Positiver Nebeneffekt der Hygienevorschriften: Weniger Infektionskrankheiten Leonie Meyer Minden. Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Magen-Darm-Infekte – das sind die gewöhnlichen Übeltäter zu dieser kalten Jahreszeit. Doch in diesem Jahr sind die Erreger solcher Infektionskrankheiten vergleichsweise selten im Umlauf. Woran es liegt, dass Norovirus- und Grippewelle bislang nahezu ausbleiben, erklären Kinderarzt Henry Boss, die Mühlenkreiskliniken (MKK), die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sowie die AOK Gesundheitskasse. „Das was wir früher schon gepredigt haben, wird jetzt umgesetzt", sagt Boss. Er leitet eine Praxis für Kinder- und Jugendmedizin in Minden. Durch die pandemiebedingten Hygienemaßnahmen wird nun von den Eltern vermehrt auf das Händewaschen der Kinder geachtet. „Man kann davon ausgehen, dass die Hygienemaßnahmen bei der Zurückdrängung von Infekten helfen." Beispielsweise gehen die Zahlen von Magen-Darm-Erkrankungen zurück, das Rotavirus tritt aufgrund einer Impfung nur noch selten auf und das Norovirus, das sonst häufiger diagnostiziert wird, geht deutlich zurück. „Wesentlich weniger Erkältungsinfekte treten bei Kindergartenkindern auf", beobachtet Boss. Das liege allerdings auch daran, dass die Kindergärten und Schulen geschlossen sind und die Kinder keine Viren mit nach Hause nehmen, daher reduziere sich das Risiko einer Ansteckung. „Erst jetzt wird der Hygiene, dem Händewaschen und dem Desinfizieren mehr Beachtung geschenkt", sagt Dr. Peter Witte, Direktor des Institutes für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken (MKK). Zuvor wurde der Einkaufswagen nicht desinfiziert, keine Masken getragen und diese Beispiele würden einen Beitrag der Reduzierung anderer Infektionskrankheiten leisten. „Es ist ein reeller Effekt zu sehen." Witte räumt ein, dass die MKK eine Zunahme an Krankheitsfällen der Influenza erwartet haben. Ein hoher Prozentanteil der Erkrankungen mache außerdem üblicherweise das Norovirus aus, das Anfang Februar vermehrt auftrete. Allerdings wurde kein Ausbruch eines solchen Virus in den Kliniken verzeichnet. Zudem dürfen Patienten derzeit keine Außenkontakte haben, Besucher die Kliniken nicht betreten. Damit einher geht die Reduzierung der Kontaktpersonen als positive Auswirkung. „Ein Rückgang anderer Krankheiten im Zusammenhang mit der Hygiene und den Beschränkungen ist ganz deutlich zu sehen." Auch MKK-Pressesprecher Christian Busse teilt mit, dass ein deutlicher Rückgang zu bemerken sei. „Die Grippesaison geht noch bis März beziehungsweise April und bisher haben wir kaum Grippeerkrankte", sagt Busse. Ihm ist wichtig darauf hinzuweisen, dass ein Grippeverlauf sehr schwer ausfallen kann, so dass Erkrankte über Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Daher könnte sich die Lage auf den Intensivstationen verändern." Auffällig zur jetzigen Zeit wäre das Norovirus, aber auch hier sind die Fallzahlen rückläufig. Das liege vor allem an den Kontaktbeschränkungen, den Mindestabständen sowie dem Tragen der Maske. „So werden Ausbrüche von Krankheiten verhindert, die auch dieselben Übertragungswege wie das Coronavirus haben." Laut Busse haben Hausärzte mitgeteilt, dass sie in der Erkältungshochzeit nahezu null Fälle verzeichnen. Das bestätigt auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Auch laut der AOK NordWest wurden im Kreis Minden-Lübbecke wie in der gesamten Region Westfalen-Lippe ein deutlicher Rückgang zahlreicher Infektionskrankheiten im Jahr 2020 verzeichnet. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, teilt AOK-Pressesprecher Jens Kuschel mit. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, KiTa- sowie Schulschließungen, Homeoffice und die Hygiene in der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr 2020 und zu Beginn der zweiten Welle Ende des letzten zu diesem starken Rückgang geführt haben", sagt Kuschel. Ein Rückgang um 56 Prozent wird bei den Norovirus-Fällen im Kreis Minden-Lübbecke gemeldet. So wurden 2020 insgesamt 130 Norovirus-Fälle gemeldet, wohingegen 2019 noch 294 Bürger erkrankten. Weitere deutliche Rückgänge zeigen die Windpocken mit 82 Prozent und das Rotavirus mit 86 Prozent. Zudem verweist der Pressesprecher auf die aktuelle Lage in Westfalen-Lippe: Insgesamt sind 3.281 Norovirus-Fälle gemeldet, vergleichsweise zum Vorjahr sind es noch 7.947 Fälle daraus resultiert ein Rückgang von rund 60 Prozent. „Bei Windpocken lag der Rückgang bei fast 50 Prozent, bei Rotaviren sogar bei über 73 Prozent", sagt Kuschel. Alles zahlt sich aus Ein Kommentar von Leonie Meyer Ich bin stark davon ausgegangen, dass die pandemiebedingten Maßnahmen auch einen weiteren positiven Nebeneffekt haben. Die Bürger müssen eine Maske tragen, da es die Regeln der Bundesregierung vorgeben. Da ist das Highlight vielleicht der Einkauf und auch dort geht es nicht ohne. Doch die Maske schützt nicht nur vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Es ist interessant zu beobachten, wie die Erkältungsviren im Kreis Minden-Lübbecke deutlich zurückgehen. Die Corona-Maßnahmen zahlen sich also aus. Ich hoffe, dass sich die Bürger weiterhin an die Vorgaben halten, damit sich die Anzahl anderer Infektionskrankheiten weiterhin reduziert. Aus meiner Sicht wird es keine Zeit „nach" Corona geben, sondern nur „mit" Corona. Wer weiß, vielleicht wird das Maske-Tragen auch in einigen Monaten ein alltäglicher Begleiter sein?

