Rampenloch: Zwei Mindener sehen in der ehemaligen Rotlichtmeile etwas Größeres Henning Wandel Minden (mt). Aus Sicht der Stadt ist alles klar: Das Rampenloch wird zum Wohngebiet. So zumindest hat es die Mindener Politik entschieden und auch die Bürger hatten Gelegenheit, sich an dem Planungsprozess zu beteiligen. Seit dem Ratsbeschluss vom Februar ist allerdings noch nicht viel Sichtbares passiert, im Gegenteil: Mindens alte Bordellstraße ist zugewuchert. Weil das Rampenloch nur ein Teil eines Gesamtkonzeptes für die gesamte Obere Altstadt ist, muss im Hintergrund noch viel geredet werden, zum Beispiel mit den Eigentümern benachbarter Grundstücke. Diese Gespräche laufen auch bereits, bestätigte der Mindener Baubeigeordnete Lars Bursian gegenüber dem MT, ein Ergebnis gebe es aber noch nicht. Und ob der vorliegende Entwurf überhaupt so umgesetzt wird, sei ebenfalls noch offen. Für Astrid Engel dürfte das eine gute Nachricht sein. Die Mindener Architektin ist mit dem Konzept des Planungsbüros Wolters Partner überhaupt nicht einverstanden. Aus ihrer Sicht verschenkt die Stadt eine große Chance. Das Rampenloch, einst von der preußischen Militärregierung angeordnet, sei mit seiner Geschichte bundesweit einmalig, sagt sie. Eine neue Nutzung müsse diese Geschichte wachhalten: „Die Stadt muss sich Profil verschaffen“, sagt Engel. Es gehe auch um die Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort. Auf ihrer Internetseite „Quartierplaner.de“ wirbt Astrid Engel dafür, die Entwicklung des Rampenlochs noch einmal zu überdenken. Unterstützung kommt von ihrem Partner Edgar Wilkening. Der Strategieberater war an Projekten in Hamburg beteiligt, auch an der Entwicklung der Hafencity, wie er sagt. Und diesen Bogen spannt er jetzt auch nach Minden. Hamburg habe es geschafft, das kulturelle Erbe des alten Hafens mit einer neuen Nutzung zu bewahren und neu zu interpretieren – und das könne auch in Minden funktionieren. Minden mit Hamburg zu vergleichen, ist für ihn nicht so weit hergeholt, wie es zunächst klingt. Der Ball liege auf dem Elfmeterpunkt, sagt Wilkening. Und: „Strategisch betrachtet spielt es keine Rolle, ob ein Elfmeter in der Champions-League gegeben wird oder in der dritten Kreisklasse“, schreibt er in einem Beitrag auf „Quartierplaner.de“. Was konkret als Alternative zur Wohnbebauung infrage kommt, lassen sowohl Engel als auch Wilkening offen. Jede einzeln vorgebrachte Idee laufe Gefahr, in der öffentlichen Debatte zerredet zu werden. Sie hoffen vielmehr auf einen neuen Prozess, als Wettbewerb für Planungsbüros beispielsweise. Dabei gehe es nicht darum, als Architektin selbst zum Zug zu kommen, betont die Mindenerin: „Ich sage nicht, dass meine Idee die beste wäre.“ Minden habe aber die außergewöhnliche Gelegenheit, etwas Besonderes zu machen. Lars Bursian gibt sich beim Vergleich mit der Hamburger Hafencity derweil zurückhaltend. Es sei schwer vorstellbar, wie die Geschichte einer Bordellstraße etwas Entsprechendes umgesetzt werden könne. Wilkening lässt das nicht gelten. Es fehle schlicht an einer politischen Willensbekundung, diesen historischen Schatz zu heben – also hat er kurzerhand selbst eine Erklärung formuliert und ins Netz gestellt. Wie Engel hebt er auf die preußische Geschichte ab. Die Ambivalenz des Staates Preußen offenbare sich an keinem anderen Ort lebendiger als am Rampenloch, heißt es da. Der Bordellbetrieb sei von höchsten Regierungskreisen angeordnet worden – zur gesundheitlichen Erhaltung der militärischen Schlagkraft. Diese besondere Historie müsse zeitgemäß aufgegriffen werden, schreibt Wilkening. Dahinter verbirgt sich auch der Vorwurf, nicht die bestmöglichen Planer für das Projekt an den Tisch geholt zu haben. Dem widerspricht die Stadt: Die Auswahl des Planungsbüros sei nach den Vorschriften der Vergabeordnung erfolgt, schreibt Pressesprecherin Susann Lewerenz. Die Verordnung sehe vor, mindestens drei Angebote von qualifizierten Planungsbüros einzuholen. Auch sei Architektin Engel bei den Bürgerworkshops anwesend gewesen und habe also die Möglichkeit gehabt, sich zu beteiligen. Und schließlich gibt es auch noch Kritik an den Kosten. Wie viel Geld die Stadt in die Hand genommen hat, um das Schlüsselgrundstück zu kaufen, verrät Lars Bursian nicht. Nach dem Kaufbeschluss im Mindener Hauptausschuss kursierte die Summe von 642.500 Euro. Astrid Engel hält 800.000 Euro für wahrscheinlicher. Wenn das Areal jetzt für den Bau von vier Wohnhäusern weiterverkauft würde, bedeute das für die Stadt laut Engel einen massiven Verlust, weil ein Quadratmeterpreis von 600 Euro nicht zu erzielen sei. Bursian kommentiert den Kaufpreis auf MT-Nachfrage nicht. Wohl aber sagt er, dass die Stadt es nicht darauf angelegt habe, mit dem Grundstück Geld zu verdienen. Es sei eher als eine Investition in die Stadtentwicklung zu sehen, weil die Verwaltung bei einem Weiterverkauf konkrete Nutzungsvorgaben machen kann. Laut Pressestelle der Stadt sollen die Gespräche mit den angrenzenden Grundstückeigentümern und die daraus folgende Plankonzeption bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Rampenloch: Zwei Mindener sehen in der ehemaligen Rotlichtmeile etwas Größeres

