Radio Westfalica und Radio Herford bald gemeinsam „on Air“ Anja Peper Minden/Herford. Im Jahr 1991 war die Welt eine andere. Wer vor 30 Jahren schon fürs Radio gearbeitet hat, war bei Außenterminen mit Aufnahmekoffer plus Mikro bepackt. Heute gibt es im Internet für jeden die Möglichkeit, mit geringem Aufwand ein eigenes Web-Radio zu veranstalten oder Podcasts zu produzieren. Dennoch: Nachrichtensendungen und aktuelle Morning-Shows kommen nicht ohne Profis aus. Seit 2015 arbeiten Radio Westfalica und Radio Herford eng zusammen und tun das vom nächsten Jahr an auch unter einem gemeinsamen Dach. Beide ziehen zeitgleich in Bad Oeynhausen in einen Neubau. Bis Ende 2022 sollen die bisherigen Standorte der Lokalradios – der Johanniskirchhof in Minden (Radio Westfalica) und das Elsbachhaus (Radio Herford) – aufgegeben und das neue Funkhaus bezogen werden. „Durch die beiden Standorte haben wir unnötig hohe Kosten", erklärt Uwe Wollgramm, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft AMS – Radio und Media Solutions (Bielefeld). Mit dem neuen Funkhaus sollen aber auch Synergien für die Redaktionen erzielt werden. Die gemeinsame Programmproduktion wird einfacher. Das neue Funkhaus mit großen Glasfronten wird größer und moderner, auch was die Technik betrifft. Von daher freuen sich Moderatorin Nadine Hofmeier („Die Vier von hier") und Nachrichtenchef Boris Tegtmeier auf den Umzug. Auf der anderen Seite schwingt auch Nostalgie mit, denn – wie fast alle im Team – sind sie am Johanniskirchhof journalistisch groß geworden. „Es ist wie ein zweites Zuhause." Tatsächlich ist das Haus etwas Besonderes: Es wurde 1561 errichtet und steht unter Denkmalschutz. An einer Stelle müssen durchschnittlich große Erwachsene den Kopf einziehen – Altbau eben, aber alles in allem sehr heimelig. Es wurde eine Zwischendecke entfernt und eine Galerie geschaffen. Die hat den Vorteil, dass man sich sich mal kurz über die Geschosse hinweg unterhalten kann. Insgesamt ist die Atmosphäre familiär, vor Corona wurden in einer Stehkonferenz in der gemütlichen kleinen Küche die tagesaktuellen Dinge besprochen. Im Lockdown zogen die Zoom-Konferenzen ein. Inzwischen sind die meisten Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück. Vereinzelt werden sie künftig weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, dafür könnte sich die Parkplatzsituation in Herford verbessern. Seit 2015 sendet Radio Westfalica diverse Sendestrecken gemeinsam mit Radio Herford. Gemeinsam unter einem Dach sparen beide Geld. Und: „Der Hörer wird vom Umzug technisch betrachtet überhaupt nichts mitbekommen, es sei denn, die Redaktionen thematisieren den Umzug im Programm", so Uwe Wollgram. Ingo Tölle (Radio Westfalica) und Carsten Dehne (Radio Herford) kümmern sich weiter um die administrativen Themen. Gerade Carsten Dehne (56) kennt beide Sender in- und auswendig, er gehörte bei Radio Westfalica zum Team der ersten Stunde, bevor er vor acht Jahren nach Herford wechselte. Er freut sich auf das Zusammenrücken beider Teams, über moderne Sendetechnik und auch auf „deutlich mehr Tageslicht" im Neubau. Auch Birgit Härtel, Vorstandsvorsitzende der Veranstaltergemeinschaft, hält ein gemeinsames Dach für beide Sender für einen guten Schritt. Sie ist Mitglied im Kreistag und Fraktionsvorsitzende der SPD im Mühlenkreis. Der Vorstand fungiert als Arbeitgeber für die Redaktion und unterschreibt die Arbeitsverträge der Radiomacher. Ihr ist wichtig, dass möglichst alle Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig und nach Tarif beschäftigt sind: „Es lohnt sich, ins Personal zu investieren." Nicht ohne Grund sei Radio Westfalica Marktführer im nördlichsten Sendegebiet von NRW. „Und das, obwohl sich nirgendwo sonst so viele öffentlich-rechtliche wie private Sender im Äther tummeln." Trotz der hohen Reichweiten hat die Corona-Krise auch die Lokalsender kalt erwischt. Wie auch die Zeitungen leben sie von kleinen Werbekunden wie den Geschäften vor Ort, die zeitweise selbst nicht absehen konnten, ob und wie sie die Krise überstehen werden. Die Werbeeinbrüche trafen alle. Der Verlag J.C.C. Bruns hält einen Anteil von 48 Prozent an Radio Westfalica. Diese Beteiligung sei unabhängig vom Standort des Senders, entscheidend sei das Verbreitungsgebiet, so Geschäftsführer Carsten Lohmann: „Das Radio ist für uns integraler Bestandteil." Dennoch stehe der NRW-Radiomarkt vor einem gravierenden Umbruch, schreibt der Kölner Rechtsanwalt Helmut G. Bauer. Er war von 1989 bis 1996 Gründungsgeschäftsführer der Radio NRW GmbH. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf Fragen der Rundfunkinfrastruktur. Aus heutiger Sicht sei das Zwei-Säulen-Modell „ein Relikt des Kampfes um die Einführung privaten Rundfunks in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts." Ein weiteres Thema sind die täglich 60 Minuten Sendezeit für den Bürgerfunk. Hier vertritt er die Ansicht: „Seit das Internet zum Alltag gehört und jeder ohne große Mühe sein eigenes Radioprogramm veranstalten kann, ist es kaum zu rechtfertigen, dass die Lokalradios Sendezeit für den Bürgerfunk bereitstellen müssen.

