Polizeiansage kommt vom Automaten Warnung vor neuem Trick von Telefonbetrügern / Hohe Kosten für getäuschte Opfer / Minutenpreise bis zu zehn Euro Von Stefan Koch Minden (mt). Eine neue Masche von Telefonabzockern ist im Umlauf: Die Täter geben sich als Polizeibeamte aus und nötigen ihre Gesprächspartner, eine kostenpflichtige Nummer zu wählen - und das alles im großen Stil dank eines Anrufautomaten. Die echten Ordnungshüter warnen. Erst vor einigen Tagen hatte es eine Frau und einen Mann aus dem Raum Paderborn erwischt. In Niedersachsen machen sich die Abzocker seit Längerem in der Fläche bemerkbar. Und in Stadthagen klingelten sie nun am Mittwoch bei einer 71-Jährigen an. Am anderen Ende der Leitung sagte die Automatenstimme: "Hier spricht die Polizei". Anschließend wurde behauptet, dass es in der Region zu Datenmissbrauch gekommen sei. Um weitere Straftaten zu verhindern, müsse die Taste 1 gedrückt werden.Wie Axel Bergmann, Präventionsexperte bei der Polizei in Stadthagen, erklärt, wird beim Wählen der Nummer 1 die Verbindung zu einer Mehrwertnummer hergestellt. Minutenpreise von zehn Euro und mehr drohen denjenigen, die sich darauf einlassen. Da das Betrugsopfer selbst die Taste gedrückt habe, könne es hinterher nicht mehr die Summe zurückfordern", sagt Bergmann. "Dass der Täter auch noch behauptet, von der Polizei zu sein, macht das Vorgehen noch verwerflicher." Wie die (echte) Polizei bereits feststellte, stammt die Automatenstimme von einem Mann, der fehlerfrei und eindringlich Hochdeutsch spricht.Bei der Polizei im Kreis Minden-Lübbecke sind bislang noch keine Fälle von Opfern der Automatenstimme bekannt. Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Behörde, möchte, dass das auch so bleibt: "Derartige Anrufe am Telefon gehören nicht zum Vorgehen unserer Ermittler." Beamte stellten sich am Telefon generell mit Namen und der Dienststelle vor.Die Polizei rät, die Finger von der Taste 1 zu lassen. Bei zweifelhaften Anrufen sollten sich die Gesprächsteilnehmer mit der örtlichen Polizeidienststelle in Verbindung setzen und die Echtheit überprüfen. Das gilt auch für Fälle, in denen angebliche Kripobeamte mit falschen Dienstausweisen von Haus zu Haus ziehen.Spektrum der Tricks ist großMit Telefonabzocke per Automatenstimme hat auch die Verbaucherberatung in Minden Erfahrungen gesammelt. "Da gibt es häufiger Beschwerden", weiß Ursula Thielemann, Leiterin der Einrichtung. Zwar hat sich auch bei ihr noch niemand wegen falscher Polizeianrufe beschwert. Das Spektrum der Tricks - angefangen vom Gewinnspiel bis zum vermeintlichen Pizzabringdienst - ist aber groß. Und nicht immer ist die Wahl einer einzelnen Ziffer gefordert. Der Angerufene kann auch zu einem Rückruf veranlasst werden, ohne dass er erkennt, dass dann das Gespräch über eine kostenpflichtige 0900-Nummer läuft."Wir werden die Betrugsversuche mit der Polizeimasche zum Thema im Seniorenbeirat der Stadt Minden machen", erklärte am Mittwoch der Vorsitzende Dieter Pohl. Ältere Menschen müssten gewarnt werden.Erst vor Kurzem übrigens mussten Abzocker am Telefon feststellen, dass ältere Menschen nicht immer eine leichte Beute sind. Mit dem sogenannten Enkeltrick meldete sich ein Betrüger telefonisch bei einer 89-Jährigen in Minden (das MT berichtete) und kündigte an, eine Geldsumme abholen zu wollen. Die Seniorin rief aber die Frau des Enkels an, die dann die Polizei verständigte.