Märchenhaft bis verwunschen: Das Rampenloch soll zu einem Wohnquartier werden. Doch es gibt auch Mahner: Die besondere Geschichte dieses Ortes könnte verlorengehen, sagen sie. MT-Foto: Henning Wandel © Henning Wandel

Minden (mt). Aus Sicht der Stadt ist alles klar: Das Rampenloch wird zum Wohngebiet. So zumindest hat es die Mindener Politik entschieden und auch die Bürger hatten Gelegenheit, sich an dem Planungsprozess zu beteiligen. Seit dem Ratsbeschluss vom Februar ist allerdings noch nicht viel Sichtbares passiert, im Gegenteil: Mindens alte Bordellstraße ist zugewuchert. Weil das Rampenloch nur ein Teil eines Gesamtkonzeptes für die gesamte Obere Altstadt ist, muss im Hintergrund noch viel geredet werden, zum Beispiel mit den Eigentümern benachbarter Grundstücke. Diese Gespräche laufen auch bereits, bestätigte der Mindener Baubeigeordnete Lars Bursian gegenüber dem MT, ein Ergebnis gebe es aber noch nicht. Und ob der vorliegende Entwurf überhaupt so umgesetzt wird, sei ebenfalls noch offen.

Für Astrid Engel dürfte das eine gute Nachricht sein. Die Mindener Architektin ist mit dem Konzept des Planungsbüros Wolters Partner überhaupt nicht einverstanden. Aus ihrer Sicht verschenkt die Stadt eine große Chance. Das Rampenloch, einst von der preußischen Militärregierung angeordnet, sei mit seiner Geschichte bundesweit einmalig, sagt sie. Eine neue Nutzung müsse diese Geschichte wachhalten: „Die Stadt muss sich Profil verschaffen“, sagt Engel. Es gehe auch um die Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort.

