Problematischer Wechsel: Für U3-Kinder gibt es nicht immer einen Platz im Ü3-Bereich Doris Christoph Minden. Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahren sind Mangelware. Und selbst wenn Eltern einen Platz im U3-Bereich bekommen, haben manche Kitas Schwierigkeiten, die Kinder anschließend im Ü3-Bereich unterzubringen. Mit diesem Problem hat die Kita Bölhorst seit Jahren zu tun, wie David Bichert vom Jugendamt im Jugendhilfeausschuss erklärte. Darum soll nun die Gruppenstruktur geändert werden, so dass dort mehr über Dreijährige betreut werden können. Die Einrichtung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bietet bislang zwölf U3-Plätze an sowie 28 für Kinder ab drei Jahren. Weil für die hineinwachsenden Jahrgänge eigentlich nicht genügend Kapazitäten in der Ü3-Gruppe vorhanden sind, wurden bereits sogenannte Korridorplätze eingerichtet. Das Landesjugendamt musste für diese Überbelegung seine Zustimmung geben. Eine bauliche Vergrößerung wiederum ist nicht möglich. Darum bat die AWO, „die Gruppenstruktur zu Gunsten einer angemessenen Betreuungssituation“ zu ändern. Das neue Kinderbildungsgesetz erlaubt dies zum Beispiel aus planerischen oder pädagogischen Gründen. Diese treffen auf die Kita Bölhorst zu. Deshalb sollen hier künftig nur noch sechs U3-Kinder und dafür 34 bis 39 über Dreijährige betreut werden. Die genaue Platzzahl hängt davon ab, welcher Stundenumfang für diese gebucht wird. So entstünden laut Verwaltung elf weitere, dringend benötigte Ü3-Plätze. Insgesamt fehlen laut Bedarfsplanung im kommenden Kita-Jahr 254 Plätze in diesem Bereich. Die in der Kita Bölhorst wegfallenden sechs Plätze für die jüngeren Mädchen und Jungen sollen in der Tagespflege aufgefangen werden. Auch im U3-Bereich kann die Nachfrage nicht gedeckt werden, die Stadt kalkuliert hier mit 194 fehlenden Plätzen allein im Kita-Bereich. Wie sich die Verschiebung auf den Bereich Kindertagespflege auswirkt, wurde nicht thematisiert. Die Ausschussmitglieder stimmten für die Änderung der Gruppenstruktur. Auch der DRK-Kreisverband Minden kennt das Problem, allen Mädchen und Jungen aus dem U3-Bereich einen Anschlussplatz anzubieten. Das sei etwa in der Kinderkrippe Friedrichstraße der Fall, wie DRK-Geschäftsführer Hans-Jürgen Weber im Ausschuss berichtete. Und die Situation hätte sich noch verschärfen können: Denn der Träger will eine weitere Einrichtung mit zehn U3-Betreuungsplätzenim geplanten „Mindener Familienzentrum“ am Deichhof eröffnen, das derzeit gebaut wird. Auch hier wäre irgendwann wieder die Frage aufgekommen: „Wo lassen wir die Kinder nach U3?“ Nun fügt es sich, dass das DRK in direkter Nachbarschaft eine weitere Gruppe mit bis zu 25 Plätzen im Ü3-Bereich eröffnen kann: Die Seniorenpark Minden GmbH, eine Tochter der Lindhorst-Gruppe, plant am Marienwall 24 eine Seniorenresidenz mit unter anderem einer Vollzeit- und einer Tagespflege. Im Untergeschoss wünschte sich das Unternehmen eine Kita, wie es dem MT bereits im November mitteilte. Das Unternehmen habe das DRK angesprochen, ob es die Trägerschaft übernehmen wolle, berichtete Weber den Ausschussmitgliedern weiter. Der potenzielle Träger stellte eine Bedingung: „Dann aber bitte mit einer Ü3-Gruppe.“ Das sei eine optimale Situation, betonte der DRK-Geschäftsführer. Auch der generationenübergreifende Ansatz passe sehr gut zum DRK. Das wollte schon länger eine weitere Kindertagesstätte eröffnen, Pläne für einen Bau an der Fasanenstraße hatten sich aber vergangenes Jahr zerschlagen. Sei es pädagogisch nicht sinnvoller, gemischte Gruppen anzubieten, also kleinere und größere Kinder gemeinsam zu betreuen, wollte Janine Rutkowski (Linke) wissen. „Eine Mischung wäre von den Räumlichkeiten her nicht möglich“, erklärte Verwaltungsmitarbeiter David Bichert. Friedrich Kasten (Evangelische Jugend) erkundigte sich nach dem Invest der Firma: Besetze diese zum Beispiel schon einen Großteil der Plätze für ihre Mitarbeiter? Oder bekomme sie öffentliche Zuschüsse? Erster Beigeordneter Peter Kienzle verneinte beides. Belegungsplätze soll es nicht geben, das DRK zahlt Miete, die es über das Geld vom Landesjugendamt refinanzieren will. Die Ausschussmitglieder stimmten für den DRK-Kreisverband Minden als Träger der Einrichtung an den zwei Standorten in der Innenstadt. Die Stadt übernimmt den vollen Trägeranteil von 16.981 Euro pro Jahr an den Betriebskosten und schießt dem DRK den Anteil an der Einrichtung in Höhe von 11.550 Euro vor. Der Träger will den Betrag durch Sponsorenmittel und den Verkauf von Belegungsrechten an Unternehmen später zurückzahlen.

