Retten, was zu retten ist: Mindener Firma ist seit Tagen im Hochwasser-Einsatz Doris Christoph Minden. Die ersten Anrufe aus dem Unwettergebiet gingen vergangene Woche Donnerstag bei der Firma „Günther Droste Schadenbeseitigung“ ein – einen Tag, nachdem heftiger Starkregen ganze Städte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz weggespült hatte. Geschäftsführer Marco Kirstein hatte schon mit den Anrufen gerechnet, wie er im MT-Telefonat berichtet. Seit Montag sind einige Mitarbeiter in Euskirchen im Einsatz. „Die Firmen vor Ort schaffen es nicht“, sagt er. Zum Leistungsangebot seines Unternehmens gehört unter anderem die Sanierung von Wasserschäden. Marco Kirstein erinnert sich an einen Einsatz in Hüllhorst: Nach Starkregen war Schlamm in die Büroräume einer Firma gespült worden. Das war das Schlimmste, was er bislang gesehen hatte. Aber es ist nichts im Vergleich zu den derzeitigen Katastrophengebieten. Täglich tauscht er sich mit den Projektleitern vor Ort per Videokonferenz aus. Sie haben ihm Bilder geschickt. „Wie klein der Mensch doch angesichts solcher Unwetterereignisse ist, die teils ja nur Minuten dauerten“, sagt Kirstein. Rund 40 Aufträge bearbeiten die Mindener. Zunächst mussten Unterkünfte für sie organisiert werden. Normalerweise kümmert sich das Unternehmen um Aufträge im 100-Kilometer-Radius, nun sind sechs Mitarbeiter rund 300 Kilometer entfernt von zu Hause im Einsatz. Im Moment betreiben sie vor allem Schadensminimierung. Das heißt: Nachdem sie den Schlamm mit Hochdruck aus Kellern und dem Erdgeschoss gespült haben, muss die Raumluft getrocknet werden. Dafür stellen sie Entfeuchter und Lüfter auf. „Bei diesem Klima bildet sich sonst schnell Schimmel“, erklärt Marco Kirstein. Sofern die Geräte denn betrieben werden können – nur 60 Prozent der Haushalte hätten ja zurzeit Strom. Eigentlich gehört auch die Estrich-Dämmschicht-Trocknung zu den Maßnahmen. Dafür müssen die Mitarbeiter überprüfen, um welches Material es sich handelt. Wurde beispielsweise Gips verwendet, muss der entfernt werden. Für die Trocknung braucht es aber mehr Leute vor Ort – und das in der Urlaubszeit. Nächste Woche kommen 14 weitere Mitarbeiter dazu. „Das hat auch mit Solidarität zu tun“, sagt Kirstein. „Sie möchten da runter.“ Natürlich arbeite man nicht kostenlos, erklärt der Geschäftsführer auf Nachfrage. Aber um mehr Aufträge als die eigenen Kapazitäten eigentlich zuließen, übernehmen zu können, habe die Firma Aufwand betrieben und etwa zusätzliche Trocknungsgeräte aus Berlin und Eckernförde beschafft. Auch wenn es derzeit nicht überall Strom gibt, werden sie trotzdem schon einmal in den Häusern aufgestellt – sofern die Fahrzeuge denn in die Gebiete kommen. In manchen seien die Brücken ja weggeschwemmt worden. Ein weiteres Problem: Vor den Häusern lagert jede Menge Sperrmüll. Es gibt keine Parkmöglichkeiten für die Fahrzeuge. Die Firma hat deshalb ein Zwischenlager vor Ort angemietet, um das Equipment unterzubringen. Einige Bewohner haben schon angefangen, ihre Häuser zu reinigen. „Die aktiv sind, sind emotional stabil“, ist Kirsteins Eindruck. Er weist darauf hin, dass jeder Hausbesitzer eine Schadenminimierungspflicht habe – Betroffene müssen demnach aktiv werden, auch wenn die Versicherung noch nicht eingeschaltet ist beziehungsweise noch nicht gezahlt hat. Aber: Viele der Betroffenen haben das Problem, dass sie keine Elementarschadenversicherung haben. Das sei bei 35 der Auftraggeber der Fall. Damit müssen sie die Schadensbeseitigung durch Firmen aus eigener Tasche bezahlen. Die fehlende Absicherung kennt der Geschäftsführer auch aus dem normalen Alltag. Etwa drei Monate würden die Trocknungsarbeiten dauern, rechnet Kirstein. Normalerweise übernimmt seine Firma auch Wiederherstellungsarbeiten – wegen der Entfernung zwischen Minden und den Unwettergebieten sei das aber nicht möglich. Bewohner der Krisengebiete müssen sich wohl generell auf eine lange Durststrecke einstellen, bis ihre Häuser saniert sind. „Schon vor dem Unwetter gab es Baustoffmangel. Das wissen alle Häuslebauer“, sagt Kirstein. Material sei deutlich teurer geworden. Und dann dürfte es auch noch schwierig werden, Handwerker vor Ort zu bekommen. Unwetterereignisse nehmen zu, weiß der Geschäftsführer aus der Praxis. Er rät, solche Fälle einmal durchzuspielen: Wo würden Betroffene hingehen, mit wem würden sie Kontakt aufnehmen und wie – ohne Strom und Smartphone? Er selber hat seit ein paar Jahren einen Notfallrucksack gepackt, der griffbereit ist – mit Essen und Wasser, Kopien wichtiger Dokumente und Schutzmasken, aber auch Taschenlampen und Taschenmesser – „wie bei MacGyver“, spielt er auf die TV-Serie an. Solch eine Vorbereitung empfiehlt er jedem. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bietet eine entsprechende Packanleitung an. „Aber hängen Sie den Rucksack nicht in den Keller.“

