Update: Helfer aus dem Kreis Minden-Lübbecke weiter in Unwettergebieten im Einsatz, Landwirte organisieren Futterspenden Malina Reckordt,Stefanie Dullweber Minden. Mindestens 103 Menschen sind bislang bei der Hochwasserkatastrophe im Westen von Deutschland ums Leben gekommen. Weitere Todesopfer sind zu befürchten - mehr als 1.000 Menschen werden vermisst. Aus ganz Deutschland sind Einsatzkräfte in den betroffenen Regionen im Einsatz, auch Helfer aus dem Kreis Minden-Lübbecke packen weiterhin mit an. So sind heimische Kräfte vom DRK derzeit wieder unterwegs. Nachdem sie bis gestern Abend im Sauerland geholfen haben, fahren sie nun nach Euskirchen, um dort einen sogenannten Betreuungsplatz 500 aufzubauen. "Dort können dann 500 Leute von uns betreut werden", sagt Jochen van Loh, Leiter des DRK Barkhausen. Vermutlich werde ein solcher Anlaufpunkt in einer Turnhalle aufgebaut. Planmäßig geht die Schicht für die Helfer der Ortsvereine Minden, Barkhausen, Petershagen und aus dem Altkreis Lübbecke bis Samstag, 10 Uhr. "Dann müssen wir mal abwarten, was als nächstes gebraucht wird", so van Lohe. Sicherlich werde der Einsatz dort noch einige Tage andauern. Bezirksreserve vorerst wieder in der Heimat "Wir sind seit in der Nacht zu Freitag wieder zu Hause angekommen", sagt Luis Rothe von der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille. Die Ehrenamtlichen waren mit der Bezirksbereitschaft in Altena und Umgebung im Einsatz. Am Mittwochabend hatte die Bezirksregierung Detmold auf Bitten der betroffenen Kreise die eigene Bereitschaft alarmiert. Kräfte aus den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford hatten sich daraufhin noch am Abend auf den Weg gemacht. Am Donnerstag wechselten sich die erschöpften Helfer teilweise ab. "Es waren sehr viele Kräfte vor Ort", sagt Rothe, der selbst in Werdohl im Märkischen Kreis eingesetzt war. Sie hätten jedoch nicht viel ausrichten können. "Die meisten Zuwege sind verschüttet. An viele Häuser sind wir gar nicht rangekommen. Da müssen erst die Räumpanzer und die Bagger die meterhohen Schuttberge wegschaffen." Teilweise sei auch die Strömung noch zu stark gewesen. Die Lage vor Ort sei unübersichtlich, Teile seien nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten, Straßen unterspült. Ob die Bezirksreserve noch einmal angefordert wird, ob möglicherweise ein Einsatz in der Eifel ansteht, all das wissen die Feuerwehrleute momentan nicht, halten sich aber für eine weitere Alarmierung bereit. Bundeswehr hilft weiterhin in Hagen Die Mindener Pioniere sind nach wie vor in Hagen, wie Presseoffizier Mario Kissel dem MT am Freitagabend mitteilte. Die rund 200 Soldaten sind in den Stadtteilen Dahl und Nahmer eingesetzt und schlafen in einem Gymnasium. „Die Pegelstände sind deutlich zurückgegangen. Die Strömung ist zwar deutlich schneller als normal, aber nicht mehr in einem bedrohlichen Ausmaß“, schilderte Mario Kissel die Lage vor Ort. Nachdem noch am Donnerstag die Menschenrettung oberste Priorität hatte, konnte das Bataillon am Freitag bereist mit den Aufräumarbeiten beginnen. „Wir haben aus einer Kirche denkmalgeschützte Bänke herausgeholt und einen Schiffscontainer aus einem Fluss geborgen“, berichtete der Presseoffizier. Außerdem hätten die Soldaten Parkplätze von Supermärkten gereinigt und Schutt von den Straßen geräumt. Die Betroffenen vor Ort seien in erster Linie dankbar. „Der erste Schock hat sich gelegt. Wir hören immer wieder, wie sehr sich die Menschen freuen, dass wir hier sind, um ihnen zu helfen.“ Das würden sie auch zunehmend von den zivilen Kräften hören, so Kissel weiter. Dort, wo die Ehrenamtlichen mit ihren Fahrzeugen nicht weiterkamen, konnte die Bundeswehr mit ihrem Transportpanzer Fuchs einspringen. „Es ist schön zu sehen, dass wir hier alle als Team funktionieren.“ Der Einsatz der Mindener Pioniere ist zunächst bis Montag 23.59 Uhr geplant. Landwirte organisieren Futterspenden Wenn alles klappt, macht sich noch heute Nacht der erste Lastwagen mit Silage-Ballen auf den Weg vom Mühlenkreis in eine der vom Unwetter betroffenen Regionen. "Unsere Whatsapp-Gruppe existiert erst seit drei Stunden und es haben sich schon mehr als 25 Landwirte und Lohnunternehmer zusammengeschlossen", sagt Marko Gendatis aus Eickhorst, der die Aktion organisiert. Es hätten sich bereits reichlich Landwirte gemeldet, die Futtermittel spenden wollen und auch einige Lohnunternehmer, die Fahrzeuge stellen. "Das müssen wir jetzt erst einmal organisieren", so Gendatis. Ebenso die Verteilung in den Krisengebieten. Wer sich beteiligen möchte, findet hier Kontakt