Problematischer Wechsel: Für U3-Kinder gibt es nicht immer einen Platz im Ü3-Bereich

Betreuungsplätze für Kita-Kinder werden in Minden dringend gebraucht. Der DRK-Kreisverband Minden plant nun eine Einrichtung an zwei Standorten: am Deichhof und Marienwall. Symbolfoto: imago-images.de © imago images/Fotostand

Minden. Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahren sind Mangelware. Und selbst wenn Eltern einen Platz im U3-Bereich bekommen, haben manche Kitas Schwierigkeiten, die Kinder anschließend im Ü3-Bereich unterzubringen. Mit diesem Problem hat die Kita Bölhorst seit Jahren zu tun, wie David Bichert vom Jugendamt im Jugendhilfeausschuss erklärte. Darum soll nun die Gruppenstruktur geändert werden, so dass dort mehr über Dreijährige betreut werden können.

Die Einrichtung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bietet bislang zwölf U3-Plätze an sowie 28 für Kinder ab drei Jahren. Weil für die hineinwachsenden Jahrgänge eigentlich nicht genügend Kapazitäten in der Ü3-Gruppe vorhanden sind, wurden bereits sogenannte Korridorplätze eingerichtet. Das Landesjugendamt musste für diese Überbelegung seine Zustimmung geben. Eine bauliche Vergrößerung wiederum ist nicht möglich.

Darum bat die AWO, „die Gruppenstruktur zu Gunsten einer angemessenen Betreuungssituation“ zu ändern. Das neue Kinderbildungsgesetz erlaubt dies zum Beispiel aus planerischen oder pädagogischen Gründen. Diese treffen auf die Kita Bölhorst zu. Deshalb sollen hier künftig nur noch sechs U3-Kinder und dafür 34 bis 39 über Dreijährige betreut werden. Die genaue Platzzahl hängt davon ab, welcher Stundenumfang für diese gebucht wird. So entstünden laut Verwaltung elf weitere, dringend benötigte Ü3-Plätze. Insgesamt fehlen laut Bedarfsplanung im kommenden Kita-Jahr 254 Plätze in diesem Bereich.


Die in der Kita Bölhorst wegfallenden sechs Plätze für die jüngeren Mädchen und Jungen sollen in der Tagespflege aufgefangen werden. Auch im U3-Bereich kann die Nachfrage nicht gedeckt werden, die Stadt kalkuliert hier mit 194 fehlenden Plätzen allein im Kita-Bereich. Wie sich die Verschiebung auf den Bereich Kindertagespflege auswirkt, wurde nicht thematisiert. Die Ausschussmitglieder stimmten für die Änderung der Gruppenstruktur.

Auch der DRK-Kreisverband Minden kennt das Problem, allen Mädchen und Jungen aus dem U3-Bereich einen Anschlussplatz anzubieten. Das sei etwa in der Kinderkrippe Friedrichstraße der Fall, wie DRK-Geschäftsführer Hans-Jürgen Weber im Ausschuss berichtete. Und die Situation hätte sich noch verschärfen können: Denn der Träger will eine weitere Einrichtung mit zehn U3-Betreuungsplätzenim geplanten „Mindener Familienzentrum“ am Deichhof eröffnen, das derzeit gebaut wird. Auch hier wäre irgendwann wieder die Frage aufgekommen: „Wo lassen wir die Kinder nach U3?“

Nun fügt es sich, dass das DRK in direkter Nachbarschaft eine weitere Gruppe mit bis zu 25 Plätzen im Ü3-Bereich eröffnen kann: Die Seniorenpark Minden GmbH, eine Tochter der Lindhorst-Gruppe, plant am Marienwall 24 eine Seniorenresidenz mit unter anderem einer Vollzeit- und einer Tagespflege. Im Untergeschoss wünschte sich das Unternehmen eine Kita, wie es dem MT bereits im November mitteilte.

Das Unternehmen habe das DRK angesprochen, ob es die Trägerschaft übernehmen wolle, berichtete Weber den Ausschussmitgliedern weiter. Der potenzielle Träger stellte eine Bedingung: „Dann aber bitte mit einer Ü3-Gruppe.“ Das sei eine optimale Situation, betonte der DRK-Geschäftsführer. Auch der generationenübergreifende Ansatz passe sehr gut zum DRK. Das wollte schon länger eine weitere Kindertagesstätte eröffnen, Pläne für einen Bau an der Fasanenstraße hatten sich aber vergangenes Jahr zerschlagen.

Sei es pädagogisch nicht sinnvoller, gemischte Gruppen anzubieten, also kleinere und größere Kinder gemeinsam zu betreuen, wollte Janine Rutkowski (Linke) wissen. „Eine Mischung wäre von den Räumlichkeiten her nicht möglich“, erklärte Verwaltungsmitarbeiter David Bichert.

Friedrich Kasten (Evangelische Jugend) erkundigte sich nach dem Invest der Firma: Besetze diese zum Beispiel schon einen Großteil der Plätze für ihre Mitarbeiter? Oder bekomme sie öffentliche Zuschüsse? Erster Beigeordneter Peter Kienzle verneinte beides. Belegungsplätze soll es nicht geben, das DRK zahlt Miete, die es über das Geld vom Landesjugendamt refinanzieren will.

Die Ausschussmitglieder stimmten für den DRK-Kreisverband Minden als Träger der Einrichtung an den zwei Standorten in der Innenstadt. Die Stadt übernimmt den vollen Trägeranteil von 16.981 Euro pro Jahr an den Betriebskosten und schießt dem DRK den Anteil an der Einrichtung in Höhe von 11.550 Euro vor. Der Träger will den Betrag durch Sponsorenmittel und den Verkauf von Belegungsrechten an Unternehmen später zurückzahlen.

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