Auf ihrer Internetseite „Quartierplaner.de“ wirbt Astrid Engel dafür, die Entwicklung des Rampenlochs noch einmal zu überdenken. Unterstützung kommt von ihrem Partner Edgar Wilkening. Der Strategieberater war an Projekten in Hamburg beteiligt, auch an der Entwicklung der Hafencity, wie er sagt. Und diesen Bogen spannt er jetzt auch nach Minden. Hamburg habe es geschafft, das kulturelle Erbe des alten Hafens mit einer neuen Nutzung zu bewahren und neu zu interpretieren – und das könne auch in Minden funktionieren. Minden mit Hamburg zu vergleichen, ist für ihn nicht so weit hergeholt, wie es zunächst klingt. Der Ball liege auf dem Elfmeterpunkt, sagt Wilkening. Und: „Strategisch betrachtet spielt es keine Rolle, ob ein Elfmeter in der Champions-League gegeben wird oder in der dritten Kreisklasse“, schreibt er in einem Beitrag auf „Quartierplaner.de“.

Was konkret als Alternative zur Wohnbebauung infrage kommt, lassen sowohl Engel als auch Wilkening offen. Jede einzeln vorgebrachte Idee laufe Gefahr, in der öffentlichen Debatte zerredet zu werden. Sie hoffen vielmehr auf einen neuen Prozess, als Wettbewerb für Planungsbüros beispielsweise. Dabei gehe es nicht darum, als Architektin selbst zum Zug zu kommen, betont die Mindenerin: „Ich sage nicht, dass meine Idee die beste wäre.“ Minden habe aber die außergewöhnliche Gelegenheit, etwas Besonderes zu machen. Lars Bursian gibt sich beim Vergleich mit der Hamburger Hafencity derweil zurückhaltend. Es sei schwer vorstellbar, wie die Geschichte einer Bordellstraße etwas Entsprechendes umgesetzt werden könne.

Wilkening lässt das nicht gelten. Es fehle schlicht an einer politischen Willensbekundung, diesen historischen Schatz zu heben – also hat er kurzerhand selbst eine Erklärung formuliert und ins Netz gestellt. Wie Engel hebt er auf die preußische Geschichte ab. Die Ambivalenz des Staates Preußen offenbare sich an keinem anderen Ort lebendiger als am Rampenloch, heißt es da. Der Bordellbetrieb sei von höchsten Regierungskreisen angeordnet worden – zur gesundheitlichen Erhaltung der militärischen Schlagkraft. Diese besondere Historie müsse zeitgemäß aufgegriffen werden, schreibt Wilkening.

Dahinter verbirgt sich auch der Vorwurf, nicht die bestmöglichen Planer für das Projekt an den Tisch geholt zu haben. Dem widerspricht die Stadt: Die Auswahl des Planungsbüros sei nach den Vorschriften der Vergabeordnung erfolgt, schreibt Pressesprecherin Susann Lewerenz. Die Verordnung sehe vor, mindestens drei Angebote von qualifizierten Planungsbüros einzuholen. Auch sei Architektin Engel bei den Bürgerworkshops anwesend gewesen und habe also die Möglichkeit gehabt, sich zu beteiligen.

Und schließlich gibt es auch noch Kritik an den Kosten. Wie viel Geld die Stadt in die Hand genommen hat, um das Schlüsselgrundstück zu kaufen, verrät Lars Bursian nicht. Nach dem Kaufbeschluss im Mindener Hauptausschuss kursierte die Summe von 642.500 Euro. Astrid Engel hält 800.000 Euro für wahrscheinlicher. Wenn das Areal jetzt für den Bau von vier Wohnhäusern weiterverkauft würde, bedeute das für die Stadt laut Engel einen massiven Verlust, weil ein Quadratmeterpreis von 600 Euro nicht zu erzielen sei. Bursian kommentiert den Kaufpreis auf MT-Nachfrage nicht. Wohl aber sagt er, dass die Stadt es nicht darauf angelegt habe, mit dem Grundstück Geld zu verdienen. Es sei eher als eine Investition in die Stadtentwicklung zu sehen, weil die Verwaltung bei einem Weiterverkauf konkrete Nutzungsvorgaben machen kann. Laut Pressestelle der Stadt sollen die Gespräche mit den angrenzenden Grundstückeigentümern und die daraus folgende Plankonzeption bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

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