Risiken und Nebenwirkungen: In Minden formiert sich Widerstand gegen die NRW-Pflegekammer Anja Peper Minden. „Die Schwestern tun mir leid.“ Immer wieder hört man das von Patienten. Und die Pflegenden selbst fragen sich: „Wenn wir so systemrelevant sind, warum spüren wir noch immer nicht davon?“ Der Frust schwelt schon lange, jetzt ist er nicht mehr zu übersehen. Initialzündung der Proteste ist die Pflegekammer NRW, die in knapp einem Jahr an den Start gehen soll. Sie wird die größte in ganz Deutschland sein, mit dem Ziel, die Anliegen der mehr als 200.000 Pflegefachpersonen in NRW zu vertreten und ihnen in Verhandlungen mehr Nachdruck zu verleihen. Eigentlich müsste das im Sinne der Pflegekräfte sein, doch es formiert sich Widerstand im Land. Bei der Demonstration gestern auf dem Markt machten den Pflegenden deutlich, warum sie protestieren. Erstens wehren sie sich gegen die Zwangsmitgliedschaft. Würde eine Pflegekammer eingeführt, dann müsste jeder, der beruflich in der Pflege tätig ist, kostenpflichtig Mitglied werden – egal ob er oder sie vom Nutzen der Kammer überzeugt ist oder nicht. Außerdem ärgern sich die Pflegenden darüber, dass die Arbeitgeber – offenbar ohne Rücksprache – die persönlichen Daten weitergegeben haben. Denn einige haben schon einen Brief nach Hause bekommen, in dem sie aufgefordert werden, für künftige Abbuchungen ihre Bankverbindung anzugeben. Mehrere Redner kritisierten das Vorgehen. Knapp 30 Pflegekräfte – vorwiegend Frauen – hatten sich gestern nach Minden aufgemacht, um den Widerstand sichtbar zu machen. Sie kamen unter anderem aus Bremen, Dortmund, Schleswig-Holstein und Bielefeld. Diese Kundgebung sei als Startschuss für eine ganze Protestwelle zu verstehen, sagte eine Rednerin aus Bremen. Sie forderte die Teilnehmenden dazu auf, kreativ zu werden und sich vor allem auch untereinander zu vernetzen. Zu den Organisatoren der Proteste zählt Volker Brandes (Pflegebündnis OWL). Es geht bei den Kundgebungen auch um die chronischen Probleme der Pflege. Gefordert werden besseren Arbeitsbedingungen sowie angemessene tarifliche Bezahlung: „Der Mensch muss in der Daseinsvorsorge im Mittelpunkt stehen – und nicht das Geld.“

Risiken und Nebenwirkungen: In Minden formiert sich Widerstand gegen die NRW-Pflegekammer

Das Pflegepersonal demonstrierte gestern vorwiegend in gelben Warnwesten. Da fiel die „Schwester des Grauens“ beim Marsch in die Innenstadt sofort auf. MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. „Die Schwestern tun mir leid.“ Immer wieder hört man das von Patienten. Und die Pflegenden selbst fragen sich: „Wenn wir so systemrelevant sind, warum spüren wir noch immer nicht davon?“ Der Frust schwelt schon lange, jetzt ist er nicht mehr zu übersehen. Initialzündung der Proteste ist die Pflegekammer NRW, die in knapp einem Jahr an den Start gehen soll. Sie wird die größte in ganz Deutschland sein, mit dem Ziel, die Anliegen der mehr als 200.000 Pflegefachpersonen in NRW zu vertreten und ihnen in Verhandlungen mehr Nachdruck zu verleihen. Eigentlich müsste das im Sinne der Pflegekräfte sein, doch es formiert sich Widerstand im Land.

Bei der Demonstration gestern auf dem Markt machten den Pflegenden deutlich, warum sie protestieren. Erstens wehren sie sich gegen die Zwangsmitgliedschaft. Würde eine Pflegekammer eingeführt, dann müsste jeder, der beruflich in der Pflege tätig ist, kostenpflichtig Mitglied werden – egal ob er oder sie vom Nutzen der Kammer überzeugt ist oder nicht.

Außerdem ärgern sich die Pflegenden darüber, dass die Arbeitgeber – offenbar ohne Rücksprache – die persönlichen Daten weitergegeben haben. Denn einige haben schon einen Brief nach Hause bekommen, in dem sie aufgefordert werden, für künftige Abbuchungen ihre Bankverbindung anzugeben. Mehrere Redner kritisierten das Vorgehen. Knapp 30 Pflegekräfte – vorwiegend Frauen – hatten sich gestern nach Minden aufgemacht, um den Widerstand sichtbar zu machen. Sie kamen unter anderem aus Bremen, Dortmund, Schleswig-Holstein und Bielefeld. Diese Kundgebung sei als Startschuss für eine ganze Protestwelle zu verstehen, sagte eine Rednerin aus Bremen. Sie forderte die Teilnehmenden dazu auf, kreativ zu werden und sich vor allem auch untereinander zu vernetzen. Zu den Organisatoren der Proteste zählt Volker Brandes (Pflegebündnis OWL). Es geht bei den Kundgebungen auch um die chronischen Probleme der Pflege. Gefordert werden besseren Arbeitsbedingungen sowie angemessene tarifliche Bezahlung: „Der Mensch muss in der Daseinsvorsorge im Mittelpunkt stehen – und nicht das Geld.“


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