Radio Westfalica und Radio Herford bald gemeinsam „on Air“

Bekannte Stimmen: Moderatorin Nadine Hofmeier („Die Vier von hier“) und Nachrichtenchef Boris Tegtmeier sind schon lange bei Radio Westfalica. Gemeinsame Sendestrecken mit Radio Herford gibt es schon seit 2015. MT-Foto: Alex Lehn

Minden/Herford. Im Jahr 1991 war die Welt eine andere. Wer vor 30 Jahren schon fürs Radio gearbeitet hat, war bei Außenterminen mit Aufnahmekoffer plus Mikro bepackt. Heute gibt es im Internet für jeden die Möglichkeit, mit geringem Aufwand ein eigenes Web-Radio zu veranstalten oder Podcasts zu produzieren. Dennoch: Nachrichtensendungen und aktuelle Morning-Shows kommen nicht ohne Profis aus. Seit 2015 arbeiten Radio Westfalica und Radio Herford eng zusammen und tun das vom nächsten Jahr an auch unter einem gemeinsamen Dach. Beide ziehen zeitgleich in Bad Oeynhausen in einen Neubau.

Bis Ende 2022 sollen die bisherigen Standorte der Lokalradios – der Johanniskirchhof in Minden (Radio Westfalica) und das Elsbachhaus (Radio Herford) – aufgegeben und das neue Funkhaus bezogen werden. „Durch die beiden Standorte haben wir unnötig hohe Kosten", erklärt Uwe Wollgramm, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft AMS – Radio und Media Solutions (Bielefeld). Mit dem neuen Funkhaus sollen aber auch Synergien für die Redaktionen erzielt werden. Die gemeinsame Programmproduktion wird einfacher.

Das neue Funkhaus mit großen Glasfronten wird größer und moderner, auch was die Technik betrifft. Von daher freuen sich Moderatorin Nadine Hofmeier („Die Vier von hier") und Nachrichtenchef Boris Tegtmeier auf den Umzug. Auf der anderen Seite schwingt auch Nostalgie mit, denn – wie fast alle im Team – sind sie am Johanniskirchhof journalistisch groß geworden. „Es ist wie ein zweites Zuhause." Tatsächlich ist das Haus etwas Besonderes: Es wurde 1561 errichtet und steht unter Denkmalschutz. An einer Stelle müssen durchschnittlich große Erwachsene den Kopf einziehen – Altbau eben, aber alles in allem sehr heimelig.

Malina Reckordt

Gendern bei MT - überflüssig oder überfällig?

Nehmen Sie jetzt an der Umfrage zum Thema Gendern teil

Es wurde eine Zwischendecke entfernt und eine Galerie geschaffen. Die hat den Vorteil, dass man sich sich mal kurz über die Geschosse hinweg unterhalten kann. Insgesamt ist die Atmosphäre familiär, vor Corona wurden in einer Stehkonferenz in der gemütlichen kleinen Küche die tagesaktuellen Dinge besprochen. Im Lockdown zogen die Zoom-Konferenzen ein. Inzwischen sind die meisten Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück. Vereinzelt werden sie künftig weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, dafür könnte sich die Parkplatzsituation in Herford verbessern.

Seit 2015 sendet Radio Westfalica diverse Sendestrecken gemeinsam mit Radio Herford. Gemeinsam unter einem Dach sparen beide Geld. Und: „Der Hörer wird vom Umzug technisch betrachtet überhaupt nichts mitbekommen, es sei denn, die Redaktionen thematisieren den Umzug im Programm", so Uwe Wollgram. Ingo Tölle (Radio Westfalica) und Carsten Dehne (Radio Herford) kümmern sich weiter um die administrativen Themen. Gerade Carsten Dehne (56) kennt beide Sender in- und auswendig, er gehörte bei Radio Westfalica zum Team der ersten Stunde, bevor er vor acht Jahren nach Herford wechselte. Er freut sich auf das Zusammenrücken beider Teams, über moderne Sendetechnik und auch auf „deutlich mehr Tageslicht" im Neubau.

Auch Birgit Härtel, Vorstandsvorsitzende der Veranstaltergemeinschaft, hält ein gemeinsames Dach für beide Sender für einen guten Schritt. Sie ist Mitglied im Kreistag und Fraktionsvorsitzende der SPD im Mühlenkreis. Der Vorstand fungiert als Arbeitgeber für die Redaktion und unterschreibt die Arbeitsverträge der Radiomacher. Ihr ist wichtig, dass möglichst alle Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig und nach Tarif beschäftigt sind: „Es lohnt sich, ins Personal zu investieren." Nicht ohne Grund sei Radio Westfalica Marktführer im nördlichsten Sendegebiet von NRW. „Und das, obwohl sich nirgendwo sonst so viele öffentlich-rechtliche wie private Sender im Äther tummeln."

Trotz der hohen Reichweiten hat die Corona-Krise auch die Lokalsender kalt erwischt. Wie auch die Zeitungen leben sie von kleinen Werbekunden wie den Geschäften vor Ort, die zeitweise selbst nicht absehen konnten, ob und wie sie die Krise überstehen werden. Die Werbeeinbrüche trafen alle. Der Verlag J.C.C. Bruns hält einen Anteil von 48 Prozent an Radio Westfalica. Diese Beteiligung sei unabhängig vom Standort des Senders, entscheidend sei das Verbreitungsgebiet, so Geschäftsführer Carsten Lohmann: „Das Radio ist für uns integraler Bestandteil."

Dennoch stehe der NRW-Radiomarkt vor einem gravierenden Umbruch, schreibt der Kölner Rechtsanwalt Helmut G. Bauer. Er war von 1989 bis 1996 Gründungsgeschäftsführer der Radio NRW GmbH. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf Fragen der Rundfunkinfrastruktur. Aus heutiger Sicht sei das Zwei-Säulen-Modell „ein Relikt des Kampfes um die Einführung privaten Rundfunks in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts."

Ein weiteres Thema sind die täglich 60 Minuten Sendezeit für den Bürgerfunk. Hier vertritt er die Ansicht: „Seit das Internet zum Alltag gehört und jeder ohne große Mühe sein eigenes Radioprogramm veranstalten kann, ist es kaum zu rechtfertigen, dass die Lokalradios Sendezeit für den Bürgerfunk bereitstellen müssen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden