michael Lohmeyer freut sich auf den Weihnachtsmarkt – wenn er denn stattfindet. „Wir brauchen den zum Überleben“, sagt der Schausteller, der alle drei Jahre mit seinem Imbisswagen vor dem Rathaus auf dem Weihnachtsmarkt steht. Die staatlichen Hilfen, die während des Lockdowns geflossen sind, würden nicht ausreichen. „Aber wir brauchen ihn so normal wie möglich“, fügt er an. Und danach sieht es aktuell nicht aus. Nichts als Sorgen und Probleme bereitet der Weihnachtsmarkt dem Schausteller und seinen Kollegen im Moment. Die Nerven liegen blank. Michael Lohmeyer fehlt einerseits eine klare Ansage, ob der Markt stattfinden kann oder nicht, andererseits weiß der 49-Jährige nicht, wie er seinen Imbisswagen überhaupt besetzen soll. „Es ist eine Katastrophe, ein absoluter Notstand“, beschreibt er die mehr als angespannte Personal-Situation. „Es ist nichts zu bekommen – schon seit Wochen nicht.“ Selbstverständlich hätte sich sein Stammpersonal, das in den vergangenen Jahren in Mini-Jobs bei ihm gearbeitet hat, in den 22 Monaten, in denen Schausteller coronabedingt nicht arbeiten konnten, umorientiert. „Die sind abgewandert und die kriegen wir auch nicht wieder“, beklagt Lohmeyer. Durch seine große Familie, die mitarbeiten würde, sei er eigentlich gut bestückt. Trotzdem sei er auf Aushilfen angewiesen. „Zu Stoßzeiten brauche ich gleichzeitig acht Mann im Wagen.“ Nach denen sucht er über Ebay-Kleinanzeigen oder in den sozialen Netzwerken – im Moment aber vergeblich. Die Folge: „Wir werden da unterbesetzt stehen und nur das verkaufen, was wir verkaufen können.“ Für den selbstständigen Unternehmer wird das eine harte Zeit. „Ich bin mein eigener Einparker, mein eigener Aufbauer, mein eigener Verkäufer, mein eigener Waschdienst und mein eigener Buchhalter. Wenn ich vier bis fünf Stunden Schlaf bekomme, ist das schon viel.“ Hinzu komme die Bürokratie. Alles müsste für die Behörden dokumentiert und aufgelistet werden. „Das macht es nicht einfacher.“ Trotzdem verliert Michael Lohmeyer nicht den Mut: „Was wir schaffen, das schaffen wir, und was wir nicht schaffen, schaffen wir nicht.“ Ähnlich sieht das Wolfgang Michael. Der Vorsitzende des Vereins reisender Schausteller Minden-Lübbecke spricht ebenfalls von „Personalproblemen auf der ganzen Ebene“. Einige Kollegen hätten voraussichtlich nicht genug Leute, um ihre Buden überhaupt öffnen zu können. Es sei immer schon mal schwierig gewesen, Personal zu bekommen. In diesem Jahr sei es aber extrem. Durch Corona hätten sich frühere Aushilfen andere Jobs gesucht und seien nicht mehr verfügbar. Trotzdem wolle er den Teufel nicht an die Wand malen: „Ich bin zuversichtlich, dass es funktionieren wird.“ Nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt wird es in Sachen Personal eng. Auch der Einzelhandel hat teilweise Probleme, Aushilfen für das Weihnachtsgeschäft zu bekommen. Allerdings sieht es dort offenbar längst nicht so schwarz aus, wie bei den Schaustellern. Douglas-Filialleiterin Christine Sassenberg hat zum Beispiel Aushilfen gesucht – und auch gefunden. „Das war aber nicht so leicht wie in den Jahren vor Corona.“ Auch aus anderen Geschäften würde sie hören, dass es aktuell problematisch sei, Personal zu bekommen. „Viele Aushilfen haben sich wohl umorientiert“, vermutet die Verkäuferin. Normalerweise hätten sie immer viele Jobanfragen bekommen, ohne ausschreiben zu müssen. In diesem Jahr hätten sie selber aktiv werden und Schilder mit Jobangeboten aufstellen müssen. Sowieso sei es aufwendiger geworden zu planen, da man nicht genau wisse, was komme. „Der Handel hat sich verändert“, meint die Filialleiterin.Hagemeyer setzt in der Vorweihnachtszeit Aushilfen zum Beispiel am Geschenkverpackungsstand und zum Aufräumen ein. „Es war schon vor Corona schwierig, in einer boomenden Wirtschaft Aushilfen zu finden, die zum Beispiel samstags arbeiten wollen. Jedoch ist unser Vorteil, dass wir im Vergleich zum reinen Gastgewerbe nicht sonntags und nachts arbeiten. Somit haben wir noch einen kleinen Vorteil und aktuell nicht mehr oder weniger Probleme als vor Corona“, erklärt Martin Heinzmann, Geschäftsführer Personal. Jedoch würde man sich auch bei Hagemeyer über Bewerbungen freuen.Keine Personal-Probleme gibt es bei Thalia. Zwar sei die Buchhandlung auch gerade zur Weihnachtszeit auf Aushilfen angewiesen. „Aber wir haben zahlreiche Bewerber“, sagt Filialleiter Bernhard Wojdyla. Viele würden Jahr für Jahr zurückkommen, aber es gebe auch neue Bewerber. Das seien Rentner oder ehemalige Auszubildende – „alles quer durch die Bank“.