Polizeiansage kommt vom Automaten

Minden (mt). Eine neue Masche von Telefonabzockern ist im Umlauf: Die Täter geben sich als Polizeibeamte aus und nötigen ihre Gesprächspartner, eine kostenpflichtige Nummer zu wählen - und das alles im großen Stil dank eines Anrufautomaten. Die echten Ordnungshüter warnen.

Ein kleiner Druck auf eine Taste, eine große Abbuchung auf dem Bankkonto: Die Polizei warnt vor Telefonbetrügern, die die Wahl einer Ziffer fordern. - © Foto: Alex Lehn
Ein kleiner Druck auf eine Taste, eine große Abbuchung auf dem Bankkonto: Die Polizei warnt vor Telefonbetrügern, die die Wahl einer Ziffer fordern. - © Foto: Alex Lehn

Erst vor einigen Tagen hatte es eine Frau und einen Mann aus dem Raum Paderborn erwischt. In Niedersachsen machen sich die Abzocker seit Längerem in der Fläche bemerkbar. Und in Stadthagen klingelten sie nun am Mittwoch bei einer 71-Jährigen an. Am anderen Ende der Leitung sagte die Automatenstimme: "Hier spricht die Polizei". Anschließend wurde behauptet, dass es in der Region zu Datenmissbrauch gekommen sei. Um weitere Straftaten zu verhindern, müsse die Taste 1 gedrückt werden.

Wie Axel Bergmann, Präventionsexperte bei der Polizei in Stadthagen, erklärt, wird beim Wählen der Nummer 1 die Verbindung zu einer Mehrwertnummer hergestellt. Minutenpreise von zehn Euro und mehr drohen denjenigen, die sich darauf einlassen. Da das Betrugsopfer selbst die Taste gedrückt habe, könne es hinterher nicht mehr die Summe zurückfordern", sagt Bergmann. "Dass der Täter auch noch behauptet, von der Polizei zu sein, macht das Vorgehen noch verwerflicher." Wie die (echte) Polizei bereits feststellte, stammt die Automatenstimme von einem Mann, der fehlerfrei und eindringlich Hochdeutsch spricht.

Bei der Polizei im Kreis Minden-Lübbecke sind bislang noch keine Fälle von Opfern der Automatenstimme bekannt. Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Behörde, möchte, dass das auch so bleibt: "Derartige Anrufe am Telefon gehören nicht zum Vorgehen unserer Ermittler." Beamte stellten sich am Telefon generell mit Namen und der Dienststelle vor.

Die Polizei rät, die Finger von der Taste 1 zu lassen. Bei zweifelhaften Anrufen sollten sich die Gesprächsteilnehmer mit der örtlichen Polizeidienststelle in Verbindung setzen und die Echtheit überprüfen. Das gilt auch für Fälle, in denen angebliche Kripobeamte mit falschen Dienstausweisen von Haus zu Haus ziehen.

Spektrum der Tricks ist groß

Mit Telefonabzocke per Automatenstimme hat auch die Verbaucherberatung in Minden Erfahrungen gesammelt. "Da gibt es häufiger Beschwerden", weiß Ursula Thielemann, Leiterin der Einrichtung. Zwar hat sich auch bei ihr noch niemand wegen falscher Polizeianrufe beschwert. Das Spektrum der Tricks - angefangen vom Gewinnspiel bis zum vermeintlichen Pizzabringdienst - ist aber groß. Und nicht immer ist die Wahl einer einzelnen Ziffer gefordert. Der Angerufene kann auch zu einem Rückruf veranlasst werden, ohne dass er erkennt, dass dann das Gespräch über eine kostenpflichtige 0900-Nummer läuft.

"Wir werden die Betrugsversuche mit der Polizeimasche zum Thema im Seniorenbeirat der Stadt Minden machen", erklärte am Mittwoch der Vorsitzende Dieter Pohl. Ältere Menschen müssten gewarnt werden.

Erst vor Kurzem übrigens mussten Abzocker am Telefon feststellen, dass ältere Menschen nicht immer eine leichte Beute sind. Mit dem sogenannten Enkeltrick meldete sich ein Betrüger telefonisch bei einer 89-Jährigen in Minden (das MT berichtete) und kündigte an, eine Geldsumme abholen zu wollen. Die Seniorin rief aber die Frau des Enkels an, die dann die Polizei verständigte.

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