Romani Rose eröffnet in Minden die Gedenkstätte "Mer Ketne" Stefan Koch Minden. „Es steht einer Stadt wie Minden gut an, dass wir einen Erinnerungsort für die für aus Minden deportierten Sinti und Roma erhalten“, sagte Romani Rose am vergangenen Freitag. Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma war zur Eröffnung des Projekts „Mer Ketne“ an der Königstraße gekommen, das nach Jahren der Ungewissheit dank neuer Fördergelder zunächst bis Ende 2024 betrieben werden kann (Bericht im MT). Es erinnert an die Verbrechen, die während der NS-Herrschaft an zahlreichen Mitgliedern der nationalen Minderheit begangen worden waren. Auch heute noch ist laut Romani Rose die bundesdeutsche Gesellschaft gefordert, dem Antiziganismus zu begegnen. Trotz vieler politischer Erfolge in der Vergangenheit gebe es einer Studie der Universität Leipzig zufolge in der Bevölkerung eine weit verbreitete Ablehnung gegenüber Sinti und Roma. Es gebe Antiziganismus in den Medien, in der Schule und am Arbeitsplatz. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes habe 2016 erhärtet, dass antiziganistische Einstellungen bei 60 Prozent der Bevölkerung verbreitet seien. Rose bezeichnete den Kampf gegen Antiziganismus als eine Aufgabe der Zivilgesellschaft. Er forderte von Medien und Filmemachern mehr Sensibilität, weil Vertreter der Branche immer noch dazu neigten, negative Verhaltensweisen Einzelner der gesamten Gruppe anzulasten. Auch im Schulunterricht müsse stärker aufgeklärt werden, wozu die Kultusministerkonferenz bereits erfolgversprechende Schritte gemacht habe. Auch der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) bescheinigte der bundesdeutschen Gesellschaft einen großen Nachholbedarf bei der Aufarbeitung der Verbrechen an Sinti und Roma, die heute noch Ziel von Angriffen aus rechtsextremen Kreisen seien, was nicht zuletzt wieder durch drei Opfer der nationalen Minderheit bei dem Terrorakt von Hanau sichtbar geworden sei. Er forderte die Einführung eines Beauftragen für Antiziganismus und die umfassende Anerkennung des Genozides, was auch Wiedergutmachungszahlungen beinhalte. Dr. Georg Rosenthal vom Bündnis für Demokratie und Toleranz (Berlin) sah ebenfalls bei Verwaltungsstellen und der Justiz Defizite, die Sinti und Roma immer noch benachteiligten. Der Gedanke des „Aufstandes der Anständigen“ müsse in der Gesellschaft fortgesetzt und durch neue Ideen und Aktivitäten erweitert werden. Weitere Redebeiträge zur Wiedereröffnung von Mer Ketne lieferten Markus Priesterath vom Referat Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement im Bundesinnenministerium sowie der Mindener Oswald Marschall, Initiator des Projekts. In ihren Begrüßungsworten wies Marschalls Tochter Laura darauf hin, dass in der Nazidiktatur auch Mitglieder aus ihrer Familie nicht verschont worden waren.

Romani Rose eröffnet in Minden die Gedenkstätte "Mer Ketne"

Romani Rose forderte Wachsamkeit. MT-Foto: Stefan Koch

Minden. „Es steht einer Stadt wie Minden gut an, dass wir einen Erinnerungsort für die für aus Minden deportierten Sinti und Roma erhalten“, sagte Romani Rose am vergangenen Freitag. Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma war zur Eröffnung des Projekts „Mer Ketne“ an der Königstraße gekommen, das nach Jahren der Ungewissheit dank neuer Fördergelder zunächst bis Ende 2024 betrieben werden kann (Bericht im MT). Es erinnert an die Verbrechen, die während der NS-Herrschaft an zahlreichen Mitgliedern der nationalen Minderheit begangen worden waren.

Auch heute noch ist laut Romani Rose die bundesdeutsche Gesellschaft gefordert, dem Antiziganismus zu begegnen. Trotz vieler politischer Erfolge in der Vergangenheit gebe es einer Studie der Universität Leipzig zufolge in der Bevölkerung eine weit verbreitete Ablehnung gegenüber Sinti und Roma. Es gebe Antiziganismus in den Medien, in der Schule und am Arbeitsplatz. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes habe 2016 erhärtet, dass antiziganistische Einstellungen bei 60 Prozent der Bevölkerung verbreitet seien.

Rose bezeichnete den Kampf gegen Antiziganismus als eine Aufgabe der Zivilgesellschaft. Er forderte von Medien und Filmemachern mehr Sensibilität, weil Vertreter der Branche immer noch dazu neigten, negative Verhaltensweisen Einzelner der gesamten Gruppe anzulasten. Auch im Schulunterricht müsse stärker aufgeklärt werden, wozu die Kultusministerkonferenz bereits erfolgversprechende Schritte gemacht habe.

Malina Reckordt

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Auch der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) bescheinigte der bundesdeutschen Gesellschaft einen großen Nachholbedarf bei der Aufarbeitung der Verbrechen an Sinti und Roma, die heute noch Ziel von Angriffen aus rechtsextremen Kreisen seien, was nicht zuletzt wieder durch drei Opfer der nationalen Minderheit bei dem Terrorakt von Hanau sichtbar geworden sei. Er forderte die Einführung eines Beauftragen für Antiziganismus und die umfassende Anerkennung des Genozides, was auch Wiedergutmachungszahlungen beinhalte.

Dr. Georg Rosenthal vom Bündnis für Demokratie und Toleranz (Berlin) sah ebenfalls bei Verwaltungsstellen und der Justiz Defizite, die Sinti und Roma immer noch benachteiligten. Der Gedanke des „Aufstandes der Anständigen“ müsse in der Gesellschaft fortgesetzt und durch neue Ideen und Aktivitäten erweitert werden.

Weitere Redebeiträge zur Wiedereröffnung von Mer Ketne lieferten Markus Priesterath vom Referat Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement im Bundesinnenministerium sowie der Mindener Oswald Marschall, Initiator des Projekts. In ihren Begrüßungsworten wies Marschalls Tochter Laura darauf hin, dass in der Nazidiktatur auch Mitglieder aus ihrer Familie nicht verschont worden waren.

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