Schausteller-Dynastie aus Bad Oeynhausen-Eidinghausen steht hinter dem "größten reisenden Riesenrad der Welt" "Wir brauchen hier keine Frauenquote" Von Inge Czygan Minden/Bad Oeynhausen-Eidinghausen (ic). Wenn auf dem Hamburger Frühlingsdom und danach in der HafenCity wieder tausende Touristen das "größte reisende Riesenrad der Welt" bestaunen, dann steckt dahinter geballte Frauenpower aus Bad Oeynhausen-Eidinghausen. Hier sind sie nämlich zu Hause, die Schausteller-Familien Steiger, Rosenzweig und Meyer, drei Generationen, die gemeinsam auf einem 12 000 Quadratmeter großen Gelände leben, wo neben dem Riesenrad auch ihre Wildwasserbahn sowie die Achterbahn "Teststrecke" Platz finden. Und auch die Gründerin der Familien-Dynastie, Urgroßmutter Waltraud, ist oft zu Gast.Bereits 1947 baut Adolf "Dölfchen" Steiger sein erstes zwölf Meter hohes Holz-Riesenrad selbst und legt damit den Grundstein für die Familien-Dynastie. Im selben Jahr heiratet er die Schausteller-Tochter Waltraud Ricke aus Minden. "Wir kannten uns von der Messe, und er war mir schon aufgefallen, als er in die Königschule kam, die auch ich besuchte", erinnert sich die 86-Jährige. "Bevor wir heirateten, musste ich ihn erst mal fragen, wie er richtig heißt, denn ich kannte ihn nur unter seinem Spitznamen ,Dölfchen´. Unsere Hochzeit fand am 14. Februar, dem Geburtstag meiner Mutter Paula, statt, und wir wohnten in der Königstraße 128."Waltraud bekommt drei Kinder: Sohn Hans, der 1947 geboren wird, sowie die Töchter Marlies (64) und Ute (56). Während Marlies 1969 den Kölner Schausteller Peter Rosenzweig (70) heiratet, mit dem sie zwei Kinder, Theo (43) und Ute (39), hat, heiratet ihre Schwester Ute den Schausteller Hans Meyer, bekommt die Kinder Thomas (36) und Bärbel (32). Waltrauds Sohn Hans baut gemeinsam mit den Eltern das Riesenrad immer weiter aus.Von 1980 bis 2012 gilt die Stahlkonstruktion mit 60 Metern Höhe als größtes transportables Riesenrad der Welt. Erst 2013 wird in München ein 77 Meter hohes Exemplar gebaut, das heute in Puebla/Mexiko steht, zwar transportabel ist, aber nicht innerhalb weniger Tage aufgebaut werden und nicht schnell weiterreisen kann.Ein Schicksalsschlag macht die Pläne der Familie zunichte, als "Hansi" Steiger 1991 an Knochenkrebs stirbt. "Mein Bruder ließ sich 1989 ein Überbein am Fuß operieren, und dabei entdeckten die Ärzte den Tumor", erzählt Marlies Rosenzweig. "Für uns alle war es schrecklich, sein Leiden und das Leid unserer Eltern miterleben zu müssen. Nach Hansis Tod wussten wir nicht, wie es mit dem Riesenrad weitergehen sollte. Schließlich übernahm es mein Sohn Theo im Alter von 21 Jahren."Vier Generationen, die sich verstehenIm April 2011 stirbt auch der 83-jährige "Dölfchen" Steiger, doch er erlebt es noch, dass seine Töchter Marlies und Ute wieder nach Hause kommen und dort mit ihren eigenen Familien mit Kindern und Enkeln bleiben. "Als mein Mann das Grundstück damals kaufte, dachten wir, es sei viel zu groß, aber jetzt ist alles bebaut", berichtet Urgroßmutter Waltraud Steiger. Nachdenklich fügt sie hinzu: "Ich vermisse Dölfchen sehr. Wenn ich sein Bild an der Wand sehe, dann denke ich manchmal, dass er lebt und mich anschaut.""Dass sich vier Generationen, die zusammen leben, hervorragend verstehen, ist etwas ganz Seltenes", sagt Marlies Rosenzweig. "Bei uns funktioniert es, und es kommen immer mehr Personen dazu. Wir waren sogar schon gemeinsam im Urlaub in den USA und in Mexiko. Wenn wir wollen, können wir uns jeden Tag sehen, aber wir müssen nicht."Diskussionen über Emanzipation gibt es bei Waltraud, Marlies, Ute, ihren Töchtern und Enkelinnen nicht. Dazu ist keine Zeit, wenn ihr Riesenrad mit 42 Gondeln, 250000 computergesteuerten LED-Leuchten und einem Gewicht von 450 Tonnen bald wieder aus dem Winterschlaf erwacht. "Wir brauchen keine Frauenquote", sagt Ute Meyer. "In unserer Branche müssen wir das Geschäft im Griff haben." Und Marlies Tochter Ute Lemoine fügt lachend hinzu: "Männer glauben manchmal, sie hätten die Hosen an, aber die Frauen sagen ihnen, welche."

Schausteller-Dynastie aus Bad Oeynhausen-Eidinghausen steht hinter dem "größten reisenden Riesenrad der Welt"

Minden/Bad Oeynhausen-Eidinghausen (ic). Wenn auf dem Hamburger Frühlingsdom und danach in der HafenCity wieder tausende Touristen das "größte reisende Riesenrad der Welt" bestaunen, dann steckt dahinter geballte Frauenpower aus Bad Oeynhausen-Eidinghausen.

