Qualitätstest mit Fingerspitzen in der "Hummelbecker Mühle" in Dützen Zeitreisen in die Vergangenheit des Handwerks Von Robert Kauffeld Minden (rkm). Am Wochenende geht auch die Mühlensaison wieder los. Die mehr als 200 Jahre alte "Hummelbecker Mühle", die heute ein Wahrzeichen des früheren Dorfes Dützen ist, stellt immer wieder für viele Besucher einen besonderen Anziehungspunkt dar. Man betrachtet die sich drehenden Flügel und denkt oftmals an vergangene Zeiten, als hier noch der Müller zwischen den großen Mahlsteinen das Korn zu Mehl gemahlen hat. Über seine Tätigkeit und die über die Jahrhunderte lang bewährte Technik dieser Mühlen hat man gewöhnlich wenig erfahren, und so nimmt man gern an einer Führung teil.Willi Kamper, von Beruf Lehrer, ist seit der Gründung 1987 Mitglied des Heimatvereins Dützen und gibt seit 1994, als die Museumsmühle in Betrieb genommen wurde, den Besuchern interessante Erklärungen zu technischen Einrichtungen und zur Arbeit des Müllers und seiner Gesellen."Wo mühlt es denn hier", an solche Fragen hat er sich gewöhnt, zumal sie doch reges Interesse bekunden. Natürlich zeigt er dann den schweren Mühlstein, überrascht aber schon jetzt die Besucher mit dem Hinweis, dass auch noch von einem Walzenstuhl Getreide gemahlen wird.Ein Stuhl? Das ist schnell erklärt, denn die zwei Walzen sind so angeordnet, dass sie einem Stuhl ähnlich sind. An der unteren Mahlwalze ist eine Bürste zu sehen, zur Säuberung der Walze, wie man erfährt. Eine Bürste sieht eigentlich ganz anders aus. Diese sei aus tropischem Schilf gefertigt, denn sie müsse sehr hart sein, so der Fachmann und fügt hinzu: "Ein Straßenbesen ist dagegen eine milde Haarbürste." Und prompt wird nachgefühlt und "oh ja" folgt ganz sicher.Die Säcke werden mit Aufzügen nach oben befördert. Der Hinweis an die Besucher, sie ständen auf den Falltüren, lässt diese gewöhnlich schnell zur Seite treten, um dann zu erfahren, dass sich die Türen nur nach oben öffnen ließen, aus Sicherheitsgründen automatisch wieder zufallen und deshalb so genannt würden.Weiß ist das Mehl noch lange nichtDass nach dem Mahlen nicht sofort reines weißes Mehl zur Verfügung steht, kann sich wohl jeder vorstellen, aber wie und mit welchen Geräten es herausgesiebt wird, welche Aufgabe dabei zum Beispiel ein Plansichter hat, das wird von Willi Kamper anschaulich und auch sehr unterhaltsam beschrieben.Nur seine Frage, ob denn alle das Labor gesehen hätten, führte doch zu ungläubigem Kopfschütteln. Aber da war einfach die Kiste mit Mehl, in die der Müller mit seinen Fingerspitzen griff, zwischen denen er dann ein wenig Mehl zerrieb und so aufgrund seiner Erfahrung zu eigenen "Laborwerten" kam. Erstaunlich auch zu erfahren, dass die heute für Gesundheitszwecke angebotene teure Kleie in der Mühle als minderwertiges Viehfutter abfiel. Selbst die Frage nach dem Trichter, in dem Max und Moritz einst verschwanden und zu Schrot gemahlen wurden, beantwortet Kamper mit Humor.Vieles von seinem Wissen hat ihm noch der frühere Mühlenbesitzer August Tiemann vermitteln können, darüber hinaus hat er zahlreiche Fachbücher gelesen. Er hat Freude an seiner Tätigkeit, und das werden auch die Besucher verspüren, die sich zum Anmüllern am Sonntag, 14. April, von 13 bis 18 Uhr zur kostenlosen Führung bei ihm einfinden. Heinz Piontek und Marlis Gäbel, die 1. und 2. Vorsitzenden des Vereins, erwarten viele Gäste. Mit zahlreichen Verkaufs- und Informationsständen, mit Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Getränken soll wieder für jeden etwas geboten werden.

Qualitätstest mit Fingerspitzen in der "Hummelbecker Mühle" in Dützen

Minden (rkm). Am Wochenende geht auch die Mühlensaison wieder los.

Willi Kamper zeigt bei seiner Mühlenführung die aus tropischem Schilf gefertigte Bürste, die den Walzenstuhl säubert. - © Foto: Robert Kauffeld
Willi Kamper zeigt bei seiner Mühlenführung die aus tropischem Schilf gefertigte Bürste, die den Walzenstuhl säubert. - © Foto: Robert Kauffeld

Die mehr als 200 Jahre alte "Hummelbecker Mühle", die heute ein Wahrzeichen des früheren Dorfes Dützen ist, stellt immer wieder für viele Besucher einen besonderen Anziehungspunkt dar. Man betrachtet die sich drehenden Flügel und denkt oftmals an vergangene Zeiten, als hier noch der Müller zwischen den großen Mahlsteinen das Korn zu Mehl gemahlen hat. Über seine Tätigkeit und die über die Jahrhunderte lang bewährte Technik dieser Mühlen hat man gewöhnlich wenig erfahren, und so nimmt man gern an einer Führung teil.

Willi Kamper, von Beruf Lehrer, ist seit der Gründung 1987 Mitglied des Heimatvereins Dützen und gibt seit 1994, als die Museumsmühle in Betrieb genommen wurde, den Besuchern interessante Erklärungen zu technischen Einrichtungen und zur Arbeit des Müllers und seiner Gesellen.

"Wo mühlt es denn hier", an solche Fragen hat er sich gewöhnt, zumal sie doch reges Interesse bekunden. Natürlich zeigt er dann den schweren Mühlstein, überrascht aber schon jetzt die Besucher mit dem Hinweis, dass auch noch von einem Walzenstuhl Getreide gemahlen wird.

Ein Stuhl? Das ist schnell erklärt, denn die zwei Walzen sind so angeordnet, dass sie einem Stuhl ähnlich sind. An der unteren Mahlwalze ist eine Bürste zu sehen, zur Säuberung der Walze, wie man erfährt. Eine Bürste sieht eigentlich ganz anders aus. Diese sei aus tropischem Schilf gefertigt, denn sie müsse sehr hart sein, so der Fachmann und fügt hinzu: "Ein Straßenbesen ist dagegen eine milde Haarbürste." Und prompt wird nachgefühlt und "oh ja" folgt ganz sicher.

Die Säcke werden mit Aufzügen nach oben befördert. Der Hinweis an die Besucher, sie ständen auf den Falltüren, lässt diese gewöhnlich schnell zur Seite treten, um dann zu erfahren, dass sich die Türen nur nach oben öffnen ließen, aus Sicherheitsgründen automatisch wieder zufallen und deshalb so genannt würden.

Weiß ist das Mehl noch lange nicht

Dass nach dem Mahlen nicht sofort reines weißes Mehl zur Verfügung steht, kann sich wohl jeder vorstellen, aber wie und mit welchen Geräten es herausgesiebt wird, welche Aufgabe dabei zum Beispiel ein Plansichter hat, das wird von Willi Kamper anschaulich und auch sehr unterhaltsam beschrieben.

Nur seine Frage, ob denn alle das Labor gesehen hätten, führte doch zu ungläubigem Kopfschütteln. Aber da war einfach die Kiste mit Mehl, in die der Müller mit seinen Fingerspitzen griff, zwischen denen er dann ein wenig Mehl zerrieb und so aufgrund seiner Erfahrung zu eigenen "Laborwerten" kam. Erstaunlich auch zu erfahren, dass die heute für Gesundheitszwecke angebotene teure Kleie in der Mühle als minderwertiges Viehfutter abfiel. Selbst die Frage nach dem Trichter, in dem Max und Moritz einst verschwanden und zu Schrot gemahlen wurden, beantwortet Kamper mit Humor.

Vieles von seinem Wissen hat ihm noch der frühere Mühlenbesitzer August Tiemann vermitteln können, darüber hinaus hat er zahlreiche Fachbücher gelesen. Er hat Freude an seiner Tätigkeit, und das werden auch die Besucher verspüren, die sich zum Anmüllern am Sonntag, 14. April, von 13 bis 18 Uhr zur kostenlosen Führung bei ihm einfinden. Heinz Piontek und Marlis Gäbel, die 1. und 2. Vorsitzenden des Vereins, erwarten viele Gäste. Mit zahlreichen Verkaufs- und Informationsständen, mit Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Getränken soll wieder für jeden etwas geboten werden.

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