Update: Helfer aus dem Kreis Minden-Lübbecke weiter in Unwettergebieten im Einsatz, Landwirte organisieren Futterspenden

Ein Team der DRK hat sich am Freitagmittag erneut von Minden aus auf den Weg in eine der vom Unwetter betroffene Region gemacht. © Alex Lehn

Minden. Mindestens 103 Menschen sind bislang bei der Hochwasserkatastrophe im Westen von Deutschland ums Leben gekommen. Weitere Todesopfer sind zu befürchten - mehr als 1.000 Menschen werden vermisst. Aus ganz Deutschland sind Einsatzkräfte in den betroffenen Regionen im Einsatz, auch Helfer aus dem Kreis Minden-Lübbecke packen weiterhin mit an.

So sind heimische Kräfte vom DRK derzeit wieder unterwegs. Nachdem sie bis gestern Abend im Sauerland geholfen haben, fahren sie nun nach Euskirchen, um dort einen sogenannten Betreuungsplatz 500 aufzubauen. "Dort können dann 500 Leute von uns betreut werden", sagt Jochen van Loh, Leiter des DRK Barkhausen. Vermutlich werde ein solcher Anlaufpunkt in einer Turnhalle aufgebaut. Planmäßig geht die Schicht für die Helfer der Ortsvereine Minden, Barkhausen, Petershagen und aus dem Altkreis Lübbecke bis Samstag, 10 Uhr. "Dann müssen wir mal abwarten, was als nächstes gebraucht wird", so van Lohe. Sicherlich werde der Einsatz dort noch einige Tage andauern.


Bezirksreserve vorerst wieder in der Heimat

"Wir sind seit in der Nacht zu Freitag wieder zu Hause angekommen", sagt Luis Rothe von der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille. Die Ehrenamtlichen waren mit der Bezirksbereitschaft in Altena und Umgebung im Einsatz. Am Mittwochabend hatte die Bezirksregierung Detmold auf Bitten der betroffenen Kreise die eigene Bereitschaft alarmiert. Kräfte aus den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford hatten sich daraufhin noch am Abend auf den Weg gemacht. Am Donnerstag wechselten sich die erschöpften Helfer teilweise ab. "Es waren sehr viele Kräfte vor Ort", sagt Rothe, der selbst in Werdohl im Märkischen Kreis eingesetzt war. Sie hätten jedoch nicht viel ausrichten können. "Die meisten Zuwege sind verschüttet. An viele Häuser sind wir gar nicht rangekommen. Da müssen erst die Räumpanzer und die Bagger die meterhohen Schuttberge wegschaffen." Teilweise sei auch die Strömung noch zu stark gewesen. Die Lage vor Ort sei unübersichtlich, Teile seien nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten, Straßen unterspült. Ob die Bezirksreserve noch einmal angefordert wird, ob möglicherweise ein Einsatz in der Eifel ansteht, all das wissen die Feuerwehrleute momentan nicht, halten sich aber für eine weitere Alarmierung bereit.