Sie gründete die Familien-Dynastie. Schaustellerin Waltraud Steiger (86, Mitte) aus Minden mit ihren Töchtern Marlies Rosenzweig (links) und Ute Meyer. - © Foto: Inge Czygan
Sie gründete die Familien-Dynastie. Schaustellerin Waltraud Steiger (86, Mitte) aus Minden mit ihren Töchtern Marlies Rosenzweig (links) und Ute Meyer. - © Foto: Inge Czygan

Hier sind sie nämlich zu Hause, die Schausteller-Familien Steiger, Rosenzweig und Meyer, drei Generationen, die gemeinsam auf einem 12 000 Quadratmeter großen Gelände leben, wo neben dem Riesenrad auch ihre Wildwasserbahn sowie die Achterbahn "Teststrecke" Platz finden. Und auch die Gründerin der Familien-Dynastie, Urgroßmutter Waltraud, ist oft zu Gast.

Die Frauenpower hinter dem Riesenrad - © OEYNHAUSEN
Die Frauenpower hinter dem Riesenrad - © OEYNHAUSEN

Bereits 1947 baut Adolf "Dölfchen" Steiger sein erstes zwölf Meter hohes Holz-Riesenrad selbst und legt damit den Grundstein für die Familien-Dynastie. Im selben Jahr heiratet er die Schausteller-Tochter Waltraud Ricke aus Minden. "Wir kannten uns von der Messe, und er war mir schon aufgefallen, als er in die Königschule kam, die auch ich besuchte", erinnert sich die 86-Jährige. "Bevor wir heirateten, musste ich ihn erst mal fragen, wie er richtig heißt, denn ich kannte ihn nur unter seinem Spitznamen ,Dölfchen´. Unsere Hochzeit fand am 14. Februar, dem Geburtstag meiner Mutter Paula, statt, und wir wohnten in der Königstraße 128."

Waltraud bekommt drei Kinder: Sohn Hans, der 1947 geboren wird, sowie die Töchter Marlies (64) und Ute (56). Während Marlies 1969 den Kölner Schausteller Peter Rosenzweig (70) heiratet, mit dem sie zwei Kinder, Theo (43) und Ute (39), hat, heiratet ihre Schwester Ute den Schausteller Hans Meyer, bekommt die Kinder Thomas (36) und Bärbel (32). Waltrauds Sohn Hans baut gemeinsam mit den Eltern das Riesenrad immer weiter aus.

Von 1980 bis 2012 gilt die Stahlkonstruktion mit 60 Metern Höhe als größtes transportables Riesenrad der Welt. Erst 2013 wird in München ein 77 Meter hohes Exemplar gebaut, das heute in Puebla/Mexiko steht, zwar transportabel ist, aber nicht innerhalb weniger Tage aufgebaut werden und nicht schnell weiterreisen kann.

Ein Schicksalsschlag macht die Pläne der Familie zunichte, als "Hansi" Steiger 1991 an Knochenkrebs stirbt. "Mein Bruder ließ sich 1989 ein Überbein am Fuß operieren, und dabei entdeckten die Ärzte den Tumor", erzählt Marlies Rosenzweig. "Für uns alle war es schrecklich, sein Leiden und das Leid unserer Eltern miterleben zu müssen. Nach Hansis Tod wussten wir nicht, wie es mit dem Riesenrad weitergehen sollte. Schließlich übernahm es mein Sohn Theo im Alter von 21 Jahren."

Vier Generationen, die sich verstehen

Sensation auf den Kirmesplätzen: Das größte transportable Riesenrad der Welt (von 1980 bis 2012) kommt aus Bad Oeynhausen-Eidinghausen. - © Foto: pr
Sensation auf den Kirmesplätzen: Das größte transportable Riesenrad der Welt (von 1980 bis 2012) kommt aus Bad Oeynhausen-Eidinghausen. - © Foto: pr

Im April 2011 stirbt auch der 83-jährige "Dölfchen" Steiger, doch er erlebt es noch, dass seine Töchter Marlies und Ute wieder nach Hause kommen und dort mit ihren eigenen Familien mit Kindern und Enkeln bleiben. "Als mein Mann das Grundstück damals kaufte, dachten wir, es sei viel zu groß, aber jetzt ist alles bebaut", berichtet Urgroßmutter Waltraud Steiger. Nachdenklich fügt sie hinzu: "Ich vermisse Dölfchen sehr. Wenn ich sein Bild an der Wand sehe, dann denke ich manchmal, dass er lebt und mich anschaut."

"Dass sich vier Generationen, die zusammen leben, hervorragend verstehen, ist etwas ganz Seltenes", sagt Marlies Rosenzweig. "Bei uns funktioniert es, und es kommen immer mehr Personen dazu. Wir waren sogar schon gemeinsam im Urlaub in den USA und in Mexiko. Wenn wir wollen, können wir uns jeden Tag sehen, aber wir müssen nicht."

Diskussionen über Emanzipation gibt es bei Waltraud, Marlies, Ute, ihren Töchtern und Enkelinnen nicht. Dazu ist keine Zeit, wenn ihr Riesenrad mit 42 Gondeln, 250000 computergesteuerten LED-Leuchten und einem Gewicht von 450 Tonnen bald wieder aus dem Winterschlaf erwacht. "Wir brauchen keine Frauenquote", sagt Ute Meyer. "In unserer Branche müssen wir das Geschäft im Griff haben." Und Marlies Tochter Ute Lemoine fügt lachend hinzu: "Männer glauben manchmal, sie hätten die Hosen an, aber die Frauen sagen ihnen, welche."

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