Rampenloch: Politik entscheidet, wie das Quartier künftig aussehen soll Minden. Die ehemalige Mindener Bordellstraße „Rampenloch“ soll zu einem Wohnquartier werden. Die Stadt Minden hat das Areal erworben und im Anschluss gemeinsam mit der Politik festgelegt, welche Bedingungen dort einmal erfüllt sein sollen. Dann wurden Architekturbüros aufgerufen, ihre Entwürfe einzureichen. Drei beteiligten sich, eins zog im Laufe des mehrstufigen Verfahrens zurück. Über die zwei verbleibenden Konzepte soll der Bauausschuss der Stadt Minden am kommenden Mittwoch diskutieren und abstimmen. Das ausgewählte Büro kann dann ein Jahr lang seine Ideen weiter vertiefen, am Ende entscheidet die Politik, ob die Grundstücke tatsächlich zur Entwicklung in der vorgeschlagenen Form weiter verkauft werden. Zu den Kritikern des Verfahrens gehören Astrid Engel und Edgar Wilkening (Quartierplaner). Engel hatte selbst einen Entwurf eingereicht, der sich entschieden gegen die Vorgaben der Ausschreibung stellte. Sie schlug ein „Red Light Lab“ vor, einen „Ort für Kreativwirtschaft, mit Café und Veranstaltungsbühne, der mit seiner außergewöhnlichen Architektur ein ,Frequenzbringer’“ werde. Wilkening nimmt dazu auf der Internet-Seite der Architektin quartierplaner.de Stellung. Wenn am Rampenloch Wohnraum geschaffen werde, so eines seiner Argumente, mache die Stadt große Verluste. Denn zwischen der Kaufsumme (die nicht offiziell bestätigt wird, gesprochen wird von knapp 690.000 Euro) und der Summe, die die Stadt bei Weiterverkauf an die interessierten Architekten bekommen würde, liege eine extrem große Differenz. Zweite Argumentationsschiene: Eine Nutzung, wie sie Astrid Engel vorschlug, wäre auch vom Konzept her einzigartig. Darum hätten die Quartierplaner die „jämmerlich falschen Kriterien, die die Stadt Minden erstellt hatte, höflich ignoriert“. In der letzten Ratssitzung des Jahres 2020 stellen Wilkening und Engel Bürgerfragen zu diesem Gesamtthema. Wie sicher gestellt werde, dass bei einer Differenz zwischen An- und Verkaufspreis kein Geld drauf gelegt werde? Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz, antwortete. Die Mindener Politik habe 2018 für den Erwerb der Grundstücke gestimmt, weil nur so am Ende ausgesucht werden kann, was genau aus dem Quartier wird. Das bedeute auch, einen möglichen finanziellen Verlust in Kauf zu nehmen. So werde ein Mehrwert für die Obere Altstadt geschaffen., bekräftigte auch Bürgermeister Michael Jäcke (SPD). Mit Blick auf die jetzt anstehende Entscheidung sagte Bursian auf MT-Anfrage „Wir haben ein Grundstück vom Markt genommen, um Quartiersentwicklung zu betreiben.“ Dabei gehe es nicht darum, das Geld eins zu eins wieder rein zu bekommen. „Wir denken in einer volkswirtschaftlichen Rendite. Wenn das Quartier aufgewertet wird, hat das Vorteile, die der gesamten Stadt zugute kommen.“ Nun soll der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr über den dritten Schritt in einem dreistufigen Verfahren entscheiden, um die weitere Entwicklung voranzubringen. Ein Jahr lang bekommen dann entweder die Teams von „Parallel“ oder von „Bautec“ Gelegenheit, das eingereichte Konzept detailliert auszuarbeiten. Daraus leitet sich kein Anspruch darauf ab, dass die Stadt die Grundstücke am Ende an diesen Bewerber verkauft. Im ersten Schritt des Verfahrens konnten sich interessierte Architekten mit Ideen bewerben. Ende Mai 2020 entschied der Bauausschuss, dass alle drei Büros, die ihre Ideen vorgestellt hatten, weitermachen können. Zwei taten das, die Quartiersplaner (Astrid Engel) erklärten am 29. Oktober 2020: Sie hätten entschieden, von einer weiteren Beteiligung abzusehen. Die beiden jetzt noch vorliegenden Konzepte bewertet die Verwaltung als fast gleich gut. Dabei ist – anders als bei der Begutachtung nach dem ersten Schritt – nun Bautec vorne. „Durchgearbeiteter und einen kleinen Schritt besser“, findet Bursian. „Wir finden gut, was die gemacht haben.“ Der zweite Entwurf von Parallel sei „nur eine Nuance schlechter.“ Entscheiden müsse das aber die Politik. Hinter den Konzepten steht zum einen Thomas Engel (Parallel). Die Namensgleichheit zur schärfsten Kritikerin des Verfahrens ist kein Zufall, Astrid Engel ist seine Schwester. „Parallel“ hat gerade den Zuschlag bekommen, Mindens erste Klimaschutzsiedlung zu entwickeln. Bei Bautec steht Bettina Lauer hinter dem Entwurf. Sie ist seit der letzten Kommunalwahl Stadtverordnete für die SPD. Sie ist kein Bauaussschuss-Mitglied und würde sowieso als „Befangene“ nicht mitstimmen – wie in solchen Fällen üblich. Während Parallel auf weitgehenden Neubau setzt, will Bautec das bestehende Bild der Fassaden so weit wie möglich erhalten. Die Kaufpreise seien unverbindliche Kalkulationen und lägen bei 200.000 Euro (Bautec) und 177.000 Euro (Parallel), so die Verwaltung in der Entscheidungsvorlage. Die geplanten Wohnungsgrößen unterscheiden sich kaum, die Ideen zur Vernetzung des Areals sind leicht verschieden. Parallel möchte beispielsweise die Gefängnismauer einbinden, Bautec hingegen einen Durchbruch zum Gefängnishof schaffen.

