Psychisch gesund bleiben im Alltag Anja Peper Minden (mt). Lebenskrisen, Schicksalsschläge oder enormer Druck werfen manche Menschen aus der Bahn. Andere kommen mit ähnlichen Belastungen viel besser klar, überstehen auch schwere Krankheiten eher. Den Unterschied macht die sogenannte Resilienz, eine psychische Widerstandskraft. Wer sie besitzt, lebt im Alltag das Prinzip des Stehaufmännchens. Diese Fähigkeit lässt sich trainieren, davon ist auch Dr. Ina Wüllner überzeugt. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie befasst sie sich seit Jahren mit seelischer Gesundheit.Ob Depressionen, Burnout, Angststörungen oder Schizophrenie: Psychische Erkrankungen sind in NRW für 17 Prozent aller Krankschreibungen verantwortlich. Viele Patienten werden im Krankenhaus behandelt. Nach der Entlassung beschleicht sie häufig das Gefühl, in ein Loch zu fallen. Weil es häufig an konkreter ambulanter Unterstützung fehlt, suchen sie bei der nächsten Krise erneut Hilfe in der Klinik. Um diesen „Drehtüreffekt“ zu vermeiden, hat die Techniker Krankenkasse das „Netzwerk psychische Gesundheit“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Trotz ihrer psychischen Erkrankung sollen die Patienten in ihrem gewohnten familiären, beruflichen und sozialen Umfeld bleiben können.Das Projekt zählt zu den Gewinnern des Gesundheitspreises NRW und wurde vom Landesgesundheitsministerium mit dem dritten Preis ausgezeichnet. „In NRW gibt es das Netzwerk bisher in 32 Städten und Kreisen“, so Ulrich Adler, der für regionales Vertragswesen zuständig ist. Lokaler Kooperationspartner im Kreis Minden-Lübbecke ist der Club 74, Förderkreis für psychisch Erkrankte und Behinderte.Niedergelassene Ärzte, Sozialarbeiter, Fachpfleger und Therapeuten arbeiten bei dem Angebot eng zusammen - wenn nötig rund um die Uhr. Denn eine Krise überfällt Betroffene durchaus auch mal nachts. Eine Patientin, die schon länger am Projekt teilnimmt, berichtet: „Das Wissen, im Notfall immer einen Ansprechpartner zu haben, hilft mir. Die Karte mit der Telefonnummer habe ich immer im Portemonnaie dabei.“Neben dem 24-Stunden-Krisentelefon ist die sogenannte Psychoedukation eine wichtige Säule. Darunter versteht man den Versuch, komplizierte medizinische Fakten so zu übersetzen, dass sie von Patienten und Angehörigen gut verstanden werden. Der Grundgedanke: Das Verstehen-Können der eigenen Erkrankung ist Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung. Das kann und soll das „Netzwerk psychische Gesundheit“ leisten. „Allerdings ersetzt das Projekt keinen Therapieplatz“, betonen die Akteure. Wie sich psychische Widerstandskraft in der Praxis trainieren lässt, wird in Gruppensitzungen besprochen. Bei wöchentlichen Treffen in den Räumen des Club 74 (Prinzenstraße) bearbeiten Bonny Weller (35) und Melanie Kolkhorst (43) dieses und andere Themen. Auf Wunsch machen sie auch einen Hausbesuch, um vorab grundlegende Fragen zu klären: Welche Symptome gibt es? Welche Medikamente werden eingenommen? Gibt es bereits einen Therapieplatz? Und nicht zuletzt: Wie kommen Familie und andere Angehörige mit der Krankheit zurecht?Volker Schubach, einer der Initiatoren des NRW-Netzwerkes, sieht in dem Projekt eine große Chance, die Behandlungssituation für psychisch Kranke zu verbessern. Begrüßt werde, wenn sich weitere Krankenkassen dem Netzwerk anschließen. Allerdings: „Um die starre Trennung ambulanter und stationärer Behandlung aufzulösen, müssen alle Beteiligten aufeinander zugehen, Vertrauen aufbauen und ihre Angebote miteinander vernetzen“, so Volker Schubach.

