Sanierung der Kampa-Halle: Durch die Politik geht ein Riss Henning Wandel Minden. Die Plakate der Jusos vor dem Eingang zum Kreishaus haben an der Abstimmung gleich nebenan nichts mehr verändert – auch wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Beckschewe kurz vor Beginn der Kreisausschusssitzung vom Balkon aus noch einen Blick nach unten geworfen hat. „Nicht sanieren" stand unter anderem auf auf einem der auffälligsten Schilder. Die Kooperationspartner von CDU und Grünen sind überzeugt, mit ihrem Beschlussvorschlag nicht nur dem Schul- und Vereinssport gerecht zu werden, sondern auch dem Handball-Bundesligisten GWD Minden eine Perspektive zu bieten sowie der Stadt Minden und der Wirtschaft um Melitta die nötige Zeit für den Bau einer neuen Multifunktionsarena zu verschaffen. Der Beschluss sei in die Zukunft gerichtet, biete aber auch Sicherheit, sagte Beckschewe. Das soll vor allem mit einem kurzfristig hinzugefügten Zusatz möglich werden. Darin soll eine kommerzielle Nutzung der sanierten Kampa-Halle ausgeschlossen werden, sobald die neue Arena in Betrieb geht. Eine mögliche Konkurrenzsituation der beiden Hallen war für Melitta als Investor ein Ausschlusskriterium. Jetzt könne es eine schnelle Lösung für den Schulsport und für GWD geben, so Beckschewe, gleichzeitig erhielte der Investor die gewünschte Planungsgrundlage. Ganz anders ist die Sicht der SPD: Der Beschluss produziere nur Verlierer und bereite den Abstieg von GWD aus der Bundesliga vor, sagte die Fraktionsvorsitzende Birgit Härtel. Auch gebe es trotz hoher Investitionen keine finanzielle Entlastung bei den Unterhaltskosten. Wie hoch die sind, ist noch immer strittig. Härtel sprach von „1,3 oder 1,4 Millionen Euro", Beckschewe hingegen sagte, es handele sich lediglich um gut 130.000 Euro pro Jahr. FDP-Vertreter Hans-Eckhard Meyer schlug sich ebenfalls auf die Seite von CDU und Grünen, obwohl er sich eine andere Lösung hätte vorstellen können, etwa in Form eines längeren Interimsbetriebs der Kampa-Halle. Der ist jetzt für einen Zeitraum von zwei Jahren beantragt. Mit einem längeren Übergangsbetrieb sei eine schnelle Öffnung nicht möglich gewesen, betonte Baudezernent Lutz Freiberg. Das hätten Gespräche mit der Bauaufsicht der Stadt Minden ergeben. Der Mindener Baubeigeordnete Lars Bursian hatte dieser Darstellung in der Vergangenheit bereits widersprochen. So habe Minden lediglich darauf hingewiesen, dass für einen Antrag auf eine Interimsnutzung zwingend ein Zeitraum angegeben werden müsse. CDU-Vertreter Lutz Abruszat, der auch ein Mandat im Mindener Rat hat, bezeichnete den später gefassten Beschluss als „einzig sinnvollen Vorschlag". Gerade mit der in der Ergänzung ausgeschlossenen Konkurrenzsituation sei es ein „deutlich positives Signal an die Stadt Minden". Unüberhörbar blieben in der Sitzung die scharfen Zwischentöne. So gerieten unter anderem Birgit Härtel und der Stemweder Frank Rabe (CDU) aneinander. Rabe hatte sich an Härtels Kritik an der Haltung „im Westkreis" gestört. Dr. Oliver Vogt (CDU) wies den Vorwurf zurück, CDU und Grüne seien „die Totengräber" der Multihalle, Ulrich Pock (SPD) hingegen sprach unmittelbar vor der Abstimmung erneut von der „Totenglocke". Dabei ist eine Sanierung noch nicht endgültig beschlossen. Der Kreisausschuss hat die Verwaltung vorerst nur beauftragt, die Planungsleistungen auszuschreiben. Ein konkreter Sanierungsbeschluss dürfte frühestens in einem Jahr fallen, wie Landrätin Anna Bölling (CDU) in ihrem Abschlussstatement feststellte. Bis dahin sei Zeit, die offenen Fragen rund um die geplante Arena zu klären. Dann werde sich die Kreispolitik einer weiteren Debatte „sicher nicht verschließen".

