Rennbahn auf der Ringstraße - Anwohner werden aktiv Thomas Lieske Minden. Die Seitenscheibe fährt runter. Die beiden männlichen Fahrer werfen sich nur einen kurzen Blick zu. Dann heulen die Motoren auf. Der Knall der Fehlzündung ist noch nicht ganz verhallt, da drehen die Vorderreifen durch. Unerträglich quietschend, hinterlassen sie einen schwarzen Abrieb auf der Fahrbahn. Keine zehn Sekunden später sind die beiden getunten Wagen nur noch in der Ferne zu hören. Und der Gestank von verbranntem Gummi nebelt zwei Fußgänger auf dem Gehweg ein. Sie werden ungewollt Zeugen, wie die Ringstraße schon wieder für ein illegales Rennen herhalten muss. Es ist nicht das letzte Mal an diesem Abend Ende Mai. Es sind Szenen, die Dirk Vetter nur allzu oft erlebt. Seine Wohnung liegt keine 100 Meter von der Ringstraße entfernt. Vor seinem Haus hat er einen guten Blick auf die Kreuzung mit der Rodenbecker Straße. Von dort aus starten die Rennen ganz oft, erzählt der Mindener. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas Schlimmes passiert.“ Vor allem zum Wochenende, sagt Vetter, geben die Fahrer Gas. Manche ziehen Kreise, fahren immer wieder in beide Richtungen hoch und runter. Vetter sieht in vielen von ihnen PS-Protze, „die ihre Wagen mal richtig ausfahren wollen.“ Die sich gegenseitig abziehen wollen. „Die riskieren das Leben anderer“, findet der Mindener. Ein Gedanke, der für ihn entsetzlich ist. „Röhrendes Schaulaufen“ nennt Dirk Vetter das Geschehen, das sich meistens abends auf der Ringstraße abspielt. Das nächste getunte Auto steht bereits in den Startlöchern. An der Kreuzung zur Rodenbecker Straße lässt der Fahrer den Motor aufheulen, dann zieht er rechts an einem Familien-Van vorbei. Die Strecke ist gerade, die nächste Ampel zeigt Grün. Genau darin liegt aus Vetters Sicht ein großes Problem. „Die Bauweise der Straße, zweispurig, gerade, verleitet leider zum Schnellfahren“, ist der Selbstständige überzeugt. Es ist ein Schaulaufen, das aus seiner Sicht stärker unterbunden werden muss. Vielleicht mit Tempo 50 statt 60. Vielleicht mit einer veränderten Fahrspur. Vielleicht mit einem festen Blitzer und mehr mobilen Kontrollen. Die würde Dr. Detlef Meuther sogar aktiv unterstützen. Er ist Eigentümer eines Hauses an der Ringstraße und würde sein Grundstück, sollte es für geeignet gehalten werden, zur Verfügung stellen, um ein Radarmessgerät aufzustellen. „Ich bin nicht immer in Minden, aber wenn ich dort bin, bekomme ich viele Raser mit“, erzählt Meuther. „Es ist, als ob sich die Autofahrer zum Rennen verabreden. Ein einziges Hin und Her.“ Ob die Leute nur den Kick suchen oder andere Motive haben, weiß er nicht. „Man darf nicht warten, bis etwas passiert.“ Noch habe sich niemand von der Stadt oder der Polizei bei ihm gemeldet. Er hält sein Angebot aber aufrecht. Die Polizei hat die Ringstraße längst im Blick, betont Pressesprecher Thomas Bensch im MT-Gespräch. Nicht nur Temposünder bereiten der Polizei dort Sorgen. „In einigen Bereichen kommt es seit Jahren immer wieder vermehrt zu Unfällen“, sagt Bensch. Deshalb seien einige Abschnitte des Rings seit Jahren auch im Fokus der Verkehrsunfallkommission. Darin arbeiten Vertreter der Polizei, der Stadt und des Kreises zusammen, um Unfallschwerpunkte zu analysieren und zu entzerren. Für die Polizei heißt das auf der Ringstraße: regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen. Immer wieder nehmen die Beamten dabei Raser und illegale Straßenrennen hoch. Thomas Bensch bestätigt, dass es regelmäßig Beschwerden von Anwohnern gibt, die Straßenrennen beobachten. Deshalb sei die Polizei wiederkehrend im Streifendienst dort unterwegs, um den Verkehr zu überwachen – mit dem normalen Streifenwagen, aber auch mit Zivilautos und mit einem Provida-Motorrad. Das ist mit einer speziellen Mess- und Kameratechnik ausgestattet und kann Straßenrennen live und gerichtsfest dokumentieren. Während die Stadt Minden eine feste Kontrollstelle hat, kontrolliere die Polizei die gesamte Ringstraße, sagt Bensch. Für Dirk Vetter ist das zumindest ein kleiner Grund zur Hoffnung. Er will die Raserei weiter beobachten. „Und ich werde immer wieder die Polizei informieren.“

Rennbahn auf der Ringstraße - Anwohner werden aktiv

Die Raserszene bildet in NRW ein zunehmendes Problem. Auch in Minden gibt es regelmäßige Beschwerden bei der Polizei. Ein Anwohner bietet an, auf seinem Grundstück ein Radarmessgerät aufzustellen. MT- © Foto: Alex Lehn

Minden. Die Seitenscheibe fährt runter. Die beiden männlichen Fahrer werfen sich nur einen kurzen Blick zu. Dann heulen die Motoren auf. Der Knall der Fehlzündung ist noch nicht ganz verhallt, da drehen die Vorderreifen durch. Unerträglich quietschend, hinterlassen sie einen schwarzen Abrieb auf der Fahrbahn. Keine zehn Sekunden später sind die beiden getunten Wagen nur noch in der Ferne zu hören. Und der Gestank von verbranntem Gummi nebelt zwei Fußgänger auf dem Gehweg ein. Sie werden ungewollt Zeugen, wie die Ringstraße schon wieder für ein illegales Rennen herhalten muss. Es ist nicht das letzte Mal an diesem Abend Ende Mai.