Schausteller plagen vor Weihnachtsmarkt-Start Sorgen: Personalmangel und Corona

Zu Stoßzeiten ist der Andrang an Imbissbuden oder anderen Ständen auf dem Weihnachtsmarkt riesengroß. Dann geht für die Betreiber ohne Aushilfen gar nichts. MT-Archivfoto: Alex Lehn

Minden. Michael Lohmeyer freut sich auf den Weihnachtsmarkt – wenn er denn stattfindet. „Wir brauchen den zum Überleben“, sagt der Schausteller, der alle drei Jahre mit seinem Imbisswagen vor dem Rathaus auf dem Weihnachtsmarkt steht. Die staatlichen Hilfen, die während des Lockdowns geflossen sind, würden nicht ausreichen. „Aber wir brauchen ihn so normal wie möglich“, fügt er an. Und danach sieht es aktuell nicht aus. Nichts als Sorgen und Probleme bereitet der Weihnachtsmarkt dem Schausteller und seinen Kollegen im Moment. Die Nerven liegen blank.

Michael Lohmeyer fehlt einerseits eine klare Ansage, ob der Markt stattfinden kann oder nicht, andererseits weiß der 49-Jährige nicht, wie er seinen Imbisswagen überhaupt besetzen soll. „Es ist eine Katastrophe, ein absoluter Notstand“, beschreibt er die mehr als angespannte Personal-Situation. „Es ist nichts zu bekommen – schon seit Wochen nicht.“ Selbstverständlich hätte sich sein Stammpersonal, das in den vergangenen Jahren in Mini-Jobs bei ihm gearbeitet hat, in den 22 Monaten, in denen Schausteller coronabedingt nicht arbeiten konnten, umorientiert. „Die sind abgewandert und die kriegen wir auch nicht wieder“, beklagt Lohmeyer. Durch seine große Familie, die mitarbeiten würde, sei er eigentlich gut bestückt. Trotzdem sei er auf Aushilfen angewiesen. „Zu Stoßzeiten brauche ich gleichzeitig acht Mann im Wagen.“

Nach denen sucht er über Ebay-Kleinanzeigen oder in den sozialen Netzwerken – im Moment aber vergeblich. Die Folge: „Wir werden da unterbesetzt stehen und nur das verkaufen, was wir verkaufen können.“ Für den selbstständigen Unternehmer wird das eine harte Zeit. „Ich bin mein eigener Einparker, mein eigener Aufbauer, mein eigener Verkäufer, mein eigener Waschdienst und mein eigener Buchhalter. Wenn ich vier bis fünf Stunden Schlaf bekomme, ist das schon viel.“ Hinzu komme die Bürokratie. Alles müsste für die Behörden dokumentiert und aufgelistet werden. „Das macht es nicht einfacher.“ Trotzdem verliert Michael Lohmeyer nicht den Mut: „Was wir schaffen, das schaffen wir, und was wir nicht schaffen, schaffen wir nicht.“

Malina Reckordt

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Ähnlich sieht das Wolfgang Michael. Der Vorsitzende des Vereins reisender Schausteller Minden-Lübbecke spricht ebenfalls von „Personalproblemen auf der ganzen Ebene“. Einige Kollegen hätten voraussichtlich nicht genug Leute, um ihre Buden überhaupt öffnen zu können. Es sei immer schon mal schwierig gewesen, Personal zu bekommen. In diesem Jahr sei es aber extrem. Durch Corona hätten sich frühere Aushilfen andere Jobs gesucht und seien nicht mehr verfügbar. Trotzdem wolle er den Teufel nicht an die Wand malen: „Ich bin zuversichtlich, dass es funktionieren wird.“

Nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt wird es in Sachen Personal eng. Auch der Einzelhandel hat teilweise Probleme, Aushilfen für das Weihnachtsgeschäft zu bekommen. Allerdings sieht es dort offenbar längst nicht so schwarz aus, wie bei den Schaustellern.

Douglas-Filialleiterin Christine Sassenberg hat zum Beispiel Aushilfen gesucht – und auch gefunden. „Das war aber nicht so leicht wie in den Jahren vor Corona.“ Auch aus anderen Geschäften würde sie hören, dass es aktuell problematisch sei, Personal zu bekommen. „Viele Aushilfen haben sich wohl umorientiert“, vermutet die Verkäuferin. Normalerweise hätten sie immer viele Jobanfragen bekommen, ohne ausschreiben zu müssen. In diesem Jahr hätten sie selber aktiv werden und Schilder mit Jobangeboten aufstellen müssen. Sowieso sei es aufwendiger geworden zu planen, da man nicht genau wisse, was komme. „Der Handel hat sich verändert“, meint die Filialleiterin.

Hagemeyer setzt in der Vorweihnachtszeit Aushilfen zum Beispiel am Geschenkverpackungsstand und zum Aufräumen ein. „Es war schon vor Corona schwierig, in einer boomenden Wirtschaft Aushilfen zu finden, die zum Beispiel samstags arbeiten wollen. Jedoch ist unser Vorteil, dass wir im Vergleich zum reinen Gastgewerbe nicht sonntags und nachts arbeiten. Somit haben wir noch einen kleinen Vorteil und aktuell nicht mehr oder weniger Probleme als vor Corona“, erklärt Martin Heinzmann, Geschäftsführer Personal. Jedoch würde man sich auch bei Hagemeyer über Bewerbungen freuen.

Keine Personal-Probleme gibt es bei Thalia. Zwar sei die Buchhandlung auch gerade zur Weihnachtszeit auf Aushilfen angewiesen. „Aber wir haben zahlreiche Bewerber“, sagt Filialleiter Bernhard Wojdyla. Viele würden Jahr für Jahr zurückkommen, aber es gebe auch neue Bewerber. Das seien Rentner oder ehemalige Auszubildende – „alles quer durch die Bank“.

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