Recherchenetzwerk untersucht, warum es Frauen in der Kommunalpolitik schwer haben Minden (correctiv). Correctiv Lokal hat für jede Stadt und Gemeinde in Nordrhein-Westfalen ausgewertet, wie hoch der Anteil von Frauen in den Kommunalparlamenten ist: Im Durchschnitt saßen nach den Kommunalwahlen 2014/15 in den Gemeindevertretungen, Stadträten und Kreistagen in NRW lediglich 24 Prozent Frauen. Warum gelingt es nicht, mehr Frauen in die Parteien und Parlamente zu bringen? Dazu hat Correctiv Lokal Kommunalpolitikerinnen und -politiker aus NRW befragt. Knapp 600 von ihnen haben sich über die Online-Plattform CrowdNewsroom beteiligt und berichten von Sexismus, Intransparenz und Klüngel in der Kommunalpolitik. Den größten Frauenanteil in NRW hat der Stadtrat Halle in Westfalen mit 44 Prozent. Trauriges Schlusslicht ist Sassenberg. In der Kleinstadt im Münsterland sitzt keine einzige Frau im Stadtrat. „Je kleiner die Gemeinde, desto niedriger zumeist der Frauenanteil“, schreiben Paula Schweers und Stefanie Lohaus von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF). NRW bestätigt das: je ländlicher, desto männlicher. Besser ist es in den Großstädten, von denen NRW viele hat: In Münster mit einer relativ großen grünen Ratsfraktion liegt der Frauenanteil mit 33 Prozent über dem Durchschnitt. Auch Köln, die einzige Stadt mit einer Frau als Oberbürgermeisterin, steht mit 38 Prozent gut da. Es gibt aber auch Ausnahmen: Kleine Gemeinden wie Oerlinghausen oder Telgte erreichen einen Frauenanteil von über 40 Prozent, während andere Städte wie etwa Dinslaken mit 15 Prozent weit unter dem Durchschnitt bleiben. Gründe für diese „Ausreißer” vermuten die beiden Expertinnen in den jeweils starken Parteien und deren Quotenregelungen mit bis zu 50 Prozent Frauen auf den Wahllisten. Die Gründe für den Frauenmangel können unterschiedlich sein. In der Forschung wird die schlechte Vereinbarkeit von politischem Ehrenamt mit Beruf und Privatleben genannt – noch immer tragen Frauen die größere Arbeitslast in Familie und Haushalt. Hinzu kommt, dass Ämter und Listen intransparent besetzt und Quoten nicht eingehalten werden – wenn es sie überhaupt gibt. Mehr als jede zweite Frau berichtet Correctiv Lokal außerdem von Sexismus und Diskriminierung in ihrer politischen Arbeit. Oft komme der Sexismus auch von Parteifreunden. Acht Prozent der befragten Frauen berichteten, dass sie im Kontext ihrer politischen Arbeit schon einmal unangemessen berührt wurden. Diskriminierung erleben die Kommunalpolitikerinnen aber auch oft unterschwellig. Fast ein Drittel kennt das Gefühl, nicht ernst genommen oder übergangen zu werden – bei den Männern sind es nur acht Prozent. Lesen Sie dazu auch:Männernetzwerke und Sexismus: Zu wenig Frauen in der Kommunalpolitik?

Recherchenetzwerk untersucht, warum es Frauen in der Kommunalpolitik schwer haben

Symbolfoto: MT-Archiv

Minden (correctiv). Correctiv Lokal hat für jede Stadt und Gemeinde in Nordrhein-Westfalen ausgewertet, wie hoch der Anteil von Frauen in den Kommunalparlamenten ist: Im Durchschnitt saßen nach den Kommunalwahlen 2014/15 in den Gemeindevertretungen, Stadträten und Kreistagen in NRW lediglich 24 Prozent Frauen. Warum gelingt es nicht, mehr Frauen in die Parteien und Parlamente zu bringen? Dazu hat Correctiv Lokal Kommunalpolitikerinnen und -politiker aus NRW befragt. Knapp 600 von ihnen haben sich über die Online-Plattform CrowdNewsroom beteiligt und berichten von Sexismus, Intransparenz und Klüngel in der Kommunalpolitik.

Den größten Frauenanteil in NRW hat der Stadtrat Halle in Westfalen mit 44 Prozent. Trauriges Schlusslicht ist Sassenberg. In der Kleinstadt im Münsterland sitzt keine einzige Frau im Stadtrat. „Je kleiner die Gemeinde, desto niedriger zumeist der Frauenanteil“, schreiben Paula Schweers und Stefanie Lohaus von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF). NRW bestätigt das: je ländlicher, desto männlicher. Besser ist es in den Großstädten, von denen NRW viele hat: In Münster mit einer relativ großen grünen Ratsfraktion liegt der Frauenanteil mit 33 Prozent über dem Durchschnitt. Auch Köln, die einzige Stadt mit einer Frau als Oberbürgermeisterin, steht mit 38 Prozent gut da.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Kleine Gemeinden wie Oerlinghausen oder Telgte erreichen einen Frauenanteil von über 40 Prozent, während andere Städte wie etwa Dinslaken mit 15 Prozent weit unter dem Durchschnitt bleiben. Gründe für diese „Ausreißer” vermuten die beiden Expertinnen in den jeweils starken Parteien und deren Quotenregelungen mit bis zu 50 Prozent Frauen auf den Wahllisten.

Die Gründe für den Frauenmangel können unterschiedlich sein. In der Forschung wird die schlechte Vereinbarkeit von politischem Ehrenamt mit Beruf und Privatleben genannt – noch immer tragen Frauen die größere Arbeitslast in Familie und Haushalt. Hinzu kommt, dass Ämter und Listen intransparent besetzt und Quoten nicht eingehalten werden – wenn es sie überhaupt gibt.

Mehr als jede zweite Frau berichtet Correctiv Lokal außerdem von Sexismus und Diskriminierung in ihrer politischen Arbeit. Oft komme der Sexismus auch von Parteifreunden. Acht Prozent der befragten Frauen berichteten, dass sie im Kontext ihrer politischen Arbeit schon einmal unangemessen berührt wurden. Diskriminierung erleben die Kommunalpolitikerinnen aber auch oft unterschwellig. Fast ein Drittel kennt das Gefühl, nicht ernst genommen oder übergangen zu werden – bei den Männern sind es nur acht Prozent.

Lesen Sie dazu auch:Männernetzwerke und Sexismus: Zu wenig Frauen in der Kommunalpolitik?

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