Positiver Nebeneffekt der Hygienevorschriften: Weniger Infektionskrankheiten

Auch das richtige Händewaschen spielt eine wichtige Rolle während dem Pandemie-Alltag: Für 20 bis 30 Sekunden gründlich einseifen und waschen. Früh übt sich. Foto: Manu Vega/Imago © imago images/Addictive Stock

Minden. Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Magen-Darm-Infekte – das sind die gewöhnlichen Übeltäter zu dieser kalten Jahreszeit. Doch in diesem Jahr sind die Erreger solcher Infektionskrankheiten vergleichsweise selten im Umlauf. Woran es liegt, dass Norovirus- und Grippewelle bislang nahezu ausbleiben, erklären Kinderarzt Henry Boss, die Mühlenkreiskliniken (MKK), die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sowie die AOK Gesundheitskasse.

„Das was wir früher schon gepredigt haben, wird jetzt umgesetzt", sagt Boss. Er leitet eine Praxis für Kinder- und Jugendmedizin in Minden. Durch die pandemiebedingten Hygienemaßnahmen wird nun von den Eltern vermehrt auf das Händewaschen der Kinder geachtet. „Man kann davon ausgehen, dass die Hygienemaßnahmen bei der Zurückdrängung von Infekten helfen." Beispielsweise gehen die Zahlen von Magen-Darm-Erkrankungen zurück, das Rotavirus tritt aufgrund einer Impfung nur noch selten auf und das Norovirus, das sonst häufiger diagnostiziert wird, geht deutlich zurück. „Wesentlich weniger Erkältungsinfekte treten bei Kindergartenkindern auf", beobachtet Boss. Das liege allerdings auch daran, dass die Kindergärten und Schulen geschlossen sind und die Kinder keine Viren mit nach Hause nehmen, daher reduziere sich das Risiko einer Ansteckung.