Die Einsatzkräfte vor Ort waren teilweise machtlos. Einige Bereich waren aufgrund von Wasser, Schutt und Schlamm für die Helfer nicht zu erreichen. Foto: Feuerwehr Hille/Luis Rothe - © Stefanie Dullweber
Die Einsatzkräfte vor Ort waren teilweise machtlos. Einige Bereich waren aufgrund von Wasser, Schutt und Schlamm für die Helfer nicht zu erreichen. Foto: Feuerwehr Hille/Luis Rothe - © Stefanie Dullweber

Bundeswehr hilft weiterhin in Hagen

Die Mindener Pioniere sind nach wie vor in Hagen, wie Presseoffizier Mario Kissel dem MT am Freitagabend mitteilte. Die rund 200 Soldaten sind in den Stadtteilen Dahl und Nahmer eingesetzt und schlafen in einem Gymnasium. „Die Pegelstände sind deutlich zurückgegangen. Die Strömung ist zwar deutlich schneller als normal, aber nicht mehr in einem bedrohlichen Ausmaß“, schilderte Mario Kissel die Lage vor Ort. Nachdem noch am Donnerstag die Menschenrettung oberste Priorität hatte, konnte das Bataillon am Freitag bereist mit den Aufräumarbeiten beginnen. „Wir haben aus einer Kirche denkmalgeschützte Bänke herausgeholt und einen Schiffscontainer aus einem Fluss geborgen“, berichtete der Presseoffizier. Außerdem hätten die Soldaten Parkplätze von Supermärkten gereinigt und Schutt von den Straßen geräumt.

Die Einsatzkräfte vor Ort waren teilweise machtlos. Einige Bereich waren aufgrund von Wasser, Schutt und Schlamm für die Helfer nicht zu erreichen. Foto: Feuerwehr Hille/Luis Rothe - © Stefanie Dullweber
Die Einsatzkräfte vor Ort waren teilweise machtlos. Einige Bereich waren aufgrund von Wasser, Schutt und Schlamm für die Helfer nicht zu erreichen. Foto: Feuerwehr Hille/Luis Rothe - © Stefanie Dullweber

Die Betroffenen vor Ort seien in erster Linie dankbar. „Der erste Schock hat sich gelegt. Wir hören immer wieder, wie sehr sich die Menschen freuen, dass wir hier sind, um ihnen zu helfen.“ Das würden sie auch zunehmend von den zivilen Kräften hören, so Kissel weiter. Dort, wo die Ehrenamtlichen mit ihren Fahrzeugen nicht weiterkamen, konnte die Bundeswehr mit ihrem Transportpanzer Fuchs einspringen. „Es ist schön zu sehen, dass wir hier alle als Team funktionieren.“ Der Einsatz der Mindener Pioniere ist zunächst bis Montag 23.59 Uhr geplant.

Die Einsatzkräfte vor Ort waren teilweise machtlos. Einige Bereich waren aufgrund von Wasser, Schutt und Schlamm für die Helfer nicht zu erreichen. Foto: Feuerwehr Hille/Luis Rothe - © Stefanie Dullweber
Die Einsatzkräfte vor Ort waren teilweise machtlos. Einige Bereich waren aufgrund von Wasser, Schutt und Schlamm für die Helfer nicht zu erreichen. Foto: Feuerwehr Hille/Luis Rothe - © Stefanie Dullweber

Landwirte organisieren Futterspenden

Wenn alles klappt, macht sich noch heute Nacht der erste Lastwagen mit Silage-Ballen auf den Weg vom Mühlenkreis in eine der vom Unwetter betroffenen Regionen. "Unsere Whatsapp-Gruppe existiert erst seit drei Stunden und es haben sich schon mehr als 25 Landwirte und Lohnunternehmer zusammengeschlossen", sagt Marko Gendatis aus Eickhorst, der die Aktion organisiert. Es hätten sich bereits reichlich Landwirte gemeldet, die Futtermittel spenden wollen und auch einige Lohnunternehmer, die Fahrzeuge stellen. "Das müssen wir jetzt erst einmal organisieren", so Gendatis. Ebenso die Verteilung in den Krisengebieten. Wer sich beteiligen möchte, findet hier Kontakt

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