Es sind Szenen, die Dirk Vetter nur allzu oft erlebt. Seine Wohnung liegt keine 100 Meter von der Ringstraße entfernt. Vor seinem Haus hat er einen guten Blick auf die Kreuzung mit der Rodenbecker Straße. Von dort aus starten die Rennen ganz oft, erzählt der Mindener. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas Schlimmes passiert.“ Vor allem zum Wochenende, sagt Vetter, geben die Fahrer Gas. Manche ziehen Kreise, fahren immer wieder in beide Richtungen hoch und runter. Vetter sieht in vielen von ihnen PS-Protze, „die ihre Wagen mal richtig ausfahren wollen.“ Die sich gegenseitig abziehen wollen. „Die riskieren das Leben anderer“, findet der Mindener. Ein Gedanke, der für ihn entsetzlich ist. „Röhrendes Schaulaufen“ nennt Dirk Vetter das Geschehen, das sich meistens abends auf der Ringstraße abspielt.

Mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe können Teilnehmer verbotener Rennen im Straßenverkehr bestraft werden. Dies gilt seit 2017, nachdem Unbeteiligte bei Rennen starben. Archivfoto: dpa - © Armin Weigel
Mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe können Teilnehmer verbotener Rennen im Straßenverkehr bestraft werden. Dies gilt seit 2017, nachdem Unbeteiligte bei Rennen starben. Archivfoto: dpa - © Armin Weigel

Das nächste getunte Auto steht bereits in den Startlöchern. An der Kreuzung zur Rodenbecker Straße lässt der Fahrer den Motor aufheulen, dann zieht er rechts an einem Familien-Van vorbei. Die Strecke ist gerade, die nächste Ampel zeigt Grün. Genau darin liegt aus Vetters Sicht ein großes Problem. „Die Bauweise der Straße, zweispurig, gerade, verleitet leider zum Schnellfahren“, ist der Selbstständige überzeugt. Es ist ein Schaulaufen, das aus seiner Sicht stärker unterbunden werden muss. Vielleicht mit Tempo 50 statt 60. Vielleicht mit einer veränderten Fahrspur. Vielleicht mit einem festen Blitzer und mehr mobilen Kontrollen.

Die würde Dr. Detlef Meuther sogar aktiv unterstützen. Er ist Eigentümer eines Hauses an der Ringstraße und würde sein Grundstück, sollte es für geeignet gehalten werden, zur Verfügung stellen, um ein Radarmessgerät aufzustellen. „Ich bin nicht immer in Minden, aber wenn ich dort bin, bekomme ich viele Raser mit“, erzählt Meuther. „Es ist, als ob sich die Autofahrer zum Rennen verabreden. Ein einziges Hin und Her.“ Ob die Leute nur den Kick suchen oder andere Motive haben, weiß er nicht. „Man darf nicht warten, bis etwas passiert.“ Noch habe sich niemand von der Stadt oder der Polizei bei ihm gemeldet. Er hält sein Angebot aber aufrecht.

Die Polizei hat die Ringstraße längst im Blick, betont Pressesprecher Thomas Bensch im MT-Gespräch. Nicht nur Temposünder bereiten der Polizei dort Sorgen. „In einigen Bereichen kommt es seit Jahren immer wieder vermehrt zu Unfällen“, sagt Bensch.

Deshalb seien einige Abschnitte des Rings seit Jahren auch im Fokus der Verkehrsunfallkommission. Darin arbeiten Vertreter der Polizei, der Stadt und des Kreises zusammen, um Unfallschwerpunkte zu analysieren und zu entzerren. Für die Polizei heißt das auf der Ringstraße: regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen. Immer wieder nehmen die Beamten dabei Raser und illegale Straßenrennen hoch.

Thomas Bensch bestätigt, dass es regelmäßig Beschwerden von Anwohnern gibt, die Straßenrennen beobachten. Deshalb sei die Polizei wiederkehrend im Streifendienst dort unterwegs, um den Verkehr zu überwachen – mit dem normalen Streifenwagen, aber auch mit Zivilautos und mit einem Provida-Motorrad. Das ist mit einer speziellen Mess- und Kameratechnik ausgestattet und kann Straßenrennen live und gerichtsfest dokumentieren. Während die Stadt Minden eine feste Kontrollstelle hat, kontrolliere die Polizei die gesamte Ringstraße, sagt Bensch.

Für Dirk Vetter ist das zumindest ein kleiner Grund zur Hoffnung. Er will die Raserei weiter beobachten. „Und ich werde immer wieder die Polizei informieren.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
5 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Weiterlesen in Minden
Wählen Sie ein Thema