„Erst jetzt wird der Hygiene, dem Händewaschen und dem Desinfizieren mehr Beachtung geschenkt", sagt Dr. Peter Witte, Direktor des Institutes für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken (MKK). Zuvor wurde der Einkaufswagen nicht desinfiziert, keine Masken getragen und diese Beispiele würden einen Beitrag der Reduzierung anderer Infektionskrankheiten leisten. „Es ist ein reeller Effekt zu sehen." Witte räumt ein, dass die MKK eine Zunahme an Krankheitsfällen der Influenza erwartet haben. Ein hoher Prozentanteil der Erkrankungen mache außerdem üblicherweise das Norovirus aus, das Anfang Februar vermehrt auftrete. Allerdings wurde kein Ausbruch eines solchen Virus in den Kliniken verzeichnet. Zudem dürfen Patienten derzeit keine Außenkontakte haben, Besucher die Kliniken nicht betreten. Damit einher geht die Reduzierung der Kontaktpersonen als positive Auswirkung. „Ein Rückgang anderer Krankheiten im Zusammenhang mit der Hygiene und den Beschränkungen ist ganz deutlich zu sehen."

Auch MKK-Pressesprecher Christian Busse teilt mit, dass ein deutlicher Rückgang zu bemerken sei. „Die Grippesaison geht noch bis März beziehungsweise April und bisher haben wir kaum Grippeerkrankte", sagt Busse. Ihm ist wichtig darauf hinzuweisen, dass ein Grippeverlauf sehr schwer ausfallen kann, so dass Erkrankte über Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Daher könnte sich die Lage auf den Intensivstationen verändern." Auffällig zur jetzigen Zeit wäre das Norovirus, aber auch hier sind die Fallzahlen rückläufig. Das liege vor allem an den Kontaktbeschränkungen, den Mindestabständen sowie dem Tragen der Maske. „So werden Ausbrüche von Krankheiten verhindert, die auch dieselben Übertragungswege wie das Coronavirus haben." Laut Busse haben Hausärzte mitgeteilt, dass sie in der Erkältungshochzeit nahezu null Fälle verzeichnen. Das bestätigt auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Auch laut der AOK NordWest wurden im Kreis Minden-Lübbecke wie in der gesamten Region Westfalen-Lippe ein deutlicher Rückgang zahlreicher Infektionskrankheiten im Jahr 2020 verzeichnet. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, teilt AOK-Pressesprecher Jens Kuschel mit. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, KiTa- sowie Schulschließungen, Homeoffice und die Hygiene in der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr 2020 und zu Beginn der zweiten Welle Ende des letzten zu diesem starken Rückgang geführt haben", sagt Kuschel. Ein Rückgang um 56 Prozent wird bei den Norovirus-Fällen im Kreis Minden-Lübbecke gemeldet. So wurden 2020 insgesamt 130 Norovirus-Fälle gemeldet, wohingegen 2019 noch 294 Bürger erkrankten. Weitere deutliche Rückgänge zeigen die Windpocken mit 82 Prozent und das Rotavirus mit 86 Prozent. Zudem verweist der Pressesprecher auf die aktuelle Lage in Westfalen-Lippe: Insgesamt sind 3.281 Norovirus-Fälle gemeldet, vergleichsweise zum Vorjahr sind es noch 7.947 Fälle daraus resultiert ein Rückgang von rund 60 Prozent. „Bei Windpocken lag der Rückgang bei fast 50 Prozent, bei Rotaviren sogar bei über 73 Prozent", sagt Kuschel.

Alles zahlt sich aus

Ein Kommentar von Leonie Meyer

Ich bin stark davon ausgegangen, dass die pandemiebedingten Maßnahmen auch einen weiteren positiven Nebeneffekt haben. Die Bürger müssen eine Maske tragen, da es die Regeln der Bundesregierung vorgeben. Da ist das Highlight vielleicht der Einkauf und auch dort geht es nicht ohne. Doch die Maske schützt nicht nur vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Es ist interessant zu beobachten, wie die Erkältungsviren im Kreis Minden-Lübbecke deutlich zurückgehen. Die Corona-Maßnahmen zahlen sich also aus. Ich hoffe, dass sich die Bürger weiterhin an die Vorgaben halten, damit sich die Anzahl anderer Infektionskrankheiten weiterhin reduziert. Aus meiner Sicht wird es keine Zeit „nach" Corona geben, sondern nur „mit" Corona. Wer weiß, vielleicht wird das Maske-Tragen auch in einigen Monaten ein alltäglicher Begleiter sein?

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