Sanierung der Kampa-Halle: Durch die Politik geht ein Riss

Mit einer Plakataktion hatten die Jusos versucht, eine Beschluss zur Sanierung der Kampa-Halle zu verhindern. Die meisten Kreistagsmitglieder aber sahen den Protest nur aus der Ferne. MT-Foto: Henning Wandel © Henning Wandel

Minden. Die Plakate der Jusos vor dem Eingang zum Kreishaus haben an der Abstimmung gleich nebenan nichts mehr verändert – auch wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Beckschewe kurz vor Beginn der Kreisausschusssitzung vom Balkon aus noch einen Blick nach unten geworfen hat. „Nicht sanieren" stand unter anderem auf auf einem der auffälligsten Schilder. Die Kooperationspartner von CDU und Grünen sind überzeugt, mit ihrem Beschlussvorschlag nicht nur dem Schul- und Vereinssport gerecht zu werden, sondern auch dem Handball-Bundesligisten GWD Minden eine Perspektive zu bieten sowie der Stadt Minden und der Wirtschaft um Melitta die nötige Zeit für den Bau einer neuen Multifunktionsarena zu verschaffen. Der Beschluss sei in die Zukunft gerichtet, biete aber auch Sicherheit, sagte Beckschewe.

Das soll vor allem mit einem kurzfristig hinzugefügten Zusatz möglich werden. Darin soll eine kommerzielle Nutzung der sanierten Kampa-Halle ausgeschlossen werden, sobald die neue Arena in Betrieb geht. Eine mögliche Konkurrenzsituation der beiden Hallen war für Melitta als Investor ein Ausschlusskriterium. Jetzt könne es eine schnelle Lösung für den Schulsport und für GWD geben, so Beckschewe, gleichzeitig erhielte der Investor die gewünschte Planungsgrundlage.

Ganz anders ist die Sicht der SPD: Der Beschluss produziere nur Verlierer und bereite den Abstieg von GWD aus der Bundesliga vor, sagte die Fraktionsvorsitzende Birgit Härtel. Auch gebe es trotz hoher Investitionen keine finanzielle Entlastung bei den Unterhaltskosten. Wie hoch die sind, ist noch immer strittig. Härtel sprach von „1,3 oder 1,4 Millionen Euro", Beckschewe hingegen sagte, es handele sich lediglich um gut 130.000 Euro pro Jahr.

FDP-Vertreter Hans-Eckhard Meyer schlug sich ebenfalls auf die Seite von CDU und Grünen, obwohl er sich eine andere Lösung hätte vorstellen können, etwa in Form eines längeren Interimsbetriebs der Kampa-Halle. Der ist jetzt für einen Zeitraum von zwei Jahren beantragt. Mit einem längeren Übergangsbetrieb sei eine schnelle Öffnung nicht möglich gewesen, betonte Baudezernent Lutz Freiberg. Das hätten Gespräche mit der Bauaufsicht der Stadt Minden ergeben. Der Mindener Baubeigeordnete Lars Bursian hatte dieser Darstellung in der Vergangenheit bereits widersprochen. So habe Minden lediglich darauf hingewiesen, dass für einen Antrag auf eine Interimsnutzung zwingend ein Zeitraum angegeben werden müsse.

CDU-Vertreter Lutz Abruszat, der auch ein Mandat im Mindener Rat hat, bezeichnete den später gefassten Beschluss als „einzig sinnvollen Vorschlag". Gerade mit der in der Ergänzung ausgeschlossenen Konkurrenzsituation sei es ein „deutlich positives Signal an die Stadt Minden".

Unüberhörbar blieben in der Sitzung die scharfen Zwischentöne. So gerieten unter anderem Birgit Härtel und der Stemweder Frank Rabe (CDU) aneinander. Rabe hatte sich an Härtels Kritik an der Haltung „im Westkreis" gestört. Dr. Oliver Vogt (CDU) wies den Vorwurf zurück, CDU und Grüne seien „die Totengräber" der Multihalle, Ulrich Pock (SPD) hingegen sprach unmittelbar vor der Abstimmung erneut von der „Totenglocke".

Dabei ist eine Sanierung noch nicht endgültig beschlossen. Der Kreisausschuss hat die Verwaltung vorerst nur beauftragt, die Planungsleistungen auszuschreiben. Ein konkreter Sanierungsbeschluss dürfte frühestens in einem Jahr fallen, wie Landrätin Anna Bölling (CDU) in ihrem Abschlussstatement feststellte. Bis dahin sei Zeit, die offenen Fragen rund um die geplante Arena zu klären. Dann werde sich die Kreispolitik einer weiteren Debatte „sicher nicht verschließen".

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