Rampenloch: Politik entscheidet, wie das Quartier künftig aussehen soll

Das Rampenloch soll ein Viertel werden, in dem Menschen gut und günstig wohnen können, in dem Gemeinschaft groß geschrieben wird und das mit der Stadt gut vernetzt ist. MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Die ehemalige Mindener Bordellstraße „Rampenloch“ soll zu einem Wohnquartier werden. Die Stadt Minden hat das Areal erworben und im Anschluss gemeinsam mit der Politik festgelegt, welche Bedingungen dort einmal erfüllt sein sollen. Dann wurden Architekturbüros aufgerufen, ihre Entwürfe einzureichen. Drei beteiligten sich, eins zog im Laufe des mehrstufigen Verfahrens zurück. Über die zwei verbleibenden Konzepte soll der Bauausschuss der Stadt Minden am kommenden Mittwoch diskutieren und abstimmen. Das ausgewählte Büro kann dann ein Jahr lang seine Ideen weiter vertiefen, am Ende entscheidet die Politik, ob die Grundstücke tatsächlich zur Entwicklung in der vorgeschlagenen Form weiter verkauft werden.

Zu den Kritikern des Verfahrens gehören Astrid Engel und Edgar Wilkening (Quartierplaner). Engel hatte selbst einen Entwurf eingereicht, der sich entschieden gegen die Vorgaben der Ausschreibung stellte. Sie schlug ein „Red Light Lab“ vor, einen „Ort für Kreativwirtschaft, mit Café und Veranstaltungsbühne, der mit seiner außergewöhnlichen Architektur ein ,Frequenzbringer’“ werde.

Wilkening nimmt dazu auf der Internet-Seite der Architektin quartierplaner.de Stellung. Wenn am Rampenloch Wohnraum geschaffen werde, so eines seiner Argumente, mache die Stadt große Verluste. Denn zwischen der Kaufsumme (die nicht offiziell bestätigt wird, gesprochen wird von knapp 690.000 Euro) und der Summe, die die Stadt bei Weiterverkauf an die interessierten Architekten bekommen würde, liege eine extrem große Differenz. Zweite Argumentationsschiene: Eine Nutzung, wie sie Astrid Engel vorschlug, wäre auch vom Konzept her einzigartig. Darum hätten die Quartierplaner die „jämmerlich falschen Kriterien, die die Stadt Minden erstellt hatte, höflich ignoriert“.

In der letzten Ratssitzung des Jahres 2020 stellen Wilkening und Engel Bürgerfragen zu diesem Gesamtthema. Wie sicher gestellt werde, dass bei einer Differenz zwischen An- und Verkaufspreis kein Geld drauf gelegt werde? Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz, antwortete. Die Mindener Politik habe 2018 für den Erwerb der Grundstücke gestimmt, weil nur so am Ende ausgesucht werden kann, was genau aus dem Quartier wird. Das bedeute auch, einen möglichen finanziellen Verlust in Kauf zu nehmen. So werde ein Mehrwert für die Obere Altstadt geschaffen., bekräftigte auch Bürgermeister Michael Jäcke (SPD).

Mit Blick auf die jetzt anstehende Entscheidung sagte Bursian auf MT-Anfrage „Wir haben ein Grundstück vom Markt genommen, um Quartiersentwicklung zu betreiben.“ Dabei gehe es nicht darum, das Geld eins zu eins wieder rein zu bekommen. „Wir denken in einer volkswirtschaftlichen Rendite. Wenn das Quartier aufgewertet wird, hat das Vorteile, die der gesamten Stadt zugute kommen.“

Nun soll der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr über den dritten Schritt in einem dreistufigen Verfahren entscheiden, um die weitere Entwicklung voranzubringen. Ein Jahr lang bekommen dann entweder die Teams von „Parallel“ oder von „Bautec“ Gelegenheit, das eingereichte Konzept detailliert auszuarbeiten. Daraus leitet sich kein Anspruch darauf ab, dass die Stadt die Grundstücke am Ende an diesen Bewerber verkauft.

Im ersten Schritt des Verfahrens konnten sich interessierte Architekten mit Ideen bewerben. Ende Mai 2020 entschied der Bauausschuss, dass alle drei Büros, die ihre Ideen vorgestellt hatten, weitermachen können. Zwei taten das, die Quartiersplaner (Astrid Engel) erklärten am 29. Oktober 2020: Sie hätten entschieden, von einer weiteren Beteiligung abzusehen.

Die beiden jetzt noch vorliegenden Konzepte bewertet die Verwaltung als fast gleich gut. Dabei ist – anders als bei der Begutachtung nach dem ersten Schritt – nun Bautec vorne. „Durchgearbeiteter und einen kleinen Schritt besser“, findet Bursian. „Wir finden gut, was die gemacht haben.“ Der zweite Entwurf von Parallel sei „nur eine Nuance schlechter.“ Entscheiden müsse das aber die Politik.

Hinter den Konzepten steht zum einen Thomas Engel (Parallel). Die Namensgleichheit zur schärfsten Kritikerin des Verfahrens ist kein Zufall, Astrid Engel ist seine Schwester. „Parallel“ hat gerade den Zuschlag bekommen, Mindens erste Klimaschutzsiedlung zu entwickeln. Bei Bautec steht Bettina Lauer hinter dem Entwurf. Sie ist seit der letzten Kommunalwahl Stadtverordnete für die SPD. Sie ist kein Bauaussschuss-Mitglied und würde sowieso als „Befangene“ nicht mitstimmen – wie in solchen Fällen üblich.

Während Parallel auf weitgehenden Neubau setzt, will Bautec das bestehende Bild der Fassaden so weit wie möglich erhalten. Die Kaufpreise seien unverbindliche Kalkulationen und lägen bei 200.000 Euro (Bautec) und 177.000 Euro (Parallel), so die Verwaltung in der Entscheidungsvorlage. Die geplanten Wohnungsgrößen unterscheiden sich kaum, die Ideen zur Vernetzung des Areals sind leicht verschieden. Parallel möchte beispielsweise die Gefängnismauer einbinden, Bautec hingegen einen Durchbruch zum Gefängnishof schaffen.

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