Retten, was zu retten ist: Mindener Firma ist seit Tagen im Hochwasser-Einsatz

Mitarbeiter der Mindener Firma Droste Schadensbeseitigung sind zurzeit im Hochwassergebiet Euskirchen im Einsatz. Foto: Droste/privat © Droste/privat

Minden. Die ersten Anrufe aus dem Unwettergebiet gingen vergangene Woche Donnerstag bei der Firma „Günther Droste Schadenbeseitigung“ ein – einen Tag, nachdem heftiger Starkregen ganze Städte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz weggespült hatte. Geschäftsführer Marco Kirstein hatte schon mit den Anrufen gerechnet, wie er im MT-Telefonat berichtet. Seit Montag sind einige Mitarbeiter in Euskirchen im Einsatz. „Die Firmen vor Ort schaffen es nicht“, sagt er.

Zum Leistungsangebot seines Unternehmens gehört unter anderem die Sanierung von Wasserschäden. Marco Kirstein erinnert sich an einen Einsatz in Hüllhorst: Nach Starkregen war Schlamm in die Büroräume einer Firma gespült worden. Das war das Schlimmste, was er bislang gesehen hatte. Aber es ist nichts im Vergleich zu den derzeitigen Katastrophengebieten. Täglich tauscht er sich mit den Projektleitern vor Ort per Videokonferenz aus. Sie haben ihm Bilder geschickt. „Wie klein der Mensch doch angesichts solcher Unwetterereignisse ist, die teils ja nur Minuten dauerten“, sagt Kirstein.

Rund 40 Aufträge bearbeiten die Mindener. Zunächst mussten Unterkünfte für sie organisiert werden. Normalerweise kümmert sich das Unternehmen um Aufträge im 100-Kilometer-Radius, nun sind sechs Mitarbeiter rund 300 Kilometer entfernt von zu Hause im Einsatz.


Im Moment betreiben sie vor allem Schadensminimierung. Das heißt: Nachdem sie den Schlamm mit Hochdruck aus Kellern und dem Erdgeschoss gespült haben, muss die Raumluft getrocknet werden. Dafür stellen sie Entfeuchter und Lüfter auf. „Bei diesem Klima bildet sich sonst schnell Schimmel“, erklärt Marco Kirstein. Sofern die Geräte denn betrieben werden können – nur 60 Prozent der Haushalte hätten ja zurzeit Strom.

Eigentlich gehört auch die Estrich-Dämmschicht-Trocknung zu den Maßnahmen. Dafür müssen die Mitarbeiter überprüfen, um welches Material es sich handelt. Wurde beispielsweise Gips verwendet, muss der entfernt werden. Für die Trocknung braucht es aber mehr Leute vor Ort – und das in der Urlaubszeit. Nächste Woche kommen 14 weitere Mitarbeiter dazu. „Das hat auch mit Solidarität zu tun“, sagt Kirstein. „Sie möchten da runter.“

Natürlich arbeite man nicht kostenlos, erklärt der Geschäftsführer auf Nachfrage. Aber um mehr Aufträge als die eigenen Kapazitäten eigentlich zuließen, übernehmen zu können, habe die Firma Aufwand betrieben und etwa zusätzliche Trocknungsgeräte aus Berlin und Eckernförde beschafft. Auch wenn es derzeit nicht überall Strom gibt, werden sie trotzdem schon einmal in den Häusern aufgestellt – sofern die Fahrzeuge denn in die Gebiete kommen. In manchen seien die Brücken ja weggeschwemmt worden. Ein weiteres Problem: Vor den Häusern lagert jede Menge Sperrmüll. Es gibt keine Parkmöglichkeiten für die Fahrzeuge. Die Firma hat deshalb ein Zwischenlager vor Ort angemietet, um das Equipment unterzubringen.

Einige Bewohner haben schon angefangen, ihre Häuser zu reinigen. „Die aktiv sind, sind emotional stabil“, ist Kirsteins Eindruck. Er weist darauf hin, dass jeder Hausbesitzer eine Schadenminimierungspflicht habe – Betroffene müssen demnach aktiv werden, auch wenn die Versicherung noch nicht eingeschaltet ist beziehungsweise noch nicht gezahlt hat.

Aber: Viele der Betroffenen haben das Problem, dass sie keine Elementarschadenversicherung haben. Das sei bei 35 der Auftraggeber der Fall. Damit müssen sie die Schadensbeseitigung durch Firmen aus eigener Tasche bezahlen. Die fehlende Absicherung kennt der Geschäftsführer auch aus dem normalen Alltag.

Etwa drei Monate würden die Trocknungsarbeiten dauern, rechnet Kirstein. Normalerweise übernimmt seine Firma auch Wiederherstellungsarbeiten – wegen der Entfernung zwischen Minden und den Unwettergebieten sei das aber nicht möglich. Bewohner der Krisengebiete müssen sich wohl generell auf eine lange Durststrecke einstellen, bis ihre Häuser saniert sind. „Schon vor dem Unwetter gab es Baustoffmangel. Das wissen alle Häuslebauer“, sagt Kirstein. Material sei deutlich teurer geworden. Und dann dürfte es auch noch schwierig werden, Handwerker vor Ort zu bekommen.

Unwetterereignisse nehmen zu, weiß der Geschäftsführer aus der Praxis. Er rät, solche Fälle einmal durchzuspielen: Wo würden Betroffene hingehen, mit wem würden sie Kontakt aufnehmen und wie – ohne Strom und Smartphone?

Er selber hat seit ein paar Jahren einen Notfallrucksack gepackt, der griffbereit ist – mit Essen und Wasser, Kopien wichtiger Dokumente und Schutzmasken, aber auch Taschenlampen und Taschenmesser – „wie bei MacGyver“, spielt er auf die TV-Serie an. Solch eine Vorbereitung empfiehlt er jedem. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bietet eine entsprechende Packanleitung an. „Aber hängen Sie den Rucksack nicht in den Keller.“

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