Psychisch gesund bleiben im Alltag

Die Behandlungssituation für psychisch Kranke im Kreis verbessern: Dieses Ziel verfolgen Bonny Weller, Dr. Ina Wüllner und Melanie Kolkhorst (von links) vom Club 74. MT-Foto: Anja Peper

Minden (mt). Lebenskrisen, Schicksalsschläge oder enormer Druck werfen manche Menschen aus der Bahn. Andere kommen mit ähnlichen Belastungen viel besser klar, überstehen auch schwere Krankheiten eher. Den Unterschied macht die sogenannte Resilienz, eine psychische Widerstandskraft. Wer sie besitzt, lebt im Alltag das Prinzip des Stehaufmännchens. Diese Fähigkeit lässt sich trainieren, davon ist auch Dr. Ina Wüllner überzeugt. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie befasst sie sich seit Jahren mit seelischer Gesundheit.

Ob Depressionen, Burnout, Angststörungen oder Schizophrenie: Psychische Erkrankungen sind in NRW für 17 Prozent aller Krankschreibungen verantwortlich. Viele Patienten werden im Krankenhaus behandelt. Nach der Entlassung beschleicht sie häufig das Gefühl, in ein Loch zu fallen. Weil es häufig an konkreter ambulanter Unterstützung fehlt, suchen sie bei der nächsten Krise erneut Hilfe in der Klinik. Um diesen „Drehtüreffekt“ zu vermeiden, hat die Techniker Krankenkasse das „Netzwerk psychische Gesundheit“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Trotz ihrer psychischen Erkrankung sollen die Patienten in ihrem gewohnten familiären, beruflichen und sozialen Umfeld bleiben können.

Das Projekt zählt zu den Gewinnern des Gesundheitspreises NRW und wurde vom Landesgesundheitsministerium mit dem dritten Preis ausgezeichnet. „In NRW gibt es das Netzwerk bisher in 32 Städten und Kreisen“, so Ulrich Adler, der für regionales Vertragswesen zuständig ist. Lokaler Kooperationspartner im Kreis Minden-Lübbecke ist der Club 74, Förderkreis für psychisch Erkrankte und Behinderte.

Niedergelassene Ärzte, Sozialarbeiter, Fachpfleger und Therapeuten arbeiten bei dem Angebot eng zusammen - wenn nötig rund um die Uhr. Denn eine Krise überfällt Betroffene durchaus auch mal nachts. Eine Patientin, die schon länger am Projekt teilnimmt, berichtet: „Das Wissen, im Notfall immer einen Ansprechpartner zu haben, hilft mir. Die Karte mit der Telefonnummer habe ich immer im Portemonnaie dabei.“

Neben dem 24-Stunden-Krisentelefon ist die sogenannte Psychoedukation eine wichtige Säule. Darunter versteht man den Versuch, komplizierte medizinische Fakten so zu übersetzen, dass sie von Patienten und Angehörigen gut verstanden werden. Der Grundgedanke: Das Verstehen-Können der eigenen Erkrankung ist Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung. Das kann und soll das „Netzwerk psychische Gesundheit“ leisten. „Allerdings ersetzt das Projekt keinen Therapieplatz“, betonen die Akteure. Wie sich psychische Widerstandskraft in der Praxis trainieren lässt, wird in Gruppensitzungen besprochen. Bei wöchentlichen Treffen in den Räumen des Club 74 (Prinzenstraße) bearbeiten Bonny Weller (35) und Melanie Kolkhorst (43) dieses und andere Themen. Auf Wunsch machen sie auch einen Hausbesuch, um vorab grundlegende Fragen zu klären: Welche Symptome gibt es? Welche Medikamente werden eingenommen? Gibt es bereits einen Therapieplatz? Und nicht zuletzt: Wie kommen Familie und andere Angehörige mit der Krankheit zurecht?

Volker Schubach, einer der Initiatoren des NRW-Netzwerkes, sieht in dem Projekt eine große Chance, die Behandlungssituation für psychisch Kranke zu verbessern. Begrüßt werde, wenn sich weitere Krankenkassen dem Netzwerk anschließen. Allerdings: „Um die starre Trennung ambulanter und stationärer Behandlung aufzulösen, müssen alle Beteiligten aufeinander zugehen, Vertrauen aufbauen und ihre Angebote miteinander vernetzen“, so